Verfasst von: Enrico Kosmus | 15. September 2017

Reif für die Zuflucht?

Oder doch nur für die Insel?
tibet-895496_1920Manche fragen sich ja, ab wann sie Buddhist_in sind. Tja, es ist die Zuflucht, die Buddhisten von Nicht-Buddhisten unterscheidet. Für manche ist das natürlich schon ein bisschen eine Herausforderung, weil gerade einmal aus einer religiösen Gemeinschaft entfleucht, wollen sie sich nicht schon in die Arme der nächsten werfen. Darum prüfe wohl, wer sich bindet – kann man auch an dieser Stelle sagen.
Aber keine Sorge auch die Zuflucht selbst ist nicht das allererste. Um überhaupt Zuflucht nehmen zu können, diese Zuflucht auch zu praktizieren, benötigt es vielleicht ein wenig Information vorab, damit die Qualität der Zuflucht auch erkannt wird. Wenn ich die Struktur jetzt mal anhand der tibetischen Tradition aufzeige, dann einfach, weil mir diese Tradition sehr vertraut ist. Aber etwas abgewandelt, lässt sich vieles auch aus anderen Traditionen erklären.
Also… bevor man überhaupt Zuflucht nimmt, denkt man zuerst über bestimmte Dinge nach und kommt zu einem Entschluss. Egal in welcher Tradition, man beschäftigt sich mit einigen grundlegenden Aspekten des Lebens – noch nicht einmal mit dem Dharma, obwohl der dabei schon hilfreich ist – und gelangt zur Einsicht, dass die zyklische Existenz einfach eine Wandelwelt und ein ewiges Jammertal ist. In der tibetischen Tradition wird das über die „Vier Gedanken, die den Geist wandeln“ durchgemacht. Da wird eben über 1) die kostbare menschliche Geburt mit ihren 8 Freiheiten, 10 Ausstattungen und das 3-fache Vertrauen; dann 2) über Vergänglichkeit und Unbeständigkeit; dann 3) über Leidhaftigkeit und Unzulänglichkeit aller zusammengesetzten Erscheinungen und der bedingten Erlebnisse nachgedacht; und schließlich 4) über die Unausweichlichkeit der Taten und ihrer Resultate.
Wenn man wirklich durch reifliches Nachdenken, Untersuchen und Prüfen zur Einsicht gelangt ist, dass diese menschliche Geburt, die man jetzt hat, das Beste ist, was einem bisher passiert ist, dass man auf den Dharma getroffen ist, der auch gelehrt wird und man diesen auch anwenden kann (oder zumindest könnte), dann will man etwas Sinnvolles aus diesem Leben machen. Wer weiß, wann man wieder diese Chance hat?!?! Wenn man erkennt, das nicht – ausnahmslos nichts – bleibt und man realisiert, dass man sterben wird, ohne diese kostbare Gelegenheit zu nutzen, dann ist es, als ob man von einer Schatzinsel mit leeren Händen zurückkehrt. Und wenn man versteht, dass es nirgendwo „die süße Chilli-Schote“ gibt, dass es nirgendwo in diesem Auf und Ab des bedingten Daseins einen einzigen Moment gibt, der wirklich völlig frei von Sorge oder Qual ist, dann hört man einfach auf, nach diesen bedingten Erlebnissen zu gieren und kommt einfach zur Ruhe. Und wenn man schließlich begreift, dass Motivation und Handlungen ganz bestimmte und nicht x-beliebige Resultate nach sich ziehen und man dadurch in der Lage ist, Glück und Unglück selbst zu steuern, gelangt man wirklich zu einer Selbstverantwortung, die frei von Projektionen macht. Nicht andere oder die Umstände sind für das eigene Wohl und Wehe verantwortlich. Nein, man hat’s selbst in der Hand.
Und auch wenn man das alles wirklich gemäß dem Lehrbuch durchgearbeitet und reflektiert hat, ist man noch immer nicht reif für die Zufluchtnahme. Man hat an dieser Stelle vielleicht eine gewisse Ent-Täuschung erfahren und fühlt sich etwas angewidert von der Wandelwelt (Samsara). Da fragt man sich erstmals, was einem wirklich dauerhafte Ausrichtung und beständige Zuflucht bieten kann. Und dann begibt man sich auf die Suche nach einem „spirituellen Freund“ (kalyanamitra). Dabei ist auch wichtig, dass man zwischen einem echten spirituellen Freund bzw. Lehrer und einem Poser unterscheiden lernt. Das ist besonders wichtig, weil man sonst nicht wirklich Vertrauen in den Pfad schöpfen kann. Danach muss man auch wissen, wie man sich dem spirituellen Freund und der Lehre aufrichtig nähert. Das ist vielen auch nicht ganz klar. Da schwanken manche zwischen Unterwerfung und Naivität, oder es triggert ihnen einfach ihre Autoritätsprobleme. Wurscht erstmal. Erst jetzt ist man aber in der Lage, sich wirklich auf die Drei Juwelen einzulassen und kann Zuflucht nehmen. Ab dieser Stelle ist man dann in den Dharma wirklich eingetreten und beginnt ihn auch zu praktizieren, d.h. anzuwenden, sodass sich auch die versprochenen Resultate ergeben. Vorher hat man vielleicht vieles ausprobiert, aber die Tiefe und Ausrichtung hat immer gefehlt. Vom Erleuchtungsgeist (Bodhicitta) hab ich jetzt noch gar nix erwähnt, weil der kommt erst dann. Und das ist dann auch so ein Thema, das nicht einfach mit „lieb guck“ und „wart mal, ich helf dir“ abgehandelt wird. Da gibt’s natürlich auch formale Aspekte und ganz bestimmte Zugänge, Ansätze und Sichtweisen, die verstanden und praktiziert werden müssen. Sonst wird’s einfach nix.
Die geschilderte Struktur hier ist natürlich tibetische Dharma-Tradition. Aber man findet bei ein bisschen Suche auch Entsprechendes im Palikanon. Die kostbare menschliche Geburt wurde vom Buddha das eine oder andere Mal auch im Palikanon erwähnt, wo er einmal Shariputra geschimpft hat, weil dieser einen Mann bloß zu einer Wiedergeburt im Götterbereich verholfen und nicht zur Befreiung geführt hat. Über Vergänglichkeit kann man wunderbar bei den Leichenbetrachtungen nachdenken. Leidhaftigkeit und Karma sind sowieso ein beständiges Thema auch im Palikanon. Wie man sieht, der Pfad hat bis zur Zuflucht (und dann auch zu Bodhicitta) in den Traditionen schon denselben Geschmack – nämlich „gaga“, weil man eben an dieser Stelle den schalen Geschmack der Wandelwelt realisiert. Und dieses „gaga“ ist aber hier schon ein Hinweis auf den Geschmack der Befreiung. Man lässt einfach dieses neurotische Festhalten an Identitätsfindung und Ichbestätigung bleiben. Man erkennt die Nutzlosigkeit des ganzen Unterfangens, das seine Ausrichtung bloß auf das Äußerliche, das Weltliche hat. That’s it. An dieser Stelle, mit dieser Einsicht kann man Zuflucht nehmen und ihre Praxis – nicht nur das 3-malige Aussprechen, sondern auch das Einhalten der Zufluchtsverpflichtungen – bringt einen ungeheuer großen Segen. Man fällt tatsächlich nicht mehr in niedere Bereiche, weil man einfach eine sichere Ausrichtung erlangt. Diese sichere Ausrichtung ist jedoch nicht einfach ein naiver Glaube an ein verstorbenes Wesen – Shakyamuni Buddha, an eine Doktrin, die es dogmatisch zu befolgen gäbe oder die Zugehörigkeit zu einer Gruppe – einem spirituellen Clan.
Sondern man beginnt diese Gelegenheit des Lebens wirklich wertzuschätzen. Die Drei Juwelen – Buddha, Dharma, Sangha – sind einfach Inspirationen und weisen den Weg. Keine Dinge an die man glauben müsste. Sie sind einfach „der Finger, der zum Mond zeigt“. Und dieser Mond ist die ursprüngliche Natur des Geistes, die in jedem von uns schlummert.

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Verfasst von: Enrico Kosmus | 10. September 2017

Die Vier Unermesslichen

aus dem Ngalso Korsum von Künkhyen Longchen Rabjam

buddha-159316_1280Wenn ein Mensch so durch die Zufluchtnahme zu einer Stätte des spirituellen Wachstums geworden ist, wird dieser seinen Geist zum Wohle der fühlenden Wesen kultivieren, indem man die Blume des Mitgefühls in der Erde der Liebe erblühen lässt und sie mit dem reinen Wasser des Gleichmuts im kühlen Schatten der Mitfreude hegt.
So lange diese vier grundsätzlichen wirksamen Mittel nicht mit dem Pfad der Befreiung verbunden sind, sind sie nichts anderes als Zustände übertriebener Begeisterung und bleiben die Ursache unwirkliches Sein. Aber wenn man den Pfad zu inneren Frieden mit ihnen ergriffen hat, dann sind sie die vier unermesslichen großen Besitztümer des wahren Seins, weil sie uns den Ozean des trügerischen Seins überqueren lassen.
Sie haben als ihren gegenständlichen Bezug die zahllosen fühlenden Wesen, sowie das absolut Wahre, während sich ihre eigene beobachtbare Eigenschaft sich in einer alles umfassenden Art sich auf sie bezieht und auch nicht.
Im ersten Fall sind sie streng auf eine Anzahl von Lebewesen begrenzt und ihre offensichtliche Haltung ist daher unrein. Sie beziehen sich (auf etwas) und sind der Grund für Zustände übertriebener Hochstimmung. Sie sind ohne Bezugspunkt, wenn sie auf Befreiung ausgerichtet angewendet werden und sie werden von jenen gemeistert, die selbst Mitgefühl sind.
Jene, die unglücklich oder von Enttäuschungen gequält sind oder von ihrem Glück und Reichtum in Beschlag genommen sind oder jene, die zutiefst anhaftend oder sich verbittert gegen jeden und alles wenden, seien sie nah oder fern, sind die Objekte von Liebe, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut.
Ihre Geisteshaltung ist der Wunsch nach Glück und dass sie frei von Leiden sein mögen, sodass es keine Trennung von Freude gibt und der Geist bleibt somit in Ruhe. Auch wenn es in ihrer Praxis keine feststehende Reihenfolge gibt, sollten Anfänger zuerst Gleichmut entwickeln. Wenn sie dann teilnahmslos wegen jener nahestehenden und fernen gibt, dann sollen sie die anderen drei Verhaltensweisen entwickeln.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 4. September 2017

Yogatantra – Vereinigungs-Tantra

Yogatantra

buddhism-1765743_1920Das Yogatantra (tib., rnal ‚byor rgyud) ist unter den drei äußeren Tantras das höchste.
Eintritt und wird deshalb so genannt, weil es die beiden Aspekte – Methode (skt., upaya; tib., thabs) und Höchstes Erkennen (skt., prajna; tib., shes; Weisheit) – miteinander vereint. Bei dieser Tantraklasse findet schon eine Selbstvisualisation als Meditationsgottheit statt. Somit besteht anders als im Kriyatantra und Charyatantra hier bereits die Auffassung, dass die wahre Kraft der spirituellen Verwirklichung nicht mehr außerhalb von einem selbst zu finden ist, sondern diese in einem liegt.
Der Eintritt in das Yogatantra erfolgt über eine sechsfache Ermächtigung, bestehend aus den bereits zwei Ermächtigungen des Kriyatantra (Vasenwasser, Krone) und den zusätzlich drei Ermächtigungen des Charyatantra (Vajra, Glocke und Name) und einer sechsten Ermächtigung – der Vajra-Meister-Ermächtigung. Durch letztere geht man ein Samaya mit Körper, Rede und Geist ein. Die ersten fünf Ermächtigungen sind Einweihungen in die fünf Buddha-Familien mit den entsprechenden Reinigungen und Samen. Und die sechste Ermächtigung ist Befähigung zum Vajra-Meister um in Zukunft die Lehren des jeweiligen Yogatantras den Wesen lehren zu können.
Die Sicht im Yogatantra ist dieselbe wie im Charyatantra. Alle Erscheinungen werden als Gottheit und Mandala betrachtet. Durch den Segen von Leerheit und Klar-Lichtheit werden alle Phänomene auf letztendlicher Ebene jenseits der begrifflichen Ausschmückung erkannt.
In der Praxis des Yogatantra visualisiert man die Meditationsgottheit und konzentriert sich auf sie. Das stellt den Yoga der Methode (tib., thabs) dar. Dann übt man sich in der Vollendungsstufe frei von Gedanken. Dies ist der Yoga des Höchsten Erkennens (tib., shes rab).
Bei der Visualisation als Meditationsgottheit werden die fünf Aspekte des Erwachens bzw. fünf Verwirklichungen und die vier wundersamen Dinge angewendet. Die fünf Verwirklichungen sind: 1) Verwirklichung der Grundlage der Leerheit; 2) Verwirklichung des Sitzes; 3) Verwirklichung der Keimsilbe; 4) Verwirklichung des Merkmals; und 5) Verwirklichung der Körpers der Meditationsgottheit. Die vier Wunder sind 1) Samadhi bzw. die geistige Vertiefung beim Aufbau des Mandalas; 2) Segen durch die vier Mudras; 3) Ermächtigung; und 4) Gabendarbringung und Lobpreisung. Dann folgt die Mantra-Rezitation. Mit der Mantra-Rezitation sind auch bestimmte Visualisationen verbunden. Die Verwendung von Visualisationen stellt den Aspekt der Praxis mit Merkmalen dar.
Bei der Praxis ohne Merkmale werden das Ruhen des Geistes (tib., zhi gnas) und die durchdringende Einsicht (tib., lhag mthong) geübt. Beim Verweilen in Geistesruhe kann der Atem als Stütze genommen werden, aber man kann auch ohne Stütze praktizieren, indem man sich in den Raum entspannt. Für die Übung in durchdringender Einsicht wird hauptsächlich Guru-Yoga praktiziert, bei dem vom visualisierten Guru Licht zu einem selbst ausgeht, dieser sich dann auflöst und untrennbar mit einem verschmilzt. Gelangt man durch die Einführung in die Natur des Geistes und die Praxis zu einem fundierten Verständnis, dann hat man die Essenz der durchdringenden Einsicht verstanden.
Weiters gibt es bei der Mantra-Rezitation zwei Aspekte: 1) die Vajra-Rezitation; und 2) die Wort-Rezitation. Bei der Vajra-Rezitation wird das Mantra geistig gesprochen und bei der Wort-Rezitation wird es mit dem Atem und Klang verbunden. Auch bei der Vajra-Rezitation gibt es wiederum zwei Aspekte: 1) mit Stütze; und 2) ohne Stütze.
Das Verhalten im Yogatantra ist so, dass man rituelle Reinigung und Sauberkeit lediglich als Unterstützung für die Praxis ausübt.

Verwirklichungen

Als Resultat der Praxis auf der Stufe des Yogatantra erreicht man in längstens drei Menschenleben den Höchsten Bereich Akanishta, die reinen Länder der Buddhas usw. Man realisiert die drei Buddhakayas und die fünf Arten des zeitlosen Erkennens (tib., ye shes).
Weiters schreibt Jamgön Kongtrul Lodrö Thaye, dass durch die meditative Versenkung, durch die Mantra-Rezitation und durch die Feueropfergaben bestimmte Kräfte erlangt und das reine Gewahrsein erkannt werden. Durch die meditative Versenkung werden überweltliche Kräfte realisiert, durch die Mantra-Rezitation werden überweltliche wie auch weltliche Kräfte erlangt und durch die Feueropfergaben werden hauptsächliche weltliche Verwirklichungen erreicht. Das endgültige Ergebnis aller drei ist die Verwirklichung des angeborenen Gewahrseins von Körper, Rede, Geist und Aktivitäten der Erleuchtung.
Man wird durch diese Praxiskategorie zu einem himmlischen Vidyadhara und erlangt Erleuchtung in Ghanavyuha, einem reinen Sambhogakaya-Bereich.

Samaya – die heiligen Bande

Die Samayas und Verpflichtungen in Bezug auf das Yogatantra werden in Verpflichtungen den fünf Buddha-Familien und in 14 Samayas eingeteilt. Die Verpflichtungen im Zusammenhang mit den Buddha-Familien sind: 1) Vairocana – Zuflucht zu den Drei Juwelen nehmen; 2) Akshobhya – sich dem Vajra-Siegel, dem Glocken-Siegel und dem Meister zu verpflichten; 3) Ratnasambhava – großzügig im Lehren, in materiellen Dingen, Schutz und Liebe sein; 4) Amitabha – die äußeren Tantras (Kriya, Charya) zu pflegen, ebenso die Vorsätze des Yogatantra und die der Shravakas, Pratyekabuddhas und Bodhisattvas; 5) Amoghasiddhi – Opfergaben darbringen.
Die 14 Samayas respektive ihre Übertretungen des Yogatantra sind: 1) die Drei Juwelen nicht aufgeben; 2) den Erleuchtungsgeist nicht aufgeben; 3) die Meditationsgottheiten nicht missachten; 4) Mantra und Mudra nicht kritisieren; 5) den Meister nicht missachten; 6) nicht über den Sitz des Meisters steigen bzw. die Einweihungsgegenstände oder Insignien der Meditationsgottheiten; 7) keine falsche Nahrung zu sich nehmen (z.B. Nahrung, die wie die Insignien der Meditationsgottheiten aussehen); 8) das geheime reine Gewahrsein nicht preisgeben; 9) die Praxis von Mantra und Mudra nicht aufgeben; 10) anderen keinen Schaden zufügen; 11) sich nicht am Hinayana ergötzen; 12) sich von Schwierigkeiten nicht entmutigen lassen, wenn man anderen nützen will; 13) das Training in den sechs Paramitas nicht aufgeben; und 14) nichts Unheilsames ausführen.
Im „Glorreichen Paramadya Tantra“ werden weitere zehn Verfehlungen aufgezählt, die man nicht begehen soll: 1) den Erleuchtungsgeist aufgeben; 2) den wagenden Geist aufgeben; 3) die Meditation über Mond und Vajra zurückweisen; 4) die buddhistischen Schriften zurückweisen oder abwerten; 5) die Praxis der Lehren aufgeben; 6) ignoranterweise die Lehren kritisieren; 7) Körper und Geist, die durch die Meditation über die vier Siegel gesegnet sind, durch Askese martern; 8) Vajra, Glocke, Yoga und Samaya aufgeben; 9) die vier Siegel aufgeben und gefangen im gewöhnlichen Greifen nach Erscheinungen bleiben; 10) den Vajra-Meister verstoßen. Darüberhinaus werden in der „Zusammenfassung der wesentlichen Punkte“ noch fünf Verpflichtungen mit den Buddha-Familien aufgezählt: 1) Vairocana – die zwei Aspekte des Erleuchtungsgeistes kultivieren; 2) Akshobhya – zornvolle Riten ausführen, um bösartige und unbezwingbare Wesen zu erwecken; 3) Ratnasambhava – anderen täglich benötigte Gegenstände geben; 4) Amitabha – anderen zu nützen und sich dabei als die Mudra der Gottheit zu manifestieren, aus einem Verständnis der Leerheit heraus; und 5) Amoghasiddhi – in der selbstlosen Natur der Aktivitäten erfüllt sein.
Wie man sieht, sind im Yogatantra eine Vielzahl mehr an Samayas und Verpflichtungen zu beachten, die zusammen mit jenen des Kriyatantra und Charyatantra auch weiter in die inneren Tantra-Klassen mitgenommen werden.

Damit ist der Überblick über den Ansatz des Yogatantra vollendet. In weiteren Blog-Beiträgen werden die anderen Ansätze der äußeren und inneren Tantras dargestellt. Da ich nicht in der Lage bin, wohlklingende Verse zu verfassen, die die Ohren der Buddhas und Bodhisattvas erfreuen, habe ich mich auf die Schriften der verwirklichten Meister gestützt. Möge es nützlich sein!

Weiterführende Literatur:

Jamgön Kongtrul Lodrö Thaye: „Buddhist Ethics“, Kalu Rinpoche Translation Group, Snow Lion Publication, Ithaca (NY), 1998
Jamgön Kongtrul Lodrö Thaye: „Systems of Buddhist Tantra“, Kalu Rinpoche Translation Group, Snow Lion Publication, Ithaca (NY), 2005
Jigme Lingpa & Kangyur Rinpoche: „Treasury of Precious Qualities, vol. 2, Vajrayana and the Great Perfection“, Padmakara Translation Group, Shambhala, 2013
Jigme Lingpa & Kangyur Rinpoche: „Treasury of Precious Qualities, vol. 1, Sutra “, Padmakara Translation Group, Shambhala, 2010
Jamgon Mipham: „A Garland of Views: A Guide to View, Meditation, and Result in the Nine Vehicles“, Padmakara Translation Group, Shambhala, 2015
Tenga Rinpoche: „Sutra & Tantra. Die Wege des Buddhismus“, Übers.: Tina & Alex Draszczyk, Marpa Verlag, 1989

Verfasst von: Enrico Kosmus | 30. August 2017

Charyatantra – Verhaltens-Tantra

Charyatantra

Das Charyatantra (tib., spyod rgyud) – auch Verhaltens-Tantra genannt – hat seinen Fokus in der Praxis ähnlich wie das Kriyatantra auf dem Verhalten, verwendet aber bereits die Sicht des Yogatantra. Auch hier geht es um das Durchführen von bestimmten Ritualen.
Mittels der Praxis auf Ebene des Charyatantra versucht man Hindernisse zu bereinigen und günstige Umstände für den spirituellen Pfad zu erschaffen. Man trachtet danach, das äußere Verhalten durch Körper und Rede ebenso zu trainieren, wie die Versenkungszustände im Geist.
Der Eintritt in das Charyatantra erfolgt durch eine fünffache Ermächtigung, von die ersten beiden Schritte gleich wie im Kriyatantra sind: 1) Vasenwasser-Ermächtigung; 2) Kronenermächtigung; 3) Glocken-Ermächtigung; 4) Vajra-Ermächtigung; und 5) Namens-Ermächtigung mit Vajra und Glocke. Auf diese Weise wird die ermächtigte Person in die fünf Buddha-Familien eingeweiht. Durch diese Ermächtigungen wird 1) der Same für die Realisation des Dharmakaya und 2) des Rupakaya gelegt, da beide Arten der Verdienstansammlung durchgeführt werden. Zudem werden 3) der Same für die Buddha-Rede gelegt; 4) die Samen für das Erkennen der letztendlichen Wirklichkeit und ihres vielfältigen Ausdrucks als relative Wirklichkeit gelegt. Mit der Namens-Ermächtigung wird 5) der Same im Praktizierenden gelegt, den Wesen der drei Bereiche den Dharma zu lehren.
Die Sicht im Charyatantra ist gleich wie im Yogatantra. Die auf relativer Ebene erscheinenden Phänomene sind letztendlich leer von Eigennatur, man ist frei von extremen Sichtweisen. Diese leeren und dennoch erscheinenden Phänomene werden als das reine Land der Meditationsgottheit verstanden und die Wesen darin erscheinen in Gestalt der Meditationsgottheit.
In der Praxis des Charyatantra versteht man sich selbst als Verpflichtungswesen (tib., dam tshig sems dpa) und visualisiert das Wesen des zeitlosen Erkennens (tib., ye shes sems dpa) vor sich im Raum. Die Beziehung zueinander ist wie zwischen zwei Freunden. Dann praktiziert man die Meditation auf Keimsilbe, Mudra und Gestalt der Gottheit. Dies ist der Ansatz mit Stütze. Der Ansatz ohne Stütze ist das Verständnis der Natur des Geistes, darin zu verweilen und allen Wesen mit liebender Güte und Mitgefühl zu begegnen. Dies wird auch als die Meditation des absoluten Bodhicitta bezeichnet.
Die Praxis des Verweilens in Geistesruhe (tib., zhi gnas) und die durchdringende Einsicht (tib., lhag mthong) werden vorwiegend während den Sitzungen praktiziert. Die Praxis des relativen und absoluten Bodhicitta wird in den Zwischensitzungszeiten angewendet.
Das Verhalten im Charyatantra ähnlich dem des Kriyatantra. Sauberkeit hat einen großen Stellenwert im rituellen Ablauf. Die Opfergaben am Altar sind wie beim Kriyatantra „rein“, d.h. ohne Fleisch und Alkohol, sie nehmen nur die drei Weißen und die drei Süßen zu sich etc.

Verwirklichungen

Als Resultat der Praxis auf Stufe des Charyatantra werden die vier Buddha-Familien: 1) Buddha-Familie; 2) Padma-Familie; 3) Vajra-Familie; und 4) Ratna-Familie verwirklicht.
Man sagt, dass man durch diese Praxisstufe in fünf Menschenleben die Stufe eines „Vajradhara der vier Buddha-Familien“ und somit Buddhaschaft verwirklicht.

Samaya – die heiligen Bande

Allgemein werden 14 Verpflichtungen für das Charyatantra aufgezählt. Die ersten zehn umfassen das Aufgeben der zehn unheilsamen Handlungen, dann die Lehre nicht aufgeben, den Erleuchtungsgeist nicht aufgeben, nicht geizig sein und anderen nicht schaden. Zusätzlich finden sich in den einzelnen Tantras der jeweiligen Buddha-Familien auch noch spezielle Verpflichtungen.
Der essentielle Unterschied bei den 14 Verpflichtungen zwischen den Praktizierenden des Charyatantra und den Hörern und Alleinverwirklichern ist, dass erstere über die geschickten Mittel und Höchstes Erkennen verfügen, die im Charyatantra gelehrt werden. Hingegen halten weltliche Leute und Nichtbuddhisten lediglich eine ethische Disziplin, die auf Greifen nach einer inhärenten Existenz beruht.

Damit ist der Überblick über den Ansatz des Charyatantra vollendet. In weiteren Blog-Beiträgen werden die anderen Ansätze der äußeren und inneren Tantras dargestellt. Da ich nicht in der Lage bin, wohlklingende Verse zu verfassen, die die Ohren der Buddhas und Bodhisattvas erfreuen, habe ich mich auf die Schriften der verwirklichten Meister gestützt. Möge es nützlich sein!

Weiterführende Literatur:

Jamgön Kongtrul Lodrö Thaye: „Buddhist Ethics“, Kalu Rinpoche Translation Group, Snow Lion Publication, Ithaca (NY), 1998
Jamgön Kongtrul Lodrö Thaye: „Systems of Buddhist Tantra“, Kalu Rinpoche Translation Group, Snow Lion Publication, Ithaca (NY), 2005
Jigme Lingpa & Kangyur Rinpoche: „Treasury of Precious Qualities, vol. 2, Vajrayana and the Great Perfection“, Padmakara Translation Group, Shambhala, 2013
Jigme Lingpa & Kangyur Rinpoche: „Treasury of Precious Qualities, vol. 1“, Padmakara Translation Group, Shambhala, 2010
Jamgon Mipham: „A Garland of Views: A Guide to View, Meditation, and Result in the Nine Vehicles“, Padmakara Translation Group, Shambhala, 2015
Tenga Rinpoche: „Sutra & Tantra. Die Wege des Buddhismus“, Übers.: Tina & Alex Draszczyk, Marpa Verlag, 1989

Verfasst von: Enrico Kosmus | 26. August 2017

Kriyatantra – Handlungs-Tantra

Kriyatantra

vietnam-483398_1920Beim Kriyatantra (tib., bya rgyud kyi theg pa) – auch Handlungs-Tantra genannt – liegt der Praxisschwerpunkt auf äußerem Verhalten, auf Reinigungspraktiken usw. Berühmt dafür ist die Praxis des Nyungne – des Fastenrituals, die eine Yidam-Praxis dieser Kategorie ist.
Der Eintritt in das Kriyatantra erfolgt durch die zwei Aspekte der Einweihung: 1) Vasen-Wasser-Ermächtigung; und 2) Kronen-Ermächtigung. Diese beiden Ermächtigungen legen die Samen für den Dharmakaya und den Rupakaya. In der Meditation werden die „sechs Aspekte der Gottheit“ (Leerheit, Silbe, Ton, Form, Mudra, Attribute) praktiziert.
Die Sicht im Kriyatantra ist, dass die vier extremen Sichtweisen aufgegeben werden. Der Geist ist weder existent, noch nicht-existent, noch beides und auch nicht keines von beiden.
Im Verhalten des Kriyatantra geht es in den Ritualen und der Visualisation vornehmlich um Reinigung und Verdienstansammlung. Äußere Handlungen werden bei diesem Ansatz betont. So legt man Wert auf die Gestaltung des Altars, welche Opfergaben verwendet werden, wie diese am Altar angeordnet werden usw. Gutes Benehmen ist wichtig, ebenso saubere Kleidung, Ernährungshinweise, sowie die Durchführung der Rituale an bestimmten Tagen, die aufgrund ihrer astrologischen Konstellation als bedeutsam erachtet werden.
In der Praxis des Kriyatantra sieht man sich selbst als Verpflichtungswesen (tib., dam tshig sems dpa) und kommuniziert mit dem im Himmel vor einem visualisierten Wesen uranfänglichen Erkennens (tib., ye shes sems pa). Ihr Verhältnis zueinander ist wie Diener und Herr.Man beabsichtigt, Hindernisse zu bereinigen und günstige Umstände für die spirituelle Praxis zu schaffen. In der formellen Meditationspraxis wird die Begegnung zwischen Gottheit und Praktizierenden ziemlich ähnlich einem theistischen Ansatz visualisiert. Vor einem im Raum etwas über dem Kopf wird die Meditationsgottheit als Mittel der Verwirklichung visualisiert. Die Quelle der Verwirklichungen wird noch außerhalb von einem selbst verstanden und die Praktizierenden hoffen durch das Erflehen des Segens auf die entsprechende Inspiration und den nötigen Schub für die Realisation. Dies ist die Praxis mit Merkmalen und man stellt sich dabei vor, wie von den Keimsilben an den drei Stellen der visualisierten Gottheit der Segensstrom zu einem selbst ausgeht.
Weiters werden Mantra-Rezitation – Klang – verwendet, sowie die Ausrichtung auf den Geist, den Grund und den Samadhi. Dadurch „bleibt man in der Flamme“, was eine Versenkung ähnlich dem Verweilen in Feuer und Lauten und ihrer Steigerung ist. Dieser Ansatz ist die Stütze für das ruhige Verweilen (tib., zhi gnas). Danach wird die Natur des Klangs untersucht und versteht so die Leerheit des Klangs. Indem man dann die Lautstärke der Mantra-Rezitation reduziert, ruht man schließlich in der Natur des Geistes ohne etwas zu ersinnen. Dies ist der Aspekt der durchdringenden Einsicht (tib., lhag mthong).

Verwirklichungen

Mittels der Praxis im Kriyatantra erreichen die Praktizierenden bestimmte Siddhis, d.h. besondere psychische Fähigkeiten. Da sich über die Praxis die subtilen Winde sammeln und dadurch die Elementwinde in den Zentralkanal bringen, erlangt man Kontrolle über die fünf Elemente, auch in ihrer äußeren Manifestation. Weiters werden die vier Arten der erleuchteten Aktivität entwickelt.
Man sagt, dass durch die Praxis des Kriyatantra die Erleuchtung nach sieben menschlichen Lebenszeiten erlangt wird. Da man die drei Buddhakayas – den Dharmakaya, Sambhogakaya und Nirmanakaya – realisiert, wird man zu einem Vajra-Halter der drei Familien. Dies sind die Tathagata-Familie, die Padma-Familie und die Vajra-Familie. Verkörpert werden diese durch Buddha Shakyamuni, Manjushri, Amitabha, Avalokiteshvara, Tara, sowie Akshobhya und Vajrapani. In den drei Handlungsebenen zeigt sich dies als Manjushri (Körper), Avalokiteshvara (Rede) und Vajrapani (Geist), die sich wiederum als Manifestationen von höchstem Verständnis, allumfassenden Mitgefühl und machtvollen Fähigkeiten zeigen.

Samaya – die heiligen Bande

Jamgon Kongtrul Lodrö Thaye führt in seinem „Unendlichen Ozean des Wissens“ (tib., shes bya mtha‘ yas pa’i rgya mtsho) 14 Verpflichtungen des Kriyatantra an. Diese sind 1) Vertrauen in die Drei Juwelen haben; 2) Vertrauen in die Guhyamantras, Vidyamantras und Dharanimantras; 3) ernsthaftes Interesse am Mahayana haben; 4) hingebungsvoll gegenüber den vier Arten des Gefährten des Verdienstfeldes sein; 5) sich nicht darüber ärgern, wenn zornvolle Riten mit der Meditationsgottheit nicht das gewünschte Ergebnis bringen; 6) Gabendarbringungen an den bestimmten Tagen vollbringen; 7) weder den Lehrern noch Schriften mit extremen Ansichten folgen; 8) unerwarteten Gästen Nahrung darbringen; 9) für alle Wesen nützlich sein; 10) den eigenen Verdienst vergrößern; 11) fleißig das Mantra rezitieren; 12) die Gelübde (der eigenen Buddha-Familie) halten; 13) Mantras oder Mudras nicht jenen lehren, die keine Samayas halten; und 14) die Tantras und Mantras verbergen und beschützen und nach Verwirklichung streben. Im Susiddhi werden 18 Gelübde gezählt, die jedoch nur eine etwas andere Einteilung der erwähnten 14 Gelübde sind.
Um etwaige Verfehlungen und Gelübdebrüche auf der Ebene des Kriyatantra zu bereinigen, rezitiert man 100.000 Mantras der Meditationsgottheit der eigenen Buddha-Familie oder man rezitiert den Text „Den unbesiegbaren Vajra, der wie Feuer leuchtet“ und führt friedvolle Feueropfer durch.
Diese Gelübde und Versprechen sind auch von den Praktizierenden des Yogatantra und des Höchsten Yogatantra (Anuttaratantra) zu beachten. Wenn möglich, sollten Brüche und Vergehen innerhalb eines Tages nach eintreten bereinigt werden.

Damit ist der Überblick über den Ansatz des Kriyatantra vollendet. In weiteren Blog-Beiträgen werden die anderen Ansätze der äußeren und inneren Tantras dargestellt. Da ich nicht in der Lage bin, wohlklingende Verse zu verfassen, die die Ohren der Buddhas und Bodhisattvas erfreuen, habe ich mich auf die Schriften der verwirklichten Meister gestützt. Möge es nützlich sein!

Weiterführende Literatur:

Jamgön Kongtrul Lodrö Thaye: „Buddhist Ethics“, Kalu Rinpoche Translation Group, Snow Lion Publication, Ithaca (NY), 1998
Jamgön Kongtrul Lodrö Thaye: „Systems of Buddhist Tantra“, Kalu Rinpoche Translation Group, Snow Lion Publication, Ithaca (NY), 2005
Jigme Lingpa & Kangyur Rinpoche: „Treasury of Precious Qualities, vol. 2, Vajrayana and the Great Perfection“, Padmakara Translation Group, Shambhala, 2013
Jigme Lingpa & Kangyur Rinpoche: „Treasury of Precious Qualities, vol. 1“, Padmakara Translation Group, Shambhala, 2010
Jamgon Mipham: „A Garland of Views: A Guide to View, Meditation, and Result in the Nine Vehicles“, Padmakara Translation Group, Shambhala, 2015
Tenga Rinpoche: „Sutra & Tantra. Die Wege des Buddhismus“, Übers.: Tina & Alex Draszczyk, Marpa Verlag, 1989

 

Verfasst von: Enrico Kosmus | 24. August 2017

Ngakpa-Retreat 2017

20170813_175244Beim Ngakpa-Retreat 2017 gab Lopon Ogyan Tanzin Rinpoche fünf Ermächtigungen:

  • Vajra Yogini
  • Rigdzin Düpa Dechen Namrol – Guru Rinpoche und die Versammlung der Vidyadharas
  • Chemchog Heruka
  • Drodül Thugje Chenpo (Chenrezig)
  • Dorje Drolö Pema Sogdrub – die geheime Praxis der Lebensessenz des zornvollen Gurus.

Zusätzlich übertrug er 100 weitere Praktiken zu Vajra Yogini, Guru Rinpoche, Chemchog Heruka, Kagye, den Dharma-Schützern Maning Mahakala, Dorje Legpa, Tsi’u Marpo, Shenpa, Shaza Hormo, Tsheringma, Achi Chökyi Drönma, Gesar, Pomra, Mahadeva, Aparatsitta, die vier großen Könige etc., Thugje Chenpo (Chenrezig), Dorje Drolö und den grundlegenden Übungen (Ngöndro).

Hier die Liste der Übertragungen – List of Transmissions – LOTR_2017.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 20. August 2017

Zeichen für ausgezeichnete und schlechte Lehrer

Von Longchenpa

LongchenRabjamSechs Dinge werden als Zeichen für ausgezeichnete Lehrer gelehrt:

  • Wenn jene (Schüler), die sich auf Lehrer stützen, dazu inspiriert werden, sich dem Dharma zuzuwenden, dann ist das ein Anzeichen, dass diese Lehrer durch spirituelle Verwirklichung Wolkenhaufen an Segen angesammelt haben.
  • Wenn Lehrer ihre Schüler zur Praxis ermutigen und ihre Schüler wiederum viele positive Eigenschaften hervorbringen, dann ist das ein Hinweis, dass dies Lehrer sind, die die großartigen Anweisungen der tiefgründigen mündlichen Überlieferungslinien übertragen.
  • Wenn Lehrer nicht eifersüchtig auf andere sind, z.B. dass diese ihr Gefolge oder ihren Besitz verlieren mögen, dann ist das ein Anzeichen dafür, dass die weltliche Geisteshaltung nach Eigentum und persönlichen Wünschen von ihnen abgefallen ist.
  • Wenn Lehrer es verstehen, wie man jeden auf jeder Verständnisebene des spirituellen Pfades einbezieht, dann ist das ein Zeichen dafür, dass sie angeborenes Mitgefühl und (geschickte) Mittel haben, um den Wesen zu nützen.
  • Wenn Lehrer fähig sind, jenen die leiden, in hohem Maße zu nützen, dann ist das ein Hinweis, dass sie in Mitgefühl geübt sind und unermessliches Bodhicitta entwickeln.
  • Wenn Lehrer einen weiten und zufriedenen Geist haben und frei von gewöhnlichen Interessen sind, dann ist das ein Anzeichen, dass sie innewohnendes Vertrauen haben, das aus dem Erkennen herrührt, wie die Dinge wirklich sind.

Halte Ausschau nach solch geeigneten Lehrern und stütze dich auf sie!

Es gibt sechs Arten durch die Schüler von den Fehlern schlechter Lehrer verunreinigt werden:

  • Schüler, die sich auf schlechte Berater verlassen, werden durch das Festhalten an den Extremen des naiven Bestätigens und nihilistischen Leugnens aufgrund der zweifelhaften Glaubenssysteme ihrer Lehrer verdorben.
  • Sie werden dazu angehalten, leidvolle, negative Handlungen aufgrund des unpassenden Verhaltens ihrer Lehrer zu begehen.
  • Sie werden zunehmend streitsüchtig und engstirnig aufgrund der Zeichen der minderwertigen spirituellen Errungenschaft ihrer Lehrer.
  • Sie sind nachlässig in ihren verwirrten Auffassungen und Gewohnheitsmustern, aufgrund der schlechten Meditation, die ihnen gelehrt wird.
  • Sie sind von weltlichen Angelegenheiten besessen, aufgrund der fragwürdigen spirituellen Methoden, in denen sie geschult werden.
  • Sie fallen in die niederen Bereiche der zyklischen Existenz, aufgrund der minderen Ziele, die ihnen als erstrebenswert gelehrt werden.

Daher ist für jene, die Vertrauen haben und die den Pfad der Befreiung suchen, ein schlechter Lehrer das größte Hindernis, verursacht durch Maras. Erkenne daher solche Lehrer und vermeide sie um jeden Preis!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 17. August 2017

Äußere und innere Tantras

statue-388896_1920Das Vajrayana, in der Tradition der Alten Übersetzung (Nyingma) auch als „Lehren der Vidyadharas“ genannt, bietet einen großen Lehrumfang, um Befreiung in einem Leben zu erlangen, d.h. die Natur des Geistes in diesem Leben zu realisieren. Häufig wird das Vajrayana auch als „Geheimes Mantrayana“ oder auch als „Tantrayana“ bezeichnet. Mit Tantra ist ein Kontinuum gemeint, und zwar das Kontinuum des Geistes. In dieser Lehrkategorie wird mit dem Strom der illusionsgleichen Erscheinungen, die in der Natur des Geistes auftauchen gearbeitet. Im Vajrayana wird die Lehre in Sicht, Pfad und Frucht gegliedert und basierend auf den zwei Stufen der meditativen Praxis mit und ohne Stütze ist sein Ansatz von unbeeindruckt von Härten, was für jene mit ausgezeichneter Erkenntnisfähigkeit rasch Resultate bringt. Dem Vajrayana gehen drei Yanas – das Shravakayana, Pratyekabuddhayana und Bodhisattvayana – voraus. Diese drei umfassen die Lehren des Sutrayana. Das Vajrayana wird manchmal auch als Bodhisattva-Mantrayana bezeichnet, da es auch als esoterischer Lehrkorpus des Mahayana verstanden werden kann. Gegliedert wird das Vajrayana in eine äußere und eine innere Kategorie.

Äußere Tantra-Ansätze

Die äußere Kategorie umfasst die drei äußeren Tantras – Kriya, Charya und Yoga. Diese drei äußeren Tantras betonen noch einen dualistischen Ansatz, der sich im Laufe ihrer Entwicklung immer mehr verfeinert bis schließlich im Yogatantra eine Vereinigung – Yoga – stattfindet. In den ersten beiden Ansätzen wird zunächst noch keine Vereinigung mit der Meditationsgottheit vorgenommen, wodurch die meditative Praxis einen leicht theistischen Eindruck hinterlässt. Diese drei Praxisansätze erfordern die Betonung von Reinheit und Entsagung um ihre Resultate zu verwirklichen. In vielen Fällen sind sie ein Ansatz, der rasch psychische Kräfte bewirkt, da über die verschiedenen Visualisierungen ein Fokus für die Klar-Lichtheit des Geistes gegeben ist.
Betreffend des Kriyatantra wird im Manjushrimulakalpa verkündet, dass die Mantra-Praxis, die in den Saiva-Tantras, Garuda-Tantras und Vaisnava-Tantras gelehrt wird, sehr wirkungsvoll sein werden, wenn sie unter dem Gesichtspunkt der Lehre Buddhas praktiziert werden, da sie ursprünglich von Manjushri gelehrt wurden. Der Eintritt in das Kriyatantra erfolgt durch eine zweifache Ermächtigung (Vasenwasser und Krone).
Das Charyatantra legt ähnlich wie das Kriyatantra Wert auf äußere Reinheit, aber betont nun auch den Aspekt des Erlangens der Befreiung durch Meditation. Äußerlich ist es dadurch dem Kriyatantra ähnlich und stellt auch noch einen offensichtlich dualistischen Ansatz dar. Der Eintritt in diese Tantra-Klasse erfolgt ähnlich dem Kriyatantra durch eine zweifache Ermächtigung, allerdings hat die Vasen-Ermächtigung vier Abschnitte auf.
Das Yogatantra ist die höchste Stufe der äußeren Tantras und die äußeren Verhaltensformen spielen hier eine geringere Rolle. Wie der Name „Yoga“ schon andeutet, wird hier mehr auf Vereinigung von Praktizierendem und Gottheit gelegt und die Innerlichkeit der Erfahrung betont. Der Eintritt in diese Tantra-Klasse erfolgt durch eine weitaus umfassendere Ermächtigung, bestehend aus einer Ermächtigung in die fünf Buddha-Familien und die Vajra-Meister-Ermächtigung. Die Gelübde werden im Unterschied zu den beiden ersten Tantra-Klassen als unüberschaubar groß bezeichnet.
Diese letzten beiden Tantra-Klassen haben sich auch in China und Japan weit verbreitet und wird in Japan in der Shingon-Tradition praktiziert.

Innere Tantra-Ansätze

Die inneren Tantras bestehen in der Nyingma-Tradition aus Maha, Anu und Ati bzw. werden in der Sarma-Tradition (Sakya, Kagyü, Gelug etc.) als Anuttaratantra bestehend aus Vater-Tantra, Mutter-Tantra und Nondualem Tantra. Das wesentliche Merkmal aller drei inneren Tantras ist die Selbstvisualisation als Meditationsgottheit, was bei den äußeren Tantras nicht gegeben war. Äußere Verhaltensweisen, Reinheit, Ritualanordnung sind untergeordnet, werden aber aus Respekt für die äußeren Tantras dennoch ausgeführt.
Die Klasse des Mahayoga betont die Visualisationspraxis, das Hervorbringen von Gottheit und Mandala. Im Anuyoga wird die Vollendungsstufenpraxis bestehend aus der Meditationspraxis mit den subtilen Kanälen, den subtilen Winden und subtilen Essenztropfen betont. Beim Atiyoga erfolgt die Praxis direkt mit der Natur des Geistes und seiner Klar-Lichtheit.
All dies sind Klassifizierungen, von denen in jeder inneren Tantra-Klasse alle Aspekte der jeweils anderen inneren Tantras vorkommen, aber eben verschieden gewichtet praktiziert werden.

In weiteren Beiträgen wird jedes Tantra mit seinem Ansatz, seiner Praxisart und Meditation, seinen damit verbundenen Verpflichtungen und Resultaten dargestellt. Bleibt dran! Möge es nützlich sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 29. Juli 2017

Erleuchtetes Wunderwirken

end-of-the-world-342343_1920Übernatürliche Phänomene und Zauberkräfte sind auch den verschiedenen buddhistischen Traditionen nicht fremd. Neben der Befreiung, die durch die Realisation der Leerheit aller Phänomene erreicht wird und sich in der Manifestation des Dharmakaya verkörpert, gibt es auch noch einen weiteren Aspekt, den des Formaspekts. Dieser Formaspekt manifestiert sich in einem subtilen und einem groben Aspekt. Diese werden Sambhogakaya und Nirmanakaya genannt. Die Formmanifestation ungetrennt vom grundlegenden Leersein dient dem Wohl der Wesen und wird dazu benutzt, auch Wesen, die schwer zu zähmen sind, zu führen.
Magische Kräfte wurden im Buddhismus schon immer als eine natürliche Folge von höheren spirituellen Errungenschaften angesehen und waren unauflösbar mit der Ausführung bestimmter Ritualformen verbunden. Da aber momentan die Vorstellung besteht, Buddhisten sitzen arhatgleich in Gleichmut, wird die Dimension der Wunderkräfte gerne ignoriert. Ein Grund dafür mag vielleicht sein, dass man die magischen Traditionen im Westen auch nicht mehr verstanden und wegen der mechanistischen und materialistischen Machbarkeit abgewertet hat. Im Westen gab es im Spätmittelalter bis ins 19. Jhdt. hinein eine reich blühende Literatur der Zauberbücher (Grimoire), in denen bestimmte Rituale höherer und niederer Natur dargelegt wurden.

Die Zauberbücher des Buddhismus

Dennoch ist es wert, sich mit diesem Aspekt der Lehre Buddhas näher zu befassen, da sich in verschiedensten Aufzeichnungen Hinweise dazu finden. Zwar findet man im Palikanon keine offensichtlichen Anleitungen, dennoch spricht der Buddha im Samannaphala Sutta über die allgemeinen und höheren Wunderkräfte, genauso wie im Mahasakuludayi Sutta entsprechende Hinweise zu finden sind. Im Mahasakuludayi Sutta steht: „Genau so habe ich meinen Schülern den Weg verkündet, wie man die verschiedenen Arten von übernatürlichen Kräften beherrscht: nachdem sie einer gewesen sind, vervielfältigen sie sich; nachdem sie sich vervielfältigt haben, werden sie einer; sie erscheinen und verschwinden; sie gehen ungehindert durch eine Wand, durch eine Einzäunung, durch einen Berg, als ob sie sich durch den freien Raum bewegten; sie tauchen in die Erde ein und aus ihr auf, als ob sie Wasser wäre; sie gehen übers Wasser gehen, ohne zu versinken, als ob es Erde wäre; sie reisen im Lotussitz durch den Raum, wie ein Vogel; sie berühren und streicheln mit der Hand den Mond und die Sonne, die so kraftvoll und mächtig sind; sie haben körperliche Beherrschung, die sogar bis zur Brahma-Welt reicht.“
Wie daran zu erkennen ist, wurden diese Lehren nicht der Allgemeinheit dargelegt, sondern nur einem kleineren Kreis an Schülern erteilt. Später wurden einige dieser Rituale und Zauberformeln auch in den Mahayana-Sutras wie z.B. dem Lankavatara-Sutra aufgezeichnet. Solche magischen Kräfte wurden von den Bodhisattvas manifestiert, um das Leiden der Wesen zu beseitigen und sie zur Befreiung zu führen. Diese Kräfte fallen in die Kategorie der „Geschickten Mittel“ (skt., upaya).
In Form von Zauberbüchern finden sich heute auch in der tibetischen Dharma-Tradition zahlreiche Texte zu diesem Thema. Ein wahrer Fundus dieser Grimoire-Literatur ist die „Sammlung kostbarer Schätze“ (Rinchen Terdzö; tib., rin chen gter mdzod), das von Jamgon Kongtrul Lodrö Thaye im 19. Jhdt. zusammengestellt wurde und aus 111 Bänden besteht. Einige Bände sind dieser Grimoire-Literatur gewidmet. Doch auch im Yuthog Nyingthig finden sich Anweisungen zu Heil-Mantras und zur Herstellung von Amuletten, genauso auch bei Ju Mipham Rinpoche, u.a. im Maha-Ati-Zyklus von Dudjom Lingpa oder in Panchen Nazawas „Naza Be’u Bum“ (tib., na bza‘ be’u bum) – einer Sammlung von esoterischen medizinischen Vorschriften und magischen Formeln für die Behebung verschiedener Leiden – oder dem Bari Be’u Bum von Bari Lotsawa, einer Sammlung, die auch verschiedenste Heilmantras und Anrufungen enthält, um nur einige wenige zu nennen.
Im Vajramala-Tantra wird gesagt: „Wenn jemand die Meditationsgottheit entsprechend dem Tantra praktiziert, erreicht er alle Verwirklichungen.“ Mit diesen Verwirklichungen sind die höchsten und gewöhnlichen Errungenschaften gemeint. Als höchste Errungenschaft gilt die Befreiung oder auch die Große Übertragung in den jugendlichen Vasenkörper oder die Realisation des Regenbogenkörpers. Die gewöhnlichen Errungenschaften sind besondere psychische Kräfte, Hellsehen, Bilokation oder ähnliches.

Vierfaches erleuchtetes Wirken

Man kennt im Dharma vier Arten der erleuchteten Aktivität. Diese ergeben sich aus den Mantra-Siddhis, der Kraft durch Versenkung in die Mantra-Visualisation und –Rezitation. Als Vorbedingung für die erfolgreiche Anwendung muss die Praxis der Meditationsgottheit ausgeführt werden, wobei der Aspekt der Visualisation und Erzeugung dieser Meditationsgottheit entscheidend ist. Durch die vierfache Ermächtigung wird man in diese Praxis eingeführt und lernt im Laufe der Praxis das gewöhnliche Konzept des Körpers zu transformieren, sodass die vier erleuchteten Aktivitäten erfolgreich ausgeführt werden können.
Die erleuchtete Aktivität des Befriedens wird eingesetzt, um Krankheiten zu heilen, äußere und innere Hindernisse zu beruhigen, gegen störende Gefühle, gegen Geister, Dämonen und alles, was Schwierigkeiten bereiten könnte. Die erleuchtete Aktivität des Vermehrens führt zum Anwachsen von Lebensspanne, Wohlstand, Ansehen, Ausstrahlung, Gefolge und Verdienst, sowie den eigenen Erfahrungen und der Realisation. Die erleuchtete Aktivität des Magnetisierens ist ein Heranziehen und unter Kontrolle bringen von hartnäckig störenden Wesen. Man verschafft sich auf diese Weise auch Respekt. Auf diese Weise werden Wesen unter Dienst gestellt und unterworfen, man hat die Kraft, andere Wesen wie weltliche Gottheiten, Geister und Dämonen – also alle nichtmenschlichen Wesen – anzuziehen und von ihnen ihre magischen Kräfte zu erlangen. Die erleuchtete Aktivität des „Heiligen Zorns“ ist eine machtvolle, zornvolle Ritualhandlung. Diese wird gegen rigide Geisteshaltungen eingesetzt, gegen die zehn Feinde des Dharma, aber auch gegen Geister und Dämonen, um ihr reines Bewusstsein aus dem Festhalten an Form zu befreien und ihre Elemente zu transformieren.
Wesentlich für das Ausführen dieser erleuchteten Ritualhandlungen sind die Grundlagen des Dharma – Zuflucht; Bodhicitta; reine Sicht; die Fähigkeit, Wesen auf den Pfad der Befreiung zu führen usw.

Weltliche Wunderkräfte

Zu den gewöhnlichen Verwirklichungen zählen das Siddhi des Schwertes, das Siddhi der Augenmedizin, das Siddhi der Pillen, das Siddhi des schnellen Gehens, das Siddhi des Sehens unter die Erde, das Siddhi der Unsichtbarkeit, das Siddhi des langen Lebens und das Siddhi, durch das man Kupfer und Eisen in Gold verwandeln kann.
Es hängt von der eigenen Realisation ab, ob man diese Siddhis verwirklichen kann. Nicht alle können dies. Auch gliedern sich die gewöhnlichen Verwirklichungen in drei Gruppen: 1) niedere Siddhis; 2) mittlere Siddhis; und 3) höhere Siddhis. Zu den niederen Siddhis gehören die vier Aktivitäten und die zwölf Taten, die mit den vier Aktivitäten in Verbindung stehen. Zu den zwölf Taten gehören u.a. Fähigkeiten wie, Wesen zu kontrollieren, zu fangen, sie heranzuziehen, zu trennen usw. Die acht Vollendungen wurden bereits zuvor genannt. Zu den acht höheren Siddhis zählt die Fähigkeit, in verschiedenen Manifestationen den Wesen zu nützen, Kontrolle über die Lebensdauer zu haben oder sich in verschiedene Formen zu verwandeln.

Außergewöhnliche Kräfte

Zu den außergewöhnlichen Siddhis zählen die Fähigkeit, sich in verschiedenen Formen manifestieren, die Körpergröße verändern, das Körpergewicht verändern, die Fähigkeit des Durchdringens von fester Materie, sowie einen durchsichtigen Körper zu manifestieren. Man kann den Regenbogenkörper manifestieren, man geht in den Raum ein und man erlangt den Vajra-Körper, die Vajra-Rede und den Vajra-Geist. Und schließlich ist es die Befreiung in die letztendliche Realität aller Dinge, sowie das Erkennen der relativen Wahrheit.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 24. Juli 2017

Selbst und Wiedergeburt

Von Vasubhandu

VasubandhuDie „Verse der Abhandlung des Abhidharma“ von Vasubhandu sind ein Schlüsselwerk zum Abhidharma. Diese wurden im 4. oder 5. Jhdt. von Vasubhandu in Sanskrit verfasst und fassen die Sicht und die Lehrsätze der Sautrantika in ca. 600 Versen zusammen. Dieser Text wurde von verschiedenen buddhistischen Schulen in Indien, Tibet und Ostasien geschätzt und verwendet. Darin behandelt er verschiedene Kritikpunkte der Sarvastivadins, Vaibhashikas usw., sowie der Pudgalavadins. Hier folgt nun Vasubhandus Darlegung über Wiedergeburt.

Die Nicht-Buddhisten, die an ein Selbst glauben, sagen: „Wenn man anerkennt, dass ein Wesen in einen andere Welt hinübergeht, dann ist damit das Selbst (Atman), an das ich glaube, bewiesen.“

Anatman – Nicht-Selbst

Um diese Lehre zurückzuweisen, sagt Vasubandhu: „Das Selbst (Atman) existiert nicht. Das Selbst, an das ihr glaubt, eine Wesenheit, die die Skandhas der einen Existenz aufgibt und die Skandhas einer anderen Existenz annimmt, ein innerer Ausführender der Tat, ein Purusha – dieses Atman (Selbst) existiert nicht. Tatsächlich sagte der Gesegnete (Buddha): „Handlung existiert und Resultate existieren, aber es gibt keinen Handelnden, der diese Skandhas hier aufgibt und jene Skandhas dort annimmt, unabhängig von der ursächlichen Beziehung der Dharmas. Was ist diese ursächliche Verbindung? Und zwar wenn dies existiert, dann existiert jenes. Durch das Entstehen von diesem, gibt es das Entstehen von jenem. Das ist wechselseitig bedingtes Entstehen.“

Atman – konventionelles Selbst

„Gibt es dann,“ fragen die Nicht-Buddhisten, „eine Art von Atman, das du nicht negierst?“
„Nur die Skandhas, bedingt durch Befleckung und Tat inkarnieren durch sich selbst wieder, durch eine Serie von Zwischenzuständen. Ein Beispiel dafür ist eine Lampe.
Wir leugnen kein Selbst, das durch Bezeichnung existiert, ein Selbst, das nur ein Name ist, welcher den Skandhas gegeben wird. Aber nichts ist uns ferner als der Gedanke, dass die Skandhas in eine andere Welt hinübergehen! Sie sind vorübergehend und flüchtig und unfähig des Fortziehens. Wir sagen, dass das Fehlen jeglichen Selbst, jedes dauerhaften Prinzips, die Reihe der bedingten Skandhas, „gemacht aus“ den Befleckungen und Taten in den Schoß der Mutter eintritt, und dass diese Abfolge vom Tod bis zur Geburt fortgesetzt wird und durch eine Abfolge von ersetzt wird, die sich aus dem Zwischenzustand bildet.

Eine Abfolge der Skandhas

Im Einklang mit seiner projizierten Ursache wächst die Abfolge stufenweise und aufgrund der Befleckungen und Taten geht sie wiederum in eine andere Welt.
Taten, deren Vergeltung man ihrer Natur nach in diesem Leben erfährt, unterscheiden sich entsprechend der Wesen. Nicht alle Reihen der Skandhas werden zur selben Zeit in die Existenz projiziert, wo sie entstanden sind. Diese Reihen setzen sich dann bis zu dem Ausmaß fort, wo sie hin projiziert werden. Dieses Wachstum ist stufenweise, wie die Schriften lehren: „Die erste (Stufe) ist kalala, die (zweite Stufe) arbuda entsteht aus der kalala, die (dritte Stufe) peshin entsteht aus arbuda, die (vierte Stufe) ghana entsteht aus peshin und aus der (Stufe) ghana erscheint die (Stufe) prashakha, Haare, Körperhaare, Nägel etc. und die materiellen Organe mit ihren Stützen.“ Kalala etc. sind die fünf Stufen des Embryos.

Embryoreifung

Wenn dann der Embryo, dieser Thron, herangereift ist, dann erscheinen im Schoß Winde auf, die aus dem Reifen der Taten entstehen, die bewirken, dass sich der Embryo dreht und sich in Richtung seiner Geburtsöffnung legt. Es ist schwierig sich zu bewegen, wie eine große Masse verborgener Unreinheit. Manchmal stirbt der Embryo ab, entweder aufgrund der unvorteilhaften Ernährung der Mutter oder aufgrund der Taten. Dann legt eine kundige Frau ihre Hände eine scharfe Klinge haltend in diese wunde, übelriechende und feuchte Öffnung, die der Schoß ist, nachdem sie (die Hände) mit allen Arten von Drogen benetzt hat. Sie zieht den (toten) Embryo heraus, nachdem sie ihm die Glieder abgeschnitten hat. Und die Reihen (der Skandhas) des Embryos gehen aufgrund der Tat wo anders hin.
Oder die Geburt verläuft glücklich. Die Mutter und die Diener nehmen das neugeborene Kind in ihre Hände, die sich für das Neugeborene wie Messer und Säure anfühlen, das nun so empfindlich wie eine offene Wunde ist. Jemand wäscht das Kind, jemand nährt es mit Milch und frischer Butter und später mit fester Nahrung. So wächst es heran. Aufgrund seiner Entwicklung reifen die Organe und die Befleckungen beginnen aktiv zu werden, wovon wiederum Tat entsteht. Und wenn der Körper stirbt, gehen die Reihen (der Skandhas) aufgrund der Befleckungen und Taten in eine nächste Existenz über, durch das Wirkende des Zwischenzustandes, wie zuvor erwähnt.

Ohne Anfang und Ende

Auf diese Weise ist der Kreis der Existenz ohne Anfang. Entstanden aufgrund von Befleckungen und Taten, Befleckungen und Taten aufgrund von Entstehen, entstehen aufgrund von Befleckungen und Taten: der Kreis der Existenzen ist somit ohne Beginn. Damit es beginnen könnte, wäre es notwendig, dass das erste Element keine Ursache hätte. Und wenn ein Phänomen ohne eine Ursache erscheint, dann würden alle Phänomene ohne Ursachen erscheinen. Nun zeigt aber die Bestimmung von Zeit und Ort, dass ein Same einen Sprössling hervorbringt, das ein Feuer kocht. Daher gibt es kein Erscheinen, das keine Ursachen hat. Andererseits wurde die Theorie einer einzigen und dauerhaften Ursache bereits oben zurückgewiesen. Deshalb hat der Kreis der Existenz keinen Anfang.
Aber Geburt, die aus Ursachen herrührt, würde nicht geschehen, wenn ihre Ursachen zerstört würden. Auf dieselbe Weise würde ein Sprössling nicht erscheinen, wenn sein Same verbrannt würde.

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