Verfasst von: Enrico Kosmus | 10. November 2010

Sangchö – Die Bedeutung des Rauchopfers

Ein Rauchopfer wird von Tibetern hauptsächlich zum Befrieden von Verstorbenen und zum Zurückzahlen von karmischen Schulden in diesem und in zukünftigen Leben ausgeführt. Die üblichen Praxiszeiten für das Rauchopfer sind die Sitzungen am Morgen und am Abend. In Tibet ist diese Praxis als „Sur-Chö“ bekannt. Diese Praxis verringert die Befleckungen des Geistes im Retreat eines Lamas für drei Jahre, drei Monate und drei Tage täglich ausgeführt.
In der Morgensitzung wird Nahrung geopfert, die verbrannt wird und dieser Rauch wird den Buddhas, Bodhisattvas und anderen verwirklichten Wesen geopfert. Dies wird praktiziert, um eine Menge an Verdienst anzusammeln und um Freigebigkeit auszuüben.
Die Sitzung am Abend ist ähnlich wie am Morgen. Zusätzlich werden dann noch Medizinalkräuter und Pillen zur Nahrungsmittelräucherung dazugegeben. Diese Opferung wird für jene Wesen gemacht, die im Bardo gefangen und unfähig sind, eine Wiedergeburt anzunehmen. Man sagt, dass der eigentliche Grund, warum diese Wesen gefangen sind, darin liegt, weil sie an ihrem früheren Leben vor ihrem Tode noch sehr anhaften. Die Nahrungsmittel werden durch mehrere Glück bringende Gebete gesegnet, die mit besonders reiner Motivation und der Absicht, Nutzen zu bringen, gesungen werden. Der aufsteigende Geruch des Rauchs zieht diese Wesen an und befriedigt ihre Wünsche und die Medizinalpillen und –kräuter stimmen ihren Geist, sodass sie schließlich begreifen, dass sie schon tot sind. So können sie sich schließlich auf den Weg zu einer neuen Wiedergeburt machen. Abhängig vom Streben und den Wünschen der Teilnehmer an diesem Ritual, kann es auch Praxis zum Zurückzahlen von karmischen Schulden, die seit anfangloser Zeit bestehen, sein. Durch eine wirkungsvolle Praxis und Opferung werden die Praxis und das Alltagsleben von einem selbst so schließlich frei von Hindernissen und Problemen.
Familienmitglieder von Verstorbenen beauftragen normalerweise Mönche um ein Rauchopfer für die Dauer von 49 Tagen auszuführen. Ebenfalls führen die Hirten von Yaks und Schafen in Tibet diese Praxis aus, um Hindernisse und Krankheiten von ihren Herden fernzuhalten. Sie führen sowohl das Rauchopfer am Morgen und am Abend aus und zwischen den Sitzungen rezitieren sie die Mantras von Chenrezig und Guru Rinpoche. Dies wird noch immer von den meisten Tibetern ausgeführt.
Die Opferung des Körpers der Toten wird gewöhnlich als „Himmelsbestattung“ bezeichnet. Statt Brennstoff im Krematorium zu verbrauchen oder das essbare Fleisch durch die Bestattung zu verschwenden, opfern sie es den Vögeln.
Andere wiederum führen verdienstvolle Taten aus und widmen dies dem Verstorbenen, um die Tore zu einer Wiedergeburt in den niederen Bereichen zu verschließen. Da gibt es jene, die alles opfern, was sie besitzen wie eben das Haus, die Tiere, Nahrung, Geld für das Kloster und dann führen sie eine Pilgerfahrt durch. Wenn sie dann von der Pilgerfahrt zurückkehren, was normalerweise Monate in Anspruch nimmt, beginnen sie ihr Leben neu ohne einen Kratzer. Der ganze Verdienst, der durch die Reise und die guten Taten angesammelt wurde, wurde auf den Verstorbenen übertragen.
S.E. Minam Rinpoche beispielsweise empfiehlt die Praxis des Rauchopfers bevor jemand mit der Opferung des eigenen Körpers in der Chöd-Praxis beginnt. Diese Methode des Opferns von materiellen Gütern trainiert den eigenen Geist für wirkliche Großzügigkeit. Rinpoche hat da schon einige interessante Geschichten über die Chödpas in Tibet erzählt.
Bei einem Rauchopfer-Ritual können alle teilnehmen und sollten dazu auch etwas an Nahrungsmittel mitbringen. Allerdings sollten dies Medizinalkräuter, Honig, Joghurt, Kekse oder andere essbare Kleinigkeiten sein. Auf Opferungen, die Fleisch beinhalten, sollte man verzichten, da diese Opfergaben zornvolle Geister und Dämonen herbeirufen, die dann Hindernisse verursachen und Schrecken bewirken. Opferungen mit Fleisch werden normalerweise an Kraftplätzen gemacht, an denen große Verwirklichte das Rad der Lehre gedreht haben oder Erleuchtung erlangten.

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