Verfasst von: Enrico Kosmus | 12. Dezember 2013

Khandro Thugthig – der Zyklus der Herzessenz der Dakini (Teil 1)

KhandroThugthig„Die Herzessenz der Dakinis ist ein vollständiger Zyklus von Lehren. Auf der äußeren Ebene rankt es sich um den weiblichen Buddha oder Gottheit Yeshe Tsogyal, auf der inneren Ebene um Kurukulle, auf der geheimen Ebene um Simhamukha, der löwenköpfigen Dakini und auf der allergeheimsten Ebene um Tröma Nagmo. In den Begriffen von Ermächtigungen beginnt die Herzessenz der Dakinis mit der Vasenermächtigung und der entsprechenden Praxis der Erzeugungsphase der Meditation. Die zweite Ermächtigung, die die geheime Ermächtigung ist, korrespondiert mit den Übungen der Kanäle und Windenergien, die dritte Ermächtigung, die die Ermächtigung der vortrefflichen Einsicht und Weisheit ist, korrespondiert mit den Übungen des Pfades der geschickten Mittel und die vierte Ermächtigung, die die kostbare Wortermächtigung genannt wird, entspricht dem Pfad der Großen Vollkommenheit – Dzogchen, sowohl dem Durchtrennen (Trekchö) und dem Durchspringen (Tögal). Die Herzessenz der Dakinis beinhaltet alle diese Gottheiten, Ermächtigungen und Übungen. Und unter all diesen, die wir in diesem Text haben, sind die grundlegenden Übungen oder wörtlich aus dem Tibetischen, die vorangehenden Übungen, die sozusagen der erste Schritt auf diesem Pfad sind. Jeder beginnt hier.“ sagt Lama Tharchin Rinpoche über den Stufenweg und die Bedeutung des Khandro Thugthig.

Der Syllabus der Herzessenz der Dakini

Der Zyklus des Khandro Thugthig umfasst die drei Ebenen des Mahayoga, Anuyoga und Atiyoga. Auf der Ebene des Mahayoga gibt es auf der ersten Stufe die grundlegenden Übungen (Ngondro), die Anweisungen zum Ngondro, die Anrufung an die Überlieferungslinie, dann die kurze Sadhanas der Yeshe Tsogyal (äußere), Kurukulle (innere), Simhamukha (geheime) und die Thröma Nagmo (allergeheimste). Schließlich findet sich noch die Sadhana der Vajra Varahi – der Dakini mit dem Saukopf – als Meditationsgottheit in diesem Zyklus. Weiters umfasst diese erste Stufe der Mahayoga-Ebene noch die Praxis des Durchtrennens (Chöd) sowie die kurze Festopferung (Ganachakra) und Wunschgebete.
Die zweite Stufe des Mahayoga beinhaltet die Ermächtigung in die Yeshe Tsogyal sowie die Langlebenermächtigung; zusätzlich gibt es noch eine Torma-Einweihung in die löwenköpfige Dakini – in die Simhamukha. Neben einer längeren Linienanrufung gibt es die lange Sadhana auf Yeshe Tsogyal als Yidam und die Langlebenspraxis. Dafür finden sich im Zyklus auch Anweisungen zur Yidam-Praxis und das Handbuch zur Meditation der zwei Phasen (kyerim und dzogrim). Schließlich sind auf dieser Ebene noch die Praxis des Phowa – der Bewusstseinsübertragung zum Zeitpunkt des Todes, sowie eine kurze Schützerpraxis und die Torma-Opferung an Mamo Ekajati, der Mantra-Schützerin dieses Zyklus. Neben mehreren Feuer-Pujas und ergänzenden Gebeten zum Festopfer ist auch die Praxis der Selbsteinweihung (dagjug) hier enthalten. Generell verläuft die Praxis so, dass man nach dem abgeschlossenen Ngondro und den kürzeren Dakini-Sadhanas das Phowa praktiziert, dann die Yidam-Praxis und diese auch mit einer Feuer-Puja abschließt.
Auf der dritten Stufe der Mahayoga-Ebene sind verschiedene Liturgien der Aktivitätsrituale, wie z.B. zur Beseitigung von Verunreinigungen, Reinigung und Waschung von Verfehlungen, zum Abwenden von negativen Kräften, zur Segnung und zur Weihe, zur Begleitung von Verstorbenen, zum Erlösen der Lebensgeister, zum Abwenden des Todes und der Bitte um festes Verweilen des Lamas – eine Langlebenspraxis für den Lehrer, Ten Zhug genannt. Weiters gibt es dann noch auf einer vierten Stufe der Mahayoga-Ebene Praktiken zum Herstellen von Schatzvasen und zum Befrieden von Störungen, verschiedene Aktivitätspraktiken (friedvoll, vermehrend), zum Zubereiten von Medizinpillen (Amrita) und zum Wachstum von Pflanzen.
Die Ebene des Anuyoga umfasst die sechs Yogas der inneren Hitze (gTummo oder chandali), den Illusionskörper (gyud lu), Traumyoga (milam), Klar-Licht (ösel), Bewusstseinsübertragung (phowa) und den Yoga für den Zwischenzustand (bardo). Dies gliedert sich in die Anweisungen der yogischen Erahrung und in das Handbuch für die Meditation der zwei Phasen. Weiters findet man noch Kernanweisungen für die Mudra-Praxis.
Die Ebene des Atiyoga besteht aus den Praktiken des Durchtrennens (trekchö) und Durchspringens (tögal). Dafür findet sich im Zyklus das Handbuch zur Meditation der zwei Phasen.

Der zweite Teil über die Annäherung und Praxis sowie Ansammlung und Vollendung des Khandro Thugthig folgt.

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