Verfasst von: Enrico Kosmus | 14. Januar 2010

Bardo – der Zustand zwischen Vergehen und Werden

Im vorigen Blog-Beitrag habe ich die achtfache Auflösung beim Übergang des Geistes beschrieben. In diesem Beitrag beschreibe ich kurz die 49 Tage dauernde Phase von der endgültigen Loslösung bis kurz vor dem Ergreifen einer neuen Geburt.

Bardo

Egal wie lange der Geist im Zustand Klar-Licht-Leerheit verweilt, so macht sich schließlich doch eine Bewegung bemerkbar. Und der Geist verlässt den Körper. Ein Zwischenzustandswesen (Bardo-Wesen) entsteht. Dieses bleibt bis zu maximal 49 Tagen im Zwischenzustand. Alle sieben Tage durchläuft es die oben beschriebenen Sterbephasen auf sehr subtiler Weise, bis es sich zu einer Wiedergeburt hingezogen fühlt. Es gibt mehrere Zeichen für ein Verweilen im Zwischenzustand. Jeweils sechs eindeutige und sechs nicht-eindeutige Zeichen werden genannt. So erlebt man zwar einen subtilen Körper, der aber keinen Schatten wirft. Gedanklich kann man sich an jeden Ort bewegen. Außer von Hellsichtigen kann man mit keinen physischen Augen gesehen werden. Man kann die Gedanken anderer lesen. Positive und negative Gottheiten urteilen über die Ansammlung der Taten (Karma). Weiters kann man außer Opfergaben kein Essen genießen. Als nicht-eindeutige Zeichen sind genannt: die Körpergröße ist variabel (ca. 30 – 100 cm). Man verweilt an verschiedenen Plätzen in der Natur (Berg, Strand, Haus etc.). Auch kann man sich in Gesellschaft von Lebenden und Verstorbenen, wie auch von bekannten und unbekannten Menschen befinden. Mit vielen Aktivitäten ist man beschäftigt. Ernähren tut man sich von Gerüchen. Daher wird ein Zwischenzustandswesen auch „Geruchsesser“ genannt und in der tibetischen Tradition werden ihm Rauchopfer mit Nahrungsmitteln dargebracht. Weiters ist man noch unzufrieden oder leidet. Vieles aus seinem früheren Leben sieht man. Man kann auch seine Verwandten wahrnehmen, jedoch sich nicht mit ihnen verständigen. Daher weiß man auch, dass man seinen Körper verlassen hat. Sieht man seine Verwandten jedoch um einen trauern und weinen, dann bekommt man Angst und flieht. Verhalten sie sich gleichgültig, fühlt man sich verwirrt. Das Licht erscheint einem im Zwischenzustand wie in der Dämmerung, da durch das Fehlen von rotem und weißem Tropfen Sonne und Mond nicht vorhanden sind. Auf seinen Wanderungen im Zwischenzustand fühlt man sich von den Kräften der vier Elemente bedroht. Dies zeigt sich in den sog. „vier schrecklichen Geräuschen“. Man hört Berge einstürzen, tosende Wellen eines Ozeans, einenWaldbrand und einen riesigen Wirbelsturm. Weiters erfährt man auch die sog. „drei Abgründe“. Man hat das Gefühl, von einer Klippe zu fallen, welche von weißer, roter oder schwarzer Farbe sein kann. Weiters fühlt man sich noch verschiedenen bedrohlichen Situationen gegenüber. Schließlich tauchen die friedvollen und zornvollen Gottheiten auf. Hat man in seinem Leben viele negative Handlungen gemacht, treten die Diener des Todesherrn auf und das Licht wird dunkler. Wenn man jedoch tugendhafte Handlungen ausgeführt hat, erkennt man diese Gottheiten als die eigenen Projektionen des Geistes. Auf diese Weise kann man leicht in höhere Daseinsbereiche oder sog. „Reine Länder“ gelangen.

Traum – zwischen Einschlafen und Aufwachen

Dem Zwischenzustand ähnlich ist die Traumphase. Daher wird im geheimen Mantra-Fahrzeug auch dieser Zustand für den Weg der Befreiung genutzt. Wie beim Sterben erleben wir beim Einschlafen eine Schwere des Körpers und ein Sinken (manchmal schrickt man hoch). Unsere mangelnde Fähigkeit die Stufen detailliert wahrzunehmen ist dann die Ursache, dass wir einen dunklen, unbewussten Geisteszustand erleben und erst nach einiger Zeit wieder „zu Bewusstsein“ – nämlich dem Traum-Bewusstsein – gelangen. Dieses Traumerleben wirkt so plastisch und real wie das Alltagserleben. Genauso geht es uns dann auch im Zwischenzustand zwischen Tod und neuer Geburt. Auch hier erleben wir dieselbe Intensität. Ohne die befreiende Erkenntnis der Illusionshaftigkeit dieses Zustandes folgen wir unseren Gewohnheitsmustern und greifen wir nach Neuem. So verstricken uns in die täuschenden Erscheinungen, die wir für wahr halten.

Im den nächsten Blogs werde ich Euch über das Werden, dem Ergreifen einer neuen Geburt, und über die Entwicklung der feinstofflichen Kanäle und Zentren berichten.

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Responses

  1. Hallo Enrico,……..Tagträume………., ich glaub wir sprechen von zweierlei Dingen, weiß nicht was Tagträume sind,……………., ich meine in den Tag hineinträumen – die Seele baumeln lassen – schwer mich zu verstehen – wills kurz – von meiner einfachen Art zu leben, erklären—- stell dir vor, später Sonntagnachmittag – alle sind ausgeflogen- Hermi ist allein zu Hause (bin echt froh manchmal allein zu Haus zu sein ), Buch zum Lesen ist auch keins mehr da, weil ja den ganzen Tag damit verbracht. Hermi is irgendwie fad, geht hinaus – ja, da is ja noch die Hutsche – wird momentan von den Erwachsenen mehr benutzt als von den eigenen Kids, und die Nachbarskinder sind ja auch schon alle flüge, Hermi setzt sich drauf – schaukelt ein wenig hin und her und schaut den Wolken zu, wie war das in längst vergangenen Kindertagen – welche Tiere kann man in den Wolken erkennen, jeder sieht was anderes – hab dieses super oft mit den eigenen Kinder gespielt……………………….., oder andere Situation, da wir ja sehr viel Zeit im Sommer auf den Bergen verbringen, manche Wanderungen lang sind – Hermi natürlich ausgepowert is – was tut sie – sie zieht ihre Wanderschuhe aus, geht die letzten 20 Minuten – barfuß – spüren – wieder spüren lernen, ein Stein auf den man tritt – ist auf der einen Seite wo die Sonne draufscheint warm – auf der Schattenseite kalt, jedes Grasbüschel ist anders, manche sind vielleicht noch ein bißchen naß vom Regen, ja da gibts ja auch noch die spitzen Steine, weil Hermi übermütig wurde, schneller zu gehen anfing – aua der war spitz – nach diesen 20 Minuten is die Hermi wieder fit,………………., in den Tag hineinträumen bedeutet für mich Raum und Zeit alles rundherum vergessen, die Uhr einfach zu Hause zu lassen – keine Angst – es hat immer jemand eine Uhr mit – trage seit vielen Jahren keine Uhr, im Notfall hab ich ja auch irgendo ein Handy – nur find ichs manchmal nicht – ah übrigens komme auch ohne Uhr nicht zu spät – meistens jedenfalls,……………………………………., für mich bedeutet in den Tag hineinträumen – einfach hier und jetzt leben- alles andere rundherum vergessen – kann manchmal auch nur für 3 Minuten sein – wenn ich meinen Hund zuschaue, wie er vergeblich versucht mit meiner Katze zu spielen,….. ich wünsche alle Menschen, auch mal vielleicht nur für ein paar Minuten alles rundherum vergessen zu können – ein bißchen leben – ohne Sorgen – Mühe – Ärger – Angst – es geht, man muß sich nur von dem Alltagsstress ausklinken, …………. ah ja, Musik hören is auch so was – nur zuhören – nix dabei denken – seine Gedanken wegschalten – nur die Musik spüren – das geht – probiers aus – …………………………………………………………………………………………………………………………………………………….., lese gerne deine Ansichten über Tagträume, kann mit diesem Wort nichts anfangen…………………………….
    liebe Grüße von Hermi

    • naja, die grenze zwischen entspannung in den offenen raum hinein und mit dem geist davon gleiten ist oft fließend…

  2. ……………… träumen, hab seit vielen Monaten nicht mehr geträumt, geht mir auch gar nicht ab, man kann ja manchmal so in den Tag hineinträumen, is ja auch schön………….

    • tagträume sind nichts anderes als ein abgleiten des geistes in gewohnheitsmuster des egos…

  3. Lieber Enrico! Hiermit nehme ich Bezug auf den letzten Teil deines Vortrages, – den Traum. Seit einigen Wochen träume ich wieder, und zwar am lebhaftesten und in meiner Erinnerung von morgens um 5 bis 7. In 30 Jahren habe ich sieben Kinder großgezogen und meine Träume verloren. Nun ist meine jüngste Tochter 18 und ich beginne, mich auf mich zu besinnen. Es ist der starke Wunsch, mein Leben nach dem Tod selbst zu bestimmen. Die meisten Träume sind völlig chaotisch und anstrengend. Viele Ereignisse und Menschen in meinem Leben werden vermischt und in verrückten Situationen gewürfelt und neu zusammengesetzt. Ich träume auch Ereignisse, die noch gar nicht da waren oder sind. Dann bin ich jedesmal froh aufzuwachen, meinem Lama Guten Morgen zu sagen, die Stille zu genießen, und ihn zu bitten, aus der Lotusblüte in meinem Herzen sich auf den Scheitel meines Kopfes, dem Mandala der Großen Glückseligkeit zu begeben und meinen Tag in Achtsamkeit und Gewahrsein zu verbringen. LG. Gabriele.

  4. Hallo Enrico,

    ich danke dir für die großartige Beschreibung dieses Zustandes! Auch ich nehme es im Großen und Ganzen so wahr und ich fühle mich im Moment sehr dazu angeregt, es noch tiefer zu erforschen. Dein Artikel wird sicherlich wieder einiges in mir auslösen, wie alles, was du schreibst.

    Christine


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