Verfasst von: Enrico Kosmus | 5. Oktober 2014

Tara und das Gebet um siebenfachen Schutz (Teil 3)

Tara_grün_2Mahamudra-Belehrungen

Der erste Vers ist die Basis-Mahamudra. Jede letzte Zeile der sieben Verse lautet. „…bitte beschütze mich…“ Da bittet man um Schutz. Normalerweise unterscheidet man zwischen Subjekt und Objekt. Jemand anderes soll mich beschützen. Da draußen ist einer, der dies tut. Im Falle der Mahamudra beschützt man sich aber selbst, wenn man die eigene Geistesnatur verwirklicht hat. Die eigene Realisation ist der Schutz vor den Ängsten.
Der Grundzustand von Mahamudra ist frei von Ausschmückungen, ist ungeboren. Dies ist der ungeborene Dharmadhatu, die Einheit von Leerheit und Klarheit, der als Mutter Tara erscheint. Im Grundzustand– dem Basis-Mahamudra – gibt es kein Samsara oder Nirvana. Wir wandern nur wegen unserer Unwissenheit in Samsara umher. Ein nicht-verblendeter Geist führt zur Verwirklichung der Mahamudra, während ein verblendeter, getäuschter Geist zu Samsara führt.
Der zweite Vers erklärt die wahre Ursache für das Wandern in Samsara. Nämlich weil man sich selbst nicht als Dharmakaya erkennt, wandert man in Samsara.
Der dritte Vers erklärt wie Mahamudra zu verwirklichen ist. Wenn die Wesen Mahamudra verwirklichen wollen, dann müssen sie sich auf einen Lehrer und nicht auf Worte stützen. Man soll sich nicht auf die Worthülsen und Begriffe stützen. Nur ein Lehrer kann die Bedeutung der Worte und Begriffe darlegen.
Der vierte Vers erklärt die vier verschiedenen Yogas von Mahamudra: 1) einsgerichtet, 2) frei von Ausschmückung, 3) von einem Geschmack und 4) kein Unterschied zwischen meditativer und nachmeditativer Phase. Hier wird die einsgerichtete Achtsamkeit als Basis der Mahamudra erklärt.
Im fünften Vers wird erklärt, dass man in der einsgerichteten Meditation noch keine Realisation von Mahamudra hat. Da es an Verwirklichung mangelt und man nur eine beispielhafte Situation kennt, ist immer noch ein Geschmack von Dualität da. Auch wenn man schon die zweite Stufe der Meditation von Mahamudra – frei von Ausschmückungen – erklommen hat, ist noch immer ein Gefühl von Dualität vorhanden. In der Meditation mag der dualistische Geist beendet sein, aber wenn man sich aus der Meditation erhebt, besteht noch immer die Gewohnheit der Dualität und dies führt zu einem Greifen und Haften und dadurch ist man in Samsara gefangen.
Der sechste Vers bezieht sich auf die dritte Stufe der Meditation von Mahamudra – von einem Geschmack (tib. ro chig). Wenn man auf dieser Ebene aus der Meditation der Mahamudra – von einem Geschmack – sich erhebt, erkennt man die Leerheit aller Dinge, die wechselseitig abhängige Natur der Dinge. Aber da man noch immer nicht die Natur des Geistes verwirklicht hat, und es an Allwissenheit mangelt, spricht man dieses Gebet mit der Bitte um Allwissenheit und damit die Hindernisse vom Geist vertrieben werden.
Der siebte Vers bezieht sich auf die vierte Stufe der Meditation von Mahamudra. Dies ist der Zustand der Nicht-Meditation. Alle Gedanken, die auf Dualität bezogen waren, sind aufgelöst. Es gibt nichts mehr, was abzulehnen oder was zu bevorzugen wäre. Es gibt keinen Unterschied zwischen Meditation und Nicht-Meditation. Dies ist die Einheit frei von Dualität.

Und falls jetzt jemand nach dem Wortlaut des Gebets sucht, hier ist der Link! Dort findet Ihr auch eine mp3-Datei, wenn Ihr es hören wollt.

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