Verfasst von: Enrico Kosmus | 25. Juli 2010

Bodhicitta – der Geist des Befreiungsstrebens

Bodhicitta, der Erleuchtungsgeist, teilt sich in zwei Aspekte: den Bodhicitta-Erleuchtungsgeist des Wünschens, d.h. man hat den Wunsch nach dem letztlichen Resultat und dann gibt es das Bodhicittades praktischen Ausübens, und bei diesem Ausüben beschäftigt man sich damit die Ursachen für die Erleuchtung wirklich herzustellen. Und um diesen Erleuchtungsgeist zu praktizieren, ist es nötig Objekte dafür zu haben – d.s. die fühlenden Wesen u.zw. wird hier gesagt, die fühlenden Wesen, die so grenzenlos sind wie der Himmel und so grenzenlos sind wie der Raum, das bedeutet, überall wo der Raum ist, gibt es auch fühlende Wesen und alle diese fühlenden Wesen, die erkennen wir als unsere eigene Mutter. Diese alle sind ohne Ausnahme in unseren früheren Leben unsere eigene Mutter gewesen und wir wünschen, allen diesen fühlenden Wesen in ihren Leiden und Schwierigkeiten zu helfen. Und Buddha sagt , dass es wichtig ist, dass wir zunächst verstehen müssen, dass diese Wesen unsere Mütter gewesen sind und zwar genauso wie die Mütter aus unserem jetzigen Leben, und genau wie die Mütter aus unserem jetzigen Leben haben sie uns sehr viel Gutes getan, haben uns sehr viel geholfen und deshalb ist es jetzt an uns, ihnen diese Güte zurückzuzahlen.
Und genau wie die Mutter in diesem Leben, die uns neun Monate in ihrem Leib getragen hat, uns in ihrem Leib genährt hat, auf bestimmte Nahrung verzichtet hat und andere Nahrung zu sich genommen, hat sich weniger um sich gesorgt, als um das eigene Kind und schließlich ist das Kind geboren und von Anfang an hat sie sich darum gekümmert, dass es aufwachsen und lernen konnte, hat dem Kind gezeigt was schlechtes Verhalten ist, das aufzugeben ist, sie hat positives Verhalten gezeigt, was man lernen muß und am Anfang waren wir ein hilfloses Stück Fleisch und jetzt sind wir daraus voll erwachsene Frauen und Männer geworden und wir haben jetzt die Fähigkeiten, diese Güte diesen Müttern zurückzugeben. Und wir sollen uns also erst an unsere Mutter im gegenwärtigen Leben erinnern und danken für die Güte und dann müssen wir verstehen, dass alle anderen fühlenden Wesen ebenso unsere Mütter gewesen sind und voller Güte gewesen sind und nicht nur einmal sondern zweimal und viele male, genauso wie unsere Mutter im gegenwärtigen Leben und jetzt ist es an uns ihnen diese Güte zurückzugeben. Und Nagarjuna hat gesagt, wenn wir jetzt eine Person als unsere Mutter erkennen, so ist das die gegenwärtige Mutter und alle anderen fühlenden Wesen sind ebenfalls unsere Mütter gewesen. Wenn wir die ganze Erde nehmen würden und kleine Pillen daraus machen würden und diese Pillen zählen würden, was möglich wäre, so kann man nicht zählen, wie oft ein fühlendes Wesen unsere Mutter gewesen ist. Und er sagt weiter, wenn man von jedem einzelnen Wesen die Milch berechnen würde, die wir von ihnen bekommen haben, dann würde das Wasser der vier großen Flüsse – Ganges usw. – nicht ausreichen.
Wir müssen darüber nachdenken, wie wir den Wesen helfen können, und zunächst müssen wir erkennen, dass alle Wesen ohne Ausnahme Glück und Zufriedenheit suchen und doch sind sie nicht in der Lage die Ursachen herzustellen für wirkliches Glück und wirkliche Zufriedenheit und sie wollen alle Leiden und Schwierigkeiten vermeiden und doch sind sie unfähig die Ursachen von Leiden und Schwierigkeiten aufzugeben, deshalb ist ihr Wünschen und Handeln genau entgegengesetzt und aus diesem Grund sind sie verwirrt und verblendet. Und Shantideva hat gesagt, die Wesen versuchen, Leiden zu vermeiden und springen dabei direkt in das Leiden hinein und sie versuchen, Zufriedenheit zu erlangen und trotzdem bekämpfen sie die Ursachen für ihr eigenes Glück und ihre eigene Zufriedenheit wie Feinde und sie bekämpfen sie durch ihre störenden Gefühle und speziell durch Unwissenheit und Nichterkennen. Sie folgen den Ursachen für Leiden so wie ein Fluß den Berg automatisch herunterkommt, herunter fließt und die Wesen rennen so automatisch ihren Leiden und den Ursachen ihrer Leiden hinterher. Und es ist überhaupt keine Schwierigkeit, die Ursachen von Leiden bereitzustellen, das passiert automatisch, so automatisch wie das Wasser den Berg herunter fließt, aber es ist sehr schwierig Ursachen für Glück und Zufriedenheit bereitzustellen, so schwierig als wenn man Wasser den Berg hinaufschaffen will, da braucht man viele Methoden und man muss viele Schwierigkeiten auf sich nehmen, um das Wasser den Berg hinaufzuschaffen.

Wenn auch Sie Erfahrungen zum Streben nach Befreiung haben, würde ich mich über Ihren Kommentar hier freuen.

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Responses

  1. hallo Enrico….

    leiden hat mit anhaftung an personen,situationen,dingenzuständen…u.s.w. zu tun….oder?weil nichts permanent ist….leiden wir wenn es endet.aber wir hoffen immer wieder aufs neue…und so leiden wir wieder…
    ich denke viel darüber nach.eigentlich immer..in meinem täglichen leben.
    so kam mir der gedanke….dass das streben nach nirwana…nach dem ausscheiden aus demsamsara..auch eine art der anhafftung bedeutet..nur ohne leiden als ergebnis?oder werden wir wieder leiden…aufgrund unseres karmas?
    ich hoffe mein gedanke ist nicht zu verwirrend?
    gruss Lilli

    • liebe lilli,
      vielen dank für deinen kommentar. nein, deine frage ist nicht verwirrend. „nirvana“ bedeutet „verlöschen“. das ist eigentlich ein geisteszustand. machen wir nirvana aber zu einem ort oder zu einem bestimmten gefühlszustand, den es zu erlangen (und festzuhalten) gilt, schaffen wir wieder leiden, da wir der täuschung nach eigenständigkeit aufgesessen sind. samsara und nirvana haben denselben grund, nämlich das grundlegend angeborene gewahrsein, aber zwei ursachen und somit wege. die ursache für samsara ist die getäuschte sicht von einer faktisch (und letztendlich) existierenden eigenständigkeit. auf diese weise entsteht nachfolgend das spiel von ergreifen und abwehren, was zu einer geburt als fühlendes wesen in den bereichen der drei bereichen führt. nirvana hat seine ursache in der erkenntnis der wahren wesensnatur und man ist buddha – erwacht.
      alles liebe, enrico

  2. Gelesen habe ich, dass das Leiden im Prinzip unser eigentliches Glück ist
    und dass das Glück im Prinzip unser eigentliches Leiden ist.
    Es hört sich ersteinmal grotesk an und man möchte das so eigentlich nicht.
    Trotzdem

    • liebe renate,
      danke für dein post. aber ich glaube, der letzte satz ist verloren gegangen. vielleicht magst du deine gedanken nochmals ausführen.
      lg enrico

  3. ist diese beschreibung ein hinweis auf die verbindung zu allem? dann ist es freilich naheliegend erst einmal zu sehen was im eigenen leben immer wieder leid erschafft.
    auch wenn dieser weg oft minder bewertet wird ist für mich ein ankommen im herzen, fühlen und nicht immer glauben was der ratio so diktiert, ein wichitiges mittel um zu erkennen wo immer wieder leidvolle erfahrungen im leben erschaffen werden.
    ist in der verbunderheit mit allem nicht auch eine geborgenheit und ein trost wie in den armen einer mutter zu finden? ist mit dieser sicherheit der mut zu finden dem eingenen leid zu begegnen ohne zu kämpfen? letztlich führt doch nur das zur befreiung.
    lg ulrike

    • liebe ulrike,
      das sehen des eigenen leides ist die erste edle wahrheit. auch wenn manche menschen diese ansicht wenig mögen, ist sie unumgänglich.
      die geschichten, die das ego schreibt sind oft viel fürchterlicher als die vorhandene wirklichkeit. schon mark twain hat bemerkt, dass viele schreckliche erlebnisse, die er erlebt hat, ihm zum glück nicht wiederfahren sind. 😉
      deine beschreibung von den „armen der mutter“ ist sehr passend. in den tantrischen belehrungen zur natur des geistes heißt es auch, dass das „sohn-klar-licht“ das „mutter-klar-licht“ trifft. das „sohn-klar-licht“ ist jener zustand klar-licht, der in der übung erlangt wird. das „mutter-klar-licht“ ist das letztendliche. die erkenntnis dessen IST diese sicherheit, die das leid als illusionär – weil nur durch lebenskampf entstanden – erkennt und somit im selben augenblick der erkenntnis verlöschen lässt.
      lg enrico


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