Verfasst von: Enrico Kosmus | 21. September 2010

Das verborgene Potential

vajradharaDas verborgene Potential liegt in der Erkenntnis des Nicht-Vorhandenseins eines eigenständigen, aus sich selbst heraus bestehenden Selbst. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es einen Menschen nicht gibt. Denn augenscheinlich erfährt ja ein „Irgendjemand“ irgendetwas Bestimmtes. Bei genauer Untersuchung lässt sich jedoch kein aus sich selbst bestehendes Ich (Subjekt) erkennen, welches etwas anderes eigenständiges (Objekt) erfährt. Vielmehr ist ein ständig gegenwärtig ereignendes vielschichtiges Zusammenspiel von Identifikationsprozessen gegeben, die sich auf Benennungen, einem begrifflichen Bewusstsein sowie auf absichtsvollen Handlungs-, Erlebnis- und Bewertungsmustern gründen.
Aus dieser Einsicht heraus resultiert das wechselseitig abhängige Entstehen. Wenn man also schon in der Lage ist, eine Wirkung zu erzielen, dann muss es genauso möglich sein, diese Ursache dafür zu erzeugen. Dies bedeutet, dass die Wirkfaktoren erkannt und gemäß ihrer Wirkfähigkeit verwendet werden.
Doch – auch die Wirkfaktoren und ihre Wirkfähigkeit sind leer von einer Eigenständigkeit! Was bleibt ist Liebe, Respekt und Würde des Erlebens.

Inhärenz und Leerheit

Eine Situation wird von Menschen unterschiedlich erfahren. Was bei einem Menschen Wohlbefinden erleben lässt, mag für einen anderen in derselben Situation Widerstand und Ärger auslösen. Die Situation selbst ist jedoch leer von Wohlbefinden, Ärger etc. Für die jeweilige Erfahrung verantwortlich, sind die Samen, die jeder einzelne im eigenen Bewusstsein abgelegt hat und welche weiteren Bedingungen im Bewusstsein für deren Entfaltung gelegt worden sind.
Begreift man dieses Nicht-Vorhandensein einer eigenen, aus sich selbst bestehenden Existenz aller Objekte und Erfahrungen, dann eröffnet sich auf einmal das verborgene Potential darin. So lange die erfahrende Person zwischen sich, dem Objekt der Erfahrung und dem Prozess des Erfahrens trennt, verbleibt sie in festgefahrenen Konzepten. Dadurch entsteht der Druck einer Unveränderbarkeit und Dauerhaftigkeit in der Situation. Die Einflussnahme des Individuums sinkt drastisch ab. Der individuelle Druck auf ein „Ich-Konstanz“ nimmt zu.

Wechselseitige Abhängigkeit

Alle Objekte entstehen in Abhängigkeit von Ursachen, Bedingungen, von ihren Teilen und dem benennenden Bewusstsein. Betrachten wir ein Gebäude, dann sehen wir darin eine Ansammlung aus verschiedenen Teilen – Ziegel, Glas, Stahl, Holz etc. Neben einer Anhäufung von Baustoffen ist ein ordnendes, auf funktionales ausgerichtetes Bewusstsein notwendig, dass diesem Ganzen eine sinnhafte Bedeutung und einen Begriff gibt. Weiters müssen eine Grundlage für den Bau eines Gebäudes – Baugrund – vorhanden sein und Motive für Planung und Bau mitwirken. Wiederum sind die beteiligten Bestandteile von weiteren Ursachen, Bedingungen etc. abhängig.

Wenn auch Sie Erfahrungen im Umgang mit dem verborgenen Potential in allem haben, würde ich mich über Ihren Kommentar hier freuen.

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