Verfasst von: Enrico Kosmus | 26. März 2011

Vimalamitra

Vimalamitra wurde in Hastisthala in Westindien geboren. Er war ein gelehrter Mönch, der in den drei Annäherungen an die Buddhaschaft bewandert war und ein tantrischer Meister, der Mahamudra erlangte, als ein Schüler von Buddhaguhya. Während er in Bodhgaya lebte, traf er einen einfältigen Mönch, genannt Jnanasutra und der Bodhisattva Vajrasattva selbst erschien vor beiden und sagte ihnen, dass sie über 500 Wiedergeburten als Gelehrte nichts erlangt hätten. Wenn sie aber die letztendliche Verwirklichung anstrebten, sollten sie nach China gehen und beim Bodhi-Baum-Tempel würden sie ihren Meister – Sri Singha – finden. Dieser würde ihnen die Anweisungen geben, die sie benötigten um in diesem Leben Buddhaschaft zu erlangen. Seinen Freund zurücklassend, begab sich Vimalamitra hoch motiviert unverzüglich nach China und traf Sri Singha wie Vajrasattva vorhergesagt hatte und über 20 Jahre lang erhielt er Anweisungen der äußeren, inneren und geheimen Lehren der mündlichen Linie (Mengak nyingthig). Vollständig zufrieden – obwohl der Meister ihm die Texte nicht gegeben hatte – kehrte er nach Indien zurück. Dort traf er Jnanasutra und Vimalamitra berichtete, was er erhalten und verwirklicht hatte und so beschloss Jnanasutra sogleich Sri Singha zu treffen.
Jahre später noch immer in seiner Meditation versunken und seine tantrischen Übungen ausführend, wurde Vimalamitra von Dakinis besucht, die ihn anwiesen, zum Leichenplatz von Bhasing zu gehen, wenn er die Anweisungen des Maha-Ati-Upadesha (Dzogchen nyingthig) erhalten wolle. In Bhasing traf er auf seinen alten Freund Jnanasutra, von dem er die Instruktionen, die er versäumt hatte. Von ihm erhielt er die einführenden Ermächtigungen und Meditationshandlungen der allergeheimsten Sektion der Geheimen Lehren und nach der vierten Ermächtigung erkannte er die nackte Natur des Geistes. Er erhielt auch die Texte von ihm. Vimalamitra meditierte schon zehn Jahre darüber, bevor Jnanasutra den Regenbogenkörper erlangte und ließ ihm als sein endgültiges Vermächtnis eine winzige juwelenbesetzte Schatulle mit den Versen, genannt „Vier tiefgründige Methoden“ (Zhakthab Zhi) zurück und durch diese verwirklichte er den Kern dieser Angelegenheit.
Danach wanderte Vimalamitra durch das nördliche Indien, hielt sich in Kamarupa in Assam als Priester von König Haribhadra, dann etwas weiter westlich in Bhirya, wo Dharmapala regierte und wo er ebenfalls ein königlicher Priester wurde, und dann am Leichenplatz von Prabhaskara, wo er die Dämonen durch magische Aktivitäten lehrte. Er fertigte drei Kopien der Texte an: einen verbarg er in Uddiyana auf der Insel des Goldstrandes, einen verbarg er in der Nähe eines Felsens, der Serling genannt wurde, in Kashmir und einen gab er den Dakinis am Leichenplatz. Er erlangte den Regenbogenkörper der höchsten Verwandlung.
Später wurde Vimalamitra von den Übersetzern Kawa Peltsek und Chokro Lui Gyeltsen, den Abgesandten des Königs Trisong Detsen, nach Tibet eingeladen. Er wurde dort als großer Meister in Zentraltibet willkommen geheißen. Der Osttibeter Yudra Nyingpo wurde sein Mitarbeiter bei Übersetzungen und Belehrungen. Sie übersetzten verschiedene Dzogchen-Texte, insbesondere 13 Texte der Geist-Serie, das Mayajala-Tantra und die Texte der Geheimen Grundsätze. Er initiierte den König, Mune Tsenpo, Nyak Tingnedzin Zangpo, Kawa Peltsek und Chokro Lui Gyeltsen. Er verbarg die übersetzten Texte in Gegung in Chimphu. Er blieb 13 Jahre in Tibet und dann ging er nach Riwo Tsenga (Wutaishan), wo er verschwand.

Advertisements

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: