Verfasst von: Enrico Kosmus | 1. Oktober 2014

Tara und das Gebet um siebenfachen Schutz (Teil 2)

Bedeutung des Gebets um siebenfachen Schutz

Tara_3„Auf der Ebene der ungeborenen Raumnatur, dort hält sich die verehrungswürdige Mutter, die Gottheit Tara, auf. Sie schenkt allen Lebewesen Glück und so bitte ich sie, dass ich von allen Arten der Furcht bewahrt werden möge.“
Die erste Zeile des Gebets ist eine Anrufung an Tara, die im Dharmadhatu verweilt. Sie ist die Mutter Tara und gibt dem Kind Geburt. Dies ist so zu verstehen, dass die als „große Mutter“ Weisheit bzw. ungeborenes Phänomen bedeutet. Sie ist die vollkommene Weisheit. Und alle Buddhas sind aus der großen ungeborenen Weisheit hervorgegangen. Der ungeborene Dharmadhatu ist die Natur der Leerheit aller Dinge. Dies ist die große Weisheit und Mitgefühl entsteht daraus. Dies ist die Befreiung von Ängsten jeglicher Art. Dies produziert Glück für alle Wesen und beschützt alle fühlenden Wesen vor den Ängsten.
Man kann es auch so verstehen. Die erste Zeile beschreibt die ungeborene Mutter, den Dharmadhatu, den Dharmakaya-Zustand des Buddha. Dies ist der Zustand, aus dem alles entsteht. Aus diesem entsteht der Rupakaya, dies sind Sambhogakaya und Nirmanakaya. Dies ist die zweite Zeile. „Sie schenkt allen fühlenden Wesen Glück“ ist die dritte Zeile und beschreibt den Nirmanakaya. Die vierte Zeile ist die Vereinigung der drei Kayas – „beschützt vor allen Ängsten“. Dies ist die Verkörperung aller drei Zustände.
„Dadurch, dass wir uns nicht als Dharmakaya sehen können, als Wahrheitskörper, ist der Geist der fühlenden Wesen von negativen Gefühlen überwältigt. Alle diese fühlenden Wesen, unsere Mütter, wandern daher im Samsara. Bitte schütze sie, göttliche Mutter.“
Aufgrund von Unwissenheit, Ignoranz, wandern wir im Daseinskreislauf und sind von störenden Gefühlen überwältigt. Und da wir dies nicht erkennen, schaffen wir entsprechend der Ignoranz viele Arten störenden Karmas an. Daher erfolgt die Anrufung ans sie mit der Bitte um Schutz.
„Wenn die Bedeutung des Dharma nicht im Herzen geboren wird, folgen wir nur den Worten (der konventionellen Meinung). Viele sind getäuscht durch Dogmen. Bitte, vollendete Mutter, beschütze sie.“
Wenn die Bedeutung des Dharma nicht im Herzen geboren ist, dann ist dies für die Praktizierenden eine große Gefahr, weil sie dann in den Begriffen hängen bleiben und den Dharma nicht verstehen, wie er ist. Dies trennt einen dann von der Realität, der Wirklichkeit der Belehrungen. Daher muss man die Bedeutung der Worte immer in die Erfahrung bringen.
„Es ist schwer, den eigenen Geist zu verwirklichen. Manche realisieren ihn, aber sie praktizieren nicht entsprechend. Ihr Geist ist mit weltlichen, unheilsamen Aktivitäten beschäftigt und verstrickt. Oh göttliche Mutter, die du die Verkörperung der vollständig erwachten Achtsamkeit bist, beschütze diese.“
Die größte Schwierigkeit ist die Realisation des eigenen Geistes. Die wahre Natur des Geistes ist schwierig zu verwirklichen. Sie ist frei von Ausschmückungen, frei von Objekten und daher für die Wesen schwierig. Obwohl manche durch spirituelle Meister dies erlangt haben, sind sie mit weltlichen Aktivitäten beschäftigt und somit abgelenkt. Daher bittet man Tara um Achtsamkeit. Sie wird hier als Mutter der Achtsamkeit angerufen.
„Die nicht-dualistische Weisheit ist der selbstgeborene Geist. Aufgrund der gewohnheitsmäßigen Anhaftung an Dualität sind einige gefesselt, was immer sie auch tun. Bitte schütze sie, göttliche Mutter, die du die nicht-dualistische Weisheit bist.“
Der selbstgeborene Geist ist frei von Dualität, ist frei von Subjekt und Objekt. Die Wesen, die dies nicht realisieren sind aufgrund ihrer negativen Gewohnheiten, aufgrund ihrer negativen Geisteseindrücke sind sie in Samsara gefangen. Und daher setzten sie positive und negative Taten und kreisen in der zyklischen Existenz. Hier ruft man Tara an und bittet um Schutz vor einer dualistischen Geisteshaltung.
„Einige haften an einem Begriff der Leerheit und meinen, sie hätten schon die absolute Wirklichkeit verstanden, aber verstehen daher nicht die Abhängigkeit von Ursache und Wirkung im Bereich der relativen Wahrheit. Sie sind unwissend über die Bedeutung der Objekte des Wissens. Diejenigen, die irregeführt sind über die Wirklichkeit der Phänomene, allwissende göttliche Mutter, beschütze sie.“
Obwohl manche den letztendlichen Zustand des Geistes erkennen, der frei von Dualität ist, beachten sie nach der Meditation das Gesetz von Ursache und Wirkung nicht mehr. Sie erkennen Ursache und Wirkung nicht. Diese Anrufung hier ist nun eine Bitte um Allwissenheit.
„Die Natur des Raumes ist jenseits aller Begriffe. Nichts ist davon unterschieden. Trotzdem, Praktizierende und Schüler realisieren das nicht. Bitte, beschütze sie, vollkommene Mutter der Buddhas.“
Alle Phänomene sind frei von Ausschmückungen. Sie haben das Merkmal des Raumes. Der Same und das Ergebnis sind nicht verschieden, denn sie stammen aus der Natur des Geistes. Alles was erscheint, was wir wahrnehmen, kommt aus unserem eigenen Geist. Diese Verszeile ist nun eine Bitte, dies zu verstehen.

Dies war die wörtliche Erklärung des Gebets. Aber Rangdrol Dorje hat gebeten, diese Belehrungen auf der Ebene der Mahamudra zu geben. Diesem wird Rinpoche nun gerne nachkommen. Somit folgt jetzt nun die Erklärung in Bezug auf Mahamudra. Fortsetzung folgt!


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