Verfasst von: Enrico Kosmus | 22. Dezember 2010

Bewegung und der Fluss des Lebens

Vielfach bewegen wir uns im Leben unbewusst. Wir sind „beeindruckt“ von den Lebensumständen. Bewusste Bewegung verleiht dem Leben jene Würde, die ihm vom Anbeginn an zusteht. Genauso wie der Atem ist auch unser Bewegungsmuster ein Spiegelbild unserer Emotionen. Die Bewegung ist ein Seismograph der Lebendigkeit eines Menschen. Sie ist auch eine Brücke zu unserem inneren Selbst.
Bewegung ist der Ausdruck von Bewegtheit und Lebendigkeit. Was lebt, ist in Bewegung. Der Atem bewegt den Körper, das Blut fließt durch die Adern und bewegt so die Lebensenergie. Die Verdauung erfolgt in wellenförmigen Bewegungen. Sprache entsteht durch die Bewegungen des Kiefers, des Kehlkopfs und des Mundes. Durch die Augenbewegungen können wir unser Umfeld erfassen. Unsere Ohren nehmen die Bewegungen der Luft wahr und setzen sie in Töne um. Wenn die Gehirnwellen zum Stillstand kommen, tritt der Tod ein.
Unser Charakter lässt sich aus den Bewegungen unserer Persönlichkeit ableiten. Je nachdem wie wir uns durchs Leben bewegen, zeigen sich die Stärken und Schwächen unserer Persönlichkeit. Ungelebte Emotionen, unausgesprochene Wahrheiten und nicht gehaltene Vereinbarungen lassen einen Menschen erstarren.
Indem wir unser Bewegungsmuster erforschen, gelangen wir zu mehr Flexibilität und Vitalität in unserem Leben. Oftmals wird die Bewegungsfähigkeit eines Menschen erst durch seine Unfähigkeit zum bewegten Ausdruck erkannt. Wie bewegt sich nun ein gesunder Mensch? Seine Augen sprühen vor Vitalität und sein Blick ist in der Gegenwart. Seine Körperhaltung ist ausgewogen und fließend. Seine Haut hat eine natürliche – bräunlich bis rosige – Färbung.
In der Kommunikation schweifen seine Gedanken nicht vom HierundJetzt ab. Seine Gegenwart wirkt inspirierend, da er das kreative Potential seiner Mitmenschen zu verstärken scheint. Er kann Gefühle authentisch und kongruent zum Ausdruck bringen. Seine Körperbotschaften stimmen mit seinen inneren Erfahrungen wie auch mit seinem mentalen Ausdruck überein. Seine Bewegungen sind einem Tanz ähnlich, bei dem jeder Bewegungsimpuls fließend über die Muskeln bis an die Oberfläche des Körpers zum Ausdruck gebracht wird.
Anstatt in der Beschränktheit von einigen wenigen Bewegungs- und Ausdrucksmöglichkeiten zu verharren, sind diesem Menschen eine Vielzahl an Varianten des Erlebens und des Ausdrucks zu Eigen. Er (er)findet sich in jedem Augenblick neu.
In der Körperhaltung wie in der Bewegung spiegelt sich die innere Verfassung eines Menschen wider. Bewegung zeigt den Grad der Lebendigkeit eines Menschen an. Durch ein Gewahrsein der Bewegung eröffnen sich neue Möglichkeiten der Transformation und der Heilung.
Die Lebenskraft durchströmt unseren Körper und abhängig von der ”Durchflussmöglichkeit” manifestiert sie sich mehr oder weniger harmonisch. Zurückgehaltene Emotionen, unausgelebte Wünsche und Wahrheiten lassen den Körper erstarren. So entsteht ein Panzer, hinter dem man sich – vermeintlich – schützen kann. Diese Panzerung oder Maske resultiert aus einem nicht im Augenblick weilenden Bewusstsein.
Die körperliche Bewegung spiegelt die individuelle Teilnahme am Fluss des Lebens wider. Wenn man sich der persönlichen Bewegungsmöglichkeiten bewusst wird, kann man wieder einen neuen Zugang zur Lebenskraft erlangen.

Wenn dieser Beitrag auch Sie bewegt, würde ich mich über Ihren Kommentar hier freuen.

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Responses

  1. …. manchmal ist es so, dass man selbst etwas unbeweglich ist oder jemanden trifft der nicht sehr lebendig wirkt,
    ..um aus so einer Situation rauszukommen genügt oft schon ein freundliches Wort – ein Lächeln – manchen Menschen fällt zu jeder Gelegenheit ein Witz ein.
    Das sind kurze Momente – Augenblicke an manchen Tagen – die eine wieder „beweglich“ ( im Geist ) machen können.
    Sind manchmal nur Nuancen im Alltag oder im Beruf – die aber für Stunden das Herz freudig schlagen lassen.

  2. Hallo Eno!
    Mir gefällt dein Beitrag sehr gut, es hat mir nochmal die Atem-bewegung bewußt gemacht.
    Einer meiner Lehrer is t Arnold Mindell – er hat sozusagen die „Prozeßarbeit“ erfunden, er hat bei C.G. Jung studiert, dann noch die Körper“sprache“ und feinste Bewegung miteinbezogen. Ist sehr faszinierend für mich.
    In letzter Zeit wächst mein Bedürfnis nach Tanz!

    alles Gute für dich! herzliche Grüße Liz

  3. Hallo Eno!
    danke für den großartigen eintrag!
    geniale thematik!
    als ich vor einigen tagen meditierte empfing ich aus der „geistigen welt“ auch eine message: „melt the ice blocks!“ und ja, es war wirklich auf englisch, das kommt manchmal vor bei mir 🙂
    gemeint sind genau diese dinge, von denen du unter anderem schreibst!
    alles liebe and dich und deine lieben:
    frohe weihnachten und viel kraft, frieden und liebe für das kommende jahr!
    grüße aus wien und vom fluss des lebens (die donau ist hier nicht direkt gemeint),
    wolfgang


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