Verfasst von: Enrico Kosmus | 11. September 2013

Sicht & Verhalten

LTR_JnanasukhaGuru Rinpoche sagte, dass es zwei Aspekte für Dzogchen-Praktizierende gibt. Zuerst entwickelt man einen raumgleichen Geist oder eine weite Sicht – grenzenlos, offen, frei und entspannt. Danach müssen die eigenen Handlungen mit Körper, Rede und Geist vervollkommnet werden – bis ins kleinste Detail ethisch. Am Anfang ist das zweitere sehr wichtig und dann, sobald die eigene Sicht sich stufenweise entwickelt hat, sorgt das Verhalten automatisch ohne Anstrengung für sich, einfach indem man bloß die tiefgründige Sicht hat.

Verhalten ist das Ideal von liebender Güte und Mitgefühl allen Wesen gegenüber. Ohne Verhalten kann die höchste Sicht leidbringend sein, weil die Leute denken, sie hätten die Sicht und dass schon alles in Ordnung wäre, ohne auf das Verhalten zu achten. Aber sie denken sich das nur, es ist keine wahre Erkenntnis, daher ist ihre Schlussfolgerung fehlerhaft. Patrul Rinpoche sagte, wenn jemand zu euch sagt, dass er/sie die Sicht hätte, aber er/sie keine liebende Güte aufweist, dann sollt ihr ihre Münder mit der Scheiße aus einhundert Städten stopfen. Daher betonen wir nicht nur die Sicht und vergessen auf das Verhalten, sondern auch das Gegenteil ist falsch – die Sicht nicht zu verstehen, aber Verhalten untersuchen. Wenn ihr nur tugendhaftes Verhalten hunderte Zeitalter lang praktiziert, dann wird Erleuchtung niemals erlangt werden. Wir brauchen auch die Weisheit der Sicht – die reine Sicht eines Buddha-Geistes. Wenn ihr nur von einem äußeren Standpunkt aus praktiziert, dann seid ihr wie Hühner, ihr seid zwar ein Vogel, könnt aber nicht fliegen. Aber wenn ihr Verhalten und Sicht praktiziert, dann seid ihr wie ein himmelhoch fliegender Garuda und alles entfaltet sich ganz rasch in einer einzigen Lebensspanne. Tugend und ihre Praxis nützt einem, aber sie ist nicht dauerhaft und sie gehört zur Welt der relativen Wahrheit, die von den Begriffen Gut und Böse, Freude und Trauer usw. bestimmt ist. Ein Buddha zu sein ist keine Frage von Glück oder Trauer. Ein Buddha zu sein, ist nicht auf dieser Ebene. Buddhaschaft transzendiert diese Kategorien und deshalb müssen wir, um Buddhaschaft zu erlangen, sowohl mit dem Verhalten wie auch der Sicht arbeiten. Der Punkt ist, wir müssen die zwei Ansammlungen zusammenbringen – Verdienst und Weisheit. Andernfalls kämpfen wir immer mit unserem Leben herum und sind unausgeglichen.

Diese Belehrungen wurden von Lama Tharchin Rinpoche gegeben und das Original ist auf Vajrayana Foundation Hawai’i veröffentlicht.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: