Verfasst von: Enrico Kosmus | 19. April 2010

Das Streben nach Glück

Alle Menschen, alle fühlenden Wesen, alle Wesen mit Bewusstsein streben nach Glück und versuchen Leiden zu vermeiden. Das ist universell. Es ist nicht eine Art Tradition oder abhängig von einer Art der Kultur. Es ist einfach natürlich. Glück kommt jedoch nicht einfach ohne Ursachen, es kommt nicht einfach durch Wünschen und ungünstige Bedingungen verschwinden nicht einfach durch Wünschen. Sondern indem wir mit einer Absicht danach streben und verschiedene Handlungen entsprechend der Wunscherfüllung ausführen. Dies zeigt, dass es von Ursachen und Bedingungen abhängig ist.
Der Pfad des Buddhas führt zur Auslöschung des Leidens hin zu beständigem Glück. In seiner ersten Lehrrede legte der die sog. „Vier Edlen Wahrheiten“ dar. Jene vier Tatsachen, die von den Edlen – den Arhats – als wahr und gültig erkannt werden. Dies sind die 1) die Wahrheit vom Leiden, 2) den Ursachen des Leidens, 3) dem Beendigen des Leidens und 4) dem Pfad, der zur Beendung des Leidens führt.
Obwohl man nicht gerne vom Leiden spricht, ist es dennoch wichtig, sich zuerst der Tatsache des Leidens bewusst zu werden. Ohne des Bewusstseins dafür lassen sich die Ursachen für das vorhandene Leiden nicht erkennen und die Handlungen, die zur Auslöschung dieser Unpässlichkeit notwendig wären, verwandeln sich sonst nur in Kompensationen, Verdrängungen, in Symptom-Behandlungen. Doch ist jedes Symptom ein Aufruf nach Ursachenfindung und Behebung des Leidens.

Falsche Identität und der Kreislauf des Leidens

Verwirrung und emotionale Trübung bewirken eine täuschende Wahrnehmung unseres ursprünglichen Potentials. Dieser Wahrnehmungsmangel führt zu einer falschen Identität. Wir schaffen eine Trennung von Ich und Du, innen und außen, und stehen so als Individuen immer im Spannungsverhältnis mit unserer Umgebung. Wir entwickeln mit diesem täuschenden Ich-Bezug eine gewohnte Identität, weiters entsteht damit auch eine Täuschung hinsichtlich der Erscheinungs- und Bestehensweise der Erscheinungen. Die Phänomene scheinen dauerhaft aus sich selbst heraus zu bestehen. Auf Grund dieser Täuschung suchen wir nach Glück in unserer Umwelt und Glauben an Fremdursachen für unsere Befindlichkeiten.
Angst ist das begleitende und bestimmende Gefühl bei all diesen emotionalen Regungen. Diese Angst resultiert aus einem Gefühl unbestimmbarer Unzulänglichkeit von einem selbst bzw. allen auftretenden Situationen und Erscheinungen. Irgendwie scheint immer etwas zu fehlen, nicht zu genügen. Aus diesem Mangelgefühl heraus starten wir dann gewohnheitsmäßig alle Handlungen. Wir versuchen diesen Mangel auf die eine oder andere Art auszugleichen. Allerdings ist dies immer mit einer falschen, weil zu kurzsichtigen und ich-bezogenen Perspektive verbunden. Daher kreisen wir immer in denselben leidvollen Situationen.

Leidensarten

Leid wird hier in drei Kategorien gesehen. Auf der Ebene der gewöhnlichen, groben Wahrnehmung erleben wir immer wieder die uns bekannten körperlichen Schmerzen. Betrachten wir einen Tagesablauf einmal genauer, dann stellen wir fest, dass kein Tag wirklich VÖLLIG schmerzfrei abläuft. Irgendwann am Tag verspüren wir die einen oder anderen körperlichen bzw. geistigen Schmerzen in Form von Unpässlichkeiten, schmerzenden Gliedern, einer Niedergedrücktheit etc. Wir leiden dabei auch an unseren verschiedenen Emotionen. Hass und Wut verspüren wir als brennenden oder stechenden Schmerz, der, wenn er somatisiert, zu fassbaren körperlichen Schmerzen wird. Dumpfheit lässt uns einen Mangel an Antriebskraft erleben. Sogar Freude steigert sich zu Aufregung und bringt unser Blut und unser Herz in Aufruhr. Wunschverlangen treibt uns von der Selbstwahrnehmung weg wie eine riesige Wasserwelle. Durch Neid und Eifersucht befinden wir uns in einem ständigen Spannungszustand.

„Nehmen wir eines unserer Haare und legen es auf unsere Hand, fühlen wir normale Menschen es nicht. Anders dagegen die hoch entwickelten Wesen: So wie ein Haar im Auge uns Schmerzen bereitet, das ist die Art, wie Arhats das Leiden wahrnehmen.“ (Khenchen Könchog Gyaltsen)

Selbst wenn wir uns auf der Höhe unseres Glücks befinden, ist dieses Gefühl von einer subtilen Angst vor Veränderung dieses Gipfelzustandes begleitet. Dieses Leid der Veränderung ist von subtiler Natur.
Die subtilste Leidenserfahrung ist jene der Vergänglichkeit von allen Phänomenen. Dies wird auch als das alles durchdringende Leid genannt.
Gewöhnlich versuchen wir uns mit allen möglichen Strategien von diesen drei Leiderlebnissen zu schützen. Wir trachten nach grundsätzlicher Dauerhaftigkeit, versuchen Glück und Frieden zu halten und Leid abzuwehren. Kleinste körperliche und geistige Gebrechen versuchen wir durch einen hohen Aufwand an Medizin und Lebensführung fernzuhalten, um möglichst dauerhaft im Glück zu leben. Auf diese Weise sind wir beständig im Planen und Vorbereiten.
Wollen wir aus diesem Wiederkehren von unbefriedigendem Erleben aussteigen, gilt es, sich diesen Leidenserfahrungen zu stellen. Die Anerkennung dessen, was ist, ist die Grundlage für eine nachhaltige Befreiung aus Leid.
Dazu ist es weiters notwendig, die Ursachen von Leid loszulassen. Haben wir durch achtsames Untersuchen erkannt, was das Leiden verursacht und welche Bedingungen damit verbunden sind, können wir diese auch beenden. Zunächst suchen wir meist das Glück wie auch die Ursachen für Leid außerhalb von uns. Durch Einsicht und Verstehen beginnen wir uns aber der wahren Ursache für das Leiden zuzuwenden – unserem Festhalten an Vorstellungen und Meinungen.
Durch unsere Ansichten haben wir uns ein fixes Bild von jemandem (auch uns selbst) u/o einer Situation gemacht. Dieser sehr subtile Akt von Gestaltbildung, dem Greifen und Festhalten dieses Bildes bringt eine Spaltung in Ich und Andere. Die Dualität des Welterlebens entsteht. Indem wir den Fluss der Wahrnehmung und dadurch des Welterlebens als Ganzheit erkennen, können wir die Meinungen und Vorstellungen als das entlarven, was sie sind – nämlich Gedanken. Gedanken, die sich auf einen komplexen Prozess der Erlebnisschöpfung gründen, jedoch in sich leer, substanzlos sind und denen wir eigenständige Bedeutung beimessen.
Doch Befreiung aus diesem Kreisen ist möglich. Durch Achtsamkeit und Verständnis schaffen wir uns einen offenen Gewahrseinsraum. Gewohnheitsmuster der Wahrnehmung lassen sich nicht über Nacht auflösen. Indem wir aber lernen, inadäquaten Entscheidungsstrukturen und Handlungsmustern NICHT mehr zu folgen, ändern wir unsere Schöpfung des Welterlebens.

Herzensausrichtung

Damit dies auch entwickelt werden kann, ist eine Abwendung der Geistestätigkeit von den gewohnheitsmäßigen Bezugspunkten (Ich-Bezug, Glaube an Beständigkeit der Erscheinungen, Suche nach äußerem Glück und Glaube an Fremdursache) notwendig.
Welche Ausrichtung ist nun notwendig? Die Anweisungen für die Entfaltung des Herzensweges kann man in drei Bereiche gliedern: Anregungen 1) zur Entfaltung von Weisheit, 2) zur rechten Lebensführung und 3) zur Entwicklung von Achtsamkeit und meditativer Sammlung. Diese drei Bereiche sind eng miteinander verwoben. Sie bauen aufeinander auf, ebenso ergänzen sie einander.
Weisheit kann sich nur durch das Aufgeben von beengenden Meinungen und Ansichten einstellen. Eine eingehende Betrachtung der übergeordneten Lebenszusammenhänge führt uns aus unserem ständigen Mangelbewusstsein zu einer spirituellen Erfahrung von Ganzheit. Die Einsicht in Naturvorgänge, das Verstehen des Geistes und seiner Wechselwirkung mit dem Körper führen zu einer nachhaltigen Entfaltung von Weisheit. So sind wir dann auch in der Lage, ungesunde emotionale Haltungen aufzugeben. Mühelos entfalten sich dann die in uns angelegten guten Qualitäten.
Rechte Lebensführung entsteht, wenn man sich der individuellen Daseins- und Handlungsdimensionen bewusst wird. Unser Erscheinen in der Welt ist zeitlich begrenzt. Genauso sind unsere Handlungsmöglichkeiten von den Bedingungen mitbestimmt und begrenzt. Erkennen wir diese Determinanten, dann können wir von grenzenlosem Idealismus ablassen und gelangen zu einer Lebensbejahung (= Optimismus).

Kostbares Menschendasein

Die Kostbarkeit unserer Individualität ist uns nur allzu selten gegenwärtig. Als selbstverständlich setzen wir die Dauerhaftigkeit unseres Eigenerlebens voraus. Die Lebensumstände werden ebenso als gegeben hingenommen. Ohne dies zu hinterfragen und näher zu untersuchen, bilden wir uns sehr leicht falsche Vorstellungen von unseren Möglichkeiten in der Welt.
Doch ohne wiederholtes Innehalten und Sammeln im Fluss des Alltags zerstreuen wir nur allzu leicht unseren Herz-Geist. Jedoch in dem Moment, wo wir die Natur unseres Geistes erkennen, erlangen wir vollständige Gewissheit. Gewissheit darüber, wer wir wirklich sind. Und dies schafft ein Vertrauen, welches die drei Arten des Leidens, wie auch die in ihnen wohnende Angst nicht kennt. Wir sind dann in Kontakt mit unserer wahren Weisheitsnatur.



Responses

  1. ………….. Glück in unserer Umwelt im außen finden……………..würde es vielleicht anderst nennen, Erfüllung – Erfüllung suchen und finden, viele Menschen suchen Erfüllung indem sie Sachen kaufen, sonstwohin auf Urlaub fahren , ein super tolles Auto fahren, vielleicht schon viele Frauen schöne Augen gemacht haben, oder so irgendwas……….., aber Erfüllt sind sie trotzdem nicht, das kann man nur in sich selbst finden, was kann ich tun – was erfüllt mich -…….( ich bin immer erfüllt mit Glück wenn ich jemanden zum lächeln oder lachen bringe – dann weiß ich dem gegenüber gehts auch gut) ………………..

    ……innenwohnende Angst…….. ich denke, in vielen von uns steckt noch ganz tief drinnen eine Angst, von der man glaubt – die gibts nicht, andere Menschen sehen viele Sachen von einer anderen Seite – haben eben einen anderen Blickwinkel, …… Angst ist etwas – das völlig umsonst eigentlich ist, es kommt sowieso meist anderst als man es plant, hinterher war die Angst meist unbegründet, man ist halt auch nur ein Mensch, vor vielen Jahren hab ich das Buch „Sorge dich nicht – lebe“ gelesen, darin stand – denke immer – was ist das Schlimmste, das passieren kann, in den meisten Fällen – lauter vom Kopf her sich vorgestellte Sachen oder vielleicht von den Medien heraufbeschworen, Angst überwinden – sich trauen – Mut haben – sich ganz einfach auf die eigenen Hinterbeine stellen – seinen Weg gehen – oft leichter geschrieben oder gesagt als in die Tat umgesetzt …………………

    ……… das Lächeln ist in jeder Sprache gleich……….. 🙂


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