Verfasst von: Enrico Kosmus | 24. Januar 2015

Namchö – der Himmels-Dharma

AmitabhaDie hier dargestellten Belehrungen gehören zur Namchö-Linie. Das Wort „Nam“ bedeutet „Raum“ und „chö“ bedeutet „Dharma“ – Dharma des Raumes. Weil es Termas sind, sind sie auch als „Himmelsschatz“ bekannt. Sie wurden vom großen Schatzfinder, Tulku Mingyur Dorje, entdeckt, einem berühmten Nirmanakaya-Wesen, der im 17. Jahrhundert in Tibet lebte. Er erhielt diese Schätze vom Dharmakaya, der Sphäre der Wahrheit und offenbarte sie dieser Welt. Sie werden „Raum-Schätze“ genannt, weil sie im Raum verborgen waren und direkt im Geist des Tertön erschienen. Da sie direkt dem Geist des Tertöns offenbart wurden, werden sie ebenfalls „Geist-Schätze“ genannt.
Ebenso ist die Namchö-Linie indirekt ein Teil der Kama-Linie. Weil es ein Terma ist, gehört es eigentlich zur Schatz-Linie. Termas sind „Schätze“, Belehrungen und Praktiken, die verboren wurden, um in späterer Zeit von einem „Tertön“, einem Schatzfinder, offenbart zu werden. Die neuen Schätze werden „Tersar“ genannt und die alten Schätze „Ternying“. Die Namchö-Termas sind Ternying, alte Schätze, weil sie vor einigen Jahrhunderten gehoben wurden.

Ngöndro – vorbereitende Übungen

Diese spezielle Belehrung des Ngöndro – der vorbereitenden Übungen – gehört zur Klasse der tiefgründig geheimen mündlichen Übertragungslinie und ist bekannt als „Die Große Vollendung – der Buddha in der Handfläche.“ Entsprechend der Abstammungslinie „Buddha in der Handfläche“, was ein anderer Name für das Namchö ist, gibt es drei Kommentar zum Ngöndro – den vorbereitenden Übungen: ausführliche, mittlere und kurze. Dies ist der mittlere Kommentar, verfasst vom großen Vidyadhara Kunzang Sherab. Der ausführliche Kommentar wurde von Karma Chagmed Rinpoche geschrieben, dem Lehrer von Migyur Dorje und Kunzang Sherab, und der kurze Kommentar wurde dem Tertön Migyur Dorje direkt gegeben, als er Avalokiteshvara in einer Vision erhielt, eine Erfahrung, die ähnlich dem Treffen zweier gewöhnlicher Leute ist.
Tertön Migyur Dorje erfuhr Avalokiteshvara in einer direkten Vision und empfing Belehrungen, basierend auf seiner Stufe des Gewahrseins. Dies wird eine „Unterweisung basierend auf des Schülers Erfahrung“ genannt. Migyur Dorje praktizierte die Belehrungen, die er erhielt und erreichte eine weitere Stufe des Gewahrseins, wo ihm wieder Avalokiteshvara erschien und ihm die nächste Unterweisung gab, basierend auf der Ebene, die er erreicht hatte. Er praktizierte und verwirklichte diese Belehrungen und Avalokiteshvara erschien ihm wieder und gab ihm weitere Unterweisungen, die er ebenfalls praktizierte und vollendete usw. Weil Migyur Dorje die Unterweisungen praktizierte und bestimmte Ebenen des Gewahrseins erlangte, war er karmisch gereift, um die nächste Vision oder Stufe von Belehrungen zu erhalten. Dies ist nicht die Art, wie man gewöhnlich Unterweisungen erhält, sie im Notizbuch niederschreibt und vielleicht trägt der Wind einem den Notizblock fort oder man verliert ihn oder vergisst ihn und denkt nie wieder daran. Dies ist ein stufenweiser Prozess, der von der Erfahrung des Schülers abhängt.

Übertragung basierend auf Erfahrung

Innerhalb der Nyingma-Schule des Vajrayana-Buddhismus werden diese Unterweisungen von der Payul-Linie gehalten. Die Art der Payul-Übertragung ist als „güpa“ – das tibetische Wort für „verrückt“ – bekannt, weil die Lehrer immer zuerst die Unterweisungen geben und die Schüler diese dann verdauen und praktizieren. Nachdem dann wieder eine bestimmte Stufe der Verwirklichung erlangt worden ist, erhalten sie die nächste Unterweisung. Diese Art der Übertragung basiert einzig auf der Erfahrung des Schülers und weitere Übertragungen können nicht ohne die Vorbereitung von Praxis und Realisation. Diese Art der Übertragung ist eigentlich nicht dumm. Wenn man darüber genauer nachdenkt, versteht man, dass dies wirklich klug ist.

Namchö – das Terma des Migyur Dorje

Im Namchö sind alle sechs Abstammungslinien des Dzogchen vertreten. Zuerst ist die Geist-zu-Geist-Linie gegenwärtig, weil alle Belehrungen der ursprünglichen 21 Dzogchen/Atiyoga-Lehrer (alles Emanationen von Kuntuzangpo) vollständig in der essentiellen Bedeutung der Namchö-Übertragung enthalten sind. Die Abstammungslinie der symbolischen Andeutung der Vidyadharas ist gegenwärtig, weil der Tertön Migyur Dorje die Termas durch Zeichen und Symbole direkt von Avalokiteshvara in seinem Sambhogakaya-Aspekt in Visionen erhielt. Er schrieb dann das Terma nieder und gab die Übertragungen, Ermächtigungen, Schriftübertragungen und die geheimen mündlichen Anweisungen. Das letzte macht das Namchö daher zu einem Teil der geheimen mündlichen Übertragungslinie. Weil das Namchö ein Terma ist, ist es ein Teil der Strebenslinie der Termas. Es ist ebenfalls ein Teil der Dakini-Abstammungslinie seit Migyur Dorje die Dzogchen-Übertragungen, vollendenden Praktiken und die geheimen Anweisungen direkt von Yeshe Tsogyal und von Ekadzati, die die Schützerin des geheimen Mantras ist, erhielt. Schließlich da der Tertön Migyur Dorje eine Emanation des Vairochana ebenso des Shudbu Palgyi Senge (einer der 25 Schüler Padmasambhavas) ist, sind seine Offenbarungen ebenso ein Teil der Abstammungslinie der autorisierten Übertragung.

Dargelegt von Gyatrul Rinpoche. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus) damit Praktizierende Vertrauen in diese erhabene Praxis erlangen. Möge es von Nutzen sein! Sarva Mangalam!

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Responses

  1. Danke für diese sehr erhellenden Ausführungen dazu wie ein Tertön „findet“ was er lehrt


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