Verfasst von: Enrico Kosmus | 1. Februar 2015

Namchö – der Schatzfinder Migyur Dorje

palyul-refugeKünzang Sherab war ein Schüler von Migyur Dorje und er begründete die Payul-Tradition. Er lebte zu einer Zeit, als die Nyingma-Tradition in Tibet während der Zeit des Großen Fünften Dalai Lama schon fast ausgestorben war. Zu dieser Zeit herrschten viele Hindernisse gegen die Lehre und durch seine Bemühung wurde die Nyingma-Tradition – zu dieser Zeit hauptsächlich als Kadok-Tradition bekannt – fast vollständig wiederhergestellt. All seine Belehrungen wurden in der Tradition, die „Payul“ genannt wurde, zusammengefasst. Ein Kloster existierte schon zu der Zeit an dem Platz des gegenwärtigen Payul-Klosters, aber vor Kunzang Sherab gab es keine Payul-Tradition. Ein neues Kloster wurde über dem alten gebaut und er wurde gebeten zu kommen und es zu betreuen. Das war der eigentliche Anfang der Payul-Tradition. Karma Chagmed Rinpoche, ein großer Kagyu-Lama, war der Guru sowohl von Migyur Rinpoche wie auch Kunzang Sherab. Kunzang Sherab war der erste Thronhalter, und sein Hauptschüler war Karma Lhündrub Gyatso, der dann der zweite Thronhalter wurde. Karma Lhündrub Gyatsos Hauptschüler wurde der nächste Thronhalter und so weiter. Die Aufeinanderfolge der Thronhalter blieb beständig bis in die heutige Zeit. Seit der Zeit von Kunzang Sherab gab es elf Thronhalter. Der gegenwärtige ist S.H. Penor Rinpoche. (Anm: Da S.H. Penor Rinpoche im Jahre 2009 verstarb, ist nun S.H. Karma Kuchen Rinpoche der zwölfte Thronhalter.)

Tertön Migyur Dorje

Innerhalb der Nyingma-Schule gibt es sechs Traditionen. Zwei davon sind in der so genannten „oberen“ Region von Tibet im zentralen Teil des Landes um Lhasa angesiedelt. In der Region von Kham im Osten Tibets und bis in den Süden sind die verbleibenden vier großen Mutter-Klöster und Traditionen. Von diesen sechs war die erste Tradition und das erste Kloster an sich, das von Kadok.
Vielleicht einer der größten Lamas der Kadok-Tradition überhaupt war Lama Wangdrag Gyatso. Vor seinem Dahinscheiden sagte er voraus, dass er in Kham Rinpoche wiedergeboren werden würde, an einem Platz, der als Karma De bekannt ist. Weiters dass er ein großer Tertön sein würde, und dass sein Name Migyur Dorje sein würde. Er wurde im Ahnenerbe der Familienlinie des Königs Trisong Detsen geboren, ebenso wie jenem des Kachöd Namgyal Gyaltsen, einem berühmten Yogi, der den Regenbogenkörper ohne Rückstände verwirklichte.
Nachdem er in der Gegenwart seines Gurus Karma Chagmed Raga Asya ankam, wurde Migyur Dorje in der besonderen Weise der Einsetzungszeremonie, die jeder Tulku sich unterzieht, inthronisiert. Er verbrachte dann viele Jahre mit seinem Guru, erhielt Ermächtigungen, Übertragungen und Belehrungen entsprechend seines Grades an Praxis und Gewahrsein. Die Übertragung basierte auf Erfahrung, was ganz anders ist als jene Art von Übertragungen, wie sie gewöhnlich im Westen gegeben werden. Westler erhalten was sie möchten, belassen es dann dabei und ohne zu Praktizieren was sie erhalten haben, versuchen sie dann den nächsten Abschnitt zu bekommen.
Dies war nicht die Art von Übertragung, die Migyur Dorje gegeben wurde. Er erhielt Übertragungen und übte dann diese Praktiken aus. Weil er dazu bestimmt war, diese Termas zu offenbaren, entstanden viele Hindernisse durch form- und formlose Behinderer; Wesen und Geister, die gegen das Verbreiten der Lehre waren. Sie versuchten ihn auf alle mögliche Weise zu behindern und er unterzog sich großen Schwierigkeiten und Härten. Nichts desto trotz blieb er beharrlich in seiner Praxis der Vollendung des Wurzel-Mantras und der Vollendung der Sadhanas, und konnte so alle Hindernisse beseitigen. Schließlich wurden alle Geister, die beeinflusst werden konnten, in seine Richtung beeinflusst. Sie versprachen, freundlich zu ihm zu sein und alle anderen negativen leidbringenden Wesenheiten abzuwehren, sodass sich seine Prophezeiungen und Offenbarungen erfüllen konnten.

Erinnerungen

Zu dieser Zeit war er fähig, sich an 200 frühere Leben zu erinnern. Er hatte auch Visionen der drei Wurzeln (Liniengurus, Meditationsgottheiten und Dakinis), die ihm viele Prophezeiungen gaben. Im Traum begegnete er dem Dharmakaya-Buddha Samantabhadra, der ihm Ermächtigung durch die Bedeutung der Zeichen und Symbole gab. In einem Zustand der meditativen Erfahrung oder des höheren Verstehens traf er den Sambhogakaya-Buddha Avalokiteshvara und erhielt ausführliche Ermächtigungen von ihm. In einem natürlichen Zustand oder in Präsenz des Wachzustandes traf er den Nirmanakaya-Buddha Padmasambhava, der ihm viele Ermächtigungen und Segnungen gab. Gemäß diesen Erfahrungen wurde der Namchö-Geistschatz geöffnet, der in der Weite seines eigenen Geistes war.
Dann begannen alle Liniengurus, Meditationsgottheiten, Dakinis usw. zu ihm zu kommen und gaben ihm Anweisungen in den vollendenden Methoden und Sadhanas. Als er diese Praktiken vollendet hatte, kehrten sie zurück und gaben ihm die nächste Abfolge von Belehrungen. Jede tibetische Schrift hat eine Sanskrit-Überschrift auf der ersten Seite, die als eine Art Titel dient. Die Gottheiten und Dakinis gaben ihm nur die Überschrift, und da er noch immer ein junger Bub war, war dies wie etwas zum Spielen für ihn. Aber die Überschrift allein verursachte das Erwachen des gesamten Inhalts in seinem Gewahrsein.

Heben der Schätze

Als Migyur Dorje 13 Jahre alt war, erhielt er die erste der gegenwärtigen Visionen von Avalokiteshvara. Es war mehr als nur Visionen. Avalokiteshvara kam eigentlich im Aspekt des Thugje Chenpo Drodul – des Bezähmers der Wesen – zu ihm. Avalokiteshvara gab ihm die Belehrungen durch das Sprechen von Vajra-Versen zum Wurzel-Terma und dann gab er einen Kommentar zu den Versen. Migyur Dorje erhielt die Belehrungen tagsüber und verbrachte die abendliche Meditation damit. Am folgenden Tag kehrte Avalokitshvara zurück und gab ihm weitere Belehrungen, mit denen Migyur Dorje wiederum seine abendliche Praxis verbrachte. Dieser Prozess setzte sich beständig fort, bis Migyur Dorje die gesamte Namchö-Übertragung erhalten hatte.
Als die Übertagung vollendet war, erschien Avalokiteshvara und sagte zu Migyur Dorje, dass der Dharma-Schützer für diese Termas Shenpa Marnag – der rotschwarze Shenpa – ist, und wenn Migyur Dorje die Übertragungen an einen unqualifizierten Lehrer geben würde, und wenn dieser Lehrer dann diese an unqualifizierte Schüler weitergeben würde, Shenpa Marnag sicherstellen würde, dass solch eine Übertragung nicht erfolgreich sein wäre. Dann gab Avolokiteshvara Migyur Dorje den Shenpa Marnag als seinen persönlichen Beschützer.
Dies ist eine äußerst kurze Ausführung zum Ursprung dieses besonderen Dharmas, dem Namchö. Als nächstes folgt eine kurze Erklärung der Ursprünge dieses Dharmas mit einer Ausführung wie man Glaube und Zuversicht im Geist der Schüler errichtet.

Dargelegt von Gyatrul Rinpoche. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus) damit Praktizierende Vertrauen in die Linie fassen können. Möge es nützlich sein!

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