Verfasst von: Enrico Kosmus | 7. Juli 2011

Ngakpas und Ngakmos

Die Nyingma-Schule ist die älteste buddhistische Tradition in Tibet. Sie hat zwei ordinierte Sanghas: Die „gendün marpo“ – die Rote Sangha der zölibatären Mönche und Nonnen. Die „gendün karpo“ – die Weiße Sangha der nicht-zölibatären Mönche und Nonnen. Die weiße Sangha (gökar changlo‘i de oder ngak‘chang) ist eine Gemeinschaft von Yogis, die gemäß der tantrischen Samayas ordiniert sind. Obwohl sie ordiniert sind, sind die Ngakpas (männlich) und Ngakmas (weiblich) Haushälter und nicht an dieselben Verpflichtungen gebunden wie die monastischen Gelübde oder die Vinaya der Roten Sangha. Ngak‘chang bedeutet „Mantra-Halter“ und bezieht sich auf die Tatsache, dass sie mehr dem Tantra entsprechend als dem Sutra gemäß ordiniert sind. Gökar Changlo‘i de bedeutet „lange Haare und weißer Rock“, was genau und vielleicht auch etwas einfallslos die Art der Erscheinung beschreibt. Man beachte, dass die Praktizierenden aller Fahrzeuge des tibetischen Buddhismus (z.B. Sutra, Tantra) zu verschiedenen Zeiten vielleicht jedes dieser Fahrzeuge praktizieren, aber dies wird innerhalb des Kontexts ihrer eigenen Verpflichtungen des jeweiligen Fahrzeugs durchgeführt. Dennoch gibt es „Laien-Tantrikas“ und „Laien-Buddhisten“ der Nyingma-Schule, die keine äußerliche Verpflichtung zu einer besonderen Tradition wie eben die Ngak‘phang eingegangen sind, auch wenn sie vielleicht lange Zeit üben und hoch verwirklichte Praktizierende sind. Man kann einfach daran erkennen, wer Ngakpa oder Ngakma ist, weil entsprechend ihrer Verpflichtung, niemals das Haar zu schneiden, haben sie es meist zu einem Knoten an ihrem Scheitel hochgebunden. Ngakpas und Ngakmas tragen weiße Shamtags (Röcke), weiße, rote und blau gestreifte Umhänge der Yogi-Linie und Ohrringe aus Muscheln. Alles davon repräsentiert einen bestimmten Aspekt der Lehren. Sie tragen nie Gelb, weil dies mit der Vinaya der Mönche und Nonnen assoziiert wird. Mönche und Nonnen entsagen dem weltlichen Leben, legen Wert auf das Beachten des Zölibats, der Abstinenz von Alkohol, Fleisch usw. Ngakpas und Ngakmas stützen sich auf mehr eine innere Entsagung statt auf eine äußere äußere Abstandnahme. Sie versuchen die Umstände ihres täglichen Lebens als Mittel für ihre Praxis zu verwandeln. Beziehungen zum eigenen Partner, der Partnerin, der Familie, den Freunden und Arbeitskollegen werden als die eigentliche Grundlage der Befreiung angesehen und jede Lebenssituation, die einem widerfährt, dient als brauchbare Basis für die Übung.

 

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