Verfasst von: Enrico Kosmus | 9. Mai 2012

Großes Feuer – reinigender Rauch – die Bedeutung von Feuer- und Rauchopfer

Es gibt drei große Kategorien von Feuer- und Rauchopfer, wobei das Grundprinzip der Feuer-Puja die Opferung ist. Man gibt dabei Nahrungsmittel und andere Zutaten in das Feuer, das Feuer verbrennt diese, somit „frisst“ das Feuer diese auf, verzehrt sie und wenn dann alles aufgebraucht ist, wird dies als geopfert angesehen.
Beim Sangchö – dem Rauchopfer – opfert man den Rauch und dann gibt es noch das Surchö – das Opfer verbrannter Nahrung, bei dem der Geruch geopfert wird. Und eben beim Jinseg wird einfach das Feuer, die Flammen selbst und das Brennen geopfert.

Die vier Klassen der Gäste

Bei diesen verschiedenen Pujas – den Opfer- und Gebetsritualen – gibt es Objekte, denen diese Opfergaben dargebracht werden. Die Gaben werden den sogenannten „vier Klassen der Gäste“ geopfert. Diese vier Klassen der Gäste sind 1) die Buddhas und Bodhisattvas sowie die Lehrer, 2) die Meditationsgottheiten, Dakinis und Schützer, 3) die Wesen der sechs Daseinsbereiche und 4) die Schuldner und Gläubiger, jene Wesen, mit denen wir durch unerfüllte Verpflichtungen und Schulden karmisch verbunden sind. Zur vierten Klasse gehören auch die Hungergespenster.

Sangchö – das Rauchopfer

Das Rauchopfer bezieht sich hauptsächlich auf die Berggötter, die Himmelsgötter, die Götter der Flüsse und andere Götteraspekte. Man lädt dabei die Götter des gesamten Universums ein und dann bringt man diesen und den Wesenheiten des Ortes – lokale Gottheiten – die Opfergabe des Rauchs dar. Dieses Rauchopfer wird gewöhnlich auf dem Dach des Hauses oder auf dem Gipfel eines Berges durchgeführt. Dabei wird ein Feuer mit Hölzern gemacht, die viel Rauch geben. Deshalb verwendet man meist Wacholderzweige oder auch Zweige mit grünen Blättern. Sehr wichtig ist es, dass das Sangchö sehr sauber ausgeführt wird. Daher muss auch der Platz für das Rauchopfer gereinigt wird. Das Sangchö darf kein Fleisch beinhalten, sondern besteht aus den drei Weißen – Mehl, Milch, Joghurt – und den drei Süßen – Zucker, Melasse, Honig. Auch können Medizinalkräuter und wohlriechende Hölzer darin enthalten sein. Aber es darf kein Fleisch dabei sein, da dies wilde Wesenheiten anlocken würde. Es soll also zu 100% vegetarisch sein.

Surchö – das Geruchsopfer

Das Surchö kann zwar für alle vier Klassen der Gäste ausgeführt werden, aber konzentriert sich hauptsächlich auf Geister, Gespenster und jenen Wesen, mit denen man durch negative karmische Schulden verbunden ist. Der Geruch des Verbrannten wird diesen dargebracht. Im Grunde ist es kein Opfer, sondern mehr eine Gabe des Mitgefühls.
Beim Surchö verbrennt man verschiedene Nahrungsmittel. Meistens ist auch das Surchö vegetarisch, aber es gibt einige Geruchsopferungen, in denen auch Fleisch enthalten ist.

Jinseg – das Feueropfer

Das Jinseg ist an eine strenge Ritualdurchführung im Zusammenhang mit den Meditationsgottheiten gebunden. Gewöhnlich wird ein Feueropfer am Ende eines Retreats zum Bereinigen von Fehlern, die während der Einkehr aufgetreten sind, gemacht. Bei einem Jinseg kann man nicht einfach irgendetwas verbrennen. Für jede Art der Feuer-Puja gibt es bestimmte Materialien, die geopfert werden. Das Jinseg wird von jenen durchgeführt, die in die Praxis der Meditationsgottheit eingeweiht wurden und diese praktiziert haben und kann daher nicht öffentlich gemacht werden. Uneingeweiht dürfen nicht einmal die Opfergaben berühren.
Allgemeinhin gibt es vier Arten von Feuer-Pujas – befriedende, vermehrende, magnetisierende und zornvolle. Meistens wird nur eine bestimmte Art ausgeführt, aber es kann auch vorkommen, dass alle vier kombiniert werden. Somit hat jede Art ihre eigenen Zutaten. Normalerweise wird eben das Jinseg nach einer langen Praxis des Gottheitenyoga ausgeführt.

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