Verfasst von: Enrico Kosmus | 29. Juli 2010

Atem – Energie des Lebens

Unser Körper ist ein Rhythmusinstrument. Bereits am Anfang unseres Lebens gibt es den Herzschlag des Embryos, der zunächst mit dem der Mutter identisch ist, um später zu einem eigenen Puls zu werden. Der Schoß der Mutter schwingt mit dem Klang des Lebenspulses. Bei der Geburt beginnt das Kind zu atmen, und dieser rhythmische Zyklus von Einatmen und Ausatmen wird in Abstimmung mit dem Herzschlag bis zum Augenblick des Todes anhalten. Während unserer ganzen Reise in diesem physischen Körper setzt der Lebenspuls sich immer weiter fort: bei Aufregung beginnt er zu rasen, wenn wir schlafen, verlangsamt er sich, in Zeiten emotionalen oder körperlichen Stresses wird er unregelmäßig. Der Rhythmus unseres Körpers entspricht dem Puls des Universums, er spiegelt ihn wider und ist eins mit ihm.

Rhythmus – Puls – Atem

Musik verbindet uns unmittelbar und deutlich mit unserem eigenen Rhythmusinstrument, unserem Körper, wie auch mit der äußeren Welt. Ob wir nun den schwungvollen Dreivierteltakt eines Straußwalzers, den Siebzehnerzyklus einer indischen Raga oder den nicht mehr zählbaren unterschwelligen Rhythmus einer Avantgardekomposition hören – unser Körper erkennt den Puls der Musik und reagiert auf ihn. Wir fangen an, mit dem Fuß mitzuklopfen, unseren Atem zu verlangsamen und in den Tanz einzutreten, den Musik beschreibt.
Unser Leben als physisches Wesen auf dieser Erde hängt vom Atem ab, dem Ein- und Ausatmen von Luft. In der Fruchtblase bringt der mütterliche Atem dem Embryo Nahrung. Im Augenblick der Geburt beginnt das Kind selbst zu atmen.  Und dieser Atem zieht sich in synergetischer Einheit mit dem Herzschlag durch sein ganzes Leben.
Unser Atem transportiert dieselbe Energie, die auch im ganzen Universum wirkt. In verschiedenen Kulturen wird sie als Prana, Chi oder einfach Lebenskraft bezeichnet. Vielleicht ist die beste, umfassendste und inhaltsreichste Beschreibung dieser Energie die eines Elementes, das uns alle durch den Atem vereint.
Musiker ehren und achten den Atem als einen Strom, von dem Klang, Tonhöhe, Volumen, Gefühl und Schönheit abhängen. Sie setzen diesen gemeinsamen Strom bewusst ein. Der Flötist atmet Lebensenergie durch eine hohle Röhre, um einen Klang hervorzurufen. Der Sänger verwendet das Instrument seines Körpers, um Energie in ein Lied umzuwandeln. Selbst wenn der Atem nicht direkt mit der Entstehung des Tones zu tun hat, wie etwa beim Spielen eines Perkussions- oder Saiteninstrumentes, so spielt er dennoch eine wesentliche Rolle bei der Schöpfung von Musik.

Atembewusstsein

Viele Musiker praktizieren eine Art von Atembewusstsein wie Meditation oder Yoga, um die Technik des bewussten, sanften Atems in ihr Spiel einzubringen. Sie erkennen, dass der Atem ihre Kreativität und ihre künstlerischen Fähigkeiten verstärkt.
Dadurch, dass sie sich des Atems bewusst sind und fühlen, wie der Fluß der Lebensenergie, des Prana durch ihren Körper wandert, vermitteln Musiker ihrer Musik und ihren Hörern das Wissen um diese eine Kraft, die das Universum bewegt, erhält und durchzieht. Der Musiker erinnert uns an die Einheit im Atem, den wir alle teilen.
Durch den Atem bestimmt der Mensch seinen Lebensrhythmus. Bei flachem oder blockiertem Atem wird wenig Energie aufgenommen oder zugelassen. Im Gegensatz dazu wird die Lebensenergie durch freies Atmen verstärkt.
Auch der Kontakt zum gegenwärtigen Augenblick hängt sehr stark mit dem Atmen zusammen. Nicht umsonst haben zahlreiche Meditationsschulen den Atem als Zentrum der Beobachtung genommen. Je weniger bewusst ein Mensch atmet, desto mehr verliert er auch den Bezug zum Jetzt. Dadurch wird er von allen möglichen Geistern, Engeln, usw. (= Projektionen, Wünsche, Vorstellungen) abgehalten, makellos in der Gegenwart zu sein.

Wenn Sie Ihre Erfahrungen über den Rhythmus Ihrer LebensAtemEnergie anderen mitteilen möchten, würde ich mich über Ihren Kommentar hier freuen.

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