Verfasst von: Enrico Kosmus | 2. August 2011

Chöd und die Maras – die Dämonen des Geistes

Um Chöd zu praktizieren, müsst ihr Konzepte im allgemeinen aufgeben, eben spezielle Konzepte wie sauber/rein, attraktiv/abstoßend. Diese müssen eliminiert werden oder ihr werdet nicht fähig sein, auf dem Pfad Fortschritte zu machen. Letztendlich müssen alle diskursiven Gedanken ausgelöscht werden. Bei der Chöd-Praxis erkennen wir die vier Maras, die vier Dämonen. Der erste Mara ist in der Lage, uns körperlich zu beeinträchtigen oder in uns einzudringen. Es ist so etwas wie eine konventionelle Art einer Blockade und dies geschieht oft durch Gefühle der Angst oder Paranoia, wenn jemand Chöd im Retreat praktiziert. Man möchte das Retreat verlassen, man fängt an zu denken: „Hier kann ich nicht bleiben.“ Man fühlt sich unbehaglich und möchte raus. So wirkt der erste Mara.
Sobald man dann das Retreat verlassen hat, fängt einen unbewusst der zweite Mara. In dem Moment, wo man dem Ersten klein beigibt, wartet der Zweite schon um einen auf formlose Weise zu behindern. Wenn man beispielsweise das Retreat verlässt, wird dieser Mara einen veranlassen, etwas Extremes zu machen, wie sich das Leben nehmen oder den Pfad verlassen und in eine andere Richtung gehen, eben so etwas ähnliches. Dieser Mara wartet mit dem Zweck, einen auf extreme Weise zu verleiten. Und wenn er dies macht, dann ist man sich dessen nicht einmal bewusst.
Ein Beispiel dafür wäre ein Mönch, vielleicht im Retreat, der von einer schönen Frau träumt, die ihn zu sich ruft. Diese Vorstellung setzt sich in seinem Geist fest und er meint, dem nachkommen zu müssen, wobei er dann am nächsten Morgen völlig zerstreut ist. Ein schönes Mädchen mag vielleicht erscheinen um ihn fortzulocken. Bevor er es bemerkt, hat er seine Gelübde gebrochen und er ist am Ende. Oder eine Nonne träumt vielleicht von einem schönen man, der sie auffordert das Retreat zu verlassen und sie denkt vielleicht, dass dies real wäre und möchte dem nachkommen und dann lässt sie ihre Gelübde fallen und gibt den Pfad auf. Das ist mit „Mara“ oder „Dämon“ gemeint: Zerstreuung, die sich im Geist festsetzt und ihn zu kontrollieren versucht und man merkt nicht einmal, was abläuft. Man handelt einfach danach und dann ist es zu spät.

Diese Belehrungen wurden vom Erw. Ngagpa Yeshe Dorje gegeben.


Responses

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