Verfasst von: Enrico Kosmus | 17. Juni 2010

Buddhistische Praxis im Alltag

Der buddhistische Pfad hat als Kernthema das Erkennen und Beenden des Leids und das Verwirklichen von dauerhaftem Glück. Die Praxis des Dharma beinhaltet neben komplexen Meditationsformen auch sehr einfache und praktische Hinweise für die alltägliche Lebensführung. Welchen Wert hätte wohl ein spiritueller Pfad, wenn er nicht auch seine Ergebnisse im Alltag zeigen würde?
Buddha Shakyamuni hat daher bereits in seiner ersten Lehrrede über die „Vier Edlen Wahrheiten“ die Grundlagen für eine spirituelle Lebensführung dargelegt. Die Lehre des Buddha rankt sich um die Erkenntnis der Geistesnatur und der Verwirklichung der Buddhaschaft. Diese Buddhaschaft ist eben die Befreiung des natürlich angelegten Gutseins. Dieses Gefühl des allumfassenden Guten ist eben das zu verwirklichende Glück, nach dem alle fühlenden Wesen streben. Es zeigt sich in einem wachen, warmherzigen Interesse am Wohlergehen anderer.

Streben nach Glück

Schaffen wir in unserem Leben, echtes Glück für uns selbst zu erreichen und gleichzeitig anderen zu helfen, damit auch sie Glück erfahren, dann hat unser menschliches Leben einen Sinn. Wir haben das Wesentliche unseres Lebens begriffen und realisiert. Wenn wir allerdings weder für uns noch für Andere Glück bewirken und unser Leben von Leiden geprägt ist, dann haben wir den eigentlichen Sinn unserer kostbaren Geburt verfehlt. Wir wenden dann nicht die wahren Mittel an, die zu beständigem Glück für uns selbst und andere führen.
Buddha Shakyamuni ließ als Königsohn angesichts der Leiden von Alter, Krankheit und Tod sein weltliches Leben – Königswürde und Nachfolge, Familie, Gesellschaft, Reichtum etc. – hinter sich und begab sich auf die Suche nach den Ursachen für dauerhaftes Glück für alle Wesen. Schließlich fand er einen Weg, wie man dauerhaftes, echtes Glück erlangt und gab die Mittel, die er gefunden und angewandt hatte, auch an andere weiter.
Worin besteht nun die Methode? Die wesentliche Methode, um Glück zu erreichen und Leiden zu vermeiden, ist die Entwicklung von geistigen Tugenden und die Überwindung der negativen Eigenschaften. Dies ist natürlich mit einem entsprechenden Verhalten verbunden, das einem geschulten Geist entspringt. Für das Erlangen von dauerhaftem Glück fasst Buddha Shakyamuni seine Lehre in einem einfachen Hinweis zusammen: „Vermeide unheilsame Taten und führe immer Heilsames aus. Diszipliniere deinen Geist. Dies ist die Lehre des Erwachten.“
In diesen drei Aspekten – dem Vermeiden, dem Ausführen und Disziplinieren – sind auch gleichzeitig die drei Pfades des Dharma zusammengefasst. Das Hinayana findet sich im Vermeiden unheilsamen Tuns, dass Aufgeben der zehn unheilsamen Handlungen ist. Mit diesem wird Glück für einen selbst bewirkt. Das größere Wirken – Mahayana – äußert sich im Ausführen des Tugendhaften wie Großzügigkeit in Nahrung, Schutz und Dharma, sowie in ethischer Disziplin, Duldsamkeit, freudigem Streben, meditativer Sammlung und der letztendlichen Weisheit. Auf diese Weise wird nicht nur für sich selbst Gutes bewirkt, sondern auch für alle anderen fühlenden Wesen. Das Vajrayana – der „geheime“ oder auch „private, intime“ Pfad der Befreiung – fußt auf diesen beiden äußeren Wegen des Sutrayana und setzt das Befreiungswirken in der Disziplinierung des Geistes und der damit verbundenen Energiewinde fort.
Auf diese Weise legte Buddha Shakyamuni seine Lehre zur Befreiung aus dem leidvollen Kreislauf entsprechend der unterschiedlichen Potentiale der Wesen dar. Je nach individueller Voraussetzung können Wesen nach Befreiung streben und diese erlangen.

Ursachen für beständiges Glück

Beständiges Glück entsteht nicht, indem wir nur oberflächliche Umstände für Glück schaffen und unseren vergänglichen Freuden und Launen nachjagen. Vielmehr müssen wir nach den tieferen Ursachen für Glück suchen und die eigentlichen Ursachen für Leiden aufgeben. Buddha Shakyamuni zeigte deutlich auf, dass Erfahrungen von Glück und Leiden die Resultate unserer früheren Handlungen sind.
In unserem Bewusstseinsstrom hinterlassen wir durch unsere Handlungen von Körper, Rede und Geist jene Anlagen, die der Keim für späteres Glück und Leiden sind. Da unsere eigenen Handlungen von unserem Geist ausgehen, ist ein disziplinierter Geist von größter Wichtigkeit. Wenn der eigene Geist geschult ist, führen wir Handlungen aus, die angemessen und heilsam sind. Und diese bringen als Ergebnis Glück hervor. Ist unser eigener Geist allerdings undiszipliniert und von negativen Eigenschaften geprägt, führt dies zwangsläufig negativem Tun, welches uns selbst in Zukunft Leiden bringt.

„Das Glück, dass wir jetzt erleben, ist ein Ergebnis von heilsamem Denken und heilsamen Handlungen in der Vergangenheit. Das Leiden, das wir jetzt erfahren, ist ein Resultat von negativen Handlungen und falschem Denken in der Vergangenheit. Diese Zusammenhänge hat der Buddha immer wieder dargestellt.“
(S.H. Drikung Kyabgön Chetsang Rinpoche)

Wenn auch Sie Gedanken, Anregungen und Erfahrungen zu diesem Thema haben, freue ich mich hier auf Ihren Kommentar.

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