Verfasst von: Enrico Kosmus | 24. Juli 2012

Vier Aktivitäten der löwenköpfigen Weisheitsdakini

Die Praxis der Weisheitsdakini Simbhamukha findet sich in verschiedenen Übertragungslinien des Vajrayana. Als Weisheitsdakini führt Simbhamukha die Praktizierenden zur höchsten Erleuchtung. Alles Erscheinende wird als Ausdruck und Tanzspiel der Buddha-Natur erfahren. „Obwohl Du Dich aus dem Zustand der Ungeborenheit nicht bewegst, tanzt Du in der klaren Leerheit wie der Mond im Wasser.“

Die vier Aktivitäten der Meditation

Die vier erleuchteten Handlungen eines Erwachten beziehen sich in erster Linie zunächst auf die Verwirklichung der Buddhaschaft. In ihren niederen, auf das Weltliche bezogenen Sichtweisen, stellen diese Handlungsmöglichkeiten die magischen Aktivität des Heilens,  Reichtumsmagie, Liebeszauber und befreienden Magie dar. Diese niederen und ichbezogenen Aktivitäten lassen jedoch die Buddha-Natur nicht erfahren, noch sind sie deren Ausdruck.
Als Aktivitätsdakini lassen sich mit der Kraft der Löwenköpfigen die vier erleuchteten Handlungen eines Buddhas ausführen. Diese erleuchteten Aktivitäten sind befreit von den Vorstellungen eines inhärent existierenden Ichs und fühen eben zur Realisation der Buddha-Natur.
Die weiße Aktivtät zielt auf Befriedung und Heilung ab. Daher findet sich in der Praxis der Simbhamukha auch ein Langlebensritual, das zum Zurückholen verlorener Lebenskraft dient. Im Rahmen der Meditation ist dies vergleichbar mit dem ersten Gewahrwerden des auftauchenden Meditationsobjekts. Die Aufmerksamkeit wird grundlegend ausgerichtet und man gibt den auftauchenden Erscheinungen Raum.
Die gelbe Aktivität dient der Vermehrung der Siddhis, dem Anwachsen von Wohlstand, Wissen etc. Im meditativen Prozeß bedeutet die vermehrende Aktivität ein Anwachsen der Achtsamkeit und ein sich näher Beschäftigen mit dem Objekt des Gewahrseins.
Durch die rote Aktivität wird alles herangezogen und unter Kontrolle gebracht. Normalerweise werden mit dieser Fähigkeit auch die störenden Geister herangezogen und beherrscht. Diese Geister und Hinderer sind in der Meditation die störenden Gedanken und Gefühle, die immer wieder auftauchen. Durch die magnetisierende Kraft wird die Achtsamkeit erhöht und man beginnt mit der eingehenden Untersuchung des Meditationsobjekts. Dies ist eine Hinwendung an das Objekt und daher wird diese rote Aktivität häufig auch als eine erotische Kraft beschrieben.
Die schwarze Aktivität ist ein Auflösen der Formgebundenheit des Geistes. Bisher beschäftigte sich der Meditierende in unterschiedlicher Intensität mit den auftauchenden Objekten. Mit der schwarzen Aktivität wird die Form des Meditationsobjekts durchdrungen, wodurch der ursprünglich Geist befreit und als uranfänglich rein erfahren werden kann. Auf diese Weise wird auch schwarze Magie umgekehrt, die ja durch die falsche Annahme von der Eigenständigkeit eines Ichs überhaupt erst möglich gehalten und als wirklich erlebt wurde.
Die vier erleuchteten Aktivitäten der Weisheitsdakini führen den Meditierenden durch einen differenzierten Prozeß des Gewahrseins hin zur ursprünglich reinen Natur des Geistes. „Obwohl es von Anfang an weder ein Ich noch eine Zweiheit gibt, schafft die spontane Befleckung ein Ich. Möge ich deshalb mit Konzentration auf das heilige Band der klaren Vollkommenheit in der Weisheit der Klarsicht verweilen.“


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