Verfasst von: Enrico Kosmus | 13. Oktober 2011

Phowa – die Übertragung des Bewusstseins zum Zeitpunkt des Todes

Im Buddhismus gibt es viele Erklärungen zum Prozess des Sterbens und zu den Erscheinungen im Zustand des Todes. Darüber hinaus werden Methoden gelehrt, mit denen wir zum Zeitpunkt des Todes unser Bewusstsein in einen befreiten Zustand überführen können.
Das Phowa ist eine Methode des Vajrayana und wird in allen Schulen des tibetischen Buddhismus gelehrt. Es gehört zu den 6 Yogas des Naropa. Diese Methode wird als schnelles und wirksames Mittel angewendet, die Befreiung zu erlangen, um allen Wesen helfen zu können. Wenn wir diese Praxis erhalten haben und nach den Anweisungen durchführen, entsteht eine neue Körperöffnung, durch die das Bewusstsein zur Zeit des Todes den Körper verlassen kann, um in einem höheren Bereich wiedergeboren zu werden. Es gibt verschiedene Zeichen, an denen diese Öffnung erkannt werden kann.
Phowa heißt auf tibetisch: der Transport von einem Ort zum anderen. Und was wird nun transportiert, respektive wohin, von wo wohin? Aus der Wandelwelt zum reinen Gefilde des Öpame, des Buddha des strahlenden Glanzes Amitabha.
Was wird jetzt da transportiert? Unser Körper wird sicher alt und hinfällig, schließlich zerfällt er wieder zurück in die vier groben Elemente. So bleibt also das Bewusstsein über und dieses gilt es nun zu transportieren.
Und was ist nun der Zeitpunkt dieses Transportes? Der Zeitpunkt ist der Moment des Sterbens und zwar nachdem sowohl der äußere Atem stillgestanden ist, was im Westen den bereits eingetretenen Tod symbolisieren würde, als auch die inneren Energiewinde sich aufgebraucht haben. In diesen Moment macht man diesen Transfer. Und wenn man es richtig macht, braucht man nicht den Zwischenzustand, dieses Bardo, zu durchlaufen.
Ist das Phowa nicht erfolgreich, oder können wir es gar nicht anwenden, dann müssen wir durch das Bardo. Und das Bardo, dieses Zwischenzustandes zwischen Tod und Wiedergeburt  wird in siebentägigen Zyklen immer wieder einen kleinen Tod durchlaufen. Und wenn wir jetzt nicht uns stützen können durch unsere vorangegangene Praxis, sei es ein Yidam oder dass wir die Natur unseres Geistes, die Mahamudra, erkannt haben, dann werden wir unweigerlich herunterfallen und wieder im Samsara wiedergeboren. D.h. wir können diesen Durchgang durch den Zwischenzustand nicht meistern. Sondern wir sind dem ausgesetzt.
Außerdem hat die Praxis des Phowa bereits zu Lebzeiten großen Nutzen, indem sich unser Bewusstsein stabilisiert und klarer wird. Die Motivation zur Dharma-Praxis festigt sich und die Praxis wird intensiver und beständiger.
Es gibt neun Körperöffnungen, wie Augen, Ohren, Mund usw. Zum Zeitpunkt des Todes tritt das Bewusstsein aus einer dieser Öffnungen heraus. Wenn das Karma mittelgut ist, dann tritt das Bewusstsein aus den oberen Öffnungen: Augen, Nase, Ohren oder Mund heraus. Damit wird man in den Götterbereichen oder den Nicht-Götterbereichen oder als Mensch wiedergeboren. Ist das Karma schlecht, entweicht das Bewusstsein durch die unteren Körperöffnungen. Das zeigt eine Wiedergeburt in den drei niederen Bereichen an.
Durch die Phowa-Praxis erhält man eine weitere Körperöffnung am Scheitel. Der Nutzen dieser Scheitelöffnung ist, dass das Bewusstsein hierdurch den Körper verlassen kann. Wenn das geschieht, kann man im allerbesten Fall den Dharmakaya verwirklichen, im mittelguten Fall den Sambhogakaya, im minderen Fall den Nirmanakaya, und in den weniger guten Fällen wird man in den drei oberen Daseinsbereichen bei den Göttern, den Nicht-Göttern oder bei den Menschen wiedergeboren.
Wenn das Bewusstsein den Körper durch das Scheitelloch verlässt, wird man nicht in den drei niederen Bereichen wiedergeboren. Die Öffnung am Scheitel, die durch die Phowa-Praxis  zustande kommt, heißt „Mahamudra-Tür“ oder „Brahma-Öffnung“. Man macht die Übung solange, bis man dieses physische Zeichen, das Scheitelloch erhält. Während der Praxis des Übens gibt es verschiedene Zeichen. Von der Hingabe hängt es ab, ob wir das Zeichen und den Segen erhalten. In Verbindung mit dem Zeichen, das am Kopf entsteht, gibt es u.U. bei einzelnen Leuten gewisse Probleme. Manche sehen dabei wirklich Amitabha, andere sehen das Buddha-Feld. Es kann etwas Blut austreten, indem eine kleine Wunde entsteht, oder dass es an der Stelle juckt, oder dass man mit dem ganzen Körper schüttelt, oder dass das Herz sehr stark klopft, oder dass man weinen muss. Über das hinaus können noch viele andere Erscheinungen auftauchen. Vor allen diesen Phänomenen braucht man nicht die geringste Angst zu haben, denn sie enthalten keinerlei Gefahren oder Schäden. Manche Menschen im Westen hören mit der Praxis auf, wenn sie diesen starken Phänomenen begegnen, wie Schütteln, Weinen. Dazu besteht kein Anlass, im Gegenteil, dabei hören die ande- ren Erlebnisse und Gedanken auf, wodurch es leichter wird, Amitabha zu sehen. Denn im Allgemeinen haben wir viel zu viele Gedanken, die verhin- dern, dass wir Amitabha und andere geistige Erscheinungen erleben.
Durch das Phowa werden wir von den negativen Eindrücken befreit und werden nicht mehr in den niederen Bereichen wiedergeboren.
Außerdem hat die Praxis des Phowa bereits zu Lebzeiten großen Nutzen, indem sich unser Bewusstsein stabilisiert und klarer wird. Die Motivation zur Dharma-Praxis festigt sich und die Praxis wird intensiver und beständiger.

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