Verfasst von: Enrico Kosmus | 10. Januar 2015

Achtsamkeit – 5 Hemmnisse

dralha_2Fünf Hemmnisse

Begierde

Zuerst stellt sich das Begehren nach angenehmen Eindrücken, Gefühlen, Erfahrungen ein. Im Grunde ist nichts falsch am Genießen von angenehmen Situationen, bieten sie uns doch angesichts der Schwierigkeiten im Leben Ruhepausen auf dem Weg. Allerdings verführen sie uns zu einer Haltung des Verhaftens, des Festhaltens. Es entsteht eine „Wenn ich nur hätte“-, „Wenn es nur wäre“-Haltung.
Wir alle kennen diese Gedanken: „Wenn ich nur anders aussehen würde“, „Wenn ich nur die richtige Persönlichkeit hätte“. Diese Gedanken sollen uns weismachen, wenn wir nur genügend Erfahrungen in „unserer Tasche“ hätten, wäre das Leben einfacher und glücklicher. (Als ob man Da-Sein kaufen kann.) Von den Medien, der Gesellschaft wird diese Vorstellung weiter genährt, indem sie uns erklärt, dass wir dies oder jenes tun sollen, damit wir glücklicher sind; möglichst nur nicht den gegenwärtigen Augenblick wahrnehmen.
Diese Haltung fixiert uns aber in Vorstellungen über die Zukunft bzw. lässt uns von vergangenen Ereignissen nicht los. Auch in der Tradition zeigt sich bei Übungen, dass Menschen zu Beginn gerne diese oder jene Erfahrungen hätten, über diese oder jene Techniken oder Mächte verfügen möchten, damit ihr Leben glücklicher wäre. In der Achtsamkeitsmeditation zeigt sich dies auch oft durch die Gedanken „Wenn das Sitzen nur zehn Minuten kürzer wäre“. Die Übung des Sitzens, ein Meditations-Retreat, die Khalwa der Derwische oder auch ein Gefängnis schränken die Wunscherfüllung stark ein. Hier zeigt sich, dass die Stärke eines Wunsches vom Grad des Anhaftens des Geistes abhängig ist.
Das Problem entsteht nicht durch das Objekt der Begierde, sondern durch die Energie, mit der es der Geist festhält. Diese Kraft, die uns unentwegt nach neuen, befriedigenderen Möglichkeiten der Lebensgestaltung suchen lässt, zieht uns permanent aus dem gegenwärtigen Augenblick. Sie lässt uns nicht sein, was wir sind, wie wir sind, wo wir sind.
Die Energie der Begierde hindert uns daran, uns zu öffnen und das Da-Sein bewusst wahrzunehmen, redet sie uns doch immer ein, dass dies nicht genügen könnte.

Aversion

Als zweite hinderliche Energie tritt uns die Aversion in Form von Hass, Wut und Feindseligkeit entgegen. Auf Grund ihrer oft angenehmen Erscheinungen sind Versuchung und Begierde manchmal schwer zu identifizieren. Hass, Wut und Feindseligkeit verursachen Schmerzen, verengen das Herz und sind so leichter auszumachen. Genauso wie durch das erste Hindernis lässt uns auch diese zweite hinderliche Kraft nicht den Augenblick wahrnehmen. „Wenn nur das jetzt nicht wäre“, „Wenn ich nur jetzt nicht sitzen müsste“ sind Gedanken, die uns von der Wirklichkeit abtrennen und uns nicht mit der nötigen Weisheit handeln lassen.
Etwas kleinere Kräfte dieser Kategorie sind Angst, Langeweile und Urteile bilden. Diese entstehen, wenn wir Aspekte des Lebens oder der gegenwärtigen Erfahrung ablehnen.
Wenn wir das Leben in seiner Ganzheit erfahren wollen, dürfen wir auch diese Erfahrungen nicht wegschieben oder uns davon distanzieren. Wir verdrängen dadurch Aspekte des Lebens und ziehen so in die nahtlose Einheit des Daseins eine Dualität ein.

Trägheit

Lethargie, Faulheit, Schwerfälligkeit, Verworrenheit und Schläfrigkeit stellen den dritten Block der Hindernisse dar. Sie machen uns funktionsunfähig und trübe, wie ein stehendes Wasser. Die für den Weg notwendige Klarheit und Wachsamkeit verschwinden.

Ruhelosigkeit

Das Gegenteil dazu stellt Ruhelosigkeit dar. Aufregung, Nervosität, Sorge sind Bestandteile davon. Ergreifen sie Platz, so zeigt sich unser Geist, als ob „eine Horde Affen in den Bäumen turnen würde“. Es fällt uns schwer, still zu sitzen, zuzuhören und achtsam zu sein. In endlosen Schleifen dreht unser Geist seine Runden.

Zweifel

„Should I stay or should I go…“ Zweifel ist vielleicht die am schwersten zu handhabende Energie. Sie zwingt uns zu einem Verhalten, das einem hypnotisierten Kaninchen gleicht. Die eigene Person, die Fähigkeiten, der Lehrer und auch der Weg werden grundlegend in Frage gestellt.

Welche Möglichkeiten hat man nun, wenn diese hinderlichen Kräfte auftauchen? Wie kann man diese Kräfte transformativ einsetzen? Wie sollen wir nun mit diesen hemmenden Kräften umgehen? Unterdrücken und Bekämpfen von Gefühlen, Empfindungen etc. sind nicht zielführend, da diese Formen der Aversion darstellen. Ebenso ist das Ausagieren nicht empfehlenswert. Durch die Überbetonung wird das vorherrschende Muster noch verstärkt.
Meistens tritt die Begierde als erstes Hindernis auf. Sie äußert sich in der Versuchung nach Bequemlichkeit („Schau, das ist doch viel zu anstrengend. Komm lass uns was anderes machen.“). Steigt man nicht darauf ein, treten Aversionen, Aggressionen der gegenwärtigen Situation gegenüber auf. Danach beginnt eine Phase, in der sich Trägheit und Ruhelosigkeit abwechseln. D.h. man verspürt keine Motivation, sich zu verändern oder den gegenwärtigen Augenblick wahrzunehmen, bzw. man drängt aus dem momentanen Erleben hinaus. Schließlich tritt noch der Zweifel auf den Plan und lässt einen die Sinnhaftigkeit allgemein in Frage stellen.

Dranbleiben, das nächste Mal gibt’s eine Übung dazu!

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