Verfasst von: Enrico Kosmus | 30. Dezember 2014

Achtsamkeit und Wesensstruktur

105 tgk Sakyamuni MF96 KopieDie Struktur des eigenen Wesens

Die Tradition sagt über die Achtsamkeitsmeditation: „Sie ist wie ein scharfes Schwert. Sie schlägt den Knoten der Illusion erbarmungslos entzwei.“ Durch das Gewahrsein des gegenwärtigen Augenblicks ist man in der Lage, sich von den Verstrickungen der Zukunft und Vergangenheit zu befreien. Den mentalen Programmen und Konditionierungen werden durch die Da-Seins-Erfahrung die Energien entzogen. Im folgenden Abschnitt soll eine kurze Einführung in die Achtsamkeitsmeditation gegeben werden.

Übung: Anleitung zur Meditation

Nachdem Sie Ihre Position zur Meditation eingenommen haben, richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf den Atem. Beobachten Sie genau, wie Ihr Atem kommt und geht, ein und aus, das Heben und Senken des Bauches, des Brustkorbs, das Ein- und Ausströmen der Luft aus den Nasenlöchern. Nun beginnen wir mit der Beobachtung der Bewegungen des Geistes.

Betrachtung des Atems und des Körpers

Registrieren Sie bei jedem Atemzug, was Sie wahrnehmen. Benennen Sie alles. Wenn Sie sich zunächst auf Ihren Atem konzentrieren, können Sie dies mit „Atmen, Atmen, Atmen“ bezeichnen. Halten Sie jedoch nicht nach einem bestimmten Rhythmus, nach bestimmten Empfindungen oder Visionen, Bilder, Gedanken oder Gefühlen Ausschau.
Beobachten Sie sanft Ihren Atem. Wie fühlt er sich an? Ist er klar oder undeutlich? Nehmen Sie ihn rauh oder sanft wahr? Ist er kurz oder lang, entspannt oder verkrampft? Registrieren Sie sorgfältig die verschiedenen Nuancen Ihres Atems.

Benennen

Während einer Meditationsübung ist es ganz natürlich, dass auch Geräusche von uns wahrgenommen werden. Registrieren Sie dann „hören, hören, hören“. Lenken Sie die Aufmerksamkeit auf das Gewahrsein des Geräusches, aber lassen Sie dabei das Gegenständliche weg; keine Gedanken, ob diese Geräusche von einem Auto, Telefon, Wind, Tier etc. hervorgerufen wurden. Bleiben Sie einfach bei der Klangwahrnehmung. Versuchen Sie den Unterschied zwischen dem Konzept – der „Gegenständlichkeit“ – eines Geräusches und der direkten Wahrnehmung zu erfahren.

Achtsamkeit erneuern

Wenn Ihr Geist abschweift, wenn Sie inneren Bildern nachhängen, dann registrieren Sie einfach dies mit „wandern, wandern, wandern“ und kehren wieder zu Ihrem Atem als Meditationsobjekt zurück.

Betrachtung der Gefühle, Empfindungen

Aber auch Körpergefühle können ins Zentrum Ihres Gewahrseins treten. Dies ist nichts Ungewöhnliches, da die Ungeübtheit zu Beginn oft auch Schmerzen in den Knien oder im Rücken hervorruft. Nach einiger Zeit der Übung vergehen diese allerdings. Versuchen Sie auch diese Empfindungen achtsam wahrzunehmen. Es können sich jedoch auch angenehme Wahrnehmungen einstellen. Registrieren Sie alle diese Empfindungen.
Beobachten Sie auch ganz genau, wie die Empfindungen entstehen, aufleben und wieder vergehen. Registrieren Sie auch genau deren Bewegungen.

Betrachtung der Geisteszustände

In weiterer Folge registrieren Sie auch alle Ihre Bewegungen des Geistes. Wenn Ruhelosigkeit, Aversion, Zweifel, schmerzhafte Gefühle oder ähnliches auftauchen, beobachten Sie diese achtsam und registrieren Sie sie. Wenn Gedanken auftauchen, beobachten und registrieren Sie sie. Wenn innere Bilder auftauchen, beobachten und registrieren Sie sie.
Sobald Sie merken, daß ein bestimmter Geisteszustand, eine Stimmung, eine Empfindung den Geist erfüllt, registrieren Sie den jeweiligen Zustand, damit Sie sich nicht darin verlieren. Diese Geisteszustände entstehen und vergehen wie alle anderen Objekte des Geistes. Sie sind nicht „Ich“, nicht Sie selbst, nicht das Selbst, sie gehören niemandem.

Betrachtung der Phänomene

Außer dem Atem, körperlichen Empfindungen, sinnlichen Erfahrungen, Gedanken, inneren Bildern, Gefühlen oder Geisteszuständen gibt es noch einen wichtigen Faktor zu registrieren. Das Gewahrsein der unterschiedlichen Absichten des Geistes ist ein wichtiger Bestandteil der Achtsamkeitsmeditation. In der Tradition wird mit Absicht jene geistige Eigenschaft bezeichnet, die einer Aktion unmittelbar vorausgeht.
Ihr Körper bewegt sich nicht allein, Sie sprechen nicht von alleine. Diesen Aktionen geht ein bestimmter Impuls voraus. Achten Sie daher vor jeder Ihrer Aktionen auf die Absicht. Registrieren Sie sie.
Diese Willensimpulse sind sicherlich nicht leicht identifizierbar, denn sie haben im Gegensatz zu Gedanken oder Bildern nichts Gegenständliches an sich.
Besonders wichtig ist dieses Registrieren von solchen Willensimpulsen im Hinblick auf das Ursache-Wirkung-Prinzip.

Absicht ist die Ursache, Bewegung ist die Wirkung.

 

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