Verfasst von: Enrico Kosmus | 2. Juli 2010

Innere Energieübungen und spirituelle Entwicklung

Durch die Praxis des Tsalung werden im Zuge der inneren Übungen manchmal Krankheitssymptome aktualisiert. Dies geschieht, weil das Strömen der Energien mehr und mehr forciert wird und die Winde über die Kanäle im Körper zu zirkulieren beginnt. Dabei treffen sie auf Reste von pathogener, gegenläufiger Energie, welche sich im Laufe der Zeit im Körper eingenistet hat. So entsteht zunächst ein reinigender Effekt. Schmerzen, die im Zuge der Tsalung-Praxis auftauchen, sind Anzeichen für diesen reinigenden Prozess zwischen den inneren Winden und pathogener Energie.
In den inneren Übungen nimmt der Geist eine führende Position ein. Ohne seine Mitwirkung sind die gymnastischen Übungen – Trulkhor genannt – nur von geringem Wert. Sie wirken lediglich grobstofflich, was für manche zwar schon von großem Wert ist, aber die ursprüngliche Energie und den ursprünglichen Geist nicht berühren. Durch seine Wünsche und Begierden richtet der Mensch seinen Geist auf Äußeres. Dies führt zu einem Austreten des Geistes. Die führende, lenkende und schützende Funktion des Geistes geht so verloren. Werden Wünsche und Begierden reduziert, dann erkennt man in ihnen eine natürliche Antriebskraft für eine Entwicklung.
Bleibt der Geist zu sehr im Außen hängen, kann er seine Aufgabe in der Kultivierung und Führung der Winde (tibet.; lung) und Tropfen (tibet.; tigle) nicht wahrnehmen. Der Geist wird daher über Übungen langsam nach innen geholt. Durch vielfältige Visualisationsübungen im Rahmen einer tantrischen Sadhana wird der Geist zunächst wieder zurück nach innen geführt. Der Anrufung des Lehrers und der Überlieferungslinie kommt dabei besonders große Bedeutung zu. Dies bringt überhaupt erst den Segen für eine erfolgreiche Praxis. Danach ist es wichtig, dass der Geist mit allen Bereichen des Körpers verbunden wird. Als erstes werden dabei die feinstoffliche Anatomie und die Kanäle erkundet. Durch ein intensives Erforschen der Beschaffenheit der Kanäle, ihrer Farbe und Form schafft man eine stabile Basis für die nachfolgenden Übungen der Windzirkulationen und des Befeuerns. Nachdem diese gemeistert wurden, geht man über zur Bewegung der Tropfen. Diese Arbeit mit den Tropfen führt zu einem konzentrierten Training von Gewahrsein und Energie.
Das Zusammenspiel von Visualisation und körperlichen Übungen führt zu tiefgehenden Erfahrungen des offenen Gewahrseinsraumes. Diese Geistesweite hier nicht über einen philosophischen Ansatz realisiert, sondern entsteht als lebendige Erfahrung des Leibes. Auf diese Weise entsteht eine unerschütterliche Gewissheit von der leeren Natur des Geistes wie auch aller Phänomene.

Resultate der Übungen

Das Pflegen der ursprünglichen Energie fördert die Ausbildung gewöhnlicher, paranormaler und außergewöhnlicher, spiritueller Fähigkeiten. Damit sind nicht Tischerlrücken oder Löffelverbiegen gemeint. Vielmehr sind darunter z. B. Fähigkeiten der Gedankenübertragung und der Energieheilung zu verstehen. Zu den außergewöhnlichen, spirituellen Fähigkeiten zählt die Befreiung von jeglicher Anhaftung. Da sich die Praktiken der Kanäle, Winde und Tropfen auf den Körper und den Geist stützen, wird diese Befreiung vollständig und vollkommen in einem Leben verwirklicht.

Wenn auch Sie Erfahrungen zu den Übungen des Kultivierens der Lebensessenzen haben, würde ich mich über Ihren Kommentar hier freuen.

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