Verfasst von: Enrico Kosmus | 24. September 2014

Wesenheiten im Chöd

machig„Jetzt werde ich den Gegenstand der Sadags usw. in zwei Teilen jeweils lehren. Zuerst einmal die Sadag (Erdherrscher oder Erdeigner) im Allgemeinen und im Speziellen. Allgemein sind die sogenannten Sadags ‚toche‘ (lto phye, „Gürtelkriecher“). Die Toche glauben, dass eine bestimmte Gegend der Erde ihr eigener Körper ist und greifen danach als ihr Selbst. Wenn jemand anders so viel wie das Stück eines kleinen Fingers davon verwendet, dann glauben sie, dass ihr eigener Körper in Stücke geschnitten wird. Der ganze Boden wird von diesen Toche eindeutig besessen, daher sind die Sadags des Bodens im Allgemeinen die Toches. Auf den Toches aufbauend sind dann die speziellen [Sadags] jene, die nach der Herrschaft über eine bestimmte Gegend greifen. [Beispielsweise] Pakgo, Lakpa, Bhadra und Tese sind vier spezielle Gegenden des Bodens, von denen jede von einem bestimmten Sadag ‚besessen‘ wird. Sie haben auch viele Begleiter und diese werden auch Sadags genannt.
„Shidags (Land/Bodenherrscher oder –eigner) gibt es auch in zwei Teilen, allgemeine und spezielle. Allgemein ist Shidag eine Bezeichnung dafür, was Erdgöttin genannt wird. Erlangt man Kontrolle über die Gegend des Bodens, die der Körper eines Toche ist, verweilen die Shidag untrennbar mit diesem Boden als Unterstützung. Es ist die Göttin, die spontan aus der Natur der Erde entsteht. Sie ist die Anführerin oder Herrscherin des Sadag von Pakgo usw. und alle vorkommenden Geister (byung po), die sich in anderen Boden, Bergen und Abhängen aufhalten. Also ist der Eigner oder die Herrscherin des Shidag im Allgemeinen die Erdgöttin. Der spezielle Shidag ist einfach ein allgemeiner Name, der jenen Individuen gegeben wird, einschließlich des Gefolges der Erdgöttin, die sich speziellen Orten aufhält.
„Yuldag (Landherrscher) gibt es sowohl allgemein wie auch speziell. Im Allgemeinen beziehen sich Yuldag darauf, wer der Ortsschützer (zodor) einer allgemeinen Gegend oder eines Geburtslandes ist, das einen individuellen Namen hat, wie Indien, China, Mongolei, Jang, Bhutan, Nepal, Khotan, Persien, Shangshung, Mustang, Mangey und Tibet. Wer immer der Anführer der Besitzer eines einzelnen großen Landes ist, wird im Besonderen Yuldag genannt.
„Nun zu den Naydag (Herrscher der heiligen Plätze), da gibt es zwei Arten von Nay (gnas; eine heiliger Ort oder Kraftort), allgemeine und spezielle und auch zwei Arten von Naydag, allgemeine und spezielle. Im Allgemeinen ist mit heiligem Ort der Boden oder ein Schneeberg, ein Bergabhang, ein Fluss, ein Baum oder sonst etwas gemeint, wo günstige Verbindungen zusammenkommen, wie eine Form, Farbe und die Quintessenz der Lebenskraft, [um einen Ort zu schaffen], der mit vielen Eigenschaften geschmückt ist und im Besitz weltlicher Macht ist. Das sind Orte, die von Körper, Rede und Geist aller Buddhas und Bodhisattas gesegnet sind. Alle Dakas und Dakinis, die mit der Macht von Körper, Rede und Geist geschmückt sind, versammeln sich dort und bleiben immer dort. Entweder Körper, Rede oder Geist der Siegreichen und ihrer Nachfolger halten sich dort in einer Form oder Gestalt auf, somit wird das als heiliger Ort bezeichnet. Diese Arten von Boden, Abhängen, Flüssen und Bäumen sind zählbar in der Gegend, wo sie existieren. Sie sind Orte, die niemand besitzt, von niemandem zu irgendeinem Zweck geschaffen. Solche Böden usw. sind natürliche, spontane heilige Orte. Sie werden allgemeine heilige Orte genannt.
„Spezielle heilige Orte sind von jemandem zu einem Zweck geschaffen worden. [Das können] Repräsentationen von Körper, Rede und Geist der Buddhas und Bodhisattvas sein, die aus jeder Substanz gemacht sein können, zur Befreiung geformt, graviert oder gezeichnet oder die Häuser mit Dachverzierungen, wo sie aufbewahrt werden oder Paläste die vielfältige und verschiedene Opfergaben beinhalten. Jeder Ort, der durch Segen und Macht geschmückt ist, wird als besonderer heiliger Ort bezeichnet.
„Diese Arten von allgemeinen und besonderen heiligen Orten sind von allen Buddhas und Bodhisattvas gesegnet und die Dakas und Dakinis versammeln sich dort. Die allgemeinen Herrscher dieser äußerst gesegneten Paläste sind die zwölf Tenma und die Kyongma. Diese Tenma und Kyongma umgeben diese Orte des größten Segens und ziehen dort herum, handeln als ihre Besitzer. Sie unterstützen ernsthaften Praktizierenden, die ihre heiligen Gelübde halten. Aber sie können den Atem von den Gelübdebrechern und Nicht-Praktizierenden fortnehmen und sie mit üblen Daseinsweisen verbinden. Solche Tenmas und Kyongmas werden Naydag genannt. Dies sind die allgemeinen Naydag.
„Es gibt zwei Arten von speziellen Naydag: jeder Naydag, der von einem speziellen Ort persönlich Besitz ergreift und sich dort dauerhaft aufhält und jedes Individuum, das vorübergehend von einem heiligen Ort Besitz ergreift. Jene, die sich beständig aufhalten, nehmen sowohl persönlich wie auch individuell einen allgemeinen wie auch speziellen heiligen Ort in Besitz und besetzen dann diesen Ort dauerhaft. Jener Geist, egal unter welchen Namen man ihn kennt, wird als spezieller Naydag bezeichnet, der dauerhaft verweilt. Ein Individuum ist dann ein Naydag, wenn eine Person unsere Dharma-Tradition hält, ein Chöd-Praktizierender, in einem Retreat ist und diesen Ort einnimmt. Diese Person sagt dann dazu ‚mein Ort‘, aber besitzt diesen nur vorübergehend. So bezeichnet man eine einzelne Person als Naydag.
„Drongdag (Stadtherrscher) gibt es in zwei Arten: eingeborene und vorübergehende Statisten. Stadt beschreibt einen Ort, der die Zusammenkunft von Menschen, Vieh und Geister unterstützt oder eine Gemeinschaft von vielen verbundenen Palästen oder Haushalten. Nicht-menschliche Geister, die Besitz von großen Städten durch das Heilsame des Karmas ergreifen und sich dort dauerhaft aufhalten, werden eingeborene Drongdag genannt. Die Vorübergehenden nehmen zwar eine Stadt in Besitz, aber wollen nicht dort bleiben. Sie bewegen sich von einer Ortschaft zu einer anderen Ortschaft, die sie finden können und bleiben für ein paar Tage, einen Monat oder ein paar Monate dort. Sie verursachen verschiedene Probleme, wie Plagen und Seuchen. Diese Geister, die zu allen Zeiten und an allen Orten umherwandern, werden vorübergehende Statisten Drongdag genannt.
„Lernt diese Kategorien kennen. Bewahrt immer eine selbstlose Geisteshaltung, mit euren Bemühungen im Opfern und Darbringen eures Körpers setzt fort, all ihr Schüler.“

aus „Machig’s complete explanations on Chod„.

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Responses

  1. Ein sehr interessanter Blog. Vielen Dank – ich werde hier gerne rumstöbern.


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