Verfasst von: Enrico Kosmus | 29. April 2017

Buddhistischer Spickzettel – die allgemeinen Grundlagen

Die Ursache für die Erleuchtung ist die Buddhanatur, die Basis ist die kostbare menschliche Geburt, die Bedingung ist der spirituelle Freund, die Methoden sind die Lehren, die zur Befreiung führen, die Frucht zeigt sich in den Buddhakörpern und die Aktivität der Erleuchteten sind von Vorstellungen und Konzepten frei Aktivitäten zum Wohle aller fühlenden Wesen.

Die Ursache

Die Buddhanatur ist die Ursache für das Erlangen der Erleuchtung. Da alle Lebewesen diese Buddhanatur – die Natur des Geistes bzw. die grundlegenden Fähigkeit des Realisierens des Erkennens – innenwohnend ist, sind sie potentiell in der Lage, Erleuchtung zu erlangen.
Dazu gibt es fünf Potentiale: 1) das brachliegende Potential; 2) das ungewisse Potential; 3) das Potential der Shravakas (Hörer); 4) das Potential der Pratyekabuddhas (Alleinverwirklicher); und 5) das Potential des Mahayana.
Wesen mit brachliegendem Potential sehen zwar die Nachteile des Daseinskreislaufs, aber fühlen sich davon nicht betroffen, sie hören zwar von den Qualitäten eines Buddha, haben aber kein Vertrauen. Daher verbringen sie eine sehr lange Zeit im Daseinskreislauf und es hängt sehr von ihrem Bemühen ab, Befreiung zuu erlangen.
Wesen mit ungewissem Potential sind von äußeren Umständen abhängig, d.h. falls ihr Lehrer das Potential der Shravakas oder der Pratyekas besitzt, dann können sie Vertrauen fassen und in den Pfad eintreten und diesem folgen.
Wesen mit dem Potential der Shravakas fürchten zwar den Daseinskreislauf und wünschen Befreiung zu erlangen, haben aber nur geringes Mitgefühl. Wesen mit dem Potential der Pratyekabuddhas fürchten auch die zyklische Existenz und wünschen vollständigen Frieden zu erlangen, haben zudem aber geringes Mitgefühl und sind stolz, da sie ihre Lehren nicht verbreiten. Beide – Shravakas und Pratyekabuddhas – erlangen die Frucht ihrer Fahrzeuge, allerdings noch keine vollständige Befreiung von Leid und auch nicht die vollständige Buddhaschaft. Beide befinden sich noch auf einer Stufe, wo subtile geistige Schleier die Natur des Geistes verdunkeln. Da sie zwar einen Zustand des tiefen Friedens erfahren, verwechseln sie das mit der vollständigen Befreung und verweilen darin.
Wesen mit dem Potential des Mahayana erkennen 1) das von Natur aus vorhandene Potential; und 2) das in korrekter Weise erlangte Potential. Dieses natürlich vorhandene Potential ist die seit anfangsloser Zeit vorhandene Fähigkeit, alle Eigenschaften eines Buddha hervorzubringen. Das in korrekter Weise erlangte Potential ist die Fähigkeit, alle Qualitäten eines Buddha hervorzubringen. Dieses Potential wird deshalb als dem der Shravakas und Pratyekas überlegen eingestuft, weil diese nur die störenden Gefühle beseitigen. Durch den Ansatz des Mahayana werden jedoch zusätzlich zu den Störgefühlen auch noch die kognitiven Schleier beseitigt.

Vier Faktoren

Vier Faktoren können die Erleuchtung verhindern: 1) das Haften an Erfahrungen dieses Lebens; 2) das Festhalten an weltlichem Glück; 3) das Anhaften am vollkommenen Frieden (Nirvana); und 4) die Unkenntnis über jene Methoden, die zur Buddhaschaft führen.

Vier Meditationen

Da man über die Ursache für die Erleuchtung – die Buddhanatur – verfügt und nun die Basis – die kostbare menschliche Geburt – zum Verwirklichen dieser erlangt hat, stützt man sich auf einen spirituellen Freund als Bedingung für das Erlangen der Buddhaschaft.

Der spirituelle Freund

Der spirituelle Freund ist jener, der im Schüler durch die befreienden Lehren das natürliche Potential erweckt. Ein spiritueller Freund ist der wegkundige Führer auf unbekanntem Gebiet, die Eskorte bei Gefahren und der Fährmann, der die sichere Strecke der Überfahrt kennt. Dabei kennt man gewöhnliche, noch nicht verwirklichte Lehrer, Bodhisattvas auf einer der Stufen der Erleuchtung, Buddhas in Nirmanakaya-Formen und Buddhas in Sambhogakaya-Erscheinungen.
Die befreienden Lehren sind die Methoden, die der spirituelle Freund lehrt, damit man die vollkommene, vollständige Buddhaschaft realisiert.

Die Methoden

Die allgemeinen Grundlagen sind vier Gedanken, die als Gegenmittel zu den oben genannten vier hinderlichen Faktoren dienen. Die Meditation über Vergänglichkeit ist das Gegenmittel zum Anhaften an Erfahrungen dieses Lebens. Die Meditation über die Nachteile des Daseinskreislaufs und die Zusammenhänge von Ursachen und Auswirkungen von Handlungen ist das Gegenmittel zum Haften an weltlichem Glück. Die Meditation über Liebe und Mitgefühl ist das Gegenmittel zum Festhalten am Glück des vollkommenen Friedens. Die Meditation und Praxis des des höchsten Strebens – des Erleuchtungsgeistes – ist das Gegenmittel für die Unkenntnis der Methoden, die zur Buddhaschaft führen.

Der Eintritt in den Pfad beginnt mit den Vier Gedanken, die den Geist wandeln und der Zufluchtnahme zu den Drei Juwelen. Hier ein Spickzettel zu den allgemeinen Grundlagen (Download PDF).

Spickzettel_Grundlagen

Verfasst von: Enrico Kosmus | 27. April 2017

Die Welt als Geschenk

Bei der Mandala-Opferung wird die gesamte als äußere Opfergabe dargebracht. Dies wird durch eine spezielle Mudra symbolisiert. Anfänger tun sich damit oft schwer, aber ich versuch’s mal zu beschreiben. Man legt Ringfinger Rücken an Rücken und verschränkt kleine Finger mit dem Daumen der gegenüberliegenden Hand und mit den Zeigefingern drückt man auf die ersten Fingerglieder der gegenüberliegenden Mittelfinger.
Die Bedeutung dieser Geste ist folgende: die aufrechten Ringfinger stellen den Berg Meru – den Weltenberg – dar. Die vier Fingerpaare rundum sind die vier Hauptkontinente mit Videha im Osten, Jambudipa im Süden, Godaniya im Westen und Uttarakuru im Norden. Wenn man will, kann man vorab noch etwas Reis in die Handflächen legen. Diesen „wirft“ man am Ende, was das Darbringen symbolisiert. Oder man legt stattdessen die Mala zweimal umwickelt in die Hand, die dann der umgebende Ring aus Eisenbergen ist.
Zusätzlich visualisiert man neben den vier Hauptkontinenten noch jeweils zwei Nebenkontinente, dann den kostbaren Berg, den wunscherfüllenden Baum, die wunschgewährende Kuh, das Getreide, das ohne Mühe wächst, das kostbare Rad, das kostbare Juwel, die kostbare Königin, den kostbaren Minister, den kostbaren Elefant, das kostbare Pferd, den kostbaren General, die Vase der großen Schätze, dann die Göttin der Schönheit, die Göttin der Girlanden, die Göttin des Gesangs, die Göttin des Tanzes, die Göttin der Blumen, die Göttin des Räucherwerks, die Göttin des Lichts, die Göttin der Düfte, sowie Sonne, Mond, den kostbaren Sonnenschirm und das Siegesbanner des vollständigen Sieges zusammen mit dem gesamten Reichtum und der ganzen Pracht und Herrlichkeit der Götter und Menschen. Alles das ohne Ausnahme bringt man den Drei Juwelen und den Drei Wurzeln dar.

Symbolik der Gabe

Beim Mandala-Opfer gibt es vier Arten: 1) das äußere Opfer; 2) das innere Opfer; 3) das geheime Opfer; und 4) das Soheits-Opfer.
Bei der äußeren Opfergabe werden alle Dinge dargebracht, die man als wertvoll erachtet, wie z.B. Gold, wertvolle Metalle, Edelsteine, Reichtümer usw. Als Gaben werden tatsächlich vorhanden, wie auch im Geiste hervorgebrachte Dinge dargeboten.
Als innere Opfergabe wird der eigene Körper dargebracht. Die Geste dafür bleibt gleich, jedoch wird die Wirbelsäule zum Berg Meru, die vier Gliedmaßen zu den vier Kontinenten, die Körperflüssigkeiten das Weltenmeer usw.
Als geheime Opfergabe werden die fünf Geistesgifte in ihrer gereinigten Form als die fünf Fleische und fünf Nektare dargebracht.
Das Soheits-Opfer wird dadurch verwirklicht, indem man die Darbringung frei von den drei Kreisen – Geber, Empfänger, Gabe – ist.

Durchführung

Es gibt 2 Arten von Mandala:

  1. das Mandala.des Erlangens und
  2. das Mandala, das es zum Opfern gibt.

Mit dem Ersten meint man das Objektmandala. Es soll aus Silber oder Gold sein mit Juwelen (oder sonst aus Lehm, Stein oder Holz). Ein Gold- oder Silbermandala muss nicht höher als 4 Finger sein, wenn man ein Lehm-, Stein- oder Holzmandala nimmt, dann soll es eine Elle lang sein.
Dann sammelt man alle Arten von Getreide: Gerste, Reis usw. … und wäscht sie und vermischt sie mit Juwelenstaub und färbt mit gutem Safran, alles muss dann gut trocknen. Zwar nicht in der Sonne oder beim Feuer, sondern da wo die Sonne nicht hinkommt, sonst würde es zu Gift werden. (Es ist gut, dieses Getreide auf den Flachdächern bei Mondlicht und Sternen zu trocknen und zu reinigen). Wenn alles trocken ist, wird es in einer Ecke angehäuft.
Im Retreat darf man natürlich nicht darüber gehen. Es muss ganz rein gehalten werden, man behandelt es wie alle anderen Ritual und Opfergegenstände wie Glocke, Vajra oder Texte: man darf nicht darüber steigen, weil man sich dadurch Fehler schaffen würde.
Auch auf das Opferwasser oder die Torma soll man nicht treten es ist schlecht für uns. Alles, was wir geopfert haben, soll an einen reinen Ort gestellt werden. Dann reinigt man die Mandalafläche und poliert sie, während man ununterbrochen das Vajrasattva-Mantra rezitiert.
Wir polieren die Oberfläche blank wie einen Spiegel (mit der Hand) und stellen- uns dabei vor, dass wir den Geist aller Lebewesen von allen Befleckungen blank polieren wie einen Spiegel. Dann muss man eine Schale mit Safranwasser vor sich stellen und die Mandalafläche damit benetzen.
Wenn wir die Mandalafläche nicht gut reinigen können, dann heißt das, dass wir im nächsten Leben dumm sein werden. Wenn wir sie nicht mit Safranwasser benetzen, werden wir in einer trockenen Gegend wiedergeboren.
Zuerst macht man 5 Haufen Reis, sehr gut, wie 5 Tormas. In der Mitte ist der Lama, herum die Yidams, Buddhas, Dharma und Sangha – es soll eine Vorstellungsstütze unserer Zuflucht sein.
Der Reis für die Mandala-Opferung wird am besten jeden Tag, ansonsten aber doch regelmäßig gewechselt. Der gebrauchte Reis wird den Vögeln geopfert. Entweder streut man ihn auf das Flachdach oder man bringt ihn auf hohe Berge.

Mandala-Opferung

7-Punkte-Mandala

ཞེས་ཚོམ་བུ་སོ་བདུན་མ་ཡོངས་གྲགས་ལྟར་བཀོད་ཅིང་སོ་སོའི་དམིགས་པ་གསལ་བས་འབུལ་ལ།

Dann das Mandala-Opfer der sieben Punkte, wobei man die Visualisation wie vorher hält:

ས་གཞི་སྤོས་ཆུས་བྱུགས་ཤིང་མེ་ཏོག་བཀྲམ། །རི་རབ་གླིང་གཞི་ཉི་ཟླས་བརྒྱན་པ་འདི།
SA ZHI PÖ CHÜ JUG SHING ME TOG TRAM / RI RAB LING ZHI NYI DÄ GYÄN PA DI /
Der Grund ist mit duftendem Wasser benetzt und mit Blumen besprenkelt, geschmückt mit dem Berg Meru, den vier Kontinenten, Sonne und Mond,

།སངས་རྒས་ཞིང་དུ་དམིགས་ཏེ་ཕུལ་བ་ཡིས། །འགྲོ་ཀུན་རྣམ་དག་ཞིང་ལ་སྤྱོད་པར་ཤོག
SANG GYE ZHING DU MIG TE PHUL WA YI / DRO KÜN NAM DAG ZHING LA CHÖ PAR SHOG //
visualisiere ich das als ein Buddha-Feld und bringe es dar. Mögen dadurch alle Wesen sich an den reinen Bereichen erfreuen!

ཨི་དཾ་རཏྣ་མཎྡལ་ཀཾ་ནིརྱཏ་ཡཱ་མི།
IDAM RATNA MANDALA KAM NIRYATA YAMI //

Einen Praxistext für das 37-Punkte-Mandala in Verbindung mit dem 7-Punkte-Mandala findet ihr auf rangdrol’s Blog im Download-Bereich bei den „Allgemeinen Gebeten“.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 23. April 2017

Die Perlenhalskette

Aus dem Tantra „Die Perlenhalskette“ (tib., mu tig phreng ba):

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„Obwohl die Wirklichkeit unvorstellbar ist,
hat das makellose Bewusstsein drei Aspekte.
Obgleich es viele Grundlagen der Täuschung gibt,
ist es spontan vollendet und mitfühlend.
In sich selbst zu verweilen, ist die drei Kayas, Familien und das makellose Bewusstsein.
Der Ort des Buddha-Geistes ist im Zentrum des Herzens.
Der Pfad sind die vier Nadis, Wind verursacht Bewegung.
Es gibt vier Tore des Erscheinens: die Augen usw.
Das Feld ist der Himmel frei von Wolken.
Die Praxis ist Trekchö und Thögal.
Der Maßstab ist der Yoga des vierfachen Vertrauens.
Der Bardo ist das Zusammentreffen von Mutter und Kind.
Die Stufe der Befreiung kommt erstmals.“

Mehr dazu in Christopher Wilkinsons Buch.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 19. April 2017

Fundament des Berges

meditation-2214532_1280Die Bildung eines stabilen Fundaments ist am Stufenpfad zur Befreiung essentiell. Auch wenn ein Haus durch sein Dach und seine Mauern beeindrucken mag, so ist doch sein Fundament die Grundlage für seine Stabilität. Hier dazu ein paar inspirierende Worte aus Dudjom Rinpoches „Richö“ (Berg-Dharma):
Was die wirkliche Bereinigung deiner Natur angeht, so sind dies die allgemeinen Aspekte der vier Gedanken die den Geist wandeln, dann die außergewöhnlichen sind die Zuflucht, das Erzeugen von Bodhicitta, die Bereinigung der Verschleierungen und die zwei Ansammlungen. Wenn man jedes einzelne davon gemäß der Kommentare gewissenhaft praktiziert hat, bis man sie wirklich erfahren hat, dann sollte man das sehr besondere Guru-Yoga berücksichtigen, das die wesentliche Essenz der Praxis ist und sich darin anstrengen. Wenn man das nicht macht, dann wird das Wachstum sehr langsam sein und selbst wenn es ein wenig anwächst, wird es von Hindernissen gefährdet sein und wahres Verständnis wird nicht in der Lage sein, in deinem Wesen Geburt anzunehmen.
Wenn du also mit einfacher, aber eifriger Hingabe betest, dann wird die Übertragung der Realisation des Herzgeistes des Gurus, das ein außerordentliches Verständnis ist und sich mit Worten nicht ausdrücken lässt, gewiss in dir Geburt annehmen. Wie Lama Shang Rinpoche sagte: „Um Ruhe, Erfahrungen und tiefe Konzentration zu fördern, so sind das allgemeine Dinge. Aber sehr selten ist die Realisation, die durch die Segnungen des Gurus geboren wird, welche durch die Kraft des begeisterten Vertrauens entsteht.“
Daher hängt die Geburt des Verständnisses in deiner Natur über die Bedeutung der Großen Vollkommenheit von diesen Vorbereitungen ab. Das hat auch Je Drigung gemeint, als er sagte: „Andere Lehren betrachten die Hauptpraxis als tiefgründig, aber hier sind die vorbereitenden Praktiken, die wir als tiefgründig ansehen.“
Aus den Answeisungen für die Dharma-Praxis der Klausur auf dem Berg [Richö; tib., ri chos] des Dudjom Rinpoche Jigdral Yeshe Dorje. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2014). Möge es von Nutzen sein!
Verfasst von: Enrico Kosmus | 16. April 2017

Sind Buddhisten weltfremd?

levitation-1287234_1920Nichts zu tun ist weder Ziel noch Zweck im Dharma. Denn Bodhicitta – der höchste Erleuchtungsgeist – ist von Mitgefühl und Höchster Erkenntnis geprägt. Nächstenliebe, man kann ja auch Barmherzigkeit dazu sagen, findet sich z.B. im tibetischen Begriff „snying rje„, was unter anderem „snying“ beinhaltet, das wiederum für „Herz„, aber auch „Geist“ steht. Diese Warmherzigkeit bzw. dieses Mitgefühl kann nur dann wirklich seine altruistische Wirkung entfalten, wenn die Begrenztheit durch Vorstellungen und Konzepte erloschen ist. Schließlich glauben ja manche, ihre Nächstenliebe wäre ein Segen für andere, ist jedoch bloß Ursache für Abhängigkeit und Verstrickung (siehe Helfersyndrom).
Mitgefühl ist im Buddhismus überhaupt ein breites Thema, da doch das Mahayana auf den Bodhisattva-Gelübden und der höchsten Geisteshaltung zur Befreiung aller Wesen beruht. Wie schon erwähnt, ist das eben Bodhicitta. Und die gesamten Schriften des Mahayana beruhen auf den zwei Säulen von Mitgefühl und Höchster Erkenntnis (Weisheit; Skt., prajna; tib., shes rab). Und das Mitgefühl umfasst ausnahmslos alle fühlenden Wesen. Und Untätigkeit bzw. Nichtstun kann man da auch niemandem vorwerfen, da alle Handlungen eben der Befreiung aller fühlenden Wesen gewidmet wird.
Und der Buddhismus bietet ein vielfältiges Methodenset entsprechend der unterschiedlichen Veranlagungen der Wesen. Selber denken gehört da auch zum Programm. Vordenker sind recht hilfreich, weil sie die Verfahren von Logik und Prüfung darlegen können. Die eigenen Gedanken und Erkenntnisse bar jeden methodischen Vorgehens folgen doch nur den gewohnheitsmäßigen Bahnen. Somit sind sie von Anhaftung und Ablehnung bestimmt. Daher wird auch nicht einfach den Lehrern nachgeredet, sondern sie geben einem Werkzeuge in die Hand, mittels derer man die Aussagen auch auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen kann. Naja, findet sich eh auch bei jedem wissenschaftlichen Verfahren heutzutage so.
Und was die Kompromisslosigkeit angeht… Buddha und jeder seiner Nachfolger, die den Pfad zur Befreiung auch ernst nehmen, sind einfach kompromisslos dabei. Da taucht niemand bloß einen Zeh in das Meer der Erkenntnis.

 

Verfasst von: Enrico Kosmus | 13. April 2017

Der Nutzen des Vajra-Guru-Mantras

ཨོཾ་ཨཿཧཱུྂ་བཛྲ་གུ་རུ་པདྨ་སིདྡྷི་ཧཱུྂ༔

OM AH HUM VAJRA GURU PADMA SIDDHI HUM //

Dilgo Khyentse Rinpoche:
„Es wird gesagt, dass die zwölf Silben des Vajra-Guru-Mantras den gesamten Segen der zwölf Arten der Lehre enthält, die von Buddha gelehrt wurde, die die Essenz seiner 84.000 Dharmas ist. Daher ist die Rezitation des Vajra-Guru-Mantras gleich dem Segen der Reztiation oder dem Praktizieren der gesamten Lehre des Buddha. Der Weisheitsgeist von Padmasambhava ist in der Form des Mantras manifestiert. Diese zwölf Silben sind eigentlich die Emanation seines Weisheitsgeistes und sie sind mit seinem ganzen Segen ausgestattet. Das Vajra-Guru-Mantra ist Padmasambhava in der Form des Klangs. Wenn du ihn also mit der Rezitation der zwölf Silben anrufst, dann ist der Segen und Verdienst, den du erlangst enorm. In diesen schweren Zeiten ist es angebracht, Zuflucht zum Vajra-Guru-Mantra zu nehmen.“

Trulshik Rinpoche:
„Für die Praxis der Annäherung wird gesagt, dass man das Mantra von Guru Rinpoche 1.200.000 Mal rezitieren soll. Wenn wir diese 1.200.000 Rezitationen durchführen können, dann werden wir den Segen von Guru Rinpoche erhalten, so sagt man. Man sagt auch: „Mit zehn Millionen Siddhis wird man an einem Ort der Vidyadharas wiedergeboren werden.“ Das bedeutet, wenn du das Vajra-Guru-Mantra zehn Millionen Mal rezitierst, dann wirst du in einem Bereich der Vidyadharas wiedergeboren. Es wird sogar gesagt, wenn du die Ansammlung von 1.200.000 Mal sieben Mal rezitierst, dann wirst du gleich wie Guru Rinpoche in diesem Leben werden. Durch das zehn Millionen malige Rezitieren des Mantras (wörtlich „100.000 mal 100.000 Mal“), wirst du die Stufe erreichen, von der du nicht mehr umkehrst. Daher ist der Nutzen der Rezitation des Vajra-Guru-Mantras wirklich unvorstellbar.“

Besonders interessant in diesem Zusammenhang sind Praktiken auf Padmasambhava, bei denen nach dem 14-Silben-Mantra des Gurus bestimmte Aktivitätsmantras angehängt werden. Die Guru-Puja aus dem Dharma-Zyklus des Maha-Ati von Dudjom Lingpa ist voll davon.
Ferner sind besonders wirkungsvolle Sadhanas von Padmasambhava, bei denen er die Versammlung aller Vidyadharas darstellt. In diesem Kontext ist er nicht nur von acht seiner Emanationen umgeben, sondern auch von den acht Vidyadharas. Eine bekannte Meditationspraxis findet sich im Zyklus des Longchen Nyingthig, bekannt als „Rigdzin Düpa“ und auch eine verfasst von Dudjom Lingpa, genannt „Rigdzin Düpa Dechen Namrol„. Hier essenziert man das gesamte Mandala in der Meditation des Gurus.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 10. April 2017

Das Flammenschwert der Dakini

moon-625450_1280Wie wunderbar! – Die sichtbare Manifestation der Dharmata – der wahren Natur der Wirklichkeit – ist überragend, das unermessliche Anwachsen der Erfahrung,
das Erreichen des vollen Umfangs des Sambhogakaya zeigt sich in der Dharmata Erschöpfung jenseits von Konzepten, dem Ort des Besiegers von Mara [Dudjom Lingpa].
Zum untrennbaren, ursprünglich reinen Gewahrsein bete ich, führt mich zum jugendlichen Vasenkörper.

Dies hat Dudjom angesichts gläubiger Leute geschrieben.

Zum ursprünglichen wahren, vollkommenen Buddha, die glorreiche Verwandlung der illusorischen Manifestation des wundersamen Ausdrucks,
dem Bodhisattva, der das Siegesbanner der Lehren errichtet hat, dem seegeborenen Vajra, der die Scharen der bösartigen Maras besiegt hat,
dem Herrscher und König, dem andere unterworfen sind, zu diesen drei unvorstellbar Gütigen bete ich!
Möget Ihr für mich und andere zusammen mit unserem Gefolge in all meinen Leben die höchste Zuflucht sein, der wir folgen!

Das ist von Dudjom Dorje.

Aus den gesammelten Werken von Dudjom Lingpa; Band 14 (pha), Seite 449
© Übersetzung: Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2014)

Verfasst von: Enrico Kosmus | 6. April 2017

Samaya des Padmasambhava

Man stellt sich vor, dass im Raum vor einem, sitzend auf einem Löwenthron, Lotus und Mondsitz sich Guru Padmakara in Zahor-Kleidung befindet, umgeben von den Linien-Gurus, wie auch jenen der mündlichen Linie der Individuen.
Die mündliche Linie der Individuen ist die dritte Folge in der Übertragung der Lehren des Mahayoga, Anu und Ati der Niyngma-Linie. Das ist beispielsweise die Übertragung des Mahayoga vom König Indrabhuti I. (von Zahor) an Kukuraja, von dem an Indrabhuti II. usw. bis zu ihrer Einführung in Tibet durch Vimalamitra und Padmakara. Jene des Atiyoga entspringt bei Surativajra oder Prahevajra (im Tibetischen Garab Dorje genannt) von Oddiyana und ging weiter zu Manjushrimitra, Shri Singha etc. bis zu Vimalamitra.

Das Zahor-Gewand

Die Zahor-Kleidung wird deshalb so genannt, weil sie ihm vom König von Zahor (einem Königreich im Nordosten Indiens, in der heutigen Gegend von Bhagalpur, im Osten der etwas bekannteren Gegend, die Rajghir, Bodhgaya und Nalanda umfasst) gegeben wurde, der versuchte, Padmakara auf dem Scheiterhaufen zusammen mit seiner Tochter, der Prinzessin Mandarava, zu verbrennen. Nachdem er aufgrund des Zeugnisses der wundersamen Kräfte Vertrauen in Padmakara entwickelt hatte, brachte der König ihm die Prinzessin und sein ganzes Königreich dar. Im Besonderen gab er Padmakara das königliche Gewand des Königs von Zahor, was hauptsächlich die große Seidenrobe war, die normalerweise von Padmakara über dem Rest der anderen Gewänder getragen wird und der königliche Hut, der eine Geierfeder oder eine Pfauenfeder an seiner Spitze hatte. Diese Art des zeremoniellen Hutes wurde für gewöhnlich unter den indischen Machthabern als ihr Zeichen getragen. Das genaue Aussehen des königlichen Hutes von Zahor ist ungewiss, daher gibt es viele, etwas abweichende Darstellungen davon. Aber das ist das am bekannteste Gewand, in dem Padmakara dargestellt wird.

Das Samaya des Padma (aus dem Weißen Lotus von Mipham)

Als ich, der Lotus, der alle Dinge trägt, in Versenkung in der weiten, uranfänglichen Weite ruhte, wurde ich vom Vajra-Klang, dem Spiel der letztendlichen Wirklichkeit angerufen, einer selbstentstandenen Melodie in sieben Zeilen.
Ich erhob mich in der grenzenlosen Pracht des Sambhogakaya offenbarte ein Aufgebot an Buddhas und ihre den Raum durchdringenden Felder, geschmückt mit fünffacher Gewissheit.
Dann beschworen mich die fünf überragenden Mütter der letztendlichen Weite mit einem siebenzeiligen Lied, für das Gute der Wesen zu wirken. Und daher erhob sich ein Lotus auf seinem Stamm im Milchozean des Feldes höchsten Glücks.
Ich ward manifest, bekannt als Thöthreng, Schädelgirlande, in fünffacher Linie. Mein Leben und meine Taten jenseits des Vorstellbaren.
Und dann riefen hundert Millionen Weisheits-Dakinis mit einer einzigen Stimme zu mir, dass ich die Lehre des Geheimen Mantras verkünden möge, beauftragten mich mit dem siebenzeiligen Lied, in diese Welt zu kommen, dem Feld, das Shakyamuni zähmte.
Und so in Orgyens Land, der Wiege der Mantras, auf dem Dhanakosha-See auf einem wundersamen Lotus, der sich auf seinem Stamm erhob, erschienen aus dem Feld der Glückseligkeit kam ich. Als „Seegeborener Vajra“ bin ich daher bekannt. Unvergleichliche Wunder enthüllend, sind meine wundersamen Formen unendlich.
Für die Dakinis und Dakas des Sees brachte ich die geheime Essenz der großartigen geheimen Lehren hervor: einhundert Millionen Tantras, Agamas und Upadeshas des Magischen Netzes von Padma, um den Lebenden zu helfen und allen die noch kommen werden, gemäß ihrer verschiedenen Neigungen. Diese Lehren wurden alle von mir in Sadhanas über mich, dem Guru zusammengefasst – der Verkörperung der drei Wurzeln.
Das Gebet in sieben Zeilen ist die Wurzel all dieser Sadhanas. Als Grund symbolisieren diese Zeilen die sieben Arten des Bewusstseins; als Pfad repräsentieren sie die sieben Zweige der Erleuchtung; und wenn die Frucht erlangt wird, sind sie vollkommen als die sieben heiligen Reichtümer des Letztendlichen.
Wenn ihr mich also einfach anruft mit dieser Melodie des Vajra-Klanges, dann kann ich, Padma, nicht helfen, aber ich komme zu euch. Ich werde euch meinen Segen geben und die Ermächtigung der großen ursprünglichen Weisheit gewähren. Die Vielzahl der Gottheiten der Drei Wurzeln werden sich wie Wolken versammeln, um die ungehinderten, allgemeinen und höchsten Verwirklichungen zu gewähren.
Und in eurem Leben und in eurer Meditation oder in euren Visionen eurer Träume werdet ihr mir begegnen. Wirbelnde Regenbögen aus Licht werdet ihr sehen und süße Düfte riechen und himmlische Klänge hören und das sanfte Klopfen der Damaru. Euer Körper, eure Rede und euer Geist werden mit Segnungen durchtränkt, ihr werdet in einem einzigen Satz Erleuchtung erlangen durch die Tugend der Stärke eures Gewahrseins. Die acht Klassen der stolzen Geister werden eurem Worte untertan.
Ihr alle, die mit mir verbunden sind, werden die Macht meines Segens erlangen, und um rasch die Verwirklichung als Vidyadharas zu erlangen, werdet ihr niemals von mir – dem Lotusgeborenen – getrennt sein. SAMAYA!
Die Drei Wurzeln verkörpere ich selbst, die Vajra-Form entstanden aus dem See, erschienen als ein magisches Netz an Emanationen. Wenn ihr zu mir gemäß eurer Bestrebungen betet, werde ich euch die Verwirklichungen gewähren, die dem entsprechen.
Ihr, die ihr nun König und Untertanen seid Und zum Wohle meiner Schüler, die noch kommen, lehre ich mit Liebe die Essenz meines Herzens. Nicht enthüllt, sondern als ein tiefgründiger Schatz muss sie nun verborgen bleiben. In üblen Zeiten, die kommen, wird mein eigener Schüler erscheinen und zu dieser Zeit, ausgestattet mit Weisheit, durch die Kraft von Vairocanas Gebet, wird er diese Methode für das Zähmen der Wesen offenbaren, in symbolischen Lettern aus Licht schimmernd. Dies wird weit und breit als eine Quelle der Hilfe für die fühlenden Wesen sein. SAMAYA!

Dies ist eine Zusammenstellung aus dem Könchog Chidu von Jatsön Nyingpo und dem Weißen Lotus von Mipham Rinpoche. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus). Möge es nützlich sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 1. April 2017

Gefühlsverzerrungen durchtrennen

ChodChöd ist die Praxis um die Ich-Anhaftung oder auch Ich-Illusion, die die Grundlage der Unwissenheit und die neurotischen Gefühlsverzerrungen die, welche auch die vier Maras genannt werden, abzuschneiden.

Diese vier Maras sind :

  1. der Mara des Greifbaren (eigentlich unser 6-faches Sinnesbewusstsein in unserem Geist. Unsere 6 Sinne: Augen, Ohren, Nase, Zunge, Haut und Gedanken greifen nach Form, Klang, Geruch, Geschmack, Berührung und Vorstellung. Diese Sinnesobjekte verwirren den Geist: das ist der erste, der blockierende Mara.
  2. der Mara des Nicht-Greifbaren: er hängt nicht von äußeren Objekten ab, sondern ist im Geist selbst. Ein Gedanke löst den anderen ab in einem nicht abreißenden Strom mentaler Aktivitäten.
  3. der Mara der Erhöhung. Wenn wir glücklich sind oder erregt, dann will unser Geist in diesen freudigen Gefühlen verharren.
  4. der Mara der Ich-Anhaftung bzw. Ich-Aufblähung, er ist die Wurzel der anderen drei Maras.

Alle dualistischen Gedanken und quälenden Emotionen, die durch sinnliche Begierden verursacht werden, endlose Gedankenketten und Anhaften an freudvolle Gefühle sind nach Machig Labdön im Göttersohn Teufel (devadatta mara) enthalten. Sie sind die Wurzel des Samsara, die es abzuschneiden gilt.
Dabei umfasst das Chöd die 6 Paramitas:

  1. seinen Körper zu opfern ist Großzügigkeit.
  2. Ihn zu geben ohne Anhaftung und Bedingung ist die Praxis des Ethischen Verhaltens.
  3. Ihn darzubringen ohne Furcht und Faulheit ist die Praxis der Geduld.
  4. Freudig zu Geben ist die Praxis der Ausdauer.
  5. Ihn einsgerichtet zu geben ist die Praxis der einspitzigen Konzentration
  6. und wenn man Mahamudra während dieser Opferung realisiert, ist es die Praxis der transzendentalen Weisheit.

Der Endzweck des Chöd besteht darin, durch die Zertrümmerung der zwanghaften Ich-Fixierung, den Praktizierenden aus dem Gefängnis der dualistischen Sichtweise zu befreien. Man tritt so durch Einweihung und Praxis direkt in die nackte Präsenz der Natur des Geistes ein.
Die Natur des Geistes, das in jedem Wesen angelegte Erleuchtungspotential, ist weder an Ethnie noch an Religion gebunden und kann daher von jedem spirituell Strebenden, allerdings erst nach langen Vorübungen schließlich realisiert werden.
Diese nackte Präsenz ist das Einfache, das schwer zu machen ist. Das „Ich“ muss nicht, ja kann gar nicht verschwinden. Es ist von vornherein nie vorhanden, sondern geschieht – entsteht illusorisch – durch einen Mangel an Gewahrsein, ein Ergreifen, ein Benennen und Daran-Festhalten. Es ist einfach ein Konstrukt, einfach ein Vorgang des „Ich“-Denkens, „Ich“-Sagens und des Handelns zum „Ich“-Vorteil. Wir stellen dieses „Ich“ als Bezugspunkt für unsere gesamte Welterfahrung auf und versuchen über mannigfaltige Weise – besonders über Emotionen – uns ein „Ich“-Gefühl zu vermitteln. Dadurch fühlen wir uns dann auf eigenartige Weise lebendig. Aber dieses Ego-Konstrukt ist sehr fragil und unbeständig. Daher versuchen wir es so krampfhaft festzuhalten. Aber es ist nichts da, was zu halten wäre. Wir versuchen lediglich an Meinungen – über uns, die Anderen, die Welt etc. – festzuhalten. Der Mensch verweilt so in der zyklischen Existenz, weil er die ursprüngliche Bewusstheit in die Begrifflichkeit des Verstandes verwandelt hat. Dieses begriffliche Haften gilt es wieder in den lichthaften Urzustand zurückverwandeln.
Verbleibt man unabgelenkt im meditativen Zustand, folgt den auftauchenden Gedanken nicht, dann können diese das ursprüngliche Bewusstsein auch nicht verdunkeln, da sie ja keine Substanz haben und man eben nicht daran festhält. Wie Wellen und deren Schaumkronen wogen sie auf dem Ozean des Geistes auf und ab, sind nicht getrennt von ihm, sondern von einer Essenz.
Es gilt also hier vorerst im Rahmen der Einweihung einen Samen in den Bewusstseinsstrom des Einzelnen zu pflanzen, der dann durch sein eigenes Bemühen und das Zusammentreffen der günstigen Umstände zur Erleuchtung führen muss.

Die Worte des Tsa Ugh Rinpoche als Einleitung zur Chöd-Einweihung „Das Öffnen des Himmelstores“.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 29. März 2017

An die Dakini Yeshe Tsogyal

YesheTsogyalQuelle der Zuflucht, die Drei Juwelen und drei Kayas, Gottheit, Lehrer der drei Linien und Versammlung der Meditationsgottheiten und Dakinis, Ozean aller eidgebundenen Dharma-Schützer, Herrscher hunderter Buddha-Familien – Lama bitte blickt auf mich!
Möge ich nicht einmal für einen Moment getrennt sein. Nehmt mich unter Euren Schutz, darum bete ich. Segnet mich, damit ich der Anhaftung an Samsara überdrüssig werde.
Möge ich von nun an, so lange ich lebe, keinen festen Aufenthaltsort mehr haben, als die drei Tore des Überragenden.
Möge durch das Aufgeben aller weltlichen Aktivität, der unerschütterliche Zustand erlangt und die Stufe eines furchtlosen Vajra-Halters erlangt werden!
Mögen durch die sofortige Praxis des Mahayoga die drei Tore in die drei Vajras reifen!
Mögen durch die sofortige Praxis des Anuyoga die drei Kayas in der großen Vereinigung befreit werden!
Mögen durch die Verjüngungspraxis des Extrahierens der Essenz der Vitalenergien des Himmels die befleckten Erlebnishaufen in den Regenbogenkörper befreit werden!
Mögen durch die sofortige Praxis der klar offenbarten Lehren des Trekchö die ursprüngliche Reinheit der Großen Vollkommenheit befreit werden!
Mögen durch die sofortige Praxis des geheimen Pfades von Thögal über die vier Visionen die geschickten Mittel von Erfahrung und Realisation erlangt werden und mögen die Zeichen des Fortschritts auf dem Pfad in Übereinstimmung mit Tantra, Übertragungen und Kernanweisungen alles und unverfälscht erlangt werden.
Mögen derjenige, der erfährt und das Feld der Erfahrung sich rasch stufenweise ausbreiten und so die essentiellen Punkte des Pfades ohne Fehler verstanden und so in den jugendlichen Vasenkörper befreit werden. Mögen die Buddhas und alle Bodhisattvas der drei Zeiten alle Geistübertragungen der nichtbegrifflichen Weisheit selbst heute schon auf meinen eigenen Geist übertragen bevor ich den Regenbogenkörper des großen Übergangs erlange und möge ich so den vollkommenen Buddha Vishuddha erlangen.
Mögen ich und alle fühlenden Wesen in Verbindung mit mir die allumfassende uranfängliche Grundlage des Zustandes der Erleuchtung erlangen!

Nachdem dieses Wunschgebet praktiziert wurde, wird das richtige Mantra wie beschrieben, angesammelt. Diesen Yoga der Illusion hat der Dudjom Dorje als Antwort auf die aufrichtige Bitte des gelehrten Sohnes Tshultrim Gyamtsho aus dem himmlischen Schatzhaus der Dharmata entnommen. GE’O! SARWA MANGALAM!       

Wunderbarer Sohn! Zusammen mit dem Segen der Siegreichen und durch die unfehlbahre Wahrheit des wechselseitig bedingten Entstehens möge ich durch die völlig reine Kraft meiner reinen Motivation und meines Strebens rasch alle Zustände rasch verwirklichen!

Aus dem Dudjom Terchö; Band 16 (ma), Seite 43 – 44
© Übersetzung: Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2014)

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