Verfasst von: Enrico Kosmus | 7. Februar 2013

Die zehn Verpflichtungen im Chöd

MachigMachig Labdrön sprach zu Chökyi Senge und der Versammlung: „Edle Kinder, alle meine Anhänger, praktiziert genauso. Dies kann euch von diesem Ort der zyklischen Existenz emporheben.

  1. Denkt, ‚Alles ist die Natur von Tod und Unbeständigkeit!‘ Bedenkt sowohl das Heilsame (das auszuüben ist) und das Laster (das aufzugeben ist) in Euren Handlungen. Schaut auf die Leiden der zyklischen Existenz im Allgemeinen und im Besonderen, speziell auf jene der drei schlechten Daseinsweisen. Immerzu diese drei [Themen] zu meditieren, ist die erste Verpflichtung.
  2. Haltet euch immer in gespenstischen Gegenden auf, bringt Opfergaben dar und gebt euren Körper (jeden Tag unbedingt in sechs oder acht Sitzungen) und lasst euch auch nicht für einen Moment in weltlichen Gelegenheiten einfangen. Mit diesen dreien werdet ihr nicht einen Moment lang faul sein. Das ist die zweite.
  3. Liebe, Mitgefühl und der Entschluss zur Erleuchtung – diese drei sind der Lebensbaum meines Dharma-Systems. Seid nie ohne diese drei Geisteshaltungen, auch nicht für eine Sekunde. Das ist die dritte.
  4. Praktiziert den Guru-Yoga als den tiefgründigen Pfad, die Übertragung, genannt ‚Öffnung des Tores zum Himmel‘ mit der vollständig reinen Sicht der Leerheit ohne eine Stütze und die Art, wie man diesen Ritus der Übertragung mit Stütze einer Substanz übt. Macht diese drei ohne einen Mangel in 21 einzelnen Sitzungen in insgesamt acht Sitzungen in einem Zeitabschnitt von 24 Stunden.
  5. Entweder macht ihr die Yidam-Praxis der erhabenen Tara oder meditiert auf mich im Zentrum Eures Herzens oder macht eine geheime Meditation oder besonders, wenn ihr auf Avalokiteshvara meditiert oder welche Meditation ihr auch ausführt, ihr solltet das Herz-[Mantra] 121 Mal, das Sechs-Silben-Mantra 121 [rezitieren] und das Einatmen, Ausatmen und das Ruhen des Atem (121 Mal in jeder Sitzung) mit der Wiederholung der drei Silben (von nun an beständig ohne Ablenkung) ausführen. Diese drei in acht Sitzungen unbedingt zu machen, ist die fünfte.
  6. Bringt jeden Tag Manjushri unbedingt einen Torma dar, einen Torma in der Paramita-Tradition und die einhundert Tormas extra. Das ist die sechste.
  7. Jeden [Mond] Monat [beachtet] diese vier Tage: den ersten, den zehnten, den fünfzehnten und den achtzehnten. Außerdem diese drei: den vierzehnten oder den neunundzwanzigsten, den Neumond und den achten oder den fünfzehnten. An diesen sieben Tagen steht früh auf und nachdem ihr die Niederwerfungen gemacht und [den Altar] gesäubert habt, stellt die drei Stützen sowie Licht und Räucherwerk auf. [Dann stellt] Nahrung in Übereinstimmung mit eurem Reichtum, wie guten Teig, reines Fleisch, Bier, die drei weißen Substanzen und so fort auf, ebenso Kräuter, Juwelen und feine Seide wenn du kannst. Mit diesen macht jedesmal immer ein ausführliches Festritual, opfert immer einhundert Butterlampen und führt einhundert friedvolle Feueropfer aus. Macht diese drei Dinge immerzu. Die beste Art, das zu machen, ist siebenmal und die mittlere ist, es dreimal zu machen. Zumindest müsst ihr dies beständig einmal pro Monat machen, ganz gleich was passiert. Schließlich erfüllt man durch das Ausführen des Festkreises, der Butterlampen und Feueropfer immerzu siebenmal jeden Monat die siebente Verpflichtung.
  8. Opfert in einem Festritual den Körper; macht sieben Niederwerfungen und sieben Umkreisungen wie oben erklärt; und opfert den Wasser-Torma, macht Tsatsas, bekennt die Verfehlungen, [rezitiert] das tiefgründige Sutra und praktiziert siebenmal Tara. Dies sind die beständigen täglichen Übungen der achten.
  9. Haltet euch beim Essen dieser drei zurück: den fünf großen Fleischen und anderen gemordeten Fleischen, dem Alkohol ‚schwarzes verrücktes Wasser‘, gemacht aus den Substanzen der fremden Heretiker, die Schwierigkeiten machen und Knoblauch, wie der wirklich übelriechende Knoblauch, der den Wert der spirituellen Praxis von zehn Tagen auslöscht.
  10. Schlagt andere Wesen nicht zusammen, werft sie nicht hinaus oder foltert sie nicht, indem ihr feindliche, nicht-menschliche fühlende Wesen durch Zaubersubstanzen (rdzas thun), zornvolle Mantras oder durch das Ausführen zornvoller Praxis zum Leiden anstiftet. Wenn ihr sie zusammenschlagt oder hinauswerft, dann handelt ihr im Widerspruch zu mir und habt den Pfad des Chöd verloren. Wenn andererseits meine Anhänger diese feindseligen Dämonen nicht bezwingen, die andere fühlende Wesen quälen, dann läuft mir das auch zuwider. Die Methode um Dämonen zu zähmen ist daher, dass ihr eine egozentrische Fixierung auf den Körper aufgebt und euer Leben und eure Glieder diesen Dämonen ohne Zögern hingebt. Das ist die Art, Dämonen zu zähmen.

„Dies sind meine zehn Verpflichtungen. Es ist wichtig, in ihnen Sicherheit zu erlangen und sie zu halten. Wenn ihr sie nicht hält, dann handelt ihr mir zuwider und beschädigt das heilige Versprechen. Das wird zu Ursache für den Fall in schlechte Existenzen. Strengt euch an, eure heiligen Versprechen zu halten, meine Schüler. Wenn ihr willentlich euer Leben, eure Glieder, euren Reichtum, euren Ruhm und eure Macht ohne Zögern zum Wohlergehen der anderen aufgeben könnt, dann werde ich immer da sein, um euch zu helfen, Schüler.

Mit einem liebenden Geist, umsorgt mehr als ein Kind
die feindlichen Götter und Dämonen der erscheinenden Existenz,
gebt euch liebevoll mit ihnen ab.
Nährt sie immer mit der Wärme des Fleisches und Blutes.
dem Haken der Liebe und des Mitgefühls
seid ihnen Freund und gebt sie niemals auf.
Wenn, mit reinen, edlen Gedanken und erleuchtetem Entschluss,
ihr sie mit dem heiligen Dharma verbindet
und sie befreit und glücklich sind,
dann, oh Kind, wo immer du bist,
wirst du mein ungetrennter Freund sein.
Alas, Vidyadhara-Schüler!“

Dies sind die zehn Verpflichtungen, die Machig Labdrön, die Begründerin der Chöd-Tradition, all ihren Schülerinnen und Schülern auftrug. Entnommen von „Machig’s Complete Explanations on Chöd. The Questions of Chökyi Senge.“

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Responses

  1. lieber ngak’chang rangdrol dorje, im 2 punkt heisst es: „sich an gespenstischen orten aufzuhalten und seinen körper zu geben“. was ist damit gemeint? andi

    • lieber andi,
      traditionell wurde die praxis des chöd auf friedhöfen ausgeführt; daher „gespenstische orte“. das sind orte, die uns eben mit unserem psychischen schattenanteilen konfrontieren.
      und „seinen körper zu geben“ bedeutet, dass man in der visualisation(!) dieser praxis den eigenen körper den fühlenden wesen als opfergabe gibt. da unser eigener körper der fokus für unsere ich-bezogenheit und damit anhaftung ist, aus der sich alle weiteren emotionalen verwirrungen ableiten, wird dies als die wurzel angesehen und auf diese weise wird die ich-anhaftung abgeschnitten.


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