Verfasst von: Enrico Kosmus | 2. Dezember 2014

Samaya – die heilige Verpflichtung

Dudjom Rinpoche FarbeDie Zielsetzung der Samaya ist, den Geist vor dem begrifflichen Greifen nach einem Konzept inhärenter Existenz, einschließlich aller subtilen gewohnheitsmäßigen Neigungen, die durch die drei Tore entstehen, zu beschützen. Die Art des Ausführens der Samaya ist, die geschickte Anwendung der Methode der großen Glückseligkeit und der Weisheit der Leerheit beizubehalten. Die Samaya hängen von der empfangenen Ermächtigung ab, zu welcher Zeit die anfängliche Praxisdisziplin empfangen wird. Das Beibehalten des ursprünglichen Weisheitsgewahrseins während den glückseligen Erfahrungen des Blickens, Lachens, Zusammenlegen der Hände und der Vereinigung wird entsprechend der vier jeweiligen tantrischen Unterscheidungen gelehrt.[1]

Äußere und innere Tantra-Klassen

Die Abschnitte des Kriya, Upa, Yoga und Anuttara Yoga haben alle ihre jeweiligen Aufzählungen der vierzehn Wurzelverfehlungen, die im Sri Kalacakra-Tantra ausführlich ausgeführt werden. Kurzum die vierzehn Wurzel-Samaya des Kriyatantra sind folgende: Vertrauen in die Drei Juwelen, Vertrauen in Mantra, Achtung für das Mahayana, Respekt für den Lama und die Vajra-Familie, niemals eine andere weltliche oder Weisheitsgottheit verachten, zu den entsprechenden Zeiten der eigenen Gottheit Opfergaben darbringen, nichts anderen Traditionen opfern, ungeladenen Gästen Opfergaben darbringen, niemals Liebe aufgeben, sich anstrengen, das Wohl anderer zu verwirklichen, Ausdauer in der Mantra-Rezitation, alle Samaya entsprechend der eigenen Fähigkeit einhalten, ungeeigneten Empfängern keine geheimen Mantra-Belehrungen geben und die eigenen Samaya behüten und ihre Bedeutung realisieren. Wenn jemand gegen diese vierzehn handelt, dann werden diese zu Wurzelverfehlungen.
Im Upatantra sind die vierzehn Wurzel-Samaya das Aufgeben der zehn Unheilsamen und die vier Wurzeln. Die vier Wurzeln sind das Zurückweisen des Dharma, das Zurückweisen von Bodhicitta, ein Mangel an Großzügigkeit aufgrund von Geiz und andere fühlende Wesen zu schädigen. Im Yogatantra korrespondieren die Samaya mit den fünf Buddha-Familien. Die Samaya der Buddha-Familien sind die drei Gelübde der Zuflucht. Jene der Vajra-Familie sind, sich nicht von Vajra, Glocke, Mudra und Vajra-Meister zu trennen. Jene der Ratna-Familie sind, niemals die vier Großzügigkeiten aufgeben: das Geben von Liebe, materieller Hilfe, Schutz vor Furcht und den Dharma. Jene der Padma-Familie sind das Einhalten des Dharma in seiner Gesamtheit. Jene der Karma-Familie sind das Einhalten aller Gelübde und Samaya, die Empfangen wurden und beständig Opfergaben darbringen. Sich im Training und dem Einhalten dieser vierzehn anzustrengen, ist das Aufrechthalten des Samaya, der Samaya. Einem davon entgegenzuhandeln ist das Begehen einer Wurzelverfehlung. […]

Nach der Ermächtigung

Nach dem Erhalten der Samaya eines Geheimen Mantra Vidyadhara muss der Schüler ganz klar unterscheiden, was anzunehmen und zurückzuweisen ist. Einfach die Mantra-Samaya nur zu empfangen, ist nicht ausreichend. Danach muss man den Geist vor jeglichem Verfall behüten. Das ganze Vajrayana-Training ist abhängig von der Reinheit der Samaya. Wenn man gestattet, dass sie verfallen, wird das ganze weitere Training sinnlos. Als ein Beispiel, wenn die Lebenskraft von einem verloren geht, dann erleiden alle andere Organe Funktionsstörungen. Die Methoden für das Behüten der Samaya sind für den eigenen Erfolg und die Entwicklung auf dem Mantra-Pfad entscheidend.

Samaya – Basis der Verwirklichung

Entsprechend dem Sri Kalacakra-Tantra ist die Grundlage für das gesamte Mantra-Training die Praxis der fünfundzwanzig ungewöhnlichen Samaya des Vajrasattva. […] Die relative Erklärung dieser Samaya ist allgemein, wohingegen das spezielle, endgültige Verständnis außergewöhnlich ist. Hier wird eine starke grundsätzliche Betonung auf das Training im strebenden und tätigen Bodhicitta gelegt, sowie auf die drei Sittlichkeiten, die die allgemeinen Mahayana-Praktiken sind, daher qualifiziert sie das als allgemein. Obwohl alle Halter des Vajrayana alle Samaya der fünf Buddha-Familien einhalten müssen, ist es besonders wichtig, die Samaya der Familie der erwählten Meditationsgottheit speziell zu beachten.
Kurzum, alle diese Samaya müssen in der Reihenfolge ausgeführt werden, wie sie gegeben wurden. Zuerst muss man die fünfundzwanzig Samaya, die mit der ungewöhnlichen Aktivität korrespondieren einhalten und sich darauf verlassen. Die ersten fünf Samaya korrespondieren mit dem Verzicht, anderen zu schaden. Die letzten fünf korrespondieren damit, nicht an den Objekten der Sinnesfelder anzuhaften, die als die Ursache für das Entwickeln der Täuschung bekannt sind. Das sind die äußeren Merkmale, die in den drei äußeren tantrischen Schulen des Kriya, Upa und Yogatantra praktiziert werden. Dann in Abhängigkeit von diesen allgemeinen Samayan werden die speziellen Samaya des Anuttarayoga ergriffen. Hier beginnt man mit der Praxis des Einhaltens des besonders außergewöhnlichen Samaya der fünf Familien. Die zwei Unterschiede des Relativen und des Absoluten zu verstehen, ist speziell für die Tradition der unübertrefflich geheimen Fahrzeuge.
Damit alle Wesen mit der karmischen Verwandtschaft diese Praxisstufen ohne dem Leiden eines beschädigten Samaya ausführen können, werden sie auf den Pfad entsprechend der Stufe, die sie ausführen können, geführt.

[1] Diese vier Stufen korrespondieren mit der inneren Praxis der Erzeugung der Gottheit, die gemäß dem Kriya, Upa, Yoga und Anuttara praktiziert wird. Die Kriya-Praxis korrespondiert mit dem „Blicken“, Upa mit dem „Lächeln“, Yoga mit dem „Zusammenlegen der Hände“ und Anuttara mit der „Vereinigung“. Für weitere Informationen muss man Ermächtigung, Bevollmächtigung und mündliche Anweisungen empfangen.

Dieser Text ist eine Zusammenstellung entnommen aus einem Kommentar von Dudjom Rinpoche, Jigdral Yeshe Dorje und wurde zum besseren Verständnis von Samaya vom Ngak’chang Rangdrol Dorje übersetzt. Möge es von Nutzen sein!


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