Verfasst von: Enrico Kosmus | 17. August 2017

Äußere und innere Tantras

statue-388896_1920Das Vajrayana, in der Tradition der Alten Übersetzung (Nyingma) auch als „Lehren der Vidyadharas“ genannt, bietet einen großen Lehrumfang, um Befreiung in einem Leben zu erlangen, d.h. die Natur des Geistes in diesem Leben zu realisieren. Häufig wird das Vajrayana auch als „Geheimes Mantrayana“ oder auch als „Tantrayana“ bezeichnet. Mit Tantra ist ein Kontinuum gemeint, und zwar das Kontinuum des Geistes. In dieser Lehrkategorie wird mit dem Strom der illusionsgleichen Erscheinungen, die in der Natur des Geistes auftauchen gearbeitet. Im Vajrayana wird die Lehre in Sicht, Pfad und Frucht gegliedert und basierend auf den zwei Stufen der meditativen Praxis mit und ohne Stütze ist sein Ansatz von unbeeindruckt von Härten, was für jene mit ausgezeichneter Erkenntnisfähigkeit rasch Resultate bringt. Dem Vajrayana gehen drei Yanas – das Shravakayana, Pratyekabuddhayana und Bodhisattvayana – voraus. Diese drei umfassen die Lehren des Sutrayana. Das Vajrayana wird manchmal auch als Bodhisattva-Mantrayana bezeichnet, da es auch als esoterischer Lehrkorpus des Mahayana verstanden werden kann. Gegliedert wird das Vajrayana in eine äußere und eine innere Kategorie.

Äußere Tantra-Ansätze

Die äußere Kategorie umfasst die drei äußeren Tantras – Kriya, Charya und Yoga. Diese drei äußeren Tantras betonen noch einen dualistischen Ansatz, der sich im Laufe ihrer Entwicklung immer mehr verfeinert bis schließlich im Yogatantra eine Vereinigung – Yoga – stattfindet. In den ersten beiden Ansätzen wird zunächst noch keine Vereinigung mit der Meditationsgottheit vorgenommen, wodurch die meditative Praxis einen leicht theistischen Eindruck hinterlässt. Diese drei Praxisansätze erfordern die Betonung von Reinheit und Entsagung um ihre Resultate zu verwirklichen. In vielen Fällen sind sie ein Ansatz, der rasch psychische Kräfte bewirkt, da über die verschiedenen Visualisierungen ein Fokus für die Klar-Lichtheit des Geistes gegeben ist.
Betreffend des Kriyatantra wird im Manjushrimulakalpa verkündet, dass die Mantra-Praxis, die in den Saiva-Tantras, Garuda-Tantras und Vaisnava-Tantras gelehrt wird, sehr wirkungsvoll sein werden, wenn sie unter dem Gesichtspunkt der Lehre Buddhas praktiziert werden, da sie ursprünglich von Manjushri gelehrt wurden. Der Eintritt in das Kriyatantra erfolgt durch eine zweifache Ermächtigung (Vasenwasser und Krone).
Das Charyatantra legt ähnlich wie das Kriyatantra Wert auf äußere Reinheit, aber betont nun auch den Aspekt des Erlangens der Befreiung durch Meditation. Äußerlich ist es dadurch dem Kriyatantra ähnlich und stellt auch noch einen offensichtlich dualistischen Ansatz dar. Der Eintritt in diese Tantra-Klasse erfolgt ähnlich dem Kriyatantra durch eine zweifache Ermächtigung, allerdings hat die Vasen-Ermächtigung vier Abschnitte auf.
Das Yogatantra ist die höchste Stufe der äußeren Tantras und die äußeren Verhaltensformen spielen hier eine geringere Rolle. Wie der Name „Yoga“ schon andeutet, wird hier mehr auf Vereinigung von Praktizierendem und Gottheit gelegt und die Innerlichkeit der Erfahrung betont. Der Eintritt in diese Tantra-Klasse erfolgt durch eine weitaus umfassendere Ermächtigung, bestehend aus einer Ermächtigung in die fünf Buddha-Familien und die Vajra-Meister-Ermächtigung. Die Gelübde werden im Unterschied zu den beiden ersten Tantra-Klassen als unüberschaubar groß bezeichnet.
Diese letzten beiden Tantra-Klassen haben sich auch in China und Japan weit verbreitet und wird in Japan in der Shingon-Tradition praktiziert.

Innere Tantra-Ansätze

Die inneren Tantras bestehen in der Nyingma-Tradition aus Maha, Anu und Ati bzw. werden in der Sarma-Tradition (Sakya, Kagyü, Gelug etc.) als Anuttaratantra bestehend aus Vater-Tantra, Mutter-Tantra und Nondualem Tantra. Das wesentliche Merkmal aller drei inneren Tantras ist die Selbstvisualisation als Meditationsgottheit, was bei den äußeren Tantras nicht gegeben war. Äußere Verhaltensweisen, Reinheit, Ritualanordnung sind untergeordnet, werden aber aus Respekt für die äußeren Tantras dennoch ausgeführt.
Die Klasse des Mahayoga betont die Visualisationspraxis, das Hervorbringen von Gottheit und Mandala. Im Anuyoga wird die Vollendungsstufenpraxis bestehend aus der Meditationspraxis mit den subtilen Kanälen, den subtilen Winden und subtilen Essenztropfen betont. Beim Atiyoga erfolgt die Praxis direkt mit der Natur des Geistes und seiner Klar-Lichtheit.
All dies sind Klassifizierungen, von denen in jeder inneren Tantra-Klasse alle Aspekte der jeweils anderen inneren Tantras vorkommen, aber eben verschieden gewichtet praktiziert werden.

In weiteren Beiträgen wird jedes Tantra mit seinem Ansatz, seiner Praxisart und Meditation, seinen damit verbundenen Verpflichtungen und Resultaten dargestellt. Bleibt dran! Möge es nützlich sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 29. Juli 2017

Erleuchtetes Wunderwirken

end-of-the-world-342343_1920Übernatürliche Phänomene und Zauberkräfte sind auch den verschiedenen buddhistischen Traditionen nicht fremd. Neben der Befreiung, die durch die Realisation der Leerheit aller Phänomene erreicht wird und sich in der Manifestation des Dharmakaya verkörpert, gibt es auch noch einen weiteren Aspekt, den des Formaspekts. Dieser Formaspekt manifestiert sich in einem subtilen und einem groben Aspekt. Diese werden Sambhogakaya und Nirmanakaya genannt. Die Formmanifestation ungetrennt vom grundlegenden Leersein dient dem Wohl der Wesen und wird dazu benutzt, auch Wesen, die schwer zu zähmen sind, zu führen.
Magische Kräfte wurden im Buddhismus schon immer als eine natürliche Folge von höheren spirituellen Errungenschaften angesehen und waren unauflösbar mit der Ausführung bestimmter Ritualformen verbunden. Da aber momentan die Vorstellung besteht, Buddhisten sitzen arhatgleich in Gleichmut, wird die Dimension der Wunderkräfte gerne ignoriert. Ein Grund dafür mag vielleicht sein, dass man die magischen Traditionen im Westen auch nicht mehr verstanden und wegen der mechanistischen und materialistischen Machbarkeit abgewertet hat. Im Westen gab es im Spätmittelalter bis ins 19. Jhdt. hinein eine reich blühende Literatur der Zauberbücher (Grimoire), in denen bestimmte Rituale höherer und niederer Natur dargelegt wurden.

Die Zauberbücher des Buddhismus

Dennoch ist es wert, sich mit diesem Aspekt der Lehre Buddhas näher zu befassen, da sich in verschiedensten Aufzeichnungen Hinweise dazu finden. Zwar findet man im Palikanon keine offensichtlichen Anleitungen, dennoch spricht der Buddha im Samannaphala Sutta über die allgemeinen und höheren Wunderkräfte, genauso wie im Mahasakuludayi Sutta entsprechende Hinweise zu finden sind. Im Mahasakuludayi Sutta steht: „Genau so habe ich meinen Schülern den Weg verkündet, wie man die verschiedenen Arten von übernatürlichen Kräften beherrscht: nachdem sie einer gewesen sind, vervielfältigen sie sich; nachdem sie sich vervielfältigt haben, werden sie einer; sie erscheinen und verschwinden; sie gehen ungehindert durch eine Wand, durch eine Einzäunung, durch einen Berg, als ob sie sich durch den freien Raum bewegten; sie tauchen in die Erde ein und aus ihr auf, als ob sie Wasser wäre; sie gehen übers Wasser gehen, ohne zu versinken, als ob es Erde wäre; sie reisen im Lotussitz durch den Raum, wie ein Vogel; sie berühren und streicheln mit der Hand den Mond und die Sonne, die so kraftvoll und mächtig sind; sie haben körperliche Beherrschung, die sogar bis zur Brahma-Welt reicht.“
Wie daran zu erkennen ist, wurden diese Lehren nicht der Allgemeinheit dargelegt, sondern nur einem kleineren Kreis an Schülern erteilt. Später wurden einige dieser Rituale und Zauberformeln auch in den Mahayana-Sutras wie z.B. dem Lankavatara-Sutra aufgezeichnet. Solche magischen Kräfte wurden von den Bodhisattvas manifestiert, um das Leiden der Wesen zu beseitigen und sie zur Befreiung zu führen. Diese Kräfte fallen in die Kategorie der „Geschickten Mittel“ (skt., upaya).
In Form von Zauberbüchern finden sich heute auch in der tibetischen Dharma-Tradition zahlreiche Texte zu diesem Thema. Ein wahrer Fundus dieser Grimoire-Literatur ist die „Sammlung kostbarer Schätze“ (Rinchen Terdzö; tib., rin chen gter mdzod), das von Jamgon Kongtrul Lodrö Thaye im 19. Jhdt. zusammengestellt wurde und aus 111 Bänden besteht. Einige Bände sind dieser Grimoire-Literatur gewidmet. Doch auch im Yuthog Nyingthig finden sich Anweisungen zu Heil-Mantras und zur Herstellung von Amuletten, genauso auch bei Ju Mipham Rinpoche, u.a. im Maha-Ati-Zyklus von Dudjom Lingpa oder in Panchen Nazawas „Naza Be’u Bum“ (tib., na bza‘ be’u bum) – einer Sammlung von esoterischen medizinischen Vorschriften und magischen Formeln für die Behebung verschiedener Leiden – oder dem Bari Be’u Bum von Bari Lotsawa, einer Sammlung, die auch verschiedenste Heilmantras und Anrufungen enthält, um nur einige wenige zu nennen.
Im Vajramala-Tantra wird gesagt: „Wenn jemand die Meditationsgottheit entsprechend dem Tantra praktiziert, erreicht er alle Verwirklichungen.“ Mit diesen Verwirklichungen sind die höchsten und gewöhnlichen Errungenschaften gemeint. Als höchste Errungenschaft gilt die Befreiung oder auch die Große Übertragung in den jugendlichen Vasenkörper oder die Realisation des Regenbogenkörpers. Die gewöhnlichen Errungenschaften sind besondere psychische Kräfte, Hellsehen, Bilokation oder ähnliches.

Vierfaches erleuchtetes Wirken

Man kennt im Dharma vier Arten der erleuchteten Aktivität. Diese ergeben sich aus den Mantra-Siddhis, der Kraft durch Versenkung in die Mantra-Visualisation und –Rezitation. Als Vorbedingung für die erfolgreiche Anwendung muss die Praxis der Meditationsgottheit ausgeführt werden, wobei der Aspekt der Visualisation und Erzeugung dieser Meditationsgottheit entscheidend ist. Durch die vierfache Ermächtigung wird man in diese Praxis eingeführt und lernt im Laufe der Praxis das gewöhnliche Konzept des Körpers zu transformieren, sodass die vier erleuchteten Aktivitäten erfolgreich ausgeführt werden können.
Die erleuchtete Aktivität des Befriedens wird eingesetzt, um Krankheiten zu heilen, äußere und innere Hindernisse zu beruhigen, gegen störende Gefühle, gegen Geister, Dämonen und alles, was Schwierigkeiten bereiten könnte. Die erleuchtete Aktivität des Vermehrens führt zum Anwachsen von Lebensspanne, Wohlstand, Ansehen, Ausstrahlung, Gefolge und Verdienst, sowie den eigenen Erfahrungen und der Realisation. Die erleuchtete Aktivität des Magnetisierens ist ein Heranziehen und unter Kontrolle bringen von hartnäckig störenden Wesen. Man verschafft sich auf diese Weise auch Respekt. Auf diese Weise werden Wesen unter Dienst gestellt und unterworfen, man hat die Kraft, andere Wesen wie weltliche Gottheiten, Geister und Dämonen – also alle nichtmenschlichen Wesen – anzuziehen und von ihnen ihre magischen Kräfte zu erlangen. Die erleuchtete Aktivität des „Heiligen Zorns“ ist eine machtvolle, zornvolle Ritualhandlung. Diese wird gegen rigide Geisteshaltungen eingesetzt, gegen die zehn Feinde des Dharma, aber auch gegen Geister und Dämonen, um ihr reines Bewusstsein aus dem Festhalten an Form zu befreien und ihre Elemente zu transformieren.
Wesentlich für das Ausführen dieser erleuchteten Ritualhandlungen sind die Grundlagen des Dharma – Zuflucht; Bodhicitta; reine Sicht; die Fähigkeit, Wesen auf den Pfad der Befreiung zu führen usw.

Weltliche Wunderkräfte

Zu den gewöhnlichen Verwirklichungen zählen das Siddhi des Schwertes, das Siddhi der Augenmedizin, das Siddhi der Pillen, das Siddhi des schnellen Gehens, das Siddhi des Sehens unter die Erde, das Siddhi der Unsichtbarkeit, das Siddhi des langen Lebens und das Siddhi, durch das man Kupfer und Eisen in Gold verwandeln kann.
Es hängt von der eigenen Realisation ab, ob man diese Siddhis verwirklichen kann. Nicht alle können dies. Auch gliedern sich die gewöhnlichen Verwirklichungen in drei Gruppen: 1) niedere Siddhis; 2) mittlere Siddhis; und 3) höhere Siddhis. Zu den niederen Siddhis gehören die vier Aktivitäten und die zwölf Taten, die mit den vier Aktivitäten in Verbindung stehen. Zu den zwölf Taten gehören u.a. Fähigkeiten wie, Wesen zu kontrollieren, zu fangen, sie heranzuziehen, zu trennen usw. Die acht Vollendungen wurden bereits zuvor genannt. Zu den acht höheren Siddhis zählt die Fähigkeit, in verschiedenen Manifestationen den Wesen zu nützen, Kontrolle über die Lebensdauer zu haben oder sich in verschiedene Formen zu verwandeln.

Außergewöhnliche Kräfte

Zu den außergewöhnlichen Siddhis zählen die Fähigkeit, sich in verschiedenen Formen z manifestieren, die Körpergröße zu verändern, das Körpergewicht zu verändern, die Fähigkeit des Durchdringens von fester Materie, sowie einen durchsichtigen Körper zu manifestieren. Man kann den Regenbogenkörper manifestieren, man geht in den Raum ein und man erlangt den Vajra-Körper, die Vajra-Rede und den Vajra-Geist. Und schließlich ist es die Befreiung in die letztendliche Realität aller Dinge, sowie das Erkennen der relativen Wahrheit.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 24. Juli 2017

Selbst und Wiedergeburt

Von Vasubhandu

VasubandhuDie „Verse der Abhandlung des Abhidharma“ von Vasubhandu sind ein Schlüsselwerk zum Abhidharma. Diese wurden im 4. oder 5. Jhdt. von Vasubhandu in Sanskrit verfasst und fassen die Sicht und die Lehrsätze der Sautrantika in ca. 600 Versen zusammen. Dieser Text wurde von verschiedenen buddhistischen Schulen in Indien, Tibet und Ostasien geschätzt und verwendet. Darin behandelt er verschiedene Kritikpunkte der Sarvastivadins, Vaibhashikas usw., sowie der Pudgalavadins. Hier folgt nun Vasubhandus Darlegung über Wiedergeburt.

Die Nicht-Buddhisten, die an ein Selbst glauben, sagen: „Wenn man anerkennt, dass ein Wesen in einen andere Welt hinübergeht, dann ist damit das Selbst (Atman), an das ich glaube, bewiesen.“

Anatman – Nicht-Selbst

Um diese Lehre zurückzuweisen, sagt Vasubandhu: „Das Selbst (Atman) existiert nicht. Das Selbst, an das ihr glaubt, eine Wesenheit, die die Skandhas der einen Existenz aufgibt und die Skandhas einer anderen Existenz annimmt, ein innerer Ausführender der Tat, ein Purusha – dieses Atman (Selbst) existiert nicht. Tatsächlich sagte der Gesegnete (Buddha): „Handlung existiert und Resultate existieren, aber es gibt keinen Handelnden, der diese Skandhas hier aufgibt und jene Skandhas dort annimmt, unabhängig von der ursächlichen Beziehung der Dharmas. Was ist diese ursächliche Verbindung? Und zwar wenn dies existiert, dann existiert jenes. Durch das Entstehen von diesem, gibt es das Entstehen von jenem. Das ist wechselseitig bedingtes Entstehen.“

Atman – konventionelles Selbst

„Gibt es dann,“ fragen die Nicht-Buddhisten, „eine Art von Atman, das du nicht negierst?“
„Nur die Skandhas, bedingt durch Befleckung und Tat inkarnieren durch sich selbst wieder, durch eine Serie von Zwischenzuständen. Ein Beispiel dafür ist eine Lampe.
Wir leugnen kein Selbst, das durch Bezeichnung existiert, ein Selbst, das nur ein Name ist, welcher den Skandhas gegeben wird. Aber nichts ist uns ferner als der Gedanke, dass die Skandhas in eine andere Welt hinübergehen! Sie sind vorübergehend und flüchtig und unfähig des Fortziehens. Wir sagen, dass das Fehlen jeglichen Selbst, jedes dauerhaften Prinzips, die Reihe der bedingten Skandhas, „gemacht aus“ den Befleckungen und Taten in den Schoß der Mutter eintritt, und dass diese Abfolge vom Tod bis zur Geburt fortgesetzt wird und durch eine Abfolge von ersetzt wird, die sich aus dem Zwischenzustand bildet.

Eine Abfolge der Skandhas

Im Einklang mit seiner projizierten Ursache wächst die Abfolge stufenweise und aufgrund der Befleckungen und Taten geht sie wiederum in eine andere Welt.
Taten, deren Vergeltung man ihrer Natur nach in diesem Leben erfährt, unterscheiden sich entsprechend der Wesen. Nicht alle Reihen der Skandhas werden zur selben Zeit in die Existenz projiziert, wo sie entstanden sind. Diese Reihen setzen sich dann bis zu dem Ausmaß fort, wo sie hin projiziert werden. Dieses Wachstum ist stufenweise, wie die Schriften lehren: „Die erste (Stufe) ist kalala, die (zweite Stufe) arbuda entsteht aus der kalala, die (dritte Stufe) peshin entsteht aus arbuda, die (vierte Stufe) ghana entsteht aus peshin und aus der (Stufe) ghana erscheint die (Stufe) prashakha, Haare, Körperhaare, Nägel etc. und die materiellen Organe mit ihren Stützen.“ Kalala etc. sind die fünf Stufen des Embryos.

Embryoreifung

Wenn dann der Embryo, dieser Thron, herangereift ist, dann erscheinen im Schoß Winde auf, die aus dem Reifen der Taten entstehen, die bewirken, dass sich der Embryo dreht und sich in Richtung seiner Geburtsöffnung legt. Es ist schwierig sich zu bewegen, wie eine große Masse verborgener Unreinheit. Manchmal stirbt der Embryo ab, entweder aufgrund der unvorteilhaften Ernährung der Mutter oder aufgrund der Taten. Dann legt eine kundige Frau ihre Hände eine scharfe Klinge haltend in diese wunde, übelriechende und feuchte Öffnung, die der Schoß ist, nachdem sie (die Hände) mit allen Arten von Drogen benetzt hat. Sie zieht den (toten) Embryo heraus, nachdem sie ihm die Glieder abgeschnitten hat. Und die Reihen (der Skandhas) des Embryos gehen aufgrund der Tat wo anders hin.
Oder die Geburt verläuft glücklich. Die Mutter und die Diener nehmen das neugeborene Kind in ihre Hände, die sich für das Neugeborene wie Messer und Säure anfühlen, das nun so empfindlich wie eine offene Wunde ist. Jemand wäscht das Kind, jemand nährt es mit Milch und frischer Butter und später mit fester Nahrung. So wächst es heran. Aufgrund seiner Entwicklung reifen die Organe und die Befleckungen beginnen aktiv zu werden, wovon wiederum Tat entsteht. Und wenn der Körper stirbt, gehen die Reihen (der Skandhas) aufgrund der Befleckungen und Taten in eine nächste Existenz über, durch das Wirkende des Zwischenzustandes, wie zuvor erwähnt.

Ohne Anfang und Ende

Auf diese Weise ist der Kreis der Existenz ohne Anfang. Entstanden aufgrund von Befleckungen und Taten, Befleckungen und Taten aufgrund von Entstehen, entstehen aufgrund von Befleckungen und Taten: der Kreis der Existenzen ist somit ohne Beginn. Damit es beginnen könnte, wäre es notwendig, dass das erste Element keine Ursache hätte. Und wenn ein Phänomen ohne eine Ursache erscheint, dann würden alle Phänomene ohne Ursachen erscheinen. Nun zeigt aber die Bestimmung von Zeit und Ort, dass ein Same einen Sprössling hervorbringt, das ein Feuer kocht. Daher gibt es kein Erscheinen, das keine Ursachen hat. Andererseits wurde die Theorie einer einzigen und dauerhaften Ursache bereits oben zurückgewiesen. Deshalb hat der Kreis der Existenz keinen Anfang.
Aber Geburt, die aus Ursachen herrührt, würde nicht geschehen, wenn ihre Ursachen zerstört würden. Auf dieselbe Weise würde ein Sprössling nicht erscheinen, wenn sein Same verbrannt würde.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 20. Juli 2017

Männer, Frauen und Mönche – Dharma in Tibet

the-law-of-the-2454702_1920Als Guru Padmasambhava nach Tibet kam, hatte er im Laufe der Jahre 25 Herzensschüler (tib., rje ‚bangs nyer lnga), denen er die wichtigsten Lehren übertrug. Eine Liste dieser Schüler findet sich im Lama Gongdü. Gewöhnlich werden der Dharma-König Trisong De’u-Tsen und 24 oder 25 Schüler aufgezählt. Wie aus der tibetischen Bezeichnung „rje“ ersichtlich ist, ist damit der König gemeint und das „‚bangs“ bezeichnet 25 Untertanen.
Als Herzensschüler werden im Vajrayana jene Schüler bezeichnet, die ein spezielles Verhältnis zum Lehrer haben. Doch stellen sie in Tibet die Basis für die Überlieferung des Vajrayana dar. Guru Padmasambhava übertrug allen diesen 25 Schüler bestimmte Lehren, auch mit der Prophezeiung verbunden, in zukünftigen Zeiten wieder in Erscheinung zu treten und diese Lehren zum gegebenen Zeitpunkt zu offenbaren und zu verbreiten. Daher gehen viele Tulkus (tib., sprul sku) – Nirmanakaya-Erscheinungen bestimmter Lehrer – auf diese 25 Schüler zurück.

25 Herzensschüler

In den Schilderungen der Lebensgeschichten der verschiedenen Förderer und Schüler sieht man deutlich, welche Bedingungen für die erfolgreiche Verbreitung des Buddhadharma zusammentreffen müssen. Die drei Dharma-Könige Tibets – Songtsen Gampo, Trisong De’u-Tsen und Tri Ralpachen – waren unerlässlich für die institutionelle Sicherheit und auch Finanzierung bei der Etablierung der Lehren. Großartige Lehrer und tantrische Meister wie Shantarakshita, Padmasambhava oder Vimalamitra lehrten Sutrayana, Vajrayana und Dzogchen. Übersetzer wie Vairocana u.a. waren für die korrekten Übersetzungen verantwortlich. Und hingebungsvolle Schüler wie die 25 Herzensschüler wurden zu Halter der Lehren, sodass nachfolgende Generationen bis heute davon profitieren.
Im Lama Gongdü werden folgende Personen als Herzenschüler von Guru Rinpoche gezählt: der Dharma-König Trisong De’u-Tsen, Kharchen Za Yeshe Tsogyal, Denma Tsemang, Nanam Dorje Dudjom, Drogben Khye’u-chung Lotsawa, Lasum Gyalwa Jangchub, Nganlam Gyalwa Chogyang, Dre Gyalwa’i Lodrö, Nyag Jnanakumara, Kawa Paltseg, Langdro Könchog Jungne, Sogpo Lhapal, Nub Namkha’i Nyingpo, Nanam Zhang Yeshe De, Lhalung Palgyi Dorje, Palgyi Senge, Kharchen Palgyi Wangchug, Odren Palgyi Wangchug, Palgyi Yeshe, Shubu Palgyi Senge, Ma Rinchen Chog, Nub Sangye Yeshe, Pagor Vairocana Lotsawa, Ba Yeshe Yang und Gyalmo Yudra Nyingpo.

Acht Hauptschüler und andere

Die acht Hauptschüler von Guru Rinpoche in Tibet, die auch die Lehren der acht Sadhanas empfingen, waren der Dharma-König Trisong De’u-Tsen, Yeshe Tsogyal, Namkha’i Nyingpo, Sangye Yeshe, Gyalwa Choyang, Palgyi Yeshe, Palgyi Senge und Vairocana.
Weitere Schüler waren Acharya Sale, der spirituelle Gefährte von Yeshe Tsogyal, Nyangben Tingdzin Zangpo, Chokro Lu’i Gyaltsen, der Prinz Yeshe Rölpa Tsal, der Prinz Mutri Tsenpo und die Prinzessin Pema Sal.

Sieben Mönche

Weitere wichtige Personen für das Etablieren der Lehren waren die sogenannten „Sieben Menschen, die geprüft wurden“ (tib., sad mi mi bdun). Diese waren die ersten sieben, die vom Abt Shantarakshita in Tibet die Mönchsweihen empfingen. Einigen Schriften zufolge waren es drei jüngere, drei ältere und ein mittlere. Andere listen namentlich folgende auf: 1) Ba Trizig; 2) Ba Salnang; 3) Ba Trisher; 4) Pagor Vairocana; 5) Ma Rinchen Chog; 6) Gyalwa Chogyang; und 7) Khön Lu’i Wangpo Sungwa. In einer anderen Quelle sind auch noch Chim Sakyaprabha, Tsang Legdrub und Lasum Gyalwa Jangchub genannt. Was auch immer die Zählung ergeben mag, so war die monastische Ordination ein wichtiger Schritt in der Festigung des Buddhadharma in Tibet. Aufgrund von Förderungen der Klöster konnte sich der Dharma in Tibet rasch verbreiten. Doch blieb dies nicht ohne Folgen. Da Tibet zu dieser Zeit auch ein Krieg treibendes Land war, wurden durch eine übergroße Förderung der Klöster viele Menschen aus dem landwirtschaftlichen Erwerbsprozess abgezogen, wodurch es dann dem tibetischen Heer an wirtschaftlichen Ressourcen mangelte. Diesen Mangel zu beheben, war das Ziel der Klosterschließungen von Langdarma. In den tibetischen Überlieferungen wird dies natürlich von den Vertretern der monastischen Schulen als besonders dramatisch beschrieben und als ein Verbot des Dharma allgemein dargestellt. Jedoch wurden lediglich die überbordenden Forderungen und Wünsche der Klöster radikal beendet, während der Dharma durchaus weiterhin von den tantrischen Haushältern praktiziert wurde. Allerdings war die monastische Überlieferung und Praxis zu dieser Zeit unterbrochen. Erst durch die nach der Ermordung Langdarmas einsetzende allgemeine Erneuerungsbewegung wurde die monastische Tradition wiederbelebt.

Frauen im Dharma

Allerdings gelangte die vollständige Bikshuni-Ordination nie nach Tibet, wodurch Frauen in der monastischen Praxis bis ins 21. Jahrhundert eingeschränkt blieben. Sie konnten nie die vollständigen Gelübde nehmen.
Als tantrische Praktizierende hingegen stand ihnen die gesamte Lehre und Praxis der Lehren des Buddha offen. Auf diese Weise ist Tibet auch zu einem Land zahlreicher verwirklichter Frauen geworden, deren Bekanntheit und Ruhm oft im Schatten der traditionellen Strukturen blieb.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 16. Juli 2017

Acht Wissenshalter (Vidyadhara)

PadmasambhavaDie acht Vidyadharas (tib., rig ‚dzin brgyad) sind acht indische Meister, die die ersten Empfänger der Lehren der Kagye (tib., bka‘ brgyad; acht Logos-Gottheiten) waren. Jeder einzelne dieser Vidyadharas empfing die jeweilige Praxis in einer bestimmten Schatulle. Daher ist mit den Vidyadharas auch ein Metall oder Stein verbunden, ebenso auch eine Himmelsrichtung. Alle diese Vidyadharas übertrugen später ihre Lehren der jeweiligen Logos-Gottheiten auf Padmasambhava, sodass dieser zum Haupthalter dieser Lehren wurde.
In der Nyingma-Tradition bildet die Praxis der Kagye die Essenz der Klasse des Mahayoga gemäß der Überlieferung, die als Mittel der Verwirklichung gilt. Diese können als gesamtes Mandala oder auch als einzelne Praktiken durchgeführt werden. Eine andere Klasse dazu sind die Schatztexte.

Vimalamitra

Vimalamitra – auch Mahavajra genannt – war einer der gelehrtesten indischen buddhistischen Meister seiner Zeit. Im Rahmen der Kagye verwirklichte er den Chemchog Heruka, dessen Lehren er in einer Schatulle aus Gold empfing.
Er ging im 9. Jhdt. nach Tibet, wo er 13 Jahre lang ausgiebig lehrte und zahlreiche Sanskrit-Texte verfasst und übersetzte. Die Quintessenz seiner Lehrtätigkeit findet sich im Vima Nyingthig – der Herzessenz der Großen Vollkommenheit – zusammengefasst.
Der Überlieferung nach ging er danach zum Wutaishan – einem heiligen Berg in China – wo er im Regenbogenkörper verweilt. Vorher versprach er, alle hundert Jahre wiederkommen wird. Am Wutai-Berg weilt er im Regenbogenkörper der Großen Übertragung bis alle 1002 Buddhas dieses glücklichen Zeitalters erschienen sind. Dann wird er wieder nach Indien an den Vajrasana (Bodhigaya) zurückkehren, wo er den Zustand der vollständigen und vollkommenen Erleuchtung manifestieren wird.

Humkara

Der HUM-Halter – wie Humkara übersetzt bedeutet – ist ebenfalls ein indischer Vidyadhara. Er empfing in einer Silberschatulle die Lehren des Yangdag Heruka und verwirklichte diese.
In eine Brahmanen-Familie geboren, war Humkara in den Veden sehr bewandert und ebenso in den nicht-buddhistischen Schriften. Später erst entwickelte er überragendes Vertrauen in die Lehren Buddhas und wurde von Buddhajnanapada und Rahulabhadra in Nalanda ordiniert. Dort verwirklichte er die Lehren der Prajnaparamita und studierte die äußeren und inneren Tantras. Da seine Einweihungsblume auf das Mandala des Yangdag Heruka fiel, widmete er sich für lange Zeit dieser Praxis und erlangte schließlich Verwirklichung darin. Im Rahmen seiner Verwirklichungspraxis fand er eine spirituelle Gefährtin mit den vollendeten Zeichen der Vajra-Familie.
Am Ende seines irdischen Lebens erhob er sich gleich dem König der Vögel – dem Garuda – in den Himmel und entschwand in das reine Land des Akshobhya.

Manjushrimitra

Ein früher Meister der Dzogchen-Linie war Manjushrimitra, der ein Schüler von Garab Dorje und der Hauptlehrer von Sri Simha war. Geboren wurde er in Dvikrma im Westen Indiens. Auch er war in den Veden und seinen Zweigen bewandert. Zusätzlich empfing er Ermächtigungen in den äußeren und inneren Tantras und erhielt von Garab Dorje die allgemeinen und besonderen Anweisungen der Großen Vollkommenheit. Berühmt wurde er für seine Anordnung er Dzogchen-Lehren in drei Klassen: 1) der Geist-Klasse; 2) der Raum-Klasse; und 3) der Klasse der Kernanweisungen.
Manjushrimitra empfing die Lehren des Yamantaka in einer Eisenschatulle. Zusätzlich empfing er auch das Geheime Tantra des zornvollen Manjushri, das zur Vairocana-Familie gehört. Weiters studierte er die Lehren des Schwarzen Yamari, des Sechsköpfigen und des Vajrabhairava unter dem Meister Lalitavajra.
Durch seine durch die Praxis des zornvollen Manjushri erlangten Wunderkräfte begegnete er eines Tages einem König auf einer Brücke. Dieser war ein Förderer der Tirtikas und ritt auf einem Elefanten. Da dieser nicht zur Seite weichen wollte, hob Manjushrimitra seinen Finger und spaltete König und Elefant in zwei Teile. Nachdem die Anhänger des Königs sich bei Manjushrimitra entschuldigt hatten und ihn um Vergebung baten, brachte dieser den König und den Elefanten wieder ins Leben zurück und lehrte ihm den Buddhadharma. Dabei vereinigte sich Manjushrimitra untrennbar mit Manjushri und erschien als Manjushri-Yamantaka.
Auch war Manjushrimitra als der Brahmane Sarasiddhi bekannt, der der Vater des indischen Meisters Jetari war, der von König Dharmapala verehrt wurde. Von Jnanavajra und Bodhivajra – zwei Schülern von Manjushrimitra – ist eine Vorhersagung in einem untergeordneten Kalachakra-Tantra überliefert. Weiters empfing sein Schüler Amoghavajra, der Ältere, den vollständigen Zyklus des Yamantaka von Manjushrimitra. Dies bildet den Ursprung des Yamantaka-Zyklus in Tibet im Rahmen der Kyo-Tradition.

Nagarjuna

Nagarjuna gilt als einer der sechs großen Kommentatoren von Buddhas Lehren und darf nicht mit Nagarjunagarbha, dem Opfermeister der Klosteruniversität Vikramashila, verwechselt werden. Mit seinen Lehren legte Nagarjuna die Grundlage für die Schule des Mittleren Weges (Madhyamaka), die als die höchste Sichtweise im Sutrayana gilt. Weiters gilt er als Offenbarer der Prajnaparamita-Sutras, die er aus dem Reich der Nagas auf die Erde brachte. Er wird auch zu den 84 Mahasiddhas gezählt.
Im Rahmen der Kagye empfing er in einer Kupferschatulle die Lehren des Hayagriva, einschließlich des „Spiels des überragenden Pferdes“, das zur Lotusfamilie mit Amitabha gehört. Weiters praktizierte er neben zahlreichen Tantras auch die acht Mahakala-Tantras, sowie das Tantra der Göttin Kali und die Verwirklichung der Kurukulla.
Nachdem er die mündlichen Anweisungen der Weisheits-Dakinis empfangen hatte, erlangte er sechzig verschiedene Arten der Verwirklichung und auch die allgemeinen und höchsten Siddhis. Schließlich blieb er für 200 Jahre im Kreise von Yakshinis und erlangte schließlich den Vajrakaya – den Körper der unzerstörbaren Wirklichkeit.

Prabhahasti

Der „Leuchtende Elefant“ – Prabhahasti – wurde in einer königlichen Familie im Westen Indiens geborren und nach seiner Ordination als Mönch Shakyaprabha genannt. Prabhahasti war in den Drei Lehrkörben (Tripitaka) sehr gelehrt und studierte mit Vajrahasya und anderen Meistern das Vajrayana. Schließlich erlangte er die höchsten Verwirklichungen und wirkte zusammen mit seinem Schüler Shakyamitra nachhaltig bei der Verbreitung des Buddhadharma in Kashmir.
Prabhahasti empfing die zur Karma-Familie gehörenden Vajrakila-Tantras in einer Türkisschatulle. Diese übertrug er später auf Padmasambhava, der diese in Yangleshö zur Beseitigung von Hindernissen erfolgreich praktizierte. Diese Hindernisse in Yangleshö waren ein eigensinniger Naga, eine pferdeköpfige Yakshini und ein Geist aus einer Blitzwolke. Nachdem Padmasambhava die zwölf Matrikas – die Erdmütter – und die vier weiblichen Geister unter Eid gebunden hatte, studierte er viele Male das Vajrakila Tantra unter Prabhahasti. Auf diese Weise meisterte er die erleuchtete Aktivität.

Dhanasamskrita

Dhanasamskrita empfing die Lehren der Mamo Bötong (tib., ma mo rbod gtong) – der befreienden Magie der Muttergottheiten – in einer Schatulle aus Rhinozerushorn. Über sein Leben ist wenig bekannt, außer dass er in der Gegend von Thogar in Uddiyana geboren wurde.

Rombuguhya

Ein weiterer indischer Meister, Rombhuguhya, empfing in einer Schatulle aus Achat die Lehren der Jigten Chötö (tib., ‚jig rten mchod bstod) – der weltlichen Gottheiten. Auch über sein Leben findet sich kaum etwas.

Shantigarbha

Als letzter der acht Vidyadharas wird Shantigarbha gezählt. Dieser empfing in einer Schatulle aus Dzi-Stein die Kagye-Lehre des Möpa Dragngag Tantra (tib., dmod pa drag sngags) – des üblen zornvollen Mantras, die zu den drei weltlichen Gottheiten der Kagye zählt. Auch über ihn weiß man heute kaum etwas.

Die Praxis der Versammlung der Vidyadharas ist in verschiedenen Lehrzyklen bekannt. Der berühmteste Zyklus ist die Rigdzin Düpa (tib., rig ‚dzin ‚dus pa) aus dem Zyklus des Longchen Nyingthig. Doch auch Dudjom Lingpas Praxis des friedvollen Gurus in seinem ersten Band enthält eine Praxis der Vidyadharas. Diese ist mit weiteren Praktiken zur Ergänzung verbunden. Dazu gehören neben der Ermächtigung, die kurze tägliche Praxis, die ausführliche Aktivitätspraxis inkl. Ganachakra, eine Langlebenspraxis, ein Feueropfer (tib., me mchod), bei dem zur Bereinigung von Fehlern Sesamsamen oder Senfsamen verbrannt werden, ein Brandopfer (tib., sbyin sreg), bei dem verschiedene Arten von Nahrung und kostbare Dinge im Feuer dargebracht werden, sowie noch eine Anleitung für das Herstellen eines Lebenskraftamuletts, um den Segen der Praxis zu bewahren und eine Anleitung für die Praxis der inneren Hitze (tib., gtum mo).

Diese Praktiken werden im Rahmen des Ngakpa-Retreats 2017 bei der Ermächtigung in die Versammlung der Vidyadharas übertragen.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 13. Juli 2017

Dorje Drolö – Die Legende des wilden zornvollen Vajras

DorjeDroloEine äußerst zornvolle Emanation des Padmasambhava ist Dorje Drolö (tib., rdo rje gro lo). Dorje Drolö ist eine der acht Manifestationen des Lotusgeborenen Gurus und reitet auf einer Tigerin, während er Feinde besiegt.
Wie Jamgon Kongtrul in der kurzen spirituellen Biografie – dem Namthar – vom Guru Padmasambhava schreibt: Der Lotusgeborene Meister, der zweite Buddha erschien in diesem Land Tibet als ein spiritueller Führer, der eine unendliche Zahl an Schülern durch die Methode der allgemeinen Anweisung im Herzen der Lehre Buddhas führte, dem Vajra-Pfad des Geheimen Mantras, und insbesondere durch die Methode der erleuchteten Aktivität der tiefgründigen Schätze. Dieser große Meister war weder ein gewöhnlicher Mensch, der stufenweise den spirituellen Pfad durchlief, noch war er ein außergewöhnlicher Bodhisattva, der eine Stufe des Erwachens erreichte. Er war eine Verkörperung der Erleuchtung, die vom Buddha Grenzenloses Licht und vom unvergleichlichen (Buddha) Shakyamuni manifestiert wurde, um auf vielfältige Weisen die Menschen und nichtmenschlichen Wesen zur Erleuchtung zu führen, die sich sonst einem spirituellen Leben abgeneigt wären. Auch kann man sagen, dass die Schilderung eines kleinen Teils seiner Lebensgeschichte die Kräfte sogar von einer spirituell fortgeschrittenen Person übertrifft,…“

Dorje Drolö – Zornvolle Vajra

„Der Meister wusste, dass der Enkelsohn des Königs die Wiedergeburt eines Dämons sein und den Niedergang der Lehre verursachen würde. Daher machte er für diese kommende Zeit viele Prophezeiungen. Nachdem er sich mit dem König beraten hatte, trafen sie Vorkehrungen, damit die Lehren des Geheimen Mantra niemals abnehmen, von intellektueller Pedanterie nicht verunreinigt und nichts erfunden werden würde, damit der Segen des Meisters nicht verschwinden würde und beständig Schüler in der Welt erscheinen würden. Aus diesem Grund verbarg er insbesondere die 100 Schätze um das Leben des Königs zu fördern, die fünf großen Geistschätz, die 25 großen und tiefgründigen Schätze, sowie unzählige andere benannte und unbenannte Schätze. Er prophezeite für jeden einzelnen die Zeit, die Person, die der Dharma-Halter mit der glücklichen Verbindung sein wird usw. An 13 Orten, die Tiger-Nest genannt wurden, wie in Nering Sengedzong in Mönkha usw. erschien er in Gestalt des unkontrollierbaren Zorns und band alle Geister und Dämonen Tibets mit Eiden und vertraute ihnen die Schatzlehren zum Schutz an. Seit dieser Zeit ist er als „wilder zornvoller Vajra“ (DORJE DROLÖ) bekannt.“

Die Lebensessenz des zornvollen Vajras

Die tiefgründige Praxis der Lebensessenz des zornvollen Vajra, der den Quälgeistern das Herzblut entzieht (tib., bdud ‚joms khrag ‚thung pad+ma’i srog sgrub zab mo) ist die Herzenspraxis von Dudjom Rinpoche Jigdral Yeshe Dorje gewesen. Bereits für seine frühere Inkarnation, für Dudjom Lingpa, war die Praxis des Dorje Drolo eine essentielle Verwirklichung, mehr noch, da Dudjom Lingpa als Emanation des Dorje Drolö galt. Dudjom Rinpoche empfing diese Praxis bereits in sehr jungen Jahren im Alter von 13 Jahren während er Dorje Drolö praktizierte als Geist-Schatz (tib., dgongs gter). Sie war von da an seine Herzessenz, weshalb sie auch als „Sogdrub“ (tib., srog sgrub) bezeichnet wird. Durch das heilige Versprechen, welches mit dieser Praxis für Dudjom Rinpoche verbunden war, war er angehalten, diese Praxis erst dann zu veröffentlichen, wenn er das Alter von 50 Jahren überschritten hat. Ansonsten würde es seine Lebenskraft gefährden und zu einem frühen Tod führen.
Bhakha Tulku Rinpoche meint dazu: „Diese äußerst zornvolle Praxis des Dorje Drolö ist wesentlich für das Befrieden von allen negativen Umständen, denen wir heutzutage in der Welt begegnen. Da das gesamte Spektrum der Lehren des Buddhadharma und seine Essenz Liebe, Mitgefühl und Weisheit sind, ist diese zornvolle Praxis nicht der Ausdruck einer gewöhnlichen Raserei. Vielmehr ist sie der Gipfel der Praxis von Mitgefühl und Weisheit, die der Praxis des Buddhadharma auf sehr tiefgründige Weise zu Grunde liegt. Deshalb ist zum Wohle der fühlenden Wesen insbesondere in diesen Zeiten des Niedergangs die Praxis der „Lebensessenz-Sadhana von Dudjom Thragthung Padma“ eine sehr machtvolle und direkt wirksame Weise, Frieden und Harmonie in die Welt zu bringen.“
Wie Dudjom Rinpoche in seiner spirituellen Biografie selbst sagt, konnte er viele Hindernisse beseitigen und ein langes Leben erlangen. Im Nachwort zu seiner Praxis schreibt Dudjom Rinpoche: „Während dem dunklen Zeitalter wird es Streit zwischen den Menschen und dem Buddhadharma geben. Wenn die Zeit vieler ungesetzlicher Handlungen naht, dann wird die Kraft der Damsi und der Gong-Geister wie Winde umherwirbeln. Die Macht anderer Meditationsgottheiten wird fern sein, aber meine erleuchtete Aktivität wird die rascheste sein. Dennoch werden wenige Menschen Vertrauen in mich haben. Bitte betet zu mir und ich schwöre, dass Padma euch nicht täuschen wird. Für die Vertrauensvollen gibt es keine Trennung oder Zusammentreffen mit Padma. Wenn darin kein Zweifel besteht, ist es sicher, dass Verwirklichung eintritt.“ Und als Resultat der Praxis verspricht er: „Die Resultate dieser Praxis sind so, dass die Königsgeister (Gyalpogong) und Elementargeister (Jungpos) nicht fähig sind, sich zu nähern. Das dreifache Erstrahlen[1] wird auftreten und die Verwirklichung der Ansammlungen (spiritueller und materieller Wohlstand) werden erlangt werden.“
Einst bat Dilgo Khyentse Rinpoche, dass Dudjom Rinpoche ihm die Ermächtigung in seine Termas geben möge. Doch da die Zeit damals knapp war, bat er ihn, ihm die Ermächtigung in seine wichtigste Praxis zu geben. Dudjom Rinpoche gab ihm daraufhin die Ermächtigung in den Dudjom Thragthung Padma Sogdrub – die „Herzessenz des Lotus, die den Dämonen das Blut entzieht“. Auch heute noch wird diese tiefgründige Praxis des Dorje Drolö sehr geheim gehalten und wird sehr selten gegeben. Daher sollten alle vom Glück begünstigten die Gelegenheit ergreifen.

[1] Die drei Strahlenden sind: 1) das Erstrahlen der glückseligen Wärme im Körper; 2) das Erstrahlen der Macht in der Rede; und 3) das Erstrahlen der Erkenntnis im Geist.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 10. Juli 2017

Geist – leer und doch wissend klar

Shentong – leer von anders

Shentong (tib., gzhan stong) – Die Tradition der äußerlichen Leerheit oder des „anders leer sein“ des Madhyamaka. Diese Sichtweise wurde hauptsächlich von der Jonang-Tradition vertreten und behauptet, dass das Absolute nicht leer von sich selbst (rang stong) ist, sondern leer von allen anderen relativen Phänomenen.
Dieser Ansatz der „Anders-Leerheit“ wurde vom Dolpopa Sherab Gyaltsen erstmalig so bezeichnet.
Die Shentong-Schule interpretiert Leerheit so, dass eine Essenz der phänomenalen Wirklichkeit zugrunde liegt, die zwar nicht inhärent – also aus sich selbst heraus – existiert, aber die notwendige Grundlage für Dasein bildet und die leer von allen zeitweiligen, hinzugekommenen Qualitäten ist.
Diese Ansicht steht dem Ansatz der Yogacara-Schule und ihrer Darlegung über die Buddha-Natur sehr nahe. Ansätze dazu sind bei Asanga in seinem Uttaratantrashastra und in einigen Madhyamaka-Abhandlungen von Nagarjuna zu finden. Die Grundaussage von Shentong ist, dass alles leer von allen Eigenschaften ist, außer seiner innewohnenden Existenz, der innewohnenden Leerheit. Dieses innewohnende Leersein ist allen Phänomenen innewohnend und bezieht sich auch auf den „Großen Madhyamaka“ (tib., dbu ma chen po), eine Bezeichnung, die sowohl von Longchenpa und Mipham Rinpoche, wie auch Tsongkhapa für den Ansatz der Prasangika Madhyamaka verwendet wurde. Man sagt, dass der Abt Shantarakshita einer der ersten Vertreter der Shentong-Sicht in Tibet gewesen sein. Andere Stimmen sehen Shantarakshitas Ansatz jedoch mehr als Yogacara-Svatantrika-Madhyamaka an, in der er die philosophischen Ansätze von Nagarjuna und Asanga mit der Logik und Erkenntnistheorie von Dharmakirti vereinte.
Vertreter des Shentong-Ansatzes sehen ihren Ansatz öfters als verfeinerten Ausdruck des Madhyamaka und halten diese Sicht für die Frucht der meditativen Erfahrung, die nicht durch Debatte oder Konzepte verstanden werden kann. Somit wird bei diesem Zugang angenommen, dass der Rangtong-Ansatz für jene ist, die sich dem Dharma über philosophische Ansätze nähern, während der Shentong-Ansatz bei jenen Verwendung findet, die sich auf die meditative Praxis stützen. Gemäß der Shentong-Vertreter wird die Leerheit der letztendlichen Wirklichkeit nicht als das Leersein der erscheinenden Phänomene charakterisiert, sondern wird als lichthafter Geistesstrom (tib., ‚od gsal thugs rgyud) verstanden, der voll mit Buddha-Qualitäten ist. Diese Lichthaftigkeit (tib., ‚od gsal) – auch „Klar-Lichtheit“ genannt – kann auch als eine Art wissende Transparenz oder (er)-kennende Transparenz verstanden werden.

Rangtong – leer von selbst

Rangtong (tib., rang stong) bedeutet wörtlich „leer von selbst“. Die Anhänger des Rangthong Madhyamaka sagen, dass alle Phänomene – einschließlich der Buddha-Natur – leer von ihrer eigenen Essenz sind. Sie stimmen daher mit dem Ansatz des Shentong nicht überein, da diese aus ihrer Sicht in das Extrem eines Ewigkeitsglaubens fallen.
Diese Position besagt, dass alle Dinge von Leersein gekennzeichnet sind und zwar sowohl im relativen wie auch im absoluten Sinne. Diese Sicht bildet die Hauptposition im tibetischen Buddhismus beim Madhyamaka, die eine der philosophischen Hauptschulen ist, die die Auslegung der Sicht im Vajrayana in Tibet dominiert.
Der Begriff „Rangtong“ wurde vom Shentong-Theoretiker Dolpopa Sherab Gyaltsen verwendet, um seine Lehre der Dinge mit „Shentong“ zu bezeichnen und so eine Unterscheidung zu Rangtong zu schaffen. Tsongkhapa war ein führender Vertreter des Prasangika-Ansatzes der Madhyamaka-Lehren über Leerheit. Allerdings war Tsonkhapas Zurückweisung der Svatantrika-Position und seine Interpretation auch nicht unumstritten innerhalb der tibetischen Gemeinde, fand aber aufgrund der politischen Dominanz der Gelug-Tradition schließlich weithin Verbreitung.
Tsongkhapa sah Leerheit als eine Folge des bedingten Entstehens. Dies besagt, dass kein Phänomen eine Existenz von selbst aus bzw. von seiner Seite aus hat, sondern immer in Abhängigkeit zu anderen Phänomenen ins Dasein tritt. In seiner „Essenz der Beredsamkeit“ sagt er: „Was immer von Ursachen und Bedingungen abhängt, ist leer von innewohnender Wahrhaftigkeit. Welche ausgezeichnete Anweisung wäre wunderbarer als diese Entdeckung?“ Damit meint er, dass die Phänomene auf konventioneller Ebene durchaus existieren, aber dass sie auf letztendlicher Ebene keine Existenz aus sich selbst heraus haben. Sie weisen also keine unwandelbare Essenz auf.
Daher weisen die Anhänger der Rangtong-Sicht darauf hin, dass es keinen transzendenten Urgrund gibt, also eine letztendliche Wirklichkeit, die durch sich selbst existiert. Sie sagen, dass die Behauptung über eine solchermaßen letztendlich existierende transzendente Wirklichkeit nichts anderes ist als eine Erfindung des Geistes.
Die Anhänger des Prasangika-Madhyamaka vertreten einen Ansatz völliger Negation einer substanziellen Letztendlichkeit. Diese Fehlen kann nicht als Ding oder Wesenheit an sich aufgefunden werden. Ein interessantes Beispiel dafür liefert Susan Kahn in ihrem Werk „The Two Truths of Buddhism and The Emptiness of Emptiness“, worin sie vermerkt, dass diese „Absenz nicht auffindbar ist, weil sie keine Entität ist, genauso wie ein Raum ohne einen Elefanten darin, keine elefantenlose Substanz beinhaltet. Selbst konventionell existiert Elefantenlosigkeit nicht.“ Daher verweist die letztendliche Wahrheit nicht auf eine Essenz an sich, obwohl alles daraus „gemacht ist“.

Kritik beider Sichtweisen

Jedoch ist die Kritik der Anhänger der Shentong-Sicht, dass die Rangtong-Sicht in das Extrem des Nichtigkeitsglaubens fällt. Die Shentongpa sagen, dass darunterliegend es die nicht zusammengesetzte Lichtheit der Buddha-Natur geben muss, die als Basis für Samsara und Nirvana und alle Qualitäten der Erleuchtung dient.
Ein recht interessantes Herangehen ist die gegenseitige Ergänzung von beständiger Negation in der Debatte und dem praktischen meditativen Ansatz, da bei Rangtong die beständige Negation der Eigenexistenz geschieht, während in der Meditation doch noch immer Erleben ohne Erleber ereignet. Somit kann der eine Ansatz als Gegenmittel für ein Fallen in eine extreme Sichtweise – Nichtigkeitsglaube oder Ewigkeitsglaube (Dinglichkeitsglaube) – des anderen gesehen werden.
Von der Gelug-Schule wurde die Jonang-Schule, die die Hauptvertreter dieses Shentong-Ansatzes waren, über viele Jahrhunderte aus politischen Gründen, wie auch aufgrund der Lehrauslegung unterdrückt. Aber auch in der Alten Übersetzungstradition – den Nyingmapas, sowie der Sakya-Schule und bei den Kagyüpas wurde der Shentong-Ansatz praktiziert. Im 19. Jhdt. versuchte Mipham Rinpoche beide Sichtweisen als Teil der Rime-Bewegung miteinander zu vergleichen, ihre jeweiligen Vorzüge und auch Kritikpunkte aufzuzeigen.

Mitte

Daher mag ich hier nochmals an die Darlegung von Jetsün Drakpa Gyaltsen aus dem „Aufgeben der Vier Anhaftungen“ (tib., zhen pa bzhi bral) erinnern: „Greifst du nach Existenz, gibt es keine Befreiung; greifst du nach Nicht-Existenz, gibt es keine höhere Wiedergeburt; greifst du nach beiden, bist du einfach unwissend, strenge dich also an, so gut es geht, in Nicht-Dualität zu verweilen! Alle Dinge und Ereignisse gehören dem Bereich des Geistes an: Ohne nach etwas zu suchen, das die vier Elemente erschafft, sei es bloßer Zufall oder ein allmächtiger Gott, verweile daher, so gut es dir gelingt, in der innersten Natur des Geistes!“

Verfasst von: Enrico Kosmus | 5. Juli 2017

Das Befrieden des Leidens

mila-repa-1151719_1920Eine mündliche Anweisung, dargebracht vom Siddha Padampa Sangye an Milarepa, den Herrn der Yogyis.

Dies ist der Rat für das Befrieden des Leidens

Um quälende Dämonen und Dämoninnen zu unterwerfen, errichte die magische Falle (Yantra) des disziplinierten Verhaltens.
Wenn der Körper krank wird, binde Raum und Gewahrsein zu eins.
Wenn subtile Konzeptualisierungen auftauchen, treibe die Störungen aus, indem du sie befreist.
Wenn du alleine schläfst, verweile in grobem Gewahrsein.
Wenn du inmitten einer Menschenmenge bist, begegne dem unmittelbar, was auftaucht.
Wenn du dumpf und müde bist, wecke dich mit einem PHAT.
Wenn du abgelenkt und zerstreut bist, durchtrenne die Wurzel.
Wenn du aufgeregt bist, entspanne dich in die Weite (des Raumes).
Wenn du Konzepten und Vorstellungen nachjagst, wende dich der Wahrheit der Soheit zu.

Dies ist der Rat für das Befrieden des Leidens

Wenn schlechte Omen auftauchen, empfange sie mit Vorzüglichkeit.
Welche Gedanken auch auftauchen, sie sind ein Schatz der Glückseligkeit.
Welche Krankheit auch auftritt, dies bringt Nutzen.
Was immer auftaucht, es ist ein Schatzhaus der Glückseligkeit.
Wenn der Tod eintritt, bringe ihn in den Pfad, denn der Herr des Todes ist ein Schatzhaus der Glückseligkeit.

Dies ist der Rat für das Befrieden des Leidens

Es ist die Absicht der Siegreichen der drei Zeiten.
Es ist die geheime Rede von Vajradhara.
Es ist die Vitalessenz der vier Klassen der Dakinis.
Es ist die Anweisung der vier Tantra-Klassen.
Es ist die essentielle Anweisung der mündlichen Linie.
Es ist der Schlüssel zu den Anweisungen und Techniken.

Die ist der Rat für das Befrieden des Leidens

Jetsün Milarepa war völlig erfreut durch diese Worte.

Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2017)

Verfasst von: Enrico Kosmus | 24. Juni 2017

Verdienst – konstruktives Potential

Alles was ihr machen könnt, um Verdienst anzusammeln, macht auch. Ihr könnt niemals zu viel Verdienst haben. Macht jegliche gemeinnützige Tätigkeit, um Verdienst anzusammeln. Je mehr Verdienst ihr durch gemeinnützige Tätigkeit macht, was andere vom Leiden befreit, will euch einen leichteren Übergang ins nächste Leben geben, wenn der Tod kommt. Weil zu diesem Zeitpunkt werdet ihr erkennen, dass ihr nichts machen könnt, um Verdienst anzusammeln, außer ihr habt es schon gemacht. Wenn ihr irgendwelche Belehrungen über den Tod und das Sterben gelesen habt, dann werdet ihr gelesen haben, dass wir im Bardo Verdienst möchten, aber wir keinen Verdienst haben. Das fehlt uns dann. Dann hofft ihr, dass eure Verwandten zu dieser Zeit irgendeine gemeinnützige Tätigkeit für euch machen. Aber nein, sie werden nichts für euch auf diese Weise machen. Ihr könnt euch schon glücklich schätzen, wenn euer Körper für einen Tag lang in eurem Haus belassen wird. Euer toter Körper wird bloß als Leichnam angesehen und wird hinausgebracht werden. Wenn ihr ein großes Vermögen habt, dann werdet ihr auch noch im Bardo gestört werden, wenn große Kämpfe um euren Besitz ausbrechen. Wenn ihr das seht, dass es euer Vermögen ist, das nun so viel Unglück in der Familie verursacht, dann werdet ihr nicht glücklich sein. Am allerschlimmsten ist es dann, wenn euer Vermögen, um das ihr euch in eurem Leben so abgemüht habt, es anzusammeln, an die falsche Person geht. Die meiste Zeit passiert das. Es wird für den falschen Zweck verwendet.

Erzeugt Verdienst

Während ihr also lebt, ist das die Zeit, Verdienst zu erzeugen. Verdienst wird nicht kurz mal angesammelt. Verdienst wird über die Zeit hinweg angesammelt. Bereitet euren Weg jetzt vor. Von nun an bereitet ihn vor. Ihr werdet nicht für immer leben. Niemand macht das, also bereitet euch vor. Euer Greifen nach eurem Selbst ist wie das Denken: „Ich werde nicht jetzt sterben.“ Ein guter Praktizierender ist jemand, der bedenkt, dass dieses Leben vergänglich ist, dass er oder sie jederzeit sterben könnte, in jedem Moment. Auf das müsst ihr schauen. Ihr müsst dem Tod ins Gesicht schauen und nicht ihn abwehren. Versucht nicht, ihn zuzudecken und denkt, dass dies etwas ist, was eines Tages jemand anderem, aber „nicht mir, zumindest nicht in diesem Jahr“ geschehen wird. Der Tod kommt unangekündigt. Durch ein gutes Essen könnt ihr sterben. Wenn ihr schläft, könnt ihr vielleicht sterben, bevor ihr wieder aufwacht. Es ist wie ein Blitzschlag, wie eine Blase auf dem Wasser. Es wurden euch von euren Lehrern eine Menge Beispiele gegeben. Das Leben ist kurz. Als Praktizierende sollten wir das bedenken.

Von Lama Shenphen Dawa Rinpoche; übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus)

Verfasst von: Enrico Kosmus | 24. Juni 2017

Dudjom Lingpas Biografie

„…Dudjom Lingpas ›Ein klarer Spiegel‹ – Die visionäre Autobiografie eines tibetischen Meisters vermittelt – wie traditionell in Tibet üblich – die äußere, innere und geheime Lebensgeschichte. In Dudjom Lingpas Fall finden sich jedoch selbst in der äußeren Biografie kaum weltliche Tatsachenberichte: Von Kindesbeinen an erhält der Autor in Reinen Visionen direkt aus erster Hand Unterweisungen und Ermächtigungen: von Padmasambhava, Yeshe Tsogyal, Saraha oder Vimalamitra und vielen anderen Erhabenen und bietet so kostbare Einsichten für Praktizierende des Vajrayana-Buddhismus….“
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