Verfasst von: Enrico Kosmus | 12. Januar 2011

Chöd – Der heilsame Umgang mit Hindernissen

Alle Chöd-Praktiken teilen gewisse Merkmale, die bekannt sein sollten. Sutra beinhaltet sowohl Hinayana wie auch Mahayana, und jedes Fahrzeug beinhaltet ein System aus Sicht, Meditation und Handlung. Chöd ist eine Praxis des Mahayana und vom Standpunkt des Sutra aus betrachtet, ist Chöd der Ausdruck der philosophischen Sicht der Prajnaparamita Sutra oder der Transzendenten Weisheit. Dieses Sutra ist ein Diskurs über die Weisheit der beiden Arten von Identitätslosigkeit: die Identitätslosigkeit des Selbst und die Identitätslosigkeit der Erscheinungen.

Durchtrennen des Dualismus

Chöd ist das Durchtrennen oder Durchschneiden der Wurzel des dualistischen Geistes, welcher Ignoranz und ihre Ausläufer, die fünf störenden Gefühle, ist. Das Durchtrennen dieser Art von Hoffnung und Furcht bedeutet das Durchschneiden des Greifens nach Identität. Trennen oder Schneiden bedeutet „abschneiden“ als ob man einen Baum umschneidet. In diesem Fall schneidet die transzendente Weisheit die Wurzel des Festhaltens an Identität ab. Es gibt zwei Herangehensweisen um das Greifen nach Identität durchzuschneiden.

Gottheiten, Dämonen, Geister und Hexen

Ein Dämon wird als ein übler Geist gesehen. Eine Gottheit ist ein förderlicher Geist. Geister allgemein werden als ruhelose Wesenheiten, die einen belästigen oder auch förderlich sein können, beschrieben. Hexer/Hexen sind jene Menschen, die über die Fähigkeit verfügen, diese Geister jemandem zu schicken.
Betrachtet man dies einmal abseits einer naiv-kindlichen Phantasie, dann kann man das Gestalthafte an diesen Geistern eher wahrnehmen. In Einweihungsphasen, einem Rückzug auf einen Berg oder in einen abgeschiedenen Platz, wird der Geist des Einzuweihenden oft von einer Vielzahl an Gedanken, Gefühlen und körperlichen Empfindungen heimgesucht. Diese werden aufgrund der Fremdheit auf die Umwelt projiziert und erlangen so einen gestalthaften Status. Ein ritualkundiger Heiler bemüht sich, mit diesen Wesenheiten in Kontakt zu treten, ihre Namen zu erfahren, ihre Bedeutung zu erkennen. In entsprechenden Ritualen können diese gelebt werden.
Allerdings kann man einen Schritt weitergehen und hinter die Leinwand, auf die projiziert wird, blicken. Man ist nicht mehr im Film gefangen, sondern beginnt das ganze Kino zu untersuchen. Hier wird dann das transzendente Gewahrsein als ursprüngliches Bewusstsein erfahren. Aus diesem Aspekt betrachtet, versteht man dann die Aussagen mancher tantrischer Heiler, die mit Mantra „Großer Buddha hilf“ die Geister bannen. Erkennt man wer den Film mit seiner Handlung gestaltet und die Bestandteile für die Projektion (Leinwand, Kino etc.), dann kommen die Geister zur Ruhe. Das Üble an den Geistern, das was sie zu Dämonen werden ließ, wird erkannt und kann verwandelt werden. Und die vermeintlichen Auslöser des Films – die Hexer und Hexen – wandeln sich.

Von Dämonen und Geistern zum Lösen von Konflikten

Besonders das Befrieden der Leiden der Wesen in den drei Weltebenen, die Geburt in einem physischen Körper angenommen haben und der nicht stark und gesund ist, in einem Körper, der von Krankheit und unvollständiger Ausstattung betroffen ist. Durch die Chöd-Praxis ist der Yogi in der Lage, ungünstige Umstände in den Pfad zu verwandeln, welcher letztendlich sehr rasch zur Befreiung führt. Ein weiterer zeitweiliger Nutzen der Chöd-Praxis ist die Ansammlung von Verdienst. Chöd ist ein machtvolles Mittel zur Verdienstansammlung, weil man Freigebigkeit durch Opferung des eigenen Körpers praktiziert.
Während man Chöd praktiziert, werden von einem äußeren Standpunkt aus Götter und Dämonen erscheinen. Jedoch von einer inneren Sicht sind diese Götter und Dämonen einfach die Wucherungen der eigenen Vorstellungen, die außer Kontrolle sind. Durch das Verwirklichen der Identitätslosigkeit können sowohl die äußeren wie auch die inneren Probleme den Praktizierenden nicht mehr quälen und der Praktizierende fühlt sich behaglich.
Die innere Praxis ist das einfache Entspannen in einen natürlichen Zustand und in der Sicht verweilen, während alle geistigen Phänomene – wie Darstellungen und Visionen – auftreten.
Wir können versuchen, die Anhaftung an unsere Lebensumstände auszulöschen, obwohl wir weiter in unseren Lebensumständen verbleiben, ohne sie zu verlassen.
Das absolute Chöd ist, wenn man versteht, dass alle verwirrte Wahrnehmung aus dem Greifen nach einem Selbst entsteht. Bis man fähig ist, die Wurzel der Verwirrung zu durchtrennen, wird Verwirrung bestehen. Wenn man die Natur des Geistes realisiert, dann wird der Dämon sofort zur Gottheit und die Gottheit gibt die spirituellen Errungenschaften. Dies hängt völlig von der Erkenntnis vom Spiel des Geistes ab. Wenn man die Phänomene nicht als das Spiel des Geistes erkennt und man an den Phänomenen als in sich selbst wahr festhält, dann werden die Geister sich vermehren und weiter fortbestehen.
Durch das Verwirklichen, dass alle Erscheinungen leer sind, entsteht spontan Mitgefühl und die Dämonen und Geister sind befriedet.

Das Spiel des Geistes

Wenn jemand nicht fähig ist Chöd zu praktizieren, dann werden viele Hindernisse und Krankheiten wie auch Abweichungen vom Pfad erfahren, weil der eigene Geist dämonisch ist. Wenn man die Natur des Geistes realisiert, dann wird der Dämon sofort zur Gottheit und die Gottheit gibt die spirituellen Errungenschaften. Dies hängt völlig von der Erkenntnis vom Spiel des Geistes ab. Wenn man die Phänomene nicht als das Spiel des Geistes erkennt und man an den Phänomenen als in sich selbst wahr festhält, dann werden die Geister sich vermehren und weiter fortbestehen.


Responses

  1. Also, die Leerheit aller Erscheinungen hab ich ja vermutlich nicht verwirklicht, aber es funktioniert auch, mir Mitgefühl zu „verordnen“ und damit verwandeln sich die Dämonen in Götter.
    lg


Kategorien

%d Bloggern gefällt das: