Verfasst von: Enrico Kosmus | 6. August 2010

Karma = Tat und NICHT Schicksal oder Strafe

Das sich ständig drehende und somit wiederholende Rad von Ursache und Ergebnis einer Handlung treibt jedes Lebewesen von einer Situation in eine neue, die jedoch bei genauer Betrachtung sich lediglich als das wiederholte Erfahren von etwas herausstellt. In diesem Fall erweist sich Karma als eine scharfe Waffe, die jedoch keine Bestrafung oder Rache für eine Handlung ist, sondern lediglich das Ergebnis. Die sanfte Stärke eines Lebewesens liegt in der Entscheidung zu einem geisterfüllten Erkennen (engl. mindfullness) seinen altruistischen Motivationen und Handlungen.

Ursache und Wirkung

Obwohl ein Fremdwort, erfährt der Begriff des Karmas mittlerweile in der westlichen Welt einen vielschichtigen Gebrauch. Manchmal wird Karma mit Schicksal und Schuld in Verbindung gebracht. Dabei meint man dann, dass eine schwere, betrüblich Lebenssituation als karmische Schuld erweist, die es abzutragen gilt. In dieser Sichtweise des Karmas lässt sich die Idee von einer Sündhaftigkeit, Unvollkommenheit oder gar Schlechtigkeit des Menschen erkennen. Doch ist dies vielmehr ein Hinweis auf einen Mangel an positivem Selbstwert, als dass damit wirklich Karma beschrieben würde. KEIN Lebewesen ist SCHULD an seinem Leben! Und es besteht nirgendwo im Universum eine Karma-Bank bei der man Karma-Kredite bekommen könnte oder Karma-Schulden zurückzuzahlen hätte.
Wird der Begriff des Karmas auf Erleben einer komplexen leidvollen und augenscheinlich kaum lösbaren Lebenssituation angewandt, drängt sich die Idee eines rächenden Lebens, eines Rachegottes oder ähnliches auf. Auch in diesem Fall wird der Begriff irrtümlich verwendet, da keine wie auch immer erlebte Lebenssituation eine Belohnung oder eine Rache für eine Lebensentscheidung darstellt.
Diese Sichtweisen von Karma sind oft das Resultat einer kindlich-naiven bzw. sich anklagende oder andere beschuldigende Lebenssicht.  Damit verbunden ist eine Delegation von Verantwortung für Entscheidungs- und Handlungskompetenz an äußere Instanzen. Diese sind Projektionen auf Eltern und anonyme Entscheidungsfaktoren  aus einer naiv-kindlichen Haltung heraus. Aus dieser Haltung heraus wird vor allem die Fähigkeit zur eigenen bewussten Reflexion und Entscheidung missachtet.

Karma – Handlungskette von Motiv und Ergebnis

Übersetzt man den Begriff „Karma“ aus dem Sanskrit, wird damit „Tat“ beschrieben. Damit ist jede körperliche, kognitive, sprachliche und geistig-emotionale willentliche Handlung gemeint.  Handlungen hinterlassen Spuren im Bewusstsein. Durch unsere individuellen Taten setzen wir Samen und entwickeln daraus Handlungstendenzen. Betrachtet man die Kostbarkeiten des menschlichen Lebens in seiner geistigen Wachheit der bewussten Wahrnehmung, seiner Fähigkeit zur Selbstreflexion, seiner Fähigkeit zur bewussten Entscheidung, seiner Lern- und Entwicklungsfähigkeit, dann kommt man nicht umhin, auch einen Zusammenhang zwischen einem wahrgenommenen Ergebnis – einer momentanen Situation – und den Ursachen und Bestandteilen, die zu diesem Ergebnis geführt haben, zu erkennen.
Kein Ergebnis, keine Lebenssituation oder Erfahrung ist ohne eine BESTIMMTE Ursache. Aus einer momentanen Betroffenheit der Betrachtung meint man häufig, dass Erfahrungen ein Eigenleben haben, welches  aus ihnen heraus zu bestehen scheint. In diesen Fällen ist allerdings die Erkenntnis der Zusammenhänge verloren gegangen. Klar, manchmal verliert man in der Dynamik bestimmter Situationen den Überblick. Dieser Verlust an Überblick wird häufig als ein Verlust an Kontrolle beschrieben. Doch auch dies trifft im Wesentlichen nicht zu. Vielmehr  ist man bereits einer fundamentalen Projektion (Illusion) auf den Leim gegangen – der Eigenständigkeit eines Ich.

Ergebnisse aufgrund von Motivationen

Will man die Zusammenhänge zwischen einem Ergebnis und seinen ursächlichen Bestandteilen erkennen, ist es notwendig sich die Handlungskette von Ursache und Resultat zu vergegenwärtigen. Wie eben bestimmte Handlungen zu ganz bestimmten Ergebnissen führen, kann man auch umgekehrt von einem Resultat auf die zugrunde liegende Motivation schließen. Dabei darf man aber nicht in den Irrtum verfallen, andere damit zu verurteilen. Vielmehr dient es der Klärung von Zusammenhängen und dem Verständnis.
Die Beispiele in der buddhistischen Literatur beziehen sich vorwiegend auf Mangokern, Mangobaum und Mangofrucht. Aus einem Mangokern wird kein Apfel erwachsen und schon gar nicht ein Elefant oder ähnliches. Das Ergebnis wird immer unter dem Einfluss geeigneter Wachstum fördernder  Bedingungen wie Nährboden, Wasser, Sonnenbestrahlung, Wuchspflege, ein Mangobaum und bei weiterer Nährung eine Mangofrucht sein. Genauso verhält  es sich mit unseren Handlungen.

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