Verfasst von: Enrico Kosmus | 10. Januar 2012

Ganachakra… – das rituelle Fest im Tantrayana

Tsog bedeutet Versammeln. Wir tragen gemeinsam die Dinge zusammen, die wir opfern werden und wir selbst versammeln uns zur Praxis. Versammelt mit anderen Übenden richten wir unseren Geist auf den gleichen Raum aus, geben uns gemeinsam Inspiration. Daher ist dies auch besser, als die Puja alleine im eigenen Zimmer zu machen. Dies ist eine weitere Bedeutung von Tsog. Daher ist es sehr gut, wenn viele Leute gemeinsam versuchen, mit einsgerichtetem Geist gemeinsam bei einer Zusammenkunft zu üben. Wenn sich der Geist von zehn, zwanzig oder gar hundert Leuten am selben Ort trifft, dann ist das sehr machtvoll.
Das Tsog-Opfer ist aber auch noch eine tiefgründige Methode der Reinigung, ein tiefgründiger Weg um Verwirklichung zu erlangen. Wenn man den Gebetstext für diese Praxis genau durchliest, sieht man, dass viele Themen der Realisation darin vorkommen. Es kann also vorkommen, dass man bei der eigenen täglichen Praxis keine sichtbaren Fortschritte macht, aber plötzlich während einer Puja geschieht es, weil man dabei auch noch eine förderliche Atmosphäre geschaffen hat. Wumms! – Und Verwirklichung entsteht im eigenen Geist. Viele Leute haben während einer Puja schon Verwirklichungen allein aufgrund der Atmosphäre gehabt. Normalerweise schieben wir uns an, um etwas zu erlangen, aber nichts geschieht, weil wir keinen Raum entstehen haben lassen, damit sich etwas ereignen kann. Bei einer Zusammenkunft um einen Tsog zu opfern, schaffen wir Raum. Wenn sich dann der richtige Raum öffnet, wird Verwirklichung wie von einem Magneten angezogen. Um wachsen zu können, braucht man auch die geeignete Umgebung. Wir brauchen als Praktizierende daher die richtige Atmosphäre. Deshalb ist es auch wichtig, dass man sich mit anderen Praktizierenden zur Übung versammelt und alle ihren Geist auf denselben Ort ausrichten.

Die Bedeutung der Zusammenkunft

Der Zweck eines Tsog-Opfers besteht darin, die Gelübde (samaya) zu erneuern und wieder herzustellen bzw. geschehen Vernachlässigungen oder Mängel in den heiligen Banden zu reparieren. Der Name „Tsog“ bedeutet „Versammlung“, „Vervielfachung“ oder „Ansammlung“. In diesem Fall ist dies auch ein Kurzbegriff für tsogs kyi ‘khor lo, der Kreis der Versammlung oder das Rad der Vervielfachung. Und dies bezieht sich sowohl auf die zusammengetragenen Opfergaben für das Fest wie auch für die Versammlung der Gottheiten und der Praktizierenden. Durch die tantrische Weihe und Opferung der Tsog-Substanzen wie auch dem rituellen Vereinigungsfest, das die Gottheiten und Praktizierenden gemeinsam feiern wird das Band (samaya) zwischen Praktizierenden und Gottheit wie auch zwischen der Gruppe der Praktizierenden wieder hergestellt und fest gemacht.
Die Praktizierenden sehen sich in ihrer erleuchteten Wesensnatur. Die verwendeten Opfersubstanzen in fester und flüssiger Form sind geschickte Mittel (essbare Nahrungsmittel) und Weisheit (Getränke). Durch die Praxis wird Hingabe und Mitgefühl angesammelt, wie auch jene Weisheit, die aus der Entwicklung dem Verweilen ohne Bezugspunkt entsteht. Die Opfersubstanzen sind in den verschiedenen Geschmäckern wie süß, sauer, salzig, bitter, scharf, aber auch Wein bzw. Alkohol, Blumen und Fleisch sind dabei. Diese Opfergaben sollten ohne Vorlieben oder Abneigungen genossen werden, ohne dabei die Meinung zu vertreten, dass jemand zu viel oder zu wenig bekommen hätte.

Das Ritual der Versammlung

Eine vollständige Tsog-Praxis ist niemals eine alleinstehende Übung. Sie ist immer in eine Gottheitenpraxis eingebunden. In einer langen Gottheitenpraxis nimmt der Tsog technisch gesehen den Hauptteil des untergeordneten Rituals ein, welches auf die Gottheitenmeditation und die Mantrarezitation folgt. Aber wie immer auch, wenn jemand regelmäßig Gottheitenmeditation ausführt und dies ins tägliche Leben (und während Retreats) integriert, so kann man jede Mahlzeit zu einem Tsog-Opferfest machen und die Lehrer weisen auch immer wieder darauf hin, dies zu tun.
Außer dass man den Text in einem solch täglichen Zusammenhang rezitiert, hat eine kurze Tsog-Opferpraxis zwei verschiedene alternative Verwendungen in einer formalen Ritualpraxis. Man kann dies auch in eine vollständige Tsog-Praxis mit vielen ausführlichen Abschnitten integrieren. Jedenfalls wird eine zusammengefasst Tsog-Opferung am Höhepunkt des Rituals verwendet. Der Text wird dabei wiederholt, während die Tsog-Substanzen zerteilt und ausgeteilt werden. Alternativ kann dies auch als eine vollständige Praxis selbst verwendet werden. Jedenfalls wird der Tsog nach der Hauptpraxis der Mantrarezitation der Gottheit (und der Anrufung an die Schützer, wenn angebracht) ausgeführt. Weiters ist es wichtig, dass der Tsog-Opferung eine Bekenntnispraxis voraus geht, um jedwede Samaya-Vernachlässigung vor dem Tsog angemessen zu bereinigen. Dazu gibt es zu diesem Zweck in der Tradition Dudjoms das „Unausdrückbare letztendliche Bekenntnis“ und ebenfalls die Bittgebete. Aber es gibt auch noch weitere Bekenntnisgebete, die zwischen diesen beiden erwähnten Gebeten gesprochen werden können. Man kann also je nachdem, wieviel Zeit man zur Verfügung hat, alle zusammen oder nur eines davon sprechen. Nachdem die Tsog-Rezitation fertig ist, kehrt man zur Hauptpraxis der Gottheit zurück, um die Auflösung des Mandalas, dann die Widmungs- und Wunschgebete zu rezitieren.
Da das Tsog-Ritual eine geschickte und wirkungsvolle Praxis ist, die sehr rasch zu Ansammlung und Reinigung führt, gibt es auch bestimmte Tage nach dem Mondkalender, an denen ein solches Ritual durchgeführt werden sollte. Der 10. und der 25. Tag des Mondkalenders sind am wirksamsten für diese Praxis. Am 10. Tag des Mondkalenders ist die männliche Energie am höchsten und am 25. Tag die weibliche. Daher wird am 10. Tag die Guru-Puja oder Heruka-Puja und am 25. Tag die Dakini-Puja durchgeführt.

Das Leben ist ein Fest

Eine Tsog-Praxis ist auch eine ausgezeichnete Möglichkeit, Verdienst anzusammeln. In der Philosophie des Sutrayana spricht man über Karma, indem man sagt: „Schaffe gutes Karma und du wirst dieses oder jenes gute Ergebnis erlangen.“ Beim Zusammenkommen für ein Tsog-Ritual wird durch das Prinzip des wechselseitig bedingten Entstehens für die unmittelbare Praxis Förderliches zusammengetragen, die Sicht von sich selbst als Gottheit und der Umgebung als Weisheitsmandala fördert die richtige Atmosphäre, in der Verwirklichung sich einstellt.
Eine weitere Bedeutung von Tsog ist „Fest“ oder „Party“ – ein Fest, bei dem alle Praktizierenden gemeinsam gleichzeitig entstandene Weisheit und Glückseligkeit austauschen. Die Praktizierenden erkennen sich in ihrer Buddha-Natur.

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Responses

  1. Verdienstansammlung ist Ansammeln konstruktiven Potentials! Ohne Heilsames anzusammeln – das ist die Ursache – wird man nicht Heiles – Resultat – erkennen.
    Gegenwärtige Gesundheit ist das Ergebnis von früheren Handlungen, die das Leben anderer geschützt haben. Gegenwärtiger Wohlstand ist das Ergebnis, früherer Großzügigkeit, des Teilens des Wohles mit anderen. Bei der Verdienstansammlung kommt es nicht auf den materiellen Wert der Gabe, sondern auf die Intention des Gebenden an.

  2. ………. “ Fest “ oder „Party“………….
    Tsog ist nicht gleichbedeutend wie diese zwei Worte, spürt sich anders an, …
    Fest und Party haben keine Tiefe, sind meist recht oberflächlich ( Ausnahmen bestimmen die Regel ),
    …………. ganz ehrlich, in unserer Region, unteres Kainachtal, ist ein Fest, zum Beispiel: das nächst anstehende Osterfest, mit dem bekannten Maschtasingen – Prozession zur Pfarrkirche aus den vier Teilen der Pfarre zu einer Modenschau und zu einem Trinkgelage geworden, zumindest kenn ich es erst die letzten 19 Jahre so, vielleicht war es ja vor 100 Jahren anders, is auch nicht wichtig, konnte nie Weisheit und Glückseligkeit austauschen, dafür weiß man alles, wer, wann, wo , warum – ja und dann auch noch – immerwiederkehrend – Thema Nr. 1 ist der oder die dick geworden!

    …….. Tsog ist nicht gleich „Fest“ oder „Party“ , Tsog =Tsog, dafür braucht es kein anderes Wort, wozu etwas umschreiben, was den Inhalt nicht treffen kann,………….

    …….. Möglichkeit, Verdienst anzusammeln; ………
    Für wen und warum sollte man Verdienst ansammeln – gutes Ergebnis erlangen – zur Selbstbestätigung – oder damit man sich wohler fühlt – oder für die Ahnen – oder die nächste Generation – ????????????????

    ….. das Leben ist ein Fest? ……………. das Leben ist es wert gelebt zu werden, andere zum lächeln bringen – manchmal kann auch weinen Befreiung bringen, Fest ist nicht das richtige Wort dafür – vielleicht DAS LEBEN IST SCHÖN……………………………….


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