Verfasst von: Enrico Kosmus | 3. Juli 2014

Chime Sogthig – ein langes Leben zum Wohle der Wesen

ChimeSogthig_MandalaPraxis des langen Lebens

Chime Sogthig – die Praxis der unsterblichen Lebensessenz – ist eine Langlebenspraxis, die auf Amitayus und seiner Gefährtin Chandali beruht. Diese Praxis wurde von Zilnön Namkha Dorje im Jahre 1904 entdeckt und wurde durch Dudjom Rinpoche, der der vorhergesagte Linienhalter war, zur primären Langlebenspraxis in der Linie des Dudjom Tersar.

Chime Sogthig – Inhalt

Die Praxis des Chime Sogthig enthält viele Texte und Praktiken. Darunter befinden sich Werke, die von Zilnön Namkha Dorje, wie auch vom Karmapa Khakhyab Dorje und von Dudjom Rinpoche Jigdral Yeshe Dorje geschrieben wurden. Zilnön Namkha Dorje schrieb eine kurze, tägliche Sadhana und eine ausführliche Version davon. Vom Karmapa Khakhyab Dorje stammt ein Liniengebet, die Handbuch für die Einweihung, ein Kangwa – ein Gebet zur Zufriedenstellung, eine Schützerpraxis und ein paar ergänzenden Texte. Dudjom Rinpoche verfasst auch ein Handbuch für die Ermächtigung, einen Kommentar zur Praxis, das Handbuch für das Hauptritual, welches beim Drubchen verwendet wird, zwei Rezitationen zur Zufriedenstellung, ein Nektaropfer und ergänzende Texte, wie das Täuschen des Todes und eine kurze Anweisung für Trulkhor – die gymnastischen Übungen – und die Praxis der inneren Hitze.

Nutzen der Praxis

Manche fragen sich vielleicht, welchen Wert solch eine Praxis darstellt. Shenphen Dawa Rinpoche – ein Sohn Dudjoms – beschreibt dies folgendermaßen: „Durch die Lehre des Chime Sogthig gelangen wir zu einem Verständnis, dass das Vermehren des Lebens tatsächlich bedeutet, die Gelegenheiten Erleuchtung zu erlangen zu vermehren und von einem größeren Nutzen für alle Wesen zu sein, was sich in einem längeren und blühenden Leben zeigt. Da Leben für jedes fühlende Wesen kostbar ist, erklären die Lehren über Chime Sogthig die Natur der Langlebigkeit und wie man Leben zum Vorteil eines positiven Karmas ausdehnen kann. Es ist von enormer Wichtigkeit, dass alle Praktizierenden lernen, ihr Leben auszudehnen, um Erleuchtung zu erlangen und anderen zu nützen. Es ist wichtig, die Kostbarkeit dieses menschlichen Lebens zu verstehen und es nicht für selbstverständlich zu nehmen.“
Gyatrul Rinpoche meint: „Die Maratika-Höhle der Langlebenspraxis ist ein Kraftplatz in Nepal. Über Jahrhunderte hinweg haben viele, viele Praktizierende dort ihre Langlebenspraxis gemacht. Es ist sehr schwierig, sich auf die Reise zu machen, wenn man nicht in der Lage ist für einige Tage im Himalaya zu wandern. Aber sogar heute gehen viele Pilger dorthin. Dudjom Rinpoche selbst flog mit einem Helikopter für die Langlebenspraxis zur Maratika-Höhle. Er blieb nur für drei Stunden dort, um Chime Sogthig zu praktizieren, aber später sagte er, dass diese drei Stunden sein Leben um zehn Jahre verlängert haben.“

Entstehung des Termas

Guru Rinpoche empfing die Praxis direkt in Nepal von Amitayus. Gyatrul Rinpoche erzählt: „Chime Sogthig stammt aus einer Zeit, als Guru Rinpoche mit seiner indischen Gefährtin Mandarava nach Nepal reiste, um Unsterblichkeit zu verwirklichen. Sie gingen in die Höhle hinauf oben in den Bergen Nepals, in die berühmte Maraitka-Höhle. In der Höhle dort praktizierten sie drei Jahre lang Chime Sogthig. Nach drei Jahren erlangten sie Unsterblichkeit, gingen über den Tod hinaus. Die Praxis ist sehr, sehr tiefgründig. Während Guru Rinpoche und Mandarava in der Höhle praktizierten, kam Buddha Amitayus – der Buddha des langen Lebens – wirklich vorbei und gab ihnen direkt die Ermächtigung, Übertragung und die Lehren. Die Unmittelbarkeit seiner Präsenz war als ob man Wasser aus einer vollen in eine leere Vase schüttet. Es war kein Traum. Nach drei Jahren im Retreat und des Praktizierens der Langlebensmethoden in der Höhle erlangten beide – Guru Rinpoche (Padmasambhava) und seine Gefährtin Mandarava – den Zustand des Buddha Amitayus, nämlich die Unsterblichkeit. Sie verließen den Kreislauf der Existenzen durch die Kraft der Praxis und wurden vollständig erleuchtet.
Als Guru Rinpoche nach Tibet reiste, nahm er die Schriften dieser Lehren, die ihm Amitayus gegeben hatte, mit sich. In Tibet beschloss er dann, diese Lehren als Terma zu verbergen und prophezeite die Zeit ihrer Offenbarung und die Einzelheiten, die diese Enthüllung umgeben. Er gab zwei seiner Hauptschüler, die zu den 25 ursprünglichen Schülern zählten, die volle Übertragung. Einer war Vairocana und der andere war Nanam Dorje Dudjom. Danach wurden die Termas physisch wie auch im Geist der Schüler verborgen.“

Offenbarung des Termas

In Bhutan wurden sie dann von Zilnön Namkha Dorje gehoben. Wie Gyatrul Rinpoche sagt: „Später dann am Ende des 19. Jhdt. wurden diese beiden Schüler – Vairocana und Nanam Dorje Dudjom – in der Gestalt des einen Lamas Zilnön Namkha Dorje wiedergeboren, der ein großer Schatzfinder (Tertön) war. Zilnön Namkha Dorje ging nach Bhutan, um in der Höhle der Yeshe Tsogyal zu praktizieren, wo er später diesen ‚Sater’ (Erdschatz) fand, indem er ihn hinter einem Felsen in der Höhle hervorzog. Das wurde nicht im Geheimen gemacht, sondern war vielmehr ein öffentlicher Schatz. Das bedeutet, dass er in Gegenwart von vielen hunderten Leuten gehoben wurde. Alle diese Leute kamen, um Zeuge dieser Offenbarung zu sein, bei der zu dieser Zeit Regenbögen am Himmel erschienen, der Klang von brüllenden Drachen im ganzen Raum ertönte und andere Wunder geschahen.“

Verbreitung des Termas

In Tibet wurde diese Praxis dann vom Karmapa Khakhyab Dorje verbreitet. Ein weiterer vorgesagter Linienhalter des Chime Sogthig war Karmapa Khakhyab Dorje, der die Übertragung von Zilnön Namkha Dorje um 1910 empfing und der eine Anzahl von Texten zu dieser Praxis schrieb.
Diese Übertragung wurde an Dudjom Rinpoche, dem Besitzer des Termas, weitergegeben. Gyatrul Rinpoche erzählt dazu: „Seit seiner Entdeckung am Ende des 19. Jhdt. bis 1924 hielt Zilnön Namkha Dorje das Terma für viele Jahre lang geheim, so wie es in der Prophezeiung des Termas vorhergesagt worden war. Darin war auch vermerkt, dass die Praxis dazu gedacht war, erstmals nur dem Terma-Chödag zu enthüllen, welcher Dudjom Rinpoche war und in seinen ersten 25 Jahre, im Jahre 1924, wurde das Jahr des Zusammentreffens von Tertön und Terma-Chödag prophezeit.
Wie vorhergesagt, gewährte Zilnön Namkha Dorje im Jahre 1924 Dudjom Rinpoche alle Ermächtigungen, Übertragungen und Lehren des Chime Sogthig und beauftragte ihn mit der Verbreitung und der Ermächtigung dieser Lehren. Dann noch hielt Dudjom Rinpoche die Praxis für viele Jahre geheim, besonders vor der Mehrheit der Laien oder gewöhnlichen Leute. Der Chime Sogthig wurde nur gelegentlich an Lamas und starke Praktizierende übertragen, um die Reinheit und Tiefgründigkeit des Segens sicherzustellen. Während des letzten Abschnitts seines Lebens begann Dudjom Rinpoche die Übertragung des Chime Sogthig mehrmals öffentlich zu geben und viele seiner Schüler praktizierten Chime Sogthig, um Gesundheit und langes Leben für Dudjom Rinpoche selbst zu sichern.“

Zentrale Langlebenspraxis im Dudjom Tersar

Nach dem Dahinscheiden von Dudjom Rinpoche haben viele Linienhalter des Dudjom Tersar intensiv über Chime Sogthig gelehrt. Shenphen Dawa Rinpoche, ein Sohn von Dudjom Rinpoche, hat dies in seinen Zentren in den USA getan und Gyatrul Rinpoche machte dasselbe in seinen Zentren. Erzählungen berichten, dass Sangyum Rigdzin Wangmo viele Male Gyatrul Rinpoche angewiesen hat, geschlossene Retreats mit Schwerpunkt auf Chime Sogthig zu machen, um sein eigenes Leben zu verlängern. Heute ist die Praxis des Chime Sogthig die primäre Langlebenspraxis für die Anhänger des Dudjom Tersar geworden, aber seine Übertragung ist noch immer äußerst selten zu empfangen.

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