Verfasst von: Enrico Kosmus | 30. September 2010

Barmherzigkeit – Warmherzigkeit

Die Ganzheit des Selbst zu erreichen, galt dabei als Ziel dieser vielfältigen Wege. Gleichermaßen sollte dabei ein Weg für die alltägliche Welt, wie auch der bewusste Umgang mit der nicht-alltäglichen Wirklichkeit ermöglicht werden.
Spiritualität, Mystik, die Suche nach Erkenntnis, der Weg des Erwachens sind Metaphern für die Reise des Menschen zu seinem wahren Ursprung. Gegenwärtig wird in der westlichen Kultur die Tradition mit verschiedenen Etiketten versehen. Der Entwicklungsweg der Tradition ist weder östlich noch westlich, sondern in seiner Essenz menschlich.
Den grundsätzlichen Ausgangspunkt für die Tradition stellt die Tatsache dar, dass sich der Mensch in seinem alltäglichen Bewusstseinszustand nur einen kleinen Teil der wahren Größe und Schönheit des Lebens gewahr ist. Dieser winzige Aspekt, oftmals auch als Ich, Maske o.Ä. bezeichnet, ist eine gelernte, von früh anerzogene Grenze bzw. eine Beschreibung der Welt. Man kann es auch als Schleier, der wie ein Vorhang vor der Wirklichkeit ist, skizzieren. Traditionell wird der dafür zutreffende Bewusstseinszustand als Schlaf, Wachtrance, Ego-Bewusstsein, Anhaften, fieberähnlicher Alptraum etc. bezeichnet. Daher versteht sich auch die Tradition als Möglichkeit des Erwachens oder als Pfad der Rückkehr zum wahren Ursprung des Menschen.
Der Grund dafür liegt in einer unzureichenden Wahrnehmung der eigenen Gefühle. Je besser wir die eigenen Emotionen kennen, desto leichter können wir jene der anderen deuten.
Der Mangel an Mitgefühl – der Fähigkeit, sich auf andere einzustellen – bringt auch ein Defizit an Menschlichkeit, Nähe und Wärme mit sich. Zu erkennen, was ein anderer empfindet, ist in den meisten Situationen des Alltags notwendig. Angefangen bei einer Liebesbeziehung, im pflegenden und betreuenden Miteinander eines Krankenhauses wie auch im Verkauf oder in leitender Position in einem Betrieb.
Können wir das beständige Greifen nach Objekten zur Ruhe bringen, entsteht eine Erfahrung der Untrennbarkeit von Subjekt, Objekt und Aktivität. Allerdings ist dies kein ozeanisches Verschmelzen oder gar eine Psychose. Vielmehr erfahren wir unsere ursprüngliche Natur UND deren permanente (Selbst-)Offenbarung. Dies ist ähnlich einem Fließen von Wasser und dem Entstehen und Vergehen von Wellen. Greifen wir in unserem Geiste nach einer existenten Eigennatur, dann frieren wir gewissermaßen Aspekte dieses Prozesses ein. Genau dieses Einfrieren unserer Erlebnisfähigkeit auf bestimmte Inhalte und Ausdrucksmöglichkeiten führt zu den bekannten Persönlichkeitsfixierungen. Diese Haltung vermittelt uns dann die Illusion eines eigenständig existierenden Ichs mit allen nachfolgenden Verstrickungen.
Die Kunst der Heilung liegt in einem Öffnen, Austauschen und Gewahrsein des Lebensprozesses. Es ist ein Gewahrsein ohne Entstehen, ohne Vergehen, ohne die Bedingtheit der drei Zeiten – HierUndJetzt. Und gerade aus diesem offenen Gewahrsein heraus entsteht wieder eine neue Aktivität.

Über Ihren Kommentar hier zur Ganzheit des Seins würde ich mich freuen.

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Responses

  1. …………… der Mangel an Mitgefühl, die Fähigkeit sich auf andere einzustellen…….., meine Sichtweise: es gibt ja bei den fühlenden Wesen verschiedene Charaktere ( nicht nur bei Menschen auch bei Tieren kann man dies beobachten….), es ist halt nicht jedermanns Wesenszug sich in andere Lebewesen hineinzufühlen, was wahrscheinlich auch gut so ist, ansonsten hättens ja verschiedene Berufsgruppen recht schwer – Annahme – vielleicht der Metzger, der den Schmerz der Tiere mitfühlt nachdem diese stundenlang irgendwohin transportiert worden sind, damit sie dann zusammengepfercht auf den Tod warten, diese Todesangst und diese Qualen der Tiere speichert sich dann, nach meiner Ansicht im Fleisch ab, dass wir dann vielleicht essen, nehmen also nicht nur Nahrung auf sondern auch die Todesangst und Qual dieses getöteten Lebewesens auf…….., aber ich habe auch Metzger kennengelernt, die wirklich Mitgefühl mit Tieren entwickeln konnten und sich bedankten bei dem Tier, dass es lebt und den Menschen als Nahrung zur Verfügung steht,……
    Ja, Mitgefühl ist halt so eine Sache, es sollte nicht verwechselt werden mit Mitleid, in sozialen Berufsgruppen findet man oft den Helfertypen, allen anderen alles recht machen, zu Füßen tragen damit es diesen gut geht, ist auch nicht wirklich das Beste. Die Menschen zu unterstützen gewisse Dinge in ihrem Leben selber zu machen, z. B.: die noch super rüstige Oma kann ja ihre Tabletten beim Arzt ja ohne weiters noch selber holen, gibt ihr Auftrieb – macht sie selber – kann sie noch – trifft man ja auch mal wieder jemanden den man vielleicht schon totgeglaubt hat, von den Pubertierenden ganz zu schweigen, die dürfen auch schon viel selber machen und nicht immer nur die überbesorgte Mama…………….
    Man soll ja jetzt nicht immer nur von allen anderen sprechen, was sie besser oder anders machen sollen, ganz einfach bei sich selber anfangen, hab ich heute schon Mitgefühl entwickelt, ja hab ich, saß heute beim Gospelkonzert (super, toll, wunderbar, energiegeladen……………..)
    neben dem Herrn…. dieser hat………………………………………………………………………………………………………………………………………………………., ich hab mitgefühlt, aber mir hats gefallen. Jeder Mensch ist halt anders, deshalb gibts ja soviele Berufsgruppen, damit jeder das passende findet, wer hat mal gesagt – die Augen offen halten – mh ? 🙂


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