Verfasst von: Enrico Kosmus | 15. Dezember 2014

Rede – Tatsachen und Wahrsagungen

Flut 2aDen Tatsachen ins Auge sehen

Ein Problem bleibt hier solange bestehen, bis jemand auf einer tieferliegenden Ebene fähig ist, eine korrekte Beschreibung (= Wahrheit) der Lebenserfahrung zu formulieren und auszudrücken.
Beispielsweise machen auf Kinder Drohungen wie ”Wenn Du nicht sofort still bist, fliegst Du aus dem Fenster” kaum einen Eindruck. Man sieht gewöhnlich auch kaum Kinder aus dem Fenster fliegen. In Beziehungskrisen werden im allgemeinen auch gerne Zuschreibungen wie ”Du kontrollierst mich” oder ”Du schränkst mich ein” etc. verwendet. Führen diese Aussagen weiter zu einem Streit, ist man mit größter Wahrscheinlichkeit auf einer oberflächlichen Ebene des Konflikts.
Gelingt es einem auf eine tiefere Stufe vorzudringen, wandeln sich die Beschreibungen der Welt und somit entsteht eine andere Wirklichkeit. Die Verschiebung der Aufmerksamkeit von der externen Person auf die interne, d.h. von Du-Zuschreibungen hin zu Ich-Aussagen, bewirkt eine Klärung der Kompetenzen. Indem bestimmte Verantwortlichkeiten zurückgenommen oder neu verteilt werden, entsteht eine neue Sicht der Grenzen und Handlungsspielräume der Individuen.

Übung: Wahr ist …

Kommunizieren Sie mit einem Menschen 5 Minuten lang ausschließlich über Dinge, die von beiden nicht widerlegt werden können. Dabei kann es sich um simple oder auch tiefgründige Wahrheiten handeln. ”Ich stehe auf beiden Beinen” oder ”Die Sonne scheint” bis hinein in den familiären Bereich.
Nennen Sie so viele Dinge wie mögliche, die so wahr sind, dass man sich nicht darüber streiten kann.

Wahr sagen

Wenn jemand etwas Wahres spricht, tätig er eine Aussage über eine tatsächlichen Vorgang des Da-Seins. Naja, zumindest darüber, was diese Person selbst wahrnimmt, bar jedes Ersinnens. Diese Aussage gibt Grundgefühle ohne Vorwurf oder Rechtfertigung wieder. Zu diesen Basisemotionen zählen Angst, Wut, Trauer, Freude, Liebe etc. Aber auch Scham, Schuld und Erregung fallen in diese Kategorie. Bringt ein Mensch diese Grundgefühle zum Ausdruck, lösen sich auch die damit verbundenen Schwierigkeiten.
Mit einer Aussage der Wahrheit beschreibt jemand auch die Qualität eines Gefühls. Die Ganzheit des Wesens kann erreicht werden, wenn jemand seine Gefühle nach qualitativen Gesichtspunkten unterscheiden und formulieren kann.
Durch eine wahre Aussage wird auch die genaue Art einer Empfindung beschrieben. Gerade wenn jemand laufend von psychosomatischen Problemen gepeinigt ist, kann er sich durch die Erkenntnis der dahinterliegenden emotionalen Qualität und deren verbalen Ausdruck von ihr befreien.

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Responses

  1. ah^^ du entdeckst also gerade dein bedürfnis nach sicherheit hinter dem gedanken der verwunderung 😉
    beißt sich imho nur irgendwann mit der frage, „wer hat das bedürfnis nach sicherheit?“ oder eben dem ansatz, erst mal alles vorbei ziehen zu lassen und eben beobachter zu sein. könnte zu problemen führen, wenn die hand noch auf der herdplatte ist 😉

  2. Gewaltfreie Kommunikation (GfK) lässt grüßen 😉

    • gewaltfreie kommunikation…hmmm… ist das nicht von dem, der zu seinen klienten immer sagt: „ich möchte, dass du sagst (oder hineinspürst etc.)…“ und dann schreibt er, wie schwer das den klienten zunächst fällt und wieviel widerwille damit verbunden ist…

      • nene 😉
        gfk ist „ich fühle mich bei deiner antwort sehr verunsichert. wäre es dir möglich, mir das bitte nochmal genauer zu erklären?“
        konkret gehts um das betrachten der eigenen „wahrheit“ und das bedürfnis dahinter – in diesem fiktiven falle sicherheit. dann wird das ganze als offene frage formuliert. dadurch kann man seine hinter den handlungsmustern liegenden motivationen erkennen und dann mit ihnen arbeiten.
        weltlich handeln wir ja eher „was schreibst du da wieder für nen mist.“ – verwechseln immer ursache und wirkung. du kannst ja nix dafür, dass ich dich nicht verstehe oder du nicht meinem weltbild entsprechend schreibst. aber klar bist du dann schuld – anstatt zu sehen „mist, ich verstehe dich wieder nicht“ [als einfacher umkehrschluss]
        eine erkenntnis, warum ich so handle wird mir verwehrt. und der gegenüber schimpft 😉
        [m. rosenberg, der sich das ausgedacht hat, hatte vorher den kurs in wundern praktiziert; das ganze fußt also ein wenig auf dem denkmodell von schuld und projektion als angriffsgedanken auf den gegenüber als rache an gott. {fettes buch, lässt sich nicht in 2 zeilen erklären…}]

        da du von übung sprichst: spiel mal mit beiden gedanken:
        -„dein artikel ist scheisse“
        -„ich verstehe deinen artikel nicht und er verunsichert mich, da ich nicht weiß, was ich genau machen soll. könntest du es mir bitte nochmal genauer erklären“?

        obwohl beide aussagen wahr sind *gg* erzeugen sie doch sehr unterschiedliche emotionen und führen in ganz unterschiedliche richtungen.
        ob die erkenntnis dieses wahren grund-gefühles schon die befreiung ist, würde ich nicht immer unterschreiben wollen. eine vergebung (befreiung) einer emotion löst nicht automatisch die ursache, wenn ich hunger habe und die hand auf der heißen herdplatte ist und ich pleite bin. aber es ist ein anfang 😉

      • ah, ok! danke für die aufklärung. irgendwo hatte ich mein zitiertes beispiel gelesen und mich eben darüber gewundert, was solch eine strategie soll. aber hier durch deine erklärung gibt’s mehr sinn.

      • ich entdeck gar nix. schönen abend!


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