Verfasst von: Enrico Kosmus | 13. März 2012

Niemand, der böse ist, ist dabei wirklich glücklich… (Teil 1)

Doppelte Botschaften als Ausdruck von systemischen Verletzungen und wie Sie Ihre Beziehungen klären können

Haben Sie immer wieder dieselben hartnäckigen Probleme oder lassen sich Konflikte nicht lösen? Dann sollten Sie mal Ihr Kommunikationsmuster überprüfen! Sog. Doppelbindungen (double binds) sind dann meist dafür verantwortlich.
Das Erkennen dieser verstrickten Kommunikation führt zu einer Befreiung aus bisherigen Abhängigkeiten. Vor allem die einer Doppelbindung innewohnende Verlierer-Verlierer-Kommunikation kann dadurch aufgelöst werden. Auf diese Weise können abgespaltene Persönlichkeitsanteile erkannt und anschließend integriert werden. Das Ergebnis ist eine klare Kommunikation und somit eine positive Förderung der Beziehungen.
Beziehungen werden von Lebensvorstellungen bzw. Regeln bestimmt. Lebensvorstellungen bzw. Regeln können in sich widersprüchlich sein. Für eine Lösung von fortgeschriebenen Entfremdungen wollen diese Regeln gekannt und gelöst werden.

Beziehungsrahmen & Inhalt

„Das ist ein Spiel.“ – Dieser Satz legt den Rahmen der Botschaft fest. Wird dieser Rahmen allerdings nicht erkannt oder werden die Regeln der Kommunikation verändert, dann entsteht Unsicherheit in der Beziehung. An sich ist es nicht möglich, eine Botschaft ohne den Kommunikationsrahmen zu vermitteln. Dieser Rahmen definiert die Beziehung.
Widersprechen sich Rahmen und Inhalt einer Botschaft, empfindet der Empfänger zunächst eine Unsicherheit. Wird auch ein anschließender Versuch der Klärung dieser emotionalen Unsicherheit geleugnet, steigert es sich zu einem Gefühl von Verwirrtheit. Man hat das Gefühl, in einem Dilemma, in einer Zwickmühle zu stecken.
Ein Kind empfindet eine unausgesprochene feindselige Ablehnung seitens der Mutter. Die Mutter jedoch verbalisiert Nähe (z.B. „Ich hab dich ja lieb.“). Diese beiden Botschaften gehören unterschiedlichen Kategorien an. Die  nonverbale Ablehnung bestimmt den Rahmen, die ausgesprochene Botschaft ist der Inhalt. Das Kind müsste nun diese beiden Kategorien voneinander unterscheiden können und interpretieren. Doch dazu ist es in seinen jungen Jahren noch nicht in der Lage und lernt, Täuschung als Normalität hinzunehmen. Worauf soll nun das Kind vertrauen – auf den gefühlten Rahmen oder den offensichtlichen Inhalt?

Welt – Konzept des Erlebens

Viele seelische Verletztheiten führen über das Leben eines einzelnen Menschen hinaus und stehen in ständiger wechselseitiger Beziehung mit den seelischen Wunden anderer Menschen. Da wir uns alle beständig in Systemen wie Familie, Sippe, Freundeskreis, Mitarbeiter etc. befinden, weben wir über die Sprache und die Kommunikationsmuster unser gemeinsames Weltbild. Dieses Weltbild nützt der Gemeinsamkeit. Im Rahmen einer Familie sind widersprüchliche und paradoxe Bewältigungsstrategien für Verletzungen daher sehr sinnvoll – sie nützen dem Zusammenhalt des Systems.
Doch wie muss nun der Kontext für die Entstehung einer paradoxen Kommunikation im Rahmen eines Systems beschaffen sein? Ist das Weltbild von Unsicherheit und Leugnung einer emotionalen Realität geprägt, dann besteht eine erhöhte Tendenz zur widersprüchlichen Kommunikation. Meist sind damit traumatische Lebenserfahrungen verbunden.
Unsere Weltsicht wird durch unsere Sprache geprägt. Vereinfacht ausgedrückt heißt das: Was wir nicht sprechen können, können wir auch nicht denken. Unser Wissen, Können, Wollen und Wünschen wurde durch sprachliche Auseinandersetzungen mit der Umwelt geprägt. Durch Sprache nehmen wir Kontakt auf, teilen uns mit und können uns und andere verstehen lernen. Einen wesentlichen Einfluss üben Geschichten, Sprüche und Mythen auf unsere Weltsicht aus. Besonders jene Mythen und Geschichten sind interessant, die von den ersten Bezugspersonen vermittelt werden.
Die zwischenmenschliche Kommunikation besteht aus verbalen Aussagen, die durch nonverbale Botschaften (Tonfall, Gestik, Mimik) bestätigt oder verstärkt werden. Diese beiden Aspekte sind die Ebene des Inhalts und die Ebene der Metakommunikation. Sie werden auch verbale und nonverbale Ebene genannt. Eine Kommunikation wird dann als stimmig (kongruent) erlebt, wenn diese beiden Ebenen übereinstimmen. Die Vermittlung des Weltbildes gelingt.
Wenn die Übereinstimmung dieser beiden Ebenen nicht gelingt, dann entstehen unvermeidlich Schwierigkeiten in der Kommunikation. Ausnahmen davon dürfen allerdings auch sein – bei Humor, Ironie, Spiel und Spaß. Allerdings sollten alle die Spielregeln kennen.

Der zweite Teil zur Verstrickungslösung folgt… Bleiben Sie dran!

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Responses

  1. ……. 🙂 …………:)…………………………………. 🙂 ………………………………………………………………………………………………………………………………………. 🙂 🙂 🙂

  2. Wenn die Menschen mehr miteinanderreden würden,( mich eingeschlossen), entstünden viele Missverständnisse erst gar nicht, Kommunikation und Rethorik sind nicht so leicht zu erlernen bzw. entweder man hats in die Wiege gelegt bekommen oder nicht. Das Schwierigste bei einer Konfliktbewältigung ist sicherlich, den ersten Schritt zu tun bzw. das Gespräch so zu beginnen, dass nicht wieder Verwirrung entsteht. Ich weiß, dass NIEMAND im Grunde seines Herzens böse ist, und wenn man jemand anderen mit Worten verletzt, ist man sich dessen meist nicht bewußt. Deshalb versuche ich immer recht bedacht mit anderen Menschen, die ich nicht wirklich gut kenne, zu sprechen, ich kann nie wissen welche traumatische Erlebnisse der andere Mensch hatte bzw. welche Worte oder Gesten in ihm wieder Geschehnisse der Vergangenheit auslösen kann. Es gibt aber immer noch die Möglichkeit der Vergebung, wenn man sich bewußt wird, einen anderen Menschen verletzt zu haben, ich für mich bitte um Vergebung falls ich anderen Lebewesen Unrecht getan habe.

    Ausnahmen sind natürlich Spiele! Allerdings sollten doch alle Beteiligte wissen, dass es sich um ein Spiel handelt! Weil irgendwann hört jedes Spiel auf.

    Unlängst hab ich in Köflach einen ganzen Nachmittag mit tollen Menschen auf Englisch Activity gespielt. Das war super toll, würde sowas jederzeit, immerwieder mit Begeisterung spielen.:)


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