Verfasst von: Enrico Kosmus | 18. März 2017

Sektiererei im tibetischen Buddhismus? – Ein Survival-Handbuch!

Von Thekchok Dorje

castle-1255846_1920Wenn du dich in den vielen sektiererischen Fallen des tibetischen Buddhismus nicht verfangen willst, benutze bitte deinen Verstand! Das ist der tiefgründigste Rat, der vom Dalai Lama rund um die Welt viele Male erteilt wird. Mit anderen Worten – sei klug!
Buddhismus ist nun 2.500 Jahre alt und die tibetische Tradition ist etwas mehr als 1.100 Jahre alt. Das ist eine große und komplexe Religion, mit vielen philosophischen Schulen, Traditionen, Zweigen, Variationen und Sekten. Um in der Lage zu sein, sektiererisches Verhalten zu vermeiden, muss man lernen, den echten Dharma zu finden. Das ist nicht einfach, da viele sektiererische Lehren über die Jahrhunderte gelehrt wurden.
Hier folgt nun mein Versuch, dieses Thema nun ein wenig mit einfachen Worten zu erklären. Ich werde auch versuchen, auf ein paar andere schwierige Punkte hinzuweisen, die damit zusammenhängen. Hoffentlich wird es von Nutzen sein, besonders für neue Dharma-Praktizierende.

Haupttraditionen des Buddhismus (Yanas, Fahrzeuge)

Die Einteilung gemäß der Tibeter ist:

  • Hinayana
  • Mahayana
  • Vajrayana

Das Hinayana besteht auf dieser Erde nicht mehr. Die Theravada-Tradition ist viel mehr als nur Hinayana und sollte nicht als solches identifiziert werden.
Das Mahayana teilt sich in zwei Sektionen: das Mahayana der Sutras und das Mahayana der Tantras (Vajrayana). Die Tradition des Zen ist viel mehr, als nur das Mahayana der Sutras, aber wurzelt darin.
Dzogchen ist auch Vajrayana, da unterhalb der neunten Dzogchen-Stufe die Sub-Yanas eigentlich Tantras sind.
Es gibt eine starke Tendenz in tibetischen Schulen, das Vajrayana zu verherrlichen und die (sozusagen) „niederen“ Yanas zu diskreditieren, indem darauf hingewiesen wird, dass nur das Vajrayana dich zur vollen Buddhaschaft in einem Leben führen kann. Sie bezeichnen Mahayana und Theravada als untergeordnete Methoden und sagen, dies sei etwas für Menschen mit geringeren Fähigkeiten. Das ist ein falsches Denken und sehr sektiererisch. Glaubt ihr wirklich, liebe Leute, dass ein älterer Mönch der Theravada-Tradition, der den gesamten Palikanon der Sutras auswendig aufsagen und aus seinem Gedächtnis eine vollständige Erklärung geben kann, weniger fähig ist als ein Praktizierender des Vajrayana, der bloß eine Mala des Mantras täglich aufsagen kann? Klar, die Methoden sind verschieden für unterschiedliche Arten von Menschen, aber keine ist überlegen. Das ist eine falsche Art des Denkens.
Alle buddhistischen Traditionen wurden vom Buddha Shakyamuni gelehrt und alle führen zur Erleuchtung. Daher sollten gemäß der tantrischen Gelübde (samaya) die Praktizierenden des Vajrayana alle Lehren des Buddha mit der selben Achtung respektieren.
WARNUNG! Wenn Lehrer oder langjährig Praktizierende sagen, dass ihr Yana oder Dharma besser ist, überlegen oder höher als andere, dann ist das ein Warnhinweis für sektiererische Manipulation.

Schulen des tibetischen Buddhismus

Es gibt viele. Im Allgemeinen unterscheiden wir fünf Hauptschulen, die sich wiederum aus vielen Zweigen und Untergruppen zusammensetzen:

  • Nyingma (auch „Schule der Alten Übersetzungstradition“ genannt);
  • Sakyapa;
  • Kagyupa;
  • Jonangpa;
  • Gelugpa.

Alle Schulen des tibetischen Buddhismus haben ihre Wurzeln in der alten indischen Klosteruniversität Nalanda. Daher ist – wie vom Dalai Lama oftmals ausgesprochen – der tibetischen Buddhismus die buddhistische Tradition Nalandas. Einige Schulen wurden später durch die Lehren vieler großer Meister erweitert, daher auch die Unterschiede.
Bön ist eine spirituelle Tradition, aber keine buddhistische Tradition Tibets, die aber in hohem Maße von den Dzogchen-Lehren beeinflusst ist. Der Dalai Lama sagt über Bön: „Bön ist die älteste tibetische Tradition Tibets und da sie die angestammte Quelle der tibetischen Kultur ist, spielt sie eine bedeutende Rolle indem sie die Tibets einzigartige Identität formt. Daher habe ich konsequenterweise die Wichtigkeit des Bewahrens dieser Tradition betont.“
WARNUNG! Wenn Lehrer oder langjährig Praktizierende sagen, dass ihr Yana oder Dharma besser ist, überlegen oder höher als andere, dann leuchtet das Alarmlämpchen rot wegen sektiererischer Manipulation.

Die höchsten Dharma-Systeme gemäß dem Vajrayana

  • Madhyamaka – der Mittlere Pfad: Mittel der Dharma-Studien, um mittels Erkenntnis, Studium, Kontemplation und Meditation die höchste Realisation zu erlangen;
  • Mahamudra – das Große Siegel: im Allgemeinen ein Stufenpfad durch meditative Erfahrung;
  • Dzogchen – die Große Vollkommenheit: der direkte Pfad durch direkte meditative Erfahrung.

Alle Systeme bringen dasselbe Resultat, aber von unterschiedlicher Richtung. Realisiert man eines, dann bringt das die Verwirklichung aller anderen zur selben Zeit (zitiert aus dem Mahamudra-Gebet des 3. Karmapa). Daher gibt es kein besseres oder schlechteres System.
WARNUNG! Wenn Lehrer oder langjährig Praktizierende sagen, dass ihr Yana oder Dharma besser ist, überlegen oder höher als andere, dann leuchtet das Alarmlämpchen rot wegen sektiererischer Manipulation.

Nicht vermischen

Das wird sehr oft von langjährig Praktizierenden den jüngeren Dharma-Praktizierenden gesagt, die glauben, dass das Mischen der Lehre einer Tradition mit anderen Traditionen den Anfängern auf diese Weise schadet, da sie es nicht verstehen würden und verrückt werden oder die Dharmapalas (machtvolle Wesen, Beschützer des Buddhismus) beleidigen würden.
Nun gut, wir sind kluge Leute… Wir sind zum Buddhismus gekommen, weil wir Erkenntnis und Erleuchtung suchen. Viele von uns haben zumindest die Pflichtschule abgeschlossen, mit schwierigeren Fächern als den Unterschieden zwischen den tibetischen Traditionen oder Gottheiten.
Lerne einfach von verschiedenen Lehrern. Das ist tatsächlich nicht gefährlich. Sei klug! Die Dharmapalas sind glücklich, wenn du weiser wirst!
Auf einer sehr fortgeschrittenen Stufe der Meditationstechniken wählen die Yogis/Yoginis oft einen Pfad oder eine Tradition, aber das hat einfach ganz praktische Gründe. Sie haben keine Zeit, etwas anderes zu praktizieren, weil es entlang des Pfades eine Menge zu tun gibt.
WARNUNG! Wenn du hörst, „vermische die Traditionen nicht“, dann leuchtet das Alarmlämpchen rot wegen sektiererischer Manipulation.

Bodhicitta

Das ist eine der wichtigsten Lehren des Buddha. Im Grunde die wichtigste für alle Traditionen. Im Theravada übt man sich auch darin, Mitgefühl zu entwickeln. Aber der Hauptfokus findet sich dabei natürlich im Mahayana (einschließlich dem Vajrayana).
Es gibt keine Vajrayana ohne Bodhicitta! Wer immer dir anderes erzählt, manipuliert dich. Tantrische Techniken wurden für den Zweck der rascheren Realisation des Ziels der Erlösung [Befreiung] des Bodhisattva angenommen. Da führt kein Weg daran vorbei. Es gibt das relative und absolute Bodhicitta, das zweite sind die Lehren über Shunyata. Wie der 3. Karmapa schrieb: „Im Ausdruck der liebenden Güte ist die Wahrheit ihrer wesentlichen Leerheit nackt und klar. Die Einheit ist der überragende, fehlerlose Pfad.“ Daher bezeichnet die Leerheit des absoluten Bodhicitta keinen Mangel an Mitgefühl auf relativer Ebene.
WARNUNG! Wenn du hörst, dass Vajrayana oder Dzogchen dem Mahayana überlegen sei oder dass Mitgefühl etwas für sentimentale Menschen wäre, dann leuchtet das Alarmlämpchen rot wegen sektiererischer Manipulation.

Guru

Das kann ein eigener Punkt zu diesem Thema sein.
Wer kann Guru sein?
Einteilung, die auf Alter beruht:

  • voll ordinierter Mönch
  • alterer Mönch oder ältere Nonne
  • ein älterer Yogi-Praktizierender.

Einteilung, die auf Studium beruht:

  • Acharya – ein Magister der Philosophie in buddhistischen Studien
  • Geshe/Khenpo – ein Doktor in höheren buddhistischen Studien

Einteilung basierend auf dem Grad der spirituellen Verwirklichung:

  • Lama (Lehrer) – gewöhnlich eine Person mit großer meditativer Erfahrung
  • Tulku – eine Person, die als wiedergeborener Meister anerkannt wurde, die in ihrem früheren Leben Guru war
  • Rinpoche – ein Titel, der einigen Lamas, Geshes, Khenpos oder Tulkus verliehen wird, wenn sie eine hohe Stufe der Verwirklichung erlangen (Bitte bedenke, einige Tulkus werden aus Respekt Rinpoche genannt, ungeachtet ihres Grades der Verwirklichung).

Wie man einen authentischen Guru erkennt:
Der Buddha hat Rat gegeben, wie man einen guten Dharma-Lehrer erkennt – Udayi Sutta: Über Udayin
Qualitäten eines Mahayana Guru
Auf verschiedene Arten:
Es gibt keine Regel, dass man nur einem Guru folgen darf, im Gegenteil, du kannst von vielen Gurus lernen und wenn du nach einiger Zeit wünscht, einen auszuwählen und ihm oder ihr zu folgen, dann wähle einen der für dich der gütigste war (Freigiebig im Dharma) und behandle alle anderen mit Respekt und Dankbarkeit.
WARNUNG! typisch für Alarmstufe Rot:

  • „Folge keinen anderen Lehrern, nur mir.“
  • Aus persönlichen Gründen um Geld bitten oder auch um seine oder ihre Aktivitäten zu unterstützen.
  • Ich muss so offensichtliche Dinge wie kriminelle Handlungen, sexuellen Missbrauch etc. nicht erst besonders erwähnen.

Linie

In allen Traditionen des Buddhismus ist die Linie wesentlich. Deshalb sind wir sicher, dass die Übertragung der ursprünglichen buddhistischen Lehren bis heute eine ungebrochene Überlieferungslinie haben. Frage daher immer die Lehrer oder den Guru nach seiner Linie und wie diese mit dem Buddha verbunden ist. Allgemein sind die meisten Linien gut bekannt und haben eine große Anzahl an Vertretern, somit kannst du das einfach überprüfen. Sei vorsichtig bei Gurus, die behaupten, dass sie direkte Visionen oder Lehren vom Buddha haben. Das kann gelegentlich richtig sein (beispielsweise bei tibetischen Termas), kann aber auch oft falsch sein. Gurus, die wirklich direkte Übertragungen und Visionen haben, sind entweder Tertöns (einer der früheren 25 Schüler von Padmasambhava) oder sie haben einen hohen Grad der spirituellen Realisation durch ihre früheren Bemühungen erlangt, daher ist es einfach zu prüfen, wo sie zuvor studiert und was sie erreicht haben.
WARNUNG! Wenn du hörst, dass der Lehrer Visionen vom Buddha oder Gottheiten hat, aber stattdessen eine gewöhnliche Person ohne einen Lehrplan aus früheren Bemühungen und buddhistischer Ausbildung in Sutras und Tantras ist, dann leuchtet das Alarmlämpchen rot wegen sektiererischer Manipulation. Dasselbe trifft auf Gurus zu, die behaupten, sie würden keine Linie benötigen oder ihre Linie wäre neu.

Hingabe

Wie der Dalai Lama oftmals sagt, Buddhisten sollten eine kluge Hingabe haben, basierend auf Prüfung und Erfahrung. Er geht sogar noch weiter, indem er sagt, „spioniere deinen Guru aus“. Nur wenn du dir zu 100% sicher bist, dass er das Verhalten einhält, rechte Disziplin usw. und seine/ihre Lehren deinen Geist wandeln, nur dann lasse Hingabe entstehen. Jede andere Art der Hingabe ist wie das Stehen auf dünnem Eis, ein einfacher Schritt führt zum Einbrechen.
Hingabe zum Buddha, den Yidams [Mediationsgottheiten], Dakinis und Dharmapalas sollte auf der Grundlage eines Verständnisses erfolgen, dass sie erleuchtete Eigenschaften deines eigenen Geistes darstellen.
WARNUNG! Wenn du hörst, du solltest Vertrauen haben und kein Bedarf an Studien besteht, Mitgefühl entwickeln oder zu meditieren, dann ist das eine Art des Buddhismus, die einfach zur Anbetung einer Gottheit verkommt und dann sollten die Alarmglocken wegen sektiererischer Manipulation laut schrillen.

Samaya

Das Samaya (tib., dam tshig) ist ein Set an Gelübden oder Vorsätzen, das den Eingeweihten eines esoterischen Ordens im Vajrayana-Buddhismus als Teil der Abhisheka-Zeremonie (Ermächtigung oder Einweihung) gegeben werden, die ein Band zwischen dem Guru und dem Schüler schafft.
Die Samaya-Gelübde sind sehr wichtig, sie richtig einzuhalten, ist schon ein Pfad an sich. Jede Ermächtigung hat ein Samaya, egal ob es nun im Detail erklärt wird oder nicht. Frage daher immer den Lehrer nach dem Samaya, das mit einer speziellen Ermächtigung verbunden ist und wenn notwendig, frage nach den Einzelheiten. Mache dir Notizen zum Samaya und erinnere dich jeden Tag an sie und versuche sie rein zu halten.
Es gibt zwei Verhaltensweisen, die man bei Lehrern in Bezug zum Samaya antreffen kann:

  • Ein Lehrer mag das Samaya nicht vor der Ermächtigung erklären und überrascht die Schüler dann mit einer plötzlichen Verpflichtung.
  • Ein Lehrer kann viel zu viele Samayas besonders in Bezug auf die tägliche Praxis oder die Mantra-Wiederholung geben, sodass man sich für einen bestimmten Zeitraum jeden Tag verpflichten muss, um diese Verpflichtungen zu erfüllen.

Ich möchte nicht behaupten, das wären Signale für sektiererische Manipulation, aber man sollte darüber nachdenken und vorsichtig dabei sein. Viele Samayas zu halten, kann schwierig sein, wenn man Laienpraktizierender ist und arbeiten oder der Familie helfen muss.
WARNUNG! Wenn der Lehrer dir Samayas gibt, die den Bodhicitta-Gelübden widersprechen, dann ist das ein Warnsignal für sektiererische Manipulation. Ein Samaya sollte dein Liebe, dein Mitgefühl und deine Weisheit vermehren, und nicht gegen sie sein.

Dharma

Der Dharma bzw. die Lehren des Buddha sind sehr tiefgründig. Wie könnte der Dharma ohne Lehrer verstanden werden? Somit besteht ein Dilemma – wem kann man mehr trauen? Unserer eigenen Intuition und unserem Verständnis oder einem Lehrer vertrauen, der den Dharma erklärt?
Der Dalai Lama sagt, dass es heutzutage sehr schwierig ist, einen reinen authentischen Lehrer zu finden. Daher sagt er, mehr dem geschriebenen Dharma zu vertrauen – den Schriften – Sutras, Tantras und Kommentaren. Andererseits sagt er auch, dass buddhistische Logik und Praxis auf dem Konzept beruhen, dass die Dharma-Schriften fehlerlos sind. Er empfiehlt persönliche Überprüfung und durch Erfahrung herauszufinden, ob die Dharma-Schriften richtig sind. Das ist ein ziemlich wissenschaftlicher Ansatz.
WARNUNG! Die Lehren des Gurus müssen auf dem geschriebenen Dharma beruhen (mit Ausnahme der persönlichen meditativen Erfahrung). Frage immer nach der Quelle der Lehren, sei es Sutra, Tantra oder Kommentar. Wenn ein Guru die genaue Quelle nicht nennen kann, aber dennoch behauptet, das wäre buddhistische Lehre, dann ist das ein Warnzeichen für sektiererische Manipulation.

Sangha und „Dharma-Polizei“

Sangha oder die Versammlung der Praktizierenden ist ein breiter Begriff und wird sowohl dafür verwendet, um die Arya Sangha – die kostbaren Wesen wie den großen Bodhisattvas etc. zu beschreiben, wie auch einfach die Versammmlung oder die monastischen oder yogischen Praktizierenden und die Laien.
Es gibt ein allgemeines Missverständnis dabei, die Mönche und Nonnen als Sangha zu bezeichnen, aber nicht die Yogis oder Laien. Naja, eigentlich ist das die Sicht des Theravada. Aus Sicht des Vajrayana gehören auch Yogis und Laienpraktizierende zur Sangha und halten oft Samayas, die dieselben sind wie die Monastischen.
„Dharma-Polizei“ ist ein Begriff, der verwendet wird, um ältere Praktizierende zu beschreiben, die einen Trieb zur Kontrolle verspüren, ob du deine Verpflichtungen erfüllst oder nicht. Die deine Samayas und deine Moral überprüfen. Lass sie das bitte nicht tun! Das ist nicht ihr Geschäft! Wie du die Samayas hältst und was du machst, ist eine Angelegenheit deines eigenen Geistes und vielleicht deines Gurus. Niemand anderer hat das Recht, dich darum zu bitten.
WARNUNG! Wenn du den Eindruck hast, dass ältere Praktizierende sich zu viel dafür interessieren, was du machst oder nicht machst und versuchen, das zu beeinflussen oder zu steuern, dann sollten die Alarmglocken wegen sektiererischer Manipulation schrillen.

Zeitalter des Niedergangs und Weltuntergang

Ja, wir leben in einem Zeitalter des Niedergangs (manchmal „Kaliyuga“ genannt), das einen signifikanten Einfluss auf unsere Emotionen und unsere Wahrnehmung hat. Dennoch sollten wir das Universum nicht für unsere Fehler verantwortlich machen. Samsara ist Leiden, egal welches Yuga oder Zeitalter ist. Wir können Erleuchtung in jedem Yuga erlangen, das spielt keine Rolle.
Einige Lehrer im Westen lieben es, diese Information über das Kaliyuga zu sehr zu verwenden, indem sie etwas wie eine biblische Apokalypse oder eine andere Art von Weltuntergang daraus machen. Weil es ist einprägsam und Westler lieben diese Vorstellung. Tatsächlich wissen wir aber nicht, ob wir unseren Atem in den nächsten zehn Minuten aushauchen oder nicht. Sich über Weltuntergänge zu sorgen, macht also überhaupt keinen Sinn.
In ein paar Sutras erklärt der Buddha eigentlich, wenn jemand wahres Mitgefühl während des Zeitalter des Verfalls entwickelt, dass der angesammelte Verdienst für diesen millionenmal größer ist, als wenn jemand das während eines anderen Zeitalters macht. (Quelle erforderlich)
Daher verstehen wahre Praktizierende das Zeitalter des Niedergangs als Gelegenheit und nicht als Katastrophe. Bitte erinnere dich daran!
WARNUNG! Wenn ein Lehrer oder eine Gruppe viel zu viel über das Zeitalter des Niedergangs spricht, also ob sie Leute in die Depression stürzen möchten, dann ist das ein Warnhinweis für sektiererische Manipulation.

Tibeter

Tibetische Menschen sind wirklich sehr nett, Zeitalter buddhistischer Praxis ist in ihrem Blut. Dennoch sind sie Menschen mit Emotionen und Karma. Ja, es gibt heilige Tibeter, aber es gibt auch Mörder und Kriminelle unter ihnen. Genauso wie in jeder anderen Nation.
Auch nicht alle Tibeter praktizieren den Dharma, nicht alle Tibeter haben ein Wissen über den Dharma. Bleib einfach weise, nicht naiv!
Keine Gefahr.

Die „Tibetische Sache“

Da wir den Dalai Lama lobpreisen, sind wir ein bisschen in die tibetische Angelegenheit verwickelt, ob es sich nun um Unabhängigkeit des Landes oder Menschenrechte geht. Jedoch in die tibetische Sache involviert zu sein, sollte nicht Hass oder Wut den chinesischen Menschen gegenüber erzeugen. Und es ist beleidigend, alle Chinesen für das tibetischen Leiden verantwortlich zu machen. Das ist ein Missverständnis und sehr leidvoll für unsere chinesischen Brüder und Schwestern.
Keine Gefahr.

Klösterliche Wohltätigkeitsorganisationen

Wenn wir unser Geld westlichen Wohltätigkeitsorganisationen spenden, dann prüfen wir die Organisation und den Fall sehr genau, oder? Wir würden nicht einen Euro geben, ohne uns zu vergewissern, dass es für etwas Rechtmäßiges ist. Warum sollten wir das nicht auch im Falle von buddhistischen Wohltätigkeitsorganisationen tun? Nur weil jemand Roben trägt, macht das die Person noch nicht ehrbar und gut. Wohltätigkeit sollte sichtbar sein und ihre Finanzen offenlegen oder ihren jährlichen Tätigkeitsbericht veröffentlichen oder es sollte möglich sein, das zu überprüfen, falls erforderlich. Ehrlich Leute, seid nicht naiv.
Keine Gefahr.

Geschäfte mit dem Dharma

Wir sind oft Melkkühe für alle mit dem Dharma verbundenen Geschäfte, einschließlich der Lehren selbst. Da gibt es das falsche Verständnis unter den Westlern, dass wir für etwas zahlen müssen, um es wert zu schätzen. Das ist so verkehrt. Basierend auf diesem falschen Verständnis werden wir seit den 1970ern gemolken, indem wir privates Glück in Indien und anderen Ländern finden. Ich spreche nicht über die goldenen Dächer der Klöster. Ich spreche über Familien der Lehrer, die wie Millionäre leben. In Asien werden buddhistische Veranstaltungen oft gesponsert. Die Leute geben Geld, um es anderen zu ermöglichen, gratis an den Lehren teilzunehmen. Das wäre großartig, wenn wir das im Westen auch fördern könnten.
WARNUNG! Wenn dein Lehrer oder die Gruppe zu viel Geld für die Lehren oder die Veranstaltungen bittet, ohne eine gute Begründung, dann ist das ein Warnsignal für sektiererische Manipulation.

Gefährliche Sekten

Ja, es gibt sie. Es gibt gefährliche tibetische buddhistische Sekten. Erinnert euch daher an diese Hinweise und prüft. Seid klug!
Ich möchte hier keine Gruppe nennen und blamieren, aber wenn ihr nach gefährlichen tibetischen buddhistischen Sekten und Lehrern such, dann werdet ihr genügend Information erhalten.

Verfasst von Thekchok Dorje; europäischer Dharma-Schüler und Vajrayana-Rime-Praktizierender seit 1993
Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2017). Möge es von Nutzen sein!
Das englische Original findet sich Hier und HIER.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 15. März 2017

Tibetan Buddhism sectarianism – a survival guide

by Thekchok Dorje

buddha-1768481_1920If you don’t want to be caught by many sectarian traps in Tibetan Buddhism please utilize your intelligence! This is the most profound advice given many times around the world by His Holiness Dalai Lama. In other words – be smart!
Buddhism is 2500 years old and Tibetan tradition more 1100 years old. This is large and complex religion with many philosophical schools, traditions, branches, variations and sects. To be able to avoid sectarianism one need to learn how to find true Dharma. This is not easy, many of sectarian teachings are taught for centuries.
Below is my attempt to explain a little about this topic in simple words. I will also try to address some other difficult topics related. Hope it will be useful especially for new Dharma practitioners.

1. Major Buddhist traditions (=yanas =vehicles):

Classification according to Tibetans is:

  • Hinayana
  • Mahayana
  • Vajrayana

Hinayana does not exist anymore on the Earth.
Theravada tradition is much more than Hinayana and should not be identified as such.
Mahayana divides into two sections: Mahayana of sutras and Mahayana of tantras (Vajrayana).
Zen tradition is much more than Mahayana of sutras, but roots are there.
Dzogchen is Vajrayana too, as lower of 9 Dzogchen sub-yanas are in fact tantras.
There is strong tendency in Tibetan schools to glorify Vajrayana and discredit “lower” (as they say) yanas, by pointing out that only Vajrayana can bring you to full Buddhahood in one life time. They call Mahayana and Theravada lower methods and say it’s for people with lower capacities. This is wrong thinking and very sectarian. Do you guys honestly think that senior monk of Theravada – who memorized whole Pali Canon of sutras and can give full explanation from his memory – has less capacity than Vajrayana practitioner who can barely chant one rosary of mantra daily? Yes methods are different for different kind of people, but none is superior – this is wrong way of thinking.
All Buddhist traditions were taught by Buddha Shakyamuni and all leads to enlightenment.
Actually there is less known concept of Ekayana (one vehicle) which says all traditions are in fact one path which leads to full enlightenment.
Also according to tantric vows (samaya) Vajrayana practitioners should respect all teachings of Buddha with the same regard.
Warning signal – if teacher or fellow practitioners are saying their Yana or Dharma is better, superior or higher than others – this is a warning of sectarian manipulation.

2. Schools of Tibetan Buddhism

There are many. In general we distinguish 5 major schools – they contain many branches and sub-traditions:

  • Nyingmapa (called also old school),
  • Sakyapa,
  • Kagyupa,
  • Jonangpa,
  • Gelugpa,

All schools of Tibetan Buddhism have their roots in ancient Indian University of Nalanda. Therefore as often spoken by Dalai Lama – Tibetan Buddhism is in fact – Nalanda Buddhism tradition. Some schools were enriched later by teachings of many great masters – therefore differences.
– Bon is spiritual non Buddhist tradition of Tibet highly influenced by Dzogchen teachings.
HH Dalai Lama says this about Bon: „Bon is Tibet’s oldest spiritual tradition and, as the indigenous source of Tibetan culture, played a significant role in shaping Tibet’s unique identity. Consequently, I have often stressed the importance of preserving this tradition.”
Warning signal – if teacher or fellow practitioners are saying their tradition or Dharma is better, superior or higher than others – this is a warning red alert of sectarian manipulation.

3. The highest Dharma systems according to Vajrayana:

  • Madhyamika – middle way – means of Dharma studies to achieve highest realization via knowledge, study, contemplation and meditation,
  • Mahamudra – great seal – gradual path through meditative experience,
  • Dzogchen – great perfection – immediate path through direct meditative experience,

All systems bring the same result but from different angle. Achieving one brings realizations of all of them at the same time (quote from 3rd Karmapa’s Prayer of Mahamudra) – therefore there is no better or worst system.
Warning signal – if teacher or fellow practitioners are saying their system or method is better, superior or higher than others – this is a warning red alert of sectarian manipulation.

4. “Don’t mix”

This is spoken very often to new Dharma practitioners by fellow practitioners, who believe mixing teaching of one tradition with other traditions can harm beginners in this way that they cannot comprehend and can get crazy, or offend Dharmapalas (powerful spirits – protectors of Buddhism).
Well, but we are smart people… We came to Buddhism because we seek knowledge and enlightenment. Most of us finished at least secondary school, with more difficult subject than differences between Tibetan traditions or deities.
Just learn from different teachers – there is no danger really! Be smart! Dharmapalas will be happy if you get wiser!
At very advanced level of meditation techniques yogis/yoginis often choose one path or tradition, but this is due to simple practical reason – there is no time to practice something else, there is a lot to do anyway on one path.
Warning signal – if you hear “don’t mix” traditions – this is a warning red alert of sectarian manipulation.

5. Bodhichitta

Bodhichitta or „enlightenment-mind” is the mind that strives toward awakening and compassion for the benefit of all sentient beings.
This is one the most important teachings of Buddha. The most important for all traditions actually. Theravada too trains to develop compassion. But of course major focus is in Mahayana (including Vajrayana).
There is no Vajrayana without Bodhichitta! Whoever tells you otherwise is manipulating you.
Techniques of tantra are adopted for purpose of faster realization of soteriological goal of Bodhisattva. No other way around. There is relative and absolute Bodhichitta, second one are teachings about Sunyata. As 3rd Karmapa wrote – “In expressions of loving kindness, the truth of its essential emptiness is nakedly clear. This unity is the supreme unerring path”. Therefore emptiness of absolute Bodhichitta does not justify lack of compassion on relative level.
Warning signal – if you hear that Vajrayana or Dzogchen is above Mahayana or that compassion is for sentimental people – this is red alert of sectarian manipulation.

6. Guru:

This can be one separate topic on the issue.

Who can be Guru?
Classification based on seniority:

  • Fully ordinate monk,
  • Senior monk/nun,
  • Senior yogi practitioner,

Classification based on studies:

  • Acharya – Master of philosophy in Buddhist studies,
  • Geshe/Khenpo – PhD in Buddhist higher studies,

Classification based on level of spiritual realization:

  • Lama (teacher) – usually person with great meditational experience,
  • Tulku – person to be recognized as reincarnated master – who was Guru in previous life,
  • Rinpoche – title given to some Lamas, Geshes, Khenpos or Tulkus when they achieve high level of realization (Please note – some tulkus are called Rinpoche out of respect despite their level of realization).

How to recognize authentic Guru:
Buddha advice how to recognize a good Dharma teacher – Udayi Sutta: About Udayin
https://www.facebook.com/notes/mahakala/buddha-advice-how-to-recognise-a-good-dharma-teacher-udayi-sutta-about-udayin/436771289706844

Qualities of a Mahayana Guru:
https://www.facebook.com/notes/mahakala/qualities-of-a-mahayana-guru/969632546420713

One versus many:
There is no rule that you need to follow only one Guru, on the contrary you can learn from many Gurus, and after sometimes if you wish to choose one and follow him/her closely – choose one who was the most kind for you (generosity of Dharma) and treat all others with respect and gratitude.
Warning signal – typical red alerts:
“Don’t follow other teachers, only me”
Asking for money for personal use,
asking for money for supporting his/her activities,
I don’t have to mention obvious like criminal activities, sexual abuse etc.

7. Lineage:

In all traditions of Buddhism lineage is essential. This way we are certain that transmission of original Buddha teachings are passed in unbroken lineage until today. Therefore always ask teachers or Guru about his lineage and how it connects to Buddha. In general most of lineages will be well known and have large number of representatives so you can easily check. Be cautious about Gurus who claim they have direct visions or teachings from Buddha. This may be true on occasion (for example Tibetan termas) but often can be false. Gurus who actually have direct transmitions and visions are either Tertons (one of former 25 disciples of Padmasambhava) or they achieved high level of spiritual realization through their previous effort, therefore it’s easy to check who they study with before and what they achieved.
Warning signal – if you hear that teacher had visions from Buddha or deities, but it rather ordinary person without curriculum of previous effort and Buddhist education in sutras and tantras – this is red alert of sectarian manipulation. The same goes for Gurus who claim they don’t need lineage or their lineage in new.

8. Devotion:

As HH Dalai Lama often says, Buddhists should have smart devotion, based on observation and experimentation. He goes even further by saying “spy on your Guru”. Only if you are 100% sure he keeps conduct, right ethics and his/her teachings changed your mind – only then give rise to devotion. Any other kind of devotion is like standing on thin ice, simple step can crack it.
Devotion towards Buddha, Yidams, Dakinis, and Dharmapalas should be based on understanding that they represent enlightenment qualities of our own mind.
Warning signal – if you hear that you should have faith and no need to study, develop compassion or meditate – this kind of Buddhism becomes just simple deity worshipping and this is red alert of sectarian manipulation.

9. Samaya:

The samaya (Tib: damtsig) is a set of vows or precepts given to initiates of an esoteric Vajrayana Buddhist order as part of the abhiṣeka (empowerment or initiation) ceremony that creates a bond between the guru and disciple.
Samaya vows are very important, to keep them correctly is a path itself. Every empowerment have samaya, whenever they are explained in details or not. Please always ask teacher about samaya connected with specific empowerment and ask for details if necessary. Make notes on samaya and remember them every day and try to keep pure.
There are two behaviours which one can meet from teacher in regards of samaya:

  • teacher may not want to explain samaya before empowerment and after surprise student with sudden commitment,
  • teacher can give too many samaya especially in regards of daily practice or mantra repetition, so that one will have to commit certain amount of time every day to fulfil these commitments.

I wouldn’t say these are signals of sectarian manipulation but something to consider and be cautious about. Keeping many samayas may become difficult if you are lay practitioner and need to work or help family.
Warning signal if teacher is giving you samaya to do which are against Bodhichitta vows this is red alert of sectarian manipulation. Samaya should enrich your love, compassion and wisdom, not go against them.

10. Dharma:

Dharma or teachings of Buddha are very profound. However Dharma cannot be understood without teacher. So there is a dilemma – whom to trust more? Our own intuition and understanding or trust teacher who explains Dharma?
His Holiness Dalai Lama says that these days it is rather difficult to find pure authentic spiritual teacher therefore he says trust more written Dharma – scriptures – sutra, tantra and commentaries. On the other hand he also says, that Buddhist logic and practice is based on concept that Dharma scriptures are unmistaken. He suggests personal investigation, and through experimentation to find out whenever Dharma scriptures are correct. This is pretty much scientific approach.
Warning signal – Guru’s teachings must be based on written Dharma (with exception of personal meditative experience). Always ask for source of teachings, which sutra/tantra or commentary. If Guru cannot point the exact source but still claims this is Buddha teachings – this is red alert of sectarian manipulation. 

11. Sangha and „Dharma police“:

Sangha or gathering of practitioner is wide term and is both used to describe Arya Sangha – precious beings like great Bodhisattwas etc. as well as just gathering or practitioners monastic, yogic and lay.
There is common misunderstand in regards of treating monastic as Sangha, but yogic or lay not. Well actually this is Theravada view. From Vajrayana point of view Yogi and lay practitioners are sangha too, and often keeps samaya vows which are the same noble as monastic.
“Dharma police” is term used to describe senior practitioners who have an urge to control whenever you fulfil your commitments or not. Checking your samaya and your ethics. Please don’t let them! This is none of their business. How you keep samaya and what you do is a matter of your own mind and eventually your Guru. Nobody else have right to ask you about that.
Warning signal – if you feel your fellow practitioners are taking too much interest in what you are doing or not doing, and try to influence this or control – this is red alert of sectarian manipulation.

12. Degeneration age and dooms day:

Yes we are living in degeneration age (sometimes called Kali-Yuga) which has significant impact on our emotions and perception, however we should not blame cosmos for our wrong doings. Samsara is suffering no matter what Yuga or age is. We can achieve enlightenment in whatever Yuga, it doesn’t matter.
Some teachers in the west love to overuse information about Kali-Yuga making from it something similar to biblical apocalypse or any other dooms day – because it’s catchy and westerners loves this idea. In fact we don’t know if we will be breathing in next 10 minutes, worrying about dooms day makes no sense at all.
In fact in some sutras Buddha explained that if someone develops true compassion during degeneration age, their accumulated merit is million times bigger than doing the same during different age (source required).
So real practitioners see degeneration age as opportunity, not disaster. Please remember this!
Warning signal – if teacher or group talks about degeneration age too extensive, like they would like to put people in depression – this is red alert of sectarian manipulation.

13. Tibetan people:

Tibetan people are indeed very nice, ages of Buddhist tradition is in their blood. However they are still people with emotions and karma. Yes there are holy Tibetans but there are also murderers and criminals among them – like in every other nation.
Also not all Tibetans practice Dharma, not all Tibetans have any knowledge about Dharma too. Just be wise, not naïve.
No warning signal

14. Tibetan cause:

Since we praise Dalai Lama we are a little bit involved in Tibetan cause, whenever it is about independence of the country or human rights. However being involved in Tibetan cause should not generate hatred or anger towards Chinese people. And it is abuse to call all Chinese people responsible for Tibet sufferings. This is misunderstanding and very harmful for our Chinese brother and sisters.
No warning signal

15. Monastic charities:

When we offer our money to western charities we are checking very well organization and cause, aren’t we? We won’t give $1 without making sure it’s for legitimate cause. Why wouldn’t we do it in case of Buddhist monastic charities? Somebody wearing robes doesn’t make that person honest and good. Charities should be visible and have their financials or annual report of activities published or available to be investigated if requested. Honestly friends don’t be naïve.
No warning signal

16. Dharma business:

We are often milk cows for all Dharma related businesses including teachings itself. There is this wrong understanding about westerners – that we need to pay to appreciate something. That is so wrong. Based on that wrong understanding we are milked since 1970ties founding private fortunes in India and other countries. I’m not talking about golden roofs of monasteries. I’m talking about families of teachers living like millionaires. In Asia Buddhist events are often sponsored, people give money to allow others to come to the teachings for free. That’d be great if we could promote this in the west too.
Warning signal – if your teacher or group is asking too much money for teachings or events – without good justification – this is red alert of sectarian manipulation.

17. Dangerous sects:

Yes – they are there – there are dangerous Tibetan Buddhist sects – therefore please remember about this guide and check. Be smart!
I will not name and shame any group here, but if you search for dangerous Tibetan Buddhist sects and teachers you will get enough information.

Author: Thekchok Dorje; European Dharma student and Vajrayana Rime practitioner since 1993

Special thanks to Thekchok Dorje, who’s running the Facebook page „Mahakala“ where you find the original source. With his consent this text is available here too and in future also translated in German.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 11. März 2017

Patrul Rinpoches Rat

woman-489295_1920Vajrasattva, einzige Gottheit, Meister, Ihr sitzt auf einem Sitz aus Lotus und Mond des weißen Lichts in der hundert blättrigen vollen Blüte der Jugend. Denkt an mich, Vajrasattva, Ihr, der unbewegt im manifesten Ausdruck verweilt, der Mahamudra ist, die reine Glückseligkeit-Leerheit.

Höre zu, alter Patrul mit schlechtem Karma, du in Zerstreuung weilender.

Seit Jahren wirst du nun von den Erscheinungen getäuscht, verzaubert und betrogen. Bist du dir dessen bewusst? Bist du das? Gerade in diesem Moment, wenn du unter dem Bann der falschen Wahrnehmung stehst, musst du aufpassen.
Lass dich nicht von diesem künstlichen und leeren Leben forttragen.

Dein Geist dreht sich im Kreis wegen einer Menge nutzloser Projekte: Das ist Verschwendung! Gib sie auf! Zwar denkst du über hunderte Pläne nach, die du verwirklichen möchtest, ohne dass du jemals genug Zeit hast, sie zu beenden, die dir aber bloß das Herz schwer machen. Du bist völlig abgelenkt durch alle diese Projekte, die niemals ein Ende finden, sondern sich immer mehr ausbreiten, wie Wellen auf dem Wasser.
Sei kein Dummkopf, sondern setz dich entschlossen hin.

Den Lehren zuhören – du hast schon hunderte Lehren gehört, aber wenn du nicht die Bedeutung einer einzigen Lehre ergriffen hast, was bringt es, noch mehr zu hören?
Über die Lehren nachdenken – obwohl du zugehört hast, wenn dir die Lehren aber dann nicht in den Geist kommen, wenn es notwendig ist, was bringt es dann, noch mehr darüber nachzudenken? Gar nichts?
Gemäß der Lehren meditieren – wenn dein Meditationspraxis nicht die verschleiernden Zustände des Geistes heilen – lass das alles bleiben!

Du hast einfach zusammengezählt, wie viele Mantras du gemacht hast, aber du hast die Visualisation der Erzeugungsstufe nicht vollendet. Du siehst die Formen der Gottheiten schön und klar, aber du hast Subjekt und Objekt nicht ausgelöscht. Du zähmst, was als böse Geister und Gespenster erscheint, aber du schulst nicht deinen eigenen Geistesstrom.
Deine vier Sitzungen der Sadhana-Praxis sind so peinlich genau angeordnet – lass das alles bleiben!

Wenn du bei guter Laune bist, scheint deine Praxis viel Klarheit aufzuweisen, aber du kannst dich dabei nicht entspannen. Wenn du niedergeschlagen bist, dann ist deine Praxis zwar stabil genug, aber es gibt dann keinen Scharfsinn darin. Und was das Gewahrsein angeht, versuchst du dich in einem Rigpa-gleichen Zustand zu zwingen, als ob du einen Pflock in eine Zielscheibe stoßen möchtest.
Sobald diese yogischen Haltungen und Blickarten deinen Geist nur stabilisieren, wenn der Geist angebunden ist – lass das alles bleiben!

Hochtrabende Vorträge zu halten, bringt deinem Geist nichts Gutes. Der Pfad der analytischen Begründung ist präzise und scharfsinnig, aber er ist bloß eine weitere Täuschung, nutzlos wie Ziegenscheiße. Die mündlichen Anweisungen sind sehr tiefgründig, aber nicht, wenn du sie nicht in die Praxis umsetzt.
Diese Dharma-Texte immer wieder und wieder zu lesen, ist nichts außer deinen Geist zu beschäftigen und deine Augen zu ermüden – lass das alles bleiben!

Du trommelst mit deiner kleinen Damaru – ting ting – und deine Zuhörer denken, es ist zauberhaft, das zu hören. Du rezitierst Worte vom Opfern deines Körpers, aber du hast noch immer nicht aufgehört, ihn lieb und teuer zu nehmen. Du lässt deine kleinen Zimbeln erklingen – kling kling – ohne den letztendlichen Zweck im Geist zu behalten.
Alle diese Gegenstände der Dharma-Praxis scheinen so attraktiv zu sein – lass das alles bleiben!

Gerade jetzt strengen sich diese Schüler beim Lernen so stark an, aber am Ende lassen sie dann nach! Heute scheinen sie es begriffen zu haben, aber später ist nicht einmal mehr ein Rest davon übrig. Selbst wenn einer von ihnen es schafft, ein wenig zu lernen, dann wendet er sein „Lernen“ kaum auf sein eigenes Verhalten an.
Diese formvollendeten Dharma-Schüler – lass sie alle bleiben!

Heuer kümmert er sich wirklich um dich, im nächsten Jahr überhaupt nicht. Zuerst scheint er bescheiden zu sein, dann wird er überschwänglich und aufgeblasen. Je mehr du ihn nährst und förderst, umso abweisender wird er.
Diese lieben Freunde, die solch freundliche Gesichter zu Beginn zeigen – vergiss sie alle!

Ihr Lächeln scheint so voller Freude zu sein, aber wer weiß, ob das wirklich der Fall ist? Einmal ist es reines Vergnügen, dann ist es neun Monate geistige Qual. Es mag für einen Monat in Ordnung sein, aber früher oder später gibt es Schwierigkeiten.
Die Leute necken, deinen Geist verwickeln – deine Freundin – lass sie bleiben!

Diese endlosen Gesprächsrunden sind bloß Anhaftung und Abneigung – nicht mehr als Ziegenscheiße, für überhaupt nichts zu gebrauchen. Zu der Zeit scheint es wunderbar unterhaltsam zu sein, aber im Grunde verbreitest du nur Geschichten über die Fehler anderer Leute. Deine Zuhörerschaft scheint höflich zuzuhören, aber dann genieren sie sich für dich.
Nutzloses Geschwätz macht dich bloß durstig – lass es bleiben!

Belehrungen zu Meditationstexten zu geben, ohne dass du selbst wirkliche Erfahrung durch Praxis darin erlangt hast, ist wie das laute Rezitieren einer Anleitung zum Tanzen und zu glauben, das wäre dasselbe, wie wirkliches Tanzen. Die Leute hören dir vielleicht voller Hingabe zu, aber es ist nicht dasselbe. Wenn dann früher oder später deine Taten deinem Verhalten widersprechen, schämst du dich.
Bloß Worte auszusprechen und Dharma-Erklärungen zu geben, die so gewandt klingen – lass das alles bleiben!

Wenn du keinen Text hast, verlangst du danach. Hast du ihn dann endlich bekommen, schaust du kaum hinein. Die Zahl der Seiten scheint gerade genug zu sein, aber du findest kaum Zeit, sie alle zu kopieren. Selbst wenn du alle Dharma-Texte dieser Erde abgeschrieben hättest, wärst du nicht zufrieden.
Texte abzuschreiben ist verlorene Zeit (außer du wirst dafür bezahlt) – also lass das alles bleiben!

Heute sind sie quietschvergnügt, morgen sind sie fuchsteufelswild. Mit allen ihren dunklen und hellen Gemütslagen sind die Leute niemals zufrieden. Oder selbst wenn sie nett genug sind, kommen sie nicht herbei, wenn du sie wirklich brauchst, sondern enttäuschen dich vielmehr.
Die ganze Höflichkeit, ein zuvorkommendes Auftreten – lass das alles bleiben!

Weltliche und religiöse Werke sind die Domäne von Männern mit Stand. Patrul, du alter Junge – das ist nichts für dich.
Hast du nicht bemerkt, was immer passiert? Ein alter Ochse scheint absolut kein Verlangen mehr in ihm zu haben (außer er möchte zurück zum Schlafen), sobald du dir die Mühe gemacht hast, ihn für seine Dienste auszuleihen.
Sei genauso – ohne Verlangen.

Schlaf einfach, iss, pinkle und scheiße. Es gibt sonst nichts im Leben, das getan werden müsste. Lass dich nicht in andere Dinge hineinziehen; auf sie kommt es nicht an.
Verhalte dich unauffällig, schlafe.

Wenn du im dreifachen Universum geringer bist als deine Gesellschaft, dann solltest du den niederen Sitz einnehmen. Solltest du der Höhergestellte sein, dann sei nicht arrogant. Es gibt keine absolute Notwendigkeit, enge Freunde zu haben. Du bist besser dran, wenn du dich einfach an dich selbst hältst.
Wenn du ohne weltliche oder religiöse Verpflichtungen bist, dann verlange nicht danach, ein paar zu erwerben!
Wenn du alles loslässt – alles, wirklich alles – das ist es, worauf es wirklich ankommt!

Dieser Rat wurde vom Praktizierenden Drime Lodrö (Patrul Rinpoche) für seinen engen Freund Ahu Shri (Patrul Rinpoche) niedergeschrieben, um einen Rat zu geben, der genau auf seine Fähigkeiten zugeschnitten ist. Dieser Rat sollte in die Tat umgesetzt werden.
Selbst wenn du nicht weißt, wie man praktiziert, lass einfach alles los – das möchte ich wirklich sagen. Selbst wenn du nicht fähig bist, bei der Dharma-Praxis erfolgreich zu sein, sei nicht wütend darüber. Möge es tugendhaft sein.

Deutsche Übersetzung vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2015) auf Bitten eines hingebungsvollen Praktizierenden.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 8. März 2017

Das Element der Erleuchtung

mandelbrot-september-916463_1920Der vollkommene Buddhakaya ist allumfassend, Soheit kann nicht unterschieden werden und alle Wesen haben dieses Naturell. Daher haben sie von jeher Buddha-Natur.
Der Buddha hat gesagt, dass alle Wesen Buddha-Natur haben, „weil Buddha-Weisheit immer in der Gemeinschaft der Wesen präsent ist, weil diese ungetäuschte Natur frei von Dualität ist und weil das Naturell der Buddhaschaft nach ihrer Frucht benannt ist.“
Essenz, Ursache, Frucht, Funktion, Schmuck, Manifestation, Phasen, alles durchdringende Soheit, Unveränderlichkeit und Untrennbarkeit der Eigenschaften sollten verstanden werden, wenn man beabsichtigt, die Bedeutung der absoluten Weite zu beschreiben.
So wie ein Juwel, der Himmel und Wasser rein sind, ist sie in ihrer Natur immer frei von den Giften. Durch Hingabe an den Dharma, durch höchste Weisheit und durch Samadhi und Mitgefühl entsteht ihre Realisation.
Macht ausübend, sich nicht in etwas anderes verwandelnd und von einer Natur seiend, die befeuchtende Qualität hat: diese drei haben Eigenschaften, die mit dem kostbaren Juwel, dem Himmel und Wasser korrespondieren.
Feindschaft dem Dharma gegenüber, eine Sicht, die ein vorhandenes Selbst behauptet, Furcht vor den Leiden in Samsara und das Wohlergehen der Gefährtenschaft der Wesen negiert, sind die vier Schleier jener mit großer Begierde, der Tirthikas, Shravakas und Pratyekabuddhas. Die Ursache, die all diese Schleier reinigt, besteht aus den vier Eigenschaften des Pfades, welche hervorragende Hingabe usw. sind.
Jene, deren Same Hingabe an das höchste Fahrzeug ist, deren Mutter analytische Weisheit ist, das die Buddha-Qualitäten hervorbringt, deren Aufenthaltsort der glückselige Schoß der meditativen Stabilität und deren Nahrung Mitgefühl ist, sind die Erben, die dem Muni nachfolgen.
Die Frucht ist die Vollkommenheit der Qualitäten der Reinheit, Selbst, Glück und Dauerhaftigkeit. Ermüdet vom Leiden, Verlangen, Frieden zu erlangen und Hingabe auf dieses Ziel, sind die Funktionen.
Kurzum, die Frucht dieser reinigenden Ursachen trennt vollständig in die Heilmittel der Gegenmittel, die wiederum den vier Aspekten der falschen Annahmen hinsichtlich des Dharmakaya wirken.

Aus dem Uttaratantrashastra, dem Kommentar zum Höchsten Kontinuum, verfasst von Asanga.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 4. März 2017

Drei Merkmale der Buddha-Natur

buddha-1915589_1920Das Entscheidende, das euren Geist unter Kontrolle bringt, ob ihr nun Kyerim – Erzeugungsstufe, oder Dzogrim – Vollendungsstufe – praktiziert oder ob ihr in die Natur des Geistes blickt, ist Mitgefühl. Das ist der Schlüssel zu überhaupt allem. In der Buddha-Natur gibt es drei Eigenschaften, auf die wir uns beziehen. Die dritte Qualität der Buddha-Natur ist Mitgefühl. Sowohl Kyerim als auch Dzogrim basiert auf Mitgefühl. Das ist die innewohnende Natur des Buddha. Die dritte Qualität des Buddha ist das. Das Gewahrsein selbst hat drei Charakteristika, die die grundlegenden Qualitäten des Buddha widerspiegeln. Die erste ist die riesige Leerheit. In dieser Leerheit ist Klarheit. Lichthafte Deutlichkeit erscheint dann aus dieser Leerheit. Die Einheit von lichter Klarheit und Leerheit ist Mitgefühl. Diese drei sind in unserer Natur. Wenn uns gesagt wird, dass wir die Essenz des Tathagatagarba in uns tragen, dann ist damit gemeint, dass wir diese Natur haben, einschließlich dieser Qualitäten. Aber das ist uns noch nicht heraufgedämmert. Wir haben das aufgrund unserer karmischen Neigungen noch nicht erkannt. Bis wir diesen Nebel der Ignoranz beseitigt haben, wird die letztendliche Natur nicht erkannt werden. Aber glaubt mir, wenn wir diese Buddha-Natur nicht hätten, dann gäbe es keine Notwendigkeit zu versuchen, Buddhaschaft zu erlangen. Was macht es für einen Sinn zu versuchen, wenn wir das grundlegende Material nicht haben, mit dem wir es erkennen würden? Wir haben die Essenz der Erleuchtung. Durch das Anpflanzen von Weizen werdet ihr keinen Reis bekommen und wie ich schon sagte, wir müssen mit dieser Natur arbeiten. Wir müssen diese Natur umrühren, die in uns liegt. Wir wissen, dass Butter in der Milch vorhanden ist, aber wenn wir die Milch nicht umrühren, wie sollen wir dann daraus Butter bekommen? Genauso wissen wir, dass im Golderz Gold enthalten ist, aber wenn wir es nicht schmelzen, wie wollen wir Gold gewinnen? Nur das Vorhandensein dieser Buddha-Natur reicht nicht aus. Ihr müsst damit arbeiten.

Aus den Belehrungen von Lama Shenphen Dawa Rinpoche über „Sicht, Meditation & Verhalten“. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2014)

Verfasst von: Enrico Kosmus | 25. Februar 2017

Über die sechs Daseinszustände

lebensrad_1Existieren die Höllenbereiche zusammen mit ihren Bewohnern unter der Erde oder über der Erde? Finde heraus, ob diese Welten dort existieren, wo du bist und im Osten, Süden, Westen und Norden. Wer hat den Boden aus geschmolzenem Eisen gemacht? Wo wurde das Feuerholz gesammelt? Wer hat die Waffen der Hölle geschmiedet? Von welchen Eltern, Ursachen und Bedingungen stammen die Arbeiter in der Hölle ab? Wenn ihre Leiber, ihre Beine und Arme nicht vom Feuer verbrannt werden, warum werden andere fühlende Wesen verbrannt? Diese Arbeiter bringen solch schreckliches Leiden über die fühlenden Wesen, wo als erfahren sie die karmischen Konsequenzen ihrer Taten? Wenn du das untersuchst, dann wirst du erkennen, dass alles wie eine Traumwelt aus täuschenden Erscheinungen ist. Wenn bloßes Verwunden und Schlagen von fühlenden Wesen zu ihrem Tod führt, warum tötet dann ein solches Leiden der Hölle sie nicht ebenso? Wenn sie von einem Ort zum nächsten gehen müssen, dann sollten wir in der Lage sein, nun auf Erfahrung basierend die Existenz dieser Plätze zu bestätigen. Aber warum ist das so, dass nicht gesehen werden, außer vom Bewusstsein des Toten? Wenn du dieses Angelegenheit untersuchst, dann wirst du wissen, dass sie nicht abseits deiner eigenen Erscheinungen existieren. Existiert die Welt der Pretas mit ihren unerträglichen Leiden ebenso definitiv oder nicht? Wenn dieser Bereich substanziell existiert, dann finde seinen Aufenthaltsort in den Haupt- und Nebenrichtungen, oben, unten usw. heraus. Wenn Leute heutzutage als Folge von Hungersnot über einen Zeitraum von Tagen oder ein paar Monaten sterben können, warum ergibt sich dann kein Tod aus dem Leiden an Hunger und Durst über viele Zeitalter hinweg? Wenn du das sorgfältig untersuchst, dann wirst du feststellen, obwohl jemand seit anfangslosen und endlosen Lebenszeiten nichts zu essen hat, dass es ein Gefühl der Freude in Aussicht auf das Erscheinen von Nahrung gibt und Pretas erleben ein Gefühl von Verhungern, das als Leiden erscheint. Indem du genauso alle Orte des Ursprungs, des Aufenthalts und des Dahingehens aller Welten der sechs Klassen der fühlenden Wesen peinlich genau untersuchst, verstehst du, dass die Erscheinungen der sechs Klassen der fühlenden Wesen wie Traumerscheinungen hervortreten, die dann auftauchen, sobald die Erscheinungen des Wachzustandes gegangen sind und diese Bereiche existieren substanziell nicht. Sobald daher diese Täuschung der Selbsterscheinungen sich in die absolute Natur aufgelöst hat, manifestiert sich der Bereich der Dharmata oder die Soheit. Sei dir sicher, dass das wirksame Streben um dies in der Tiefe deines eigenen Seins zu erkennen, die eigentliche Natur der gleichzeitigen Vollendung von Pfad, Frucht und Essenz des allwissenden, vollkommenen spirituellen Erwachens ist.
Aus dem Vajra-Herz-Tantra von Dudjom Lingpa. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2017).
Verfasst von: Enrico Kosmus | 20. Februar 2017

Selbstbefreiung – Großer Pfad – Unzerstörbarer Grund (Teil 3)

Nachdem man nun die Pfade der individuellen Befreiung und der Bodhisattvas, sowie die äußeren Tantras mit den Vier Gedanken, die den Geist wenden, der Zuflucht, dem Entwickeln der überragenden Geisteshaltung in Richtung Erleuchtung, der Reinigungspraxis mit Vajrasattva und den Vier Kräften und dem Zusammenbringen der zwei Ansammlungen durch die Mandala-Darbringung durchlaufen hat, betritt man die Stufe der inneren Tantras.

Selbstvisualisation

vajrayoginiDie inneren Tantras zeichnen sich durch eine Form der Selbstvisualisation und weiteren Dingen aus. Während man in den äußeren Tantras die Segensgottheit außerhalb von sich und dabei oberhalb des Kopfes oder eine Elle schräg oberhalb des Scheitels oder manchmal doch auf gleicher Höhe wie man selbst visualisiert hat, bringt man sich selbst zunächst in einer reinen Form hervor. Bei den grundlegenden Übungen visualisiert man sich selbst zunächst als Vajrayogini in Gestalt der Tsogyal Khachö Wangmo (tib., mtsho rgyal mkha’ spyod dbang mo). Sie ist ausgestattet mit allen Merkmalen der Erleuchtung und hält in den Händen ihre sakralen Gegenstände. Alles dies steht für die verschiedenen 37 Aspekte der Erleuchtung. Angefangen von der Körperfarbe über die vielen Schmuckstücke bis hin zur Körperhaltung und den in den Händen haltenden Gegenständen symbolisiert dies einzelne Buddha-Aspekte. Allein diese Selbstvisualisation besitzt eine große Macht, da sie das gewöhnliche Selbstverständnis, die vertrauten, gewohnten Selbstkonzepte bereinigt. Praktiziert man dies für eine lange Zeit, kommen die Gewohnheiten im Geistesstrom zum Erlöschen.
Vielleicht fragen sich manchen, warum gerade eine weibliche Gestalt und warum Vajrayogini. Da das Weibliche den Aspekt des Leerseins von Eigennatur verkörpert, wird diese Form herangezogen, weil dies als Selbstvisualisation die rascheste Beseitigung der Vorstellung von Solidität und Dauerhaftigkeit bringt. Weiters wird gerade diese Gestalt in der Tradition der Alten Überlieferung (Nyingma) bevorzugt, da hier auch das mythische Verhältnis zwischen Yeshe Tsogyal und Guru Padmasambhava abgebildet ist.

Guru – Weisheitsnatur

Während man sich selbst als Vajrayogini auf einem entsprechendem Untergrund hervorbringt, erscheint vor einem im Raum in einer Aureole aus Regenbogenlicht auf einem dreifachen Sitz die Essenz des Lehrers in Gestalt von Padmasambhava. Dieser erscheint jugendlich, in königlicher Haltung sitzend und mit allen Charakteristika und Merkmalen ausgestattet, friedvoll-zornvoll lächelnd. Er trägt einen Lotushut, die drei Dharma-Roben, hält Vajra und Schädelschale mit Langlebensvase. In seiner linken Armbeuge hält er einen Khatvanga – den tantrischen Stab. Diese Erscheinung wird auch als „Nangsi Zilnön“ bezeichnet, was soviel bedeutet wie „jener, der die Erscheinungswelt durch Pracht bezwingt“.
An dieser Stelle sei angemerkt, dass es unterschiedliche Erscheinungen von Guru Rinpoche gibt. So kann es sein, dass er in einer anderen vergleichbaren grundlegenden Praxis in Gestalt des Orgyen Tsokye – ähnlich Vajradhara – erscheint.
In ihm spiegeln sich alle Buddha-Felder und reinen Länder und er ist die Verkörperung aller Zufluchtsobjekte. Indem man dies visualisiert, wird der unaufhörliche Strom der gewöhnlichen Geistesregungen festgesetzt. Auf diese Weise praktiziert man im Tantrayana das Ruhen des Geistes (tib., gzhi nas). Anschließend erbittet man seinen Segen, indem man ihn in seiner Pracht anfleht. Danach stellt man sich vor, wie das Verpflichtungswesen (tib., dam tshig pa) und das Wesen des uranfänglichen Weisheitserkennens (tib., ye shes pa) untrennbar eins werden. „Auf diese Weise werden die Segnungen erbeten. Man stellt sich vor, dass das Verpflichtungs- und das Weisheitswesen untrennbar werden.“
gururinpocheUm Verdienst anzusammeln, praktiziert man das siebenteilige Opfergebet. „Auf diese Weise praktiziere das siebenteilige Opfer, welches zusammengefasst die drei wesentlichen Punkte des Ansammelns, Reinigens und Vermehrens beinhaltet. Damit weiterhin die Segnungen in den eigenen Geistesstrom eintreten, hängt dies allein von der Verbindung, die durch große Hingabe entstanden ist, ab. Der eigene Wurzel-Lehrer ist die Verkörperung aller Zufluchtsobjekte. Vom Standpunkt der Qualitäten aus gesehen, ist er gleich dem Buddha und vom dieser Überzeugung heraus ist er aus der Sicht der Güte, erhabener als der Buddha. Entwickle darin große Gewissheit.“ Dieses Gebet wird mit der Hingabe der drei Tore – Körper, Rede und Geist – ausgeführt.
Darauf kann ein kürzeres oder längeres Bittgebet an den Guru erfolgen. In manchen kurzen Liturgien wird dies jedoch ausgelassen. Es ist aber hilfreich, an dieser Stelle eine große Hingabe zum Lehrer zu entwickeln. Bedingungslose Hingabe ist überhaupt der wesentliche Faktor im Vajrayana, da sie das Festhalten an Ichvorstellungen zum Erliegen bringt. Wie schon der Drikung Kyobpa Jigten Sumgön gesagt hat: „Wenn die Sonne der ehrfürchtigen Hingabe nicht auf die Schneegipfel des Gurus scheint, wird der Segensstrom nicht fließen. Darum halte deinen Geist aufmerksam in ehrerbietiger Hingabe.“ Und weiter aus dem Vier-Kaya-Guru-Yoga des Fünffachen Pfades zur Mahamudra: „Der Schneegipfel ist ein Symbol für die Natur der vier Kayas, die Sonne für die ehrerbietig hingebungsvolle Bitte. Wenn Sonnenstrahlen den Schneegipfel treffen, strömt das Wasser herab – ein Symbol für den Segen, der vom Guru kommt.“ Hingabe in dieser Form rührt die Tiefen der Hölle auf, wie in verschiedenen Dharma-Texten öfters erwähnt wird.

Segensstrom

Nachdem man zuvor ein kürzeres oder längeres Bittgebet so oft wiederholt hat, bis unerschütterliche Hingabe in einem entstanden ist, visualisiert man folgendes: „Die drei Stellen des Lehrers sind mit einem weißen OM, einem roten AH und einem blauen HUM gekennzeichnet, von diesem strahlenden Licht sollte man sich vorstellen, dass dies die Plätze des Verweilens der drei Vajras aller Tathagatas sind. Von diesen gehen Lichtstrahlen und Tropfen aus, in denen zahllos wie Atome in Sonnenstrahlen die Formen der Buddhakörper, der Buchstaben und Handsymbole sind. Indem diese in einen sich auflösen, erhält man ausnahmslos alle Ermächtigungen, Segnungen und Verwirklichungen. Das äußere Universum (Gefäß) ist der Palast von Ngayab Zangdog Palri – der strahlende kupferfarbene Berg – und die Einwohner sind die Versammlung der Dakas und Dakinis von Orgyen. Alle Klänge sind auf natürliche Weise der Klang des Mantras. Aus dem Zustand des Verstehens der Projektionen und Reflexionen des Geistes ist dies die selbstbefreite, leuchtende Klarheit.“
mt_om_ah_hum_darkAnschließend rezitiert man das Guru-Mantra mit einspitzigem Geist und empfängt dann die vier Ermächtigungen indem man sich vorstellt, wie nacheinander von den drei Silben Licht in den jeweiligen Farben ausgeht. Dieses Licht geht in die eigenen drei Zentren ein und reinigt dort alle körperlichen Krankheiten und Gebrechen sowie die subtilen Kanäle. Der Same für das Erlangen des Nirmanakaya ist durch die Körperermächtigung gelegt. Dann reinigt dieses Licht alle Unreinheiten der Rede und der subtilen Winde. So wird die Redeermächtigung empfangen und der Same für den Sambhogakaya ist gelegt. Weiters reinigt das Licht die Verschleierungen des Geistes und alle Trübungen der Sicht, sowie die subtilen Tropfen. Auf diese Weise wird die Ermächtigung des Geistes erlangt und der Same für den Dharmakaya ist gelegt. Danach geht Regenbogenlicht vom Lehrer aus und in einen ein. Durch dieses Licht werden die beiden Verdunklungen und Gewohnheitstendenzen bereinigt und man erhält die kostbare Wort-Ermächtigung. Man wird mit aller Vollkommenheit gesegnet, die alle unerschöpflichen Qualitäten und Aktivitäten enthält. Somit ist das Potential für den Svabhavikakaya im eigenen Geistesstrom angelegt. „So erhält man die vier Ermächtigungen. Dies ist die innere Art der Praxis, bei der durch die Rezitation die Ermächtigung erhalten wird. Wiederum entwickelt man starkes Vertrauen und Hingabe.“
Zum Abschluss fleht man wiederum den Guru an und bittet um die Untrennbarkeit. Danach löst sich der Guru in die essentielle Natur der Großen Glückseligkeit auf, wird zu einer winzigen, fünffarbigen Lichtkugel und verschmilzt mit dem eigenen Herzzentrum. Auf diese Weise werden der Geist des Lehrers und der eigene Geistesstrom ununterscheidbar.
Man verweilt in meditativer Versenkung im Zustand jenseits des Denkens, in lichter Klarheit, im Gewahrsein der ursprünglich innewohnenden Natur, dem Dharmakaya – des Lehrers eigenes Gesicht – so lange wie möglich. Dies ist die geheime Art, die Aktivitäten auszuführen, welche die ungekünstelte, absolute Praxis des Lamas ist. Wenn man anschließend aus der Praxis sich erhebt, erwacht man dazu, dass alle Phänomene, Klänge und Gedanken die drei Geheimen des Lehrers sind.“
Abschließend widmet man den Verdienst – das konstruktive Potential – dieser Praxis dem Wohle aller Wesen als Ursache, damit sie den unübertroffenen Zustand der höchsten Befreiung erlangen mögen.

Postmeditative Sicht und Praxis

Hat man so hingebungsvoll praktiziert, erhebt man sich vom Kissen und wendet sich den alltäglichen Handlungen zu. Allerdings hält man dabei eine bestimmte Sichtweise. „Nachdem man die Widmungs-, Wunsch- und glückverheißenden Gebete gesprochen hat, geht man an diesem Punkt wieder zu den alltäglichen Handlungen über. Ebenso hält man aber während den Sitzungen die Sicht aufrecht, dass die Erfrischungen der Getränke und die Natur des Essens Nektar ist und alle Bekleidung göttlicher Schmuck ist, welche dem Lehrer über dem eigenen Scheitel dargebracht werden. Was immer als Phänomen der sechs Sinne auch entsteht, man folgt ihm nicht mit den gewöhnlichen Gedanken, sondern bewahrt das strahlende, natürliche Gewahrsein von Gottheit, Mantra und uranfänglicher Weisheit.“
food-743690_1920Und weiters: „Wenn man abends schlafen geht, betet man, die lichte Klarheit zu erkennen. Anschließend tritt der Lehrer über dem Scheitel durch die Brahma-Öffnung in einen ein, sinkt hinab ins Herz, das die Form eines vierblättrigen Lotus hat. Der Geist, der darauf ausgerichtet ist, dass das Licht den ganzen Körper anfüllt, wird von der nackten, lichten Klarheit des Gewahrseins aufgenommen. In diesem Zustand, ohne Dumpfheit oder durch andere Gedanken gestört zu sein, schläft man ein. Wenn man (in der Nacht) erwachen sollte, durchtrennt man all die erzählenden, wilden, schnatternden, wandernden Gedanken und die anderen Arten des Denkens, indem man den strahlenden Zustand lichter Klarheit ist, wird man fähig, die lichte Klarheit von Schlaf und Traum zu bewahren. Morgens beim Aufstehen denkt man, dass der Lehrer durch den Zentralkanal aufsteigt und freudvoll im Raum über dem eigenen Scheitel Platz nimmt usw. und man wendet sich der vorigen Praxis zu.“
Dieses Verständnis wendet man auf alle Situationen des Lebens an bis hin zum Zeitpunkt des Sterbens. „Ebenso zu Zeit des Sterbens, durch das Vermischen von leuchtender Klarheit, Gewahrsein und Raum, verbleibt man in Meditation, die die unübertroffene Praxis der Übertragung (phowa) ist. Wenn man dies nicht erreicht, kann man sich im Bardo an die drei yogischen Verfahren erinnern, durch die man Befreiung erlangt. Daher, indem man dies die ganze Zeit aufrecht hält – äußerst reines Vertrauen, Hingabe und Gelübde – entwickelt und vermehrt sich die Übung der Einheit der beiden Ansammlungen.“

Versprechen der Praxis

„Indem man so, wie oben gezeigt, die vier Wege um den Geist zu wenden, die Stufen der Ansammlung und Reinigung praktiziert, erfährt man jedes der Resultate und besonders durch das Guru-Yoga, da es allein der tiefgründige, außergewöhnlich essentielle Pfad des Vajrayana ist. Indem man diese lebendige Übung als Hauptübung hält und dies eifrig praktiziert, ist es nicht notwendig, sich um die anderen Übungen der Erzeugungs- und Vollendungsyogas zu kümmern, da man im reinen Land Ngayab Pema Öd Atem holt. Wie magisch wird man die Stufen der Vidyadharas überqueren und wird gewiss die Ebene des vollkommen uranfänglichen Weisheits-Lehrer erlangen.
Wenn es da weisenmandala-1699168_1920Menschen gibt, die wünschen, vollständig befreit aus den heißen Qualen der feurigen Grube des Samsara werden wollen, sollten sie sich auf diesen höchsten Pfad verlassen, der wie der König der Bäume erfrischt mit seinem kühlen, ausgedehnten Schatten – der Erleuchtung. Durch die Macht guter Handlungen mögen alle Wesen diesen tiefgründigen Belehrungen folgen, ohne Bedauern, sondern durch Freude rasch in die wunderschöne Stadt des reinen Landes des Lotuslichts eintreten.“
Dies sind einige Darlegungen zu den grundlegenden Übungen und ihrer Wichtigkeit. Es gibt manche, von der Ichsucht befallene und verschleierte Geister, die glauben, dass diese Übungen lediglich Kinderkram wären oder nur als Vorbereitung für die eigentliche Praxis der zwei Phase von Erzeugung und Vollendung wären. Doch ist das Verständnis dieser Wesen durch Hindernisse getrübt und mangels geringem Verdienst (konstruktivem Potential) begreifen sie die Grundlagen nicht. Da ich mich in den drei Teilen auf die Praxis aus der Herzessenz der Dakinis (Khandro Nyingthig) von Dudjom Rinpoche Jigdral Yeshe Dorje gestützt habe, mögen durch seine Worte die Essenz der Drei Wurzeln – Guru, Deva, Dakini – in diesen grundlegenden Übungen alle hochmütigen und verschleierten Wesen auf die Wichtigkeit dieser Praxis hingewiesen werden. „Diese tägliche Rezitation der grundlegenden Übungen wird der „Triumphwagen des Pfades der Vereinigung“ genannt, der die allgemeine Belehrung der drei Abschnitte des Lama, der Vollendung (Yidam) und des Herzens (Khandro) des neuen Schatzes, der tiefgründig, geheimen „Herzessenz der Dakinis“ ist.“

Auch wenn ich mich bei dieser Darlegung auf die Herzessenz der Dakinis gestützt habe, so ist dies nicht als eine Anleitung für die Praxis an sich zu verstehen. Die entsprechende Praxis mit den erforderlichen Hinweisen und Erklärungen sind persönlich von einem Lehrer im Zusammenhang mit den Textübertragungen zu erbitten. Da in diesen Zeiten des Niedergangs wenig sinnvolle Worte von einem wie mir zu erwarten sind, so mögen sie aber dennoch allen hingebungsvoll Praktizierenden als Inspiration dienen.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 15. Februar 2017

Selbstbefreiung – Großer Pfad – Unzerstörbarer Grund (Teil 2)

Wie im vorherigen Blog-Post beschrieben, wurden die Stufen der äußeren Grundlagen bis hin zur Zuflucht als Praxis des Hinayana – der individuellen Befreiung – und dann die Stufe des Mahayana – der Entwicklung der überragenden Geisteshaltung – beschrieben.
Nachdem man nun aus der Weite jenseits von Vorstellungen wieder erscheint, betritt man die Stufen des Vajrayana. Dabei durchläuft man zunächst die Stufen der äußeren Tantras wie dem Kriya-, Charya- und Upatantra.

Reinigung

vajrasattvaZunächst wird der Geistesstrom von karmischen Samen gereinigt. Dies geschieht durch die Praxis der Vier Kräfte in Verbindung mit Vajrasattva und dem 100-Silben-Mantra.
Die Meditation und Rezitation auf Vajrasattva um ungünstige Umstände, Negativitäten und Behinderungen zu bereinigen. Visualisiere den Wurzel-Lama in Gestalt von Vajrasattva Yab-Yum über dem eigenen Scheitel sitzend. Entwickle Reue und Bedauern wegen der vergangenen Untaten, gelobe nun diese nicht mehr auszuführen, koste es selbst das eigene Leben. Denke, dass ein beständiger Strom von Bodhicitta-Nektar aus der Mantra-Kette in seinem (Vajrasattvas) Herzen herabströmt und alle Negativitäten, Verschleierungen, Fehler und aller Niedergang restlos gereinigt wird. Indem du diese vier wesentlichen Kräfte im Geiste behältst“ führt man die Rezitation des 100-Silben-Mantras aus.
„Nachdem man dies so oft wie möglich rezitiert hat, ist der ganze Körper innen vollständig weiß und man ist vollkommen angefüllt durch diesen beständigen Nektarstrom. Alle Negativitäten, Verdunklungen und Brüche (von Gelübden) sind gereinigt. Indem man sich vorstellt, dass der eigene Körper und Geist von makelloser Wonne durchdrungen sind, ist dies die äußere Art der Reinigung von Verdunklungen. Schließlich mit Eifer und sehnsüchtiger Hingabe“ bittet man den überragenden Beschützer, dass alle Vergehen, Brüche und Fehler, die aus Unwissenheit und Täuschung begangen wurden, bereinigt werden mögen. Vajrasattva gewährt diese Bereinigung und alle Negativitäten und Verdunklungen sind dann bereinigt. Man visualisiert, wie die körperlichen Gebrechen, Krankheiten, Verfehlungen der Rede und Trübungen des Geistes den Körper verlassen, und dass der Körper kristallklar wird.
Anschließend löst sich Vajrasattva selbst in Licht auf und verschmilzt mit einem. Man erkennt, dass alle Phänomene in ihrem eigentlichen Wesen der Ausdruck letztendlicher Reinheit sind.
Danach löst sich Vajrasattva über dem Scheitel in uns selbst auf. Man stellt sich vor, dass man selbst Vajrasattva ist. Alle Erscheinungen, Klänge und Gedanken sind das Spiel von Gottheit, Mantra und Dharmata, während man das Quintessenz-Mantra, dass die innere Art der Reinigung von Verschleierungen ist, rezitiert. Schließlich löst sich die Vorstellung von Gottheit und Mantra in leuchtende klares Sein, dass rein von Anbeginn ist, auf. Dieses Gewahrsein ist die wahre Bedeutung, wenn es heißt, dass Selbstgesicht von Vajrasattva zu erblicken. Dies ist die geheime, unübertreffliche Art der Reinigung von Verdunklungen.“

Ansammlung

mandalaopferDann folgt die Ansammlung von konstruktivem Potential, meist als „Verdienst“ bezeichnet. So manchem Menschen mangelt es an diesem konstruktivem Potential und er oder sie wundert sich dann, warum sich bestimmte Dinge im Leben nicht einstellen. Die Praxis des Mandala-Darbringens hat zwei Aspekte: 1) man vollbringt die zwei Ansammlungen – Verdienst und Weisheit (Höchstes Erkennen); und 2) es bereinigt Anhaftung.
„Die Mandala-Opferung um die zwei Ansammlungen, welche vorteilhafte Bedingungen am Pfad schaffen, zu bewirken. Das Feld der Ansammlung wird auf dieselbe Weise wie bei der Zuflucht visualisiert und vor diesem arrangiert man ein Mandala als ein symbolisches Beispiel. Die äußere Art des Opfers ist das 3.000-fache Me Jed-Buddhafeld, dass eine Million Bereiche umfasst. Die innere Art des Opfers sind der eigene Körper, die Aggregate (skandhas), Elemente (dhatus), Sinnesfelder (ayatanas) und der genussvolle Besitz bis hin zu den tugendhaften Ansammlungen der drei Zeiten. Die geheime Art des Opfers ist der leuchtend klare Dharmadhatu, das quintessentielle Vajra-Buddhafeld, die mühelos vollendeten Phänomene der Kayas und Tropfen, deren Selbstnatur nicht messbar ist, die Form aller Dinge, deren letztendliche Natur nicht fassbar ist. Opfere mit Sehnsucht.“ So praktiziert man mit großem Eifer und setzt ausnahmslos alles für den Pfad zur Befreiung ein.
Diese Praxis wird traditionell mit einer Metallplatte und Reis ausgeführt und ist von einer bestimmten Visualisation und Rezitation begleitet. Auf diese Weise praktiziert man mit Körper, Rede und Geist und sammelt an.
Nachdem man diese Opferungen so oft wie möglich gemacht hat, löst sich das Feld der Ansammlung in einen selbst und alle fühlenden Wesen auf. Man hat die Sicht, dass die zwei Ansammlungen vollständig angesammelt wurden.“

Das nächste Mal folgt die Beschreibung der Praxis für die inneren Tantras und für das Beibehalten der reinen Sicht, sowie der Praxis im Alltag. Bleibt also dran!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 10. Februar 2017

Selbstbefreiung – Großer Pfad – Unzerstörbarer Grund (Teil 1)

tibet-1717188_1920Die grundlegende Praxis – im Tibetischen auch Ngöndro (tib., sngon ‚gro) genannt – ist nicht nur eine Vorbereitung, sondern enthält den gesamten Pfad zur Befreiung. Im folgenden Beitrag beschreibe ich die einführenden Gedanken und Überlegungen, die erforderlich sind, um überhaupt den Pfad zu betreten, gefolgt von der Praxis der Verbeugungen.

Grundgedanken

Die Ausdrucksform (Körper) von höchster Weisheit, liebender Güte und Macht aller grenzenlosen Buddhas; der gnädig Gütige, der die hundert Buddha-Familien umfasst, Herr des Chakra, der glorreiche Lehrer, Lotus-Buddhas Füße, verehrend als unser Kronjuwel, bitte gewährt uns Euren Segen. Diese tiefgründig offenbarten grundlegenden Übungen, die hier zusammengestellt sind, sind der edle Pfad, der rasch und einfach zum Zustand der Vereinigung der vier Kayas führt. Ein Triumphwagen, vollkommen klar, einfach zu beschreiten, liegt hier vor. All ihr Glücklichen, tretet nun mit Freude ein!“ Und weiter: „Wenn jene, die erwacht durch vergangene tugendhafte Handlungen in der glücklichen Lage sind, diesem tiefgründigen Pfad zu folgen und die Verwirklichung des Grades der Einheit der vier Kayas in dieser Lebensspanne wünschen, mögen diesen einen Pfad eifrig und mit Ausdauer vom Anfang an praktizieren.“

Eine erste Reinigungspraxis

„Zuerst: Man setzt sich bequem hin und hält den Körper gerade. Atme die drei restlichen Gifte des Atems aus. Versetze den gewöhnlichen Geist in Ruhe, indem der Geist sich vollständig der natürlichen, fundamentalen, meditativen Konzentration (Samadhi) zuwendet. Durch die Erinnerung an den Wurzel-Lama, der die Verkörperung aller Buddhas ist, entsteht große Begeisterung.“

Diese Praxis wird auch als „Neunfacher Reinigungsatem“ bezeichnet und dient dazu, die unreinen Energien auszustoßen und den Geist zu klären. Wenn die Winde sich im Zentralkanal versammeln, dann entsteht im Geist eine große Klarheit, die für die meditative Versenkung förderlich ist.

Vier Gedanken

Dann folgt die Praxis der „Vier Gedanken, die den Geist wenden“. „Der zweite Abschnitt hat zwei Teile: Die allgemeine Praxis der „vier Wege, die den Geist wandeln“, welche den grundlegenden Geist reinigen und der außergewöhnliche, tiefgründige Pfad der fünf Stufen, der das Einpflanzen des Samens ist. Zuerst: Es ist äußerst schwierig die menschliche Geburt mit allen Freiheiten und Ausstattungen zu erlangen, Nachdem man die menschliche Geburt erlangt hat, ist alles vergänglich, weil man unter die Macht des Todes kommt. Obwohl man stirbt, ist damit nichts zu Ende. Einzig durch die Macht des Karmas ist man an den Daseinskreislauf gebunden. Wo immer man im Daseinskreislauf geboren wird, ist man nicht jenseits von Leiden. Denkt, jetzt muss man tun, was immer notwendig ist, um vom Daseinskreislauf, diesem großen Ozean des Leidens, befreit zu werden. Aus diesem Grund muss man von nun an den vollständig reinen, heiligen Pfad (Dharma) ausüben. „So möge ich fähig sein, zu praktizieren, kostbarer Lehrer, Ihr seid es, der weiß.“ Daher entwickelt man Gedanken des Vertrauens und der Befreiung (Entsagung).“

Sicht und Verständnis bei Niederwerfungen
dt_refugetreeUm die Zuflucht, die ja die Grundlage des Pfades ist, zu nehmen, visualisiert man die Objekte der Zuflucht. Begleitet wird diese Visualisation von körperlichen Handlungen und verschiedenen Gebeten. Somit vereinen sich in dieser Praxis bereits die drei Handlungsebenen von Körper, Rede und Geist. Diese drei Handlungsebenen werden durch die Praxis gereinigt und mit ihnen wird Verdienst – konstruktives Potential – angesammelt.
Man macht die Niederwerfungen vor einem Objekt der Zuflucht. In der Regel sind das Repräsentanten der Drei Juwelen (Buddha, Dharma, Sangha) in Form von Statue (oder Thangka/Bild) für den Buddha-Körper, einen Schriftenband für die Buddha-Rede und einer Stupa für die Buddha-Weisheit. Zusätzlich stellt man die sieben Opfergaben auf. Bereits an dieser Stelle entwickelt man eine bestimmte Sicht der Dinge, indem man sich an die Zufluchtsverpflichtungen und die sechs Paramitas erinnert.
Wenn man dann die Verbeugungen auch tatsächlich ausführt, dann stellt man sich folgendes dabei vor. Und ich beschreibe es anhand eines Bildes.
Vor einem wächst ein aus einem schmutzigen See ein gewaltig großer Stamm eines Lotus. In seiner Mitte erscheint der Kostbare Guru Nangsi Zilnön (Guru Rinpoche, der die Erscheinungswelt durch seine Pracht unterwirft). Hinter ihm sind links und rechts Schriftenbände, die die Lehren (den Dharma) repräsentieren.
Über seinem Scheitel sind die Lehrer der Linie (in dreifacher Münzanordnung) versammelt. Ganz oben ist Samantabhadra Yab-Yum als Dharmakaya, darunter Vajrasattva als Sambhogakaya und schließlich die weiteren Lehrer beginnend mit Garab Dorje, dem ersten Dzogchen-Lehrer, Manjushrimitra, Padmasambhava, Sri Singha, Yeshe Tsogyal, Gyurme Ngedön Wangpo, Dudjom Lingpa und Dudjom Rinpoche. Diese alle stellen die Zufluchtsobjekte des Vajrayana dar.
Links von ihm sind Buddha Shakyamuni und die 1.000 Buddhas des glücklichen Zeitalters. Sie stellen die Hinayana-Sangha dar. Und rechts von ihm ist die Mahayana-Sangha in Form der acht großen Bodhisattvas und 16 großen Sthaviras.
Vor dem kostbaren Guru Nangsi Zilnön sind die Schar der Mediationsgottheiten, dann die friedvollen und zornvollen Gottheiten, die eidgebundenen und befehlshörigen Dharma-Schützer.
Außerhalb dieser dichten Ansammlung befinden sich unzählige Opfergöttinnen, die Gaben darbringen und Lobpreisungen singen.
Schließlich ganz unten sind Menschen, die mit einem gemeinsam Zuflucht nehmen. Vor sich stellt man dabei noch die eigenen Feinde auf, die auch mit einem Zuflucht nehmen und noch vor einem Befreiung erlangen sollen. Rechts hinter einem sind Vater und die Väter, links sind Mutter und die gesamte Mütterlinie.
Und dann stellt man sich vor, dass man sich selbst vertausendfacht und mit dieser Zahl an Körper Zuflucht zu den Drei Juwelen und Drei Wurzeln nimmt. Und während man sich dann aufrichtet, stellt man sich vor, dass man mit den 1.000 Körpern alle Wesen heraufzieht und zur Befreiung führt.
Dies visualisiert man ganz klar und deutlich und spricht folgende Verse:

NAMO – Ich selbst und die zahllosen Eltern, alle fühlenden Wesen gleich dem Raum, nehmen, bis die Essenzen der Erleuchtung erlangt ist, Zuflucht zum Lama und zu den Drei Juwelen. Ohne nur einen Augenblick getrennt zu sein, haltet uns mit Eurer liebenden Güte.“

Die rezitiert man so oft wie möglich. Auf diese Weise tritt man in den Pfad zur Befreiung ein. Anschließend entwickelt man die überragende Geisteshaltung zur Befreiung, die den Eintritt in das Mahayana – den Großen Pfad – darstellt.

Alle Wesen, die den Raum erfüllen, sind meine Eltern. Obwohl sie Glück wünschen, erlangen sie nur Leiden. Ohne Befreiung kreisen sie erbärmlich im Dasein. Daher muss ich alles notwendige unternehmen, um sie zu befreien. Daher muss ich ohne zu schwanken starke Gewissenhaftigkeit entwickeln, damit diese tiefgründige yogische Praxis gelingt.“

Dazu praktiziert man das Aufnehmen und Aussenden, das Austauschen von einem selbst mit anderen. Damit vollendet man den strebenden und handelnden Erleuchtungsgeist. Am Ende der Sitzung nimmt man den Nektar des Segens in Form von grenzenlosen, leuchtend weißen Lichtstrahlen auf. Diese reinigen die Hindernisse und Blockaden der drei Tore und die Objekte der Zuflucht lösen sich in einem auf, wobei die zentrale Figur des Feldes der Ansammlung – in diesem Fall Guru Padmasambhava in Gestalt des Nangsi Zilnön – zur grenzenlosen Weite uranfänglicher Weisheitserkenntnis wird, jenseits von Vorstellungen. Man verweilt in einem Zustand meditativer Versenkung.

Die weiteren Teile der grundlegenden Übungen beschreibe ich ein nächstes Mal.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 4. Februar 2017

Erfolgreiche Lösungen – frei von Fixierung

cho%cc%88d_baumWiederum sprach Gangpa: „Mutter, aus dem ungeborenen, gänzlich reinen Bereich der Wirklichkeit zeigt Ihr die Erscheinung der Geburt als Emanationskörper – der gewöhnliche Körper, geschmückt mit der erwachten Betrachtungsweise. Zu Euren Füßen verneige ich mich, Einzige Mutter, die den Wesen hilft. Diese heilige Dharma des Chöd hat äußere, innere, geheime Methoden und Methoden der Soheit des Durchtrennens. Bitte erkläre dies ganz und gar und ich werde zuhören.“
„Sohn, höre. Dieses Dharma-System von mir muss in vier Aspekte aufgeteilt werden: äußere, innere, geheime und jene der Soheit. Zuerst werde ich die vier Aspekte oder Objekte (tib., yul) des Durchtrennens erklären. Mache den besonders verfolgten Ort zum äußeren durchtrennten Gegenstand. Mache Krankheit und böse Geister zum inneren Objekt, das abgeschnitten werden muss. Mache diskursive Gedanken und Wahrnehmungen zum geheimen Objekt, das durchtrennt wird. Und Mach die drei oder fünf Gifte zum Soheits-Gegenstand des Durchtrennens, Sohn.
„Nun, die ‚Kontrolle‘ geschieht folgendermaßen. Äußerlich um die Götter und Dämonen zu beherrschen, sei ohne Anhaftung und frei von Klammern. Innerlich um Krankheit und negative Kräfte zu beherrschen, sei frei von Konzepten des Helfens und Leidens. Im Geheimen um geheime diskursive Gedanken zu beherrschen, sei frei vom Bezug auf gut oder schlecht. In der Soheit, um alles zu beherrschen, sei frei von der Basis und Wurzel des Geistes.
„Nun zur Ausführung der äußeren, inneren und geheimen Beweise des Durchtrennens. Wenn du nicht erschrocken bist, egal welch furchteinflößende Erscheinungen von Göttern und Dämonen auch vorkommen mögen, dann ist das ein äußerer Beweis des Durchtrennens. Wenn du begreifst, dass welche Krankheit, welches Leiden oder welch störende Emotion auch auftaucht, Karma ist, dann ist das der innere Beweis des Durchtrennens. Wenn du keine Verärgerung darüber empfindest, wenn gute, schlechte oder mittlere diskursive Gedanken auftauchen, dann ist das der geheime Beweis des Durchtrennens. Egal welch unterschiedliche äußere oder innere begehrenswerte Dinge auftreten, wenn du frei von Ich-Fixierung bist, dann ist das der Soheits-Beweis des Durchtrennens.

Drei Ebenen des Erfolgs

„Nun zur Ausführung der drei Ebenen der Beweise für den Erfolg: ausgezeichnete, mittlere und geringste. Für jene mit der geringsten Fähigkeit ist das friedvolle und sanfte Verweilen Angesichts unterschiedlicher und vielfacher Erscheinungen der äußere Beweis für Erfolg. Verschiedene spirituelle Kräfte zu haben, falls irgendwelche vertrauenswürdige und respektable Götter und Dämonen auftauchen, ist der innere Beweis für Erfolg. Geistig und körperlich sich wohlzufühlen, sobald Krankheit, böse Geister (gdon) auftauchen und Gedanken in Gleichmut befriedet werden, ist der geheime Beweis des Erfolgs. Und wenn man gequält von Liebe, Mitgefühl und Unbeständigkeit den Dharma mit Vertrauen und Entsagung betritt, dann ist das der Soheits-Beweis des Erfolges.
„Für jene mit mittleren Fähigkeiten ist das äußere Zeichen des Erfolgs, dass man frei von Panik ist, egal welch fürchterliche, schreckliche Dinge geschehen. Der innere Beweis für Erfolg ist, dass man friedlich und ungestört ist, egal welche Krankheit, Geister, Schmerz oder Leiden auch auftaucht. Der geheime Beweis des Erfolgs ist, welche giftigen, störenden Gefühle auch auftauchen, dass diese in ihren eigenen Grund befreit sind. Und der Soheits-Beweis des Erfolges ist, dass man frei vom geistig fixierten Ich ist, [im Hinblick] auf den äußeren und inneren Nachweis des Aufkommens, das der Geist ergreift.
„Für jene mit ausgezeichneten Ausstattungen ist das äußere Zeichen des Erfolgs, dass alle furchteinflößenden, schlimmen, bösen Erscheinungen überwältigt sind. Der innere Beweis des Erfolgs ist, dass man frei von Aufblähung ist, egal welche Probleme auftauchen, wie beispielsweise Krankheit, störende Emotionen, Geister usw. Der geheime Beweis für Erfolg ist, egal welche ungünstige Bedingungen und Hindernisse auftauchen, dass sie förderlich werden. Die wahre Natur des Nicht-Ich ist innewohnende Leerheit. Die Verwirklichung der makellosen Wirklichkeit ist Soheit, der Beweis des Erfolgs für jene mit ausgezeichnetem Vermögen, Sohn.

Bloße Erkenntnis der innenwohnenden Natur des Geistes überwältigt die äußeren gequälten Plätze. Freiheit von Fixierung auf Ärger, Begierde oder Selbstliebe überwältigt innere Krankheit und Geister. Freiheit von Berechnen, was ist oder nicht ist überwältigt geheimes begriffliches Denken. Freiheit von Vorurteil überwältigt zyklische Existenz.
Diese tiefgründigen, entscheidenden Punkte meines Dharma-Systems Sind in wenigen Worten zusammengefasst, einfach zu praktizieren.
Glücklicher Sohn mit karmischer Bestimmung, vergiss dies nicht, behalte es im Geist. Wenn du dieses alte Weib liebst und diesen heiligen Dharma achtest, dann wirst du den Bardo nicht erblicken, das verspreche ich.“

Nachdem sie dies gesagt hatte, beendete Machig das Übertragen der Erklärung dieses tiefen Dharmas. Dann hielten sie ein großes Ganachakra-Festmahl ab. Große reine Wahrnehmung entstand in jedem. Alle Arten von Menschen gaben zahllose Opfersäcke. Sie nahmen sie mit nach Lhasa, wo sie ein riesiges Opfer darbrachten und Shamarpa und einige Schüler hinkamen. Dann gingen Machig und ihr Gefolge nach Lhodrak, wo sie für neun Monate blieben. Sie gab „Die vollständige Erklärung von Sutra und Tantra in Verbindung“ und „Die Aufklärung darüber, was die zwei Extreme überwältigt“. Verbunden mit „Mondlicht, das die Dunkelheit vertreibt“ gab sie „Die Mondstrahlen“. Sie gab eine ausführliche Erklärung über den „Riesigen Juwelenknoten“. Dann erklärte sie auch in größerem Maße die 21 heiligen Gelübde, die 12 Glieder des wechselseitigen Bestehens, den roten Führer des inneren Wissens und viele andere Dharma-Themen. Zhibpo Hurtön erlangte den Pfad der Befreiung und über hundert anderen Schülern war damit genützt. Dann gingen Machig und ihr Gefolge zum Kupferfarbenen Berg. Tönyön, Gangpa und die fünf Schüler gingen in die Große Schneehöhle und verblieben dort.

Aus Machig Labdröns Erklärungen zum Chöd (tib., phung po gzan skyur gyi rnam bshad gcod kyi don gsal byed; Seite 84ff). Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2012).

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