Verfasst von: Enrico Kosmus | 17. Januar 2013

Buddhas Lehren…

BuddhaAls Buddhisten, ob wir jetzt Hinayana(1), Mahayana(2), Vajrayana(3) oder alle drei praktizieren – in diesem Falle nun das Vajrayana – ist es für uns notwendig, dass wir den Hauptfokus kennen. Der Begriff „Buddhist“ ist in der tibetischen Sprache „nangpa“, was wörtlich ins Deutsche übersetzt bedeutet „jemand, der sich den inneren Angelegenheiten widmet“. Es bedeutet „nach innen gehen“. Es ist eine Religion, eine Tradition, die besagt, dass man sich mehr nach innen wendet als nach außen, nach innen in den eigenen Geist sehen.
Unser ursprünglicher Lehrer, Buddha Shakyamuni, entwickelte zuerst die erwachte Haltung. In seinem Geist ließ er unglaubliches Mitgefühl für alle lebenden Geschöpfe. Dann nahm er eine Wiedergeburt als Prinz an und schritt durch die Erfahrungen in seinem Leben als Buddha, wovon alle eine Belehrung waren, von der wir lernen können. Tatsächlich war er ein erleuchtetes Wesen schon lange bevor er in diese Welt kam. Er manifestierte sich in unserer Welt, um uns durch das Beispiel seines Lebens den Pfad der Entsagung zu zeigen. Wessen wir grundsätzlich zu entsagen nötig haben, ist unsere zwanghafte Begeisterung und unsere Anhaftung an die zyklische Existenz. Ihr kennt sicher alle die Geschichte als der Buddha, als junger Prinz, sich aus dem Palast hinauswagte und zum ersten Mal Alter, Krankheit, Tod und Entsagung sah. Er sah ebenso Geburt. Und er sah auch, dass obwohl alle diese Dinge äußerlich erscheinen, tatsächlich aber aus dem Inneren entstehen. Aufgrund der inneren Beschaffenheit gibt es Geburt in der zyklischen Existenz, gibt es den Prozess des Alterns, gibt es Krankheit und gibt es möglicherweise Tod. Basierend auf dem was er erblickte, indem er sich erinnerte, dass alles nur aus einer inneren Bedingung entsteht, entsagte er der Anhaftung an das weltliche Leben.
Wie kommt es nun zu dieser Bedingung? Es geschieht nicht nur für menschliche Wesen, sondern für alle sechs Klassen der lebenden Wesen der zyklischen Existenz. Gemäß einer inneren Verfassung gibt es eine äußere Erfahrung eines Bereiches der Wiedergeburt. Daher erfahren einige Wesen gemäß der inneren Verfassung, die sie geschaffen haben, die Phänomene als „Hölle“. Und andere wieder, die wir „hungrige Geister“ oder Gespenster, nicht-menschliche Wesenheiten, erfahren die Unmöglichkeit, ihre verschiedenen Begierden zu befriedigen. Tiere erfahren Dummheit, und dass sie von Menschen misshandelt werden. Menschen erfahren Geburt, Alter, Krankheit und Tod. Eifersüchtige Götter erfahren beständig Wettstreit, Eifersucht und Kampf. Langlebige Götter erfahren das Leiden des Aufzehrens ihres guten Karmas und sie sehen den Platz ihrer nächsten Wiedergeburt, die immer niedriger ist. Diese sechs verschiedenen Arten von Wesen erfahren alle äußeren Phänomene, die entstehen aufgrund der inneren Verfassung. Und wo immer die Wesen dieser sechs Klassen auch geboren werden, wird die Natur dieser Existenz Leiden sein; gibt es kein dauerhaftes Glück.
Dies ist die erste Edle Wahrheit, die Wahrheit vom Leiden, welche die erste Belehrung war, die Buddha in dieser Welt gab. Es ist wichtig, dass man dies im Geiste behält, dass die Tatsache des Leidens als eine äußere Erscheinung, nur aus den inneren Bedingungen entsteht. Und diese innere Bedingung ist der Geisteszustand. Solang unser Geist in Negativität verweilt und davon besessen ist, – und wir haben besonders sehr starke negativ gerichtete Gedanken, wie starkes Wunschverlangen, starken Hass und Ärger, starke Ignoranz, starken Stolz, starke Eifersucht, und wir bringen sie durch Sprache oder Handlung zum Ausdruck – dann wird dies eindeutig die Ursachen für eine Wiedergeburt oder Erfahrung eines speziellen Bereichs bedingen. Und die jeweilige Wiedergeburt wird von der Stärke dieser Negativität abhängen. Beispielsweise ist das Töten eines anderen Wesens aus Hass, Ärger oder Stolz als treibende Kraft die karmische Ursache, die als Ergebnis die Wiedergeburt in der Hölle erfahren lässt. Negative Handlungen begangen durch unglaubliche Gier oder Knausrigkeit führt zur Erfahrung einer Wiedergeburt als hungriger Geist. So könnt ihr sehr leicht einsehen, dass es aus unserem Geist kommt, wie wir den äußeren Platz der Wiedergeburt schaffen.
Ebenso wie negative Ursachen diese Art der Kraft haben, negative Ergebnisse zu produzieren, haben positive Ursachen, tugendhafte Handlungen ebenso dieselbe Art von Kraft, aber um positive Resultate zu bewirken. Wenn wir gütige und gute Gedanken haben, wenn wir eine reine Absicht haben und wir dies in unsere Rede und unsere Taten bringen, wenn wir anderen helfen, wenn wir ihnen helfen, sie von ihrem Leiden zu befreien, dann wird uns dies zeitweiliges Glück bringen. Es wird ebenso Teil der vielen Ursachen, die nötig sind um dauerhaftes Glück zu erlangen, ein Glück, das sich nicht verändert – was befreit sein ist. Also sehen wir auch hier, dass dies alles aus unserem Geist kommt. Der Geist muss auf die eine oder andere Art bewegt sein und dann kommt dies in die Sprache und der Körper dient dazu. Demgemäß sammeln wir Karma an.
Da man den Geist nicht genügend für das Entstehen dieser edlen Eigenschaften trainiert und entwickelt hat, damit man Kontrolle über das alles hat, ist es notwendig, sich auf diese Wahrheit zu stützen. Man benötigt Belehrungen, man benötigt eine Religion, man benötigt einen Pfad. „Dharma“ bedeutet im Bezugsrahmen des Buddhismus „Wahrheit.“ Dies ist der Pfad dem man folgt, jener Pfad, dem man notwendigerweise folgt. Eigentlich gibt es 84.000 Belehrungen des Buddhas. Daher gibt es viele verschiedene Pfad zu folgen, abhängig von den Notwendigkeiten der vielen verschiedenen Individuen. Weiters sind all die verschiedenen Pfad wertvoll und wahre Pfade, die zu beständigem Glück führen. Es ist eine Wahrheit, dass Leiden existiert, dass es eine Ursache hat, und dass es beendet werden kann. Die Beendigung des Leidens kommt, wenn man dem Pfad folgt. Und dies ist die Wahrheit vom Pfad. Jene Wahrheit, dass es notwendig ist, einen Pfad zu haben, der zum Ende des Leidens führt.

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(1) Da die Motivation in diesem Fahrzeug – das der Hörer und Alleinverwirklicher – auf der individuellen Befreiung (von einem selbst) liegt und nicht die Größe des Mitgefühls entwickelt, ausnahmslos alle fühlenden Wesen zu befreien, wird es als „kleines Fahrzeug“ bezeichnet.
(2) Die Motivation im Mahayana – auch Bodhisattvayana genannt – liegt auf der Befreiung aller fühlender Wesen und daher wird dieser Pfad „großes Fahrzeug“ genannt. Erleuchtung erlangt man in einem Fahrzeug, das auf Ursachen gründet, nachdem man über drei lange Zeitalter hindurch die Ansammlungen gepflegt und die Verunreinigungen und Verschleierungen bereinigt hat.
(3) Das Vajrayana – auch Mantrayana (Mantra-Fahrzeug) genannt – ist ein spezieller Aspekt des Mahayana und behandelt die reine Sicht der Phänomene. Da das Vajrayana – im Unterschied zum Hinayana und Mahayana – auf dem Resultat gründet, wird es auch als unübertroffenes Fahrzeug angesehen, da man in diesem Leben und in diesem Körper Erleuchtung erlangt.

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