Verfasst von: Enrico Kosmus | 5. März 2015

Chotrul Düchen – der Tag der Wunder

BuddhaDer ersten Vollmondtag des tibetischen Mondkalenders wird als der Tag der Wunder begangen oder Chotrul Düchen genannt, welcher der letzte Tag der wundersamen Darstellung von Buddha ist, die 15 Tage vom Neujahr nach tibetischem Mondkalender angeandauert haben. Der Buddha hat die Wunder ausgeführt, eine Herausforderung von sechs konkurrierende Lehrern zu erwidern. Diese 15 Tage sind Tage, an denen sich der Verdienst vervielfacht, wodurch alles Heilsame, das geschaffen wird, sich wundersam millionenmal vermehrt. Der Tag der Wunder ist auch ein besonderer Tag des Mönlam Chenmo – des Großen Gebetsfestes – wo tausende Leute, Laien und Ordinierte genauso gemeinsam beten und der Sangha Opfergaben wie Nahrungsmittel, Tee, Lichter oder Geld spenden.

Die wundersamen Taten Buddha Shakyamuni’s in Shravasti

Einst weilte der Buddha mit hunderten vollständig ordinierten Mönchen im Bambushain außerhalb von Rajagriha. Der Herrscher dieses Landes, König Bimbisara, war einer der größten Förderer des Buddha. Aus Loyalität und Respekt zum Buddha und seinen Mönchen leitete der König viele seiner Untertanen an, die Lehre zu praktizieren. Sechs andersgläubige Lehrer waren zu dieser Zeit auch dort und ihre trügerischen Lehren waren die Ursache für viele ungeschickte Taten. Der jüngere Bruder von König Bimbisara folgte diesen Lehrern und brachte ihnen zahlreiche Opfergaben dar, da er dachte, sie würden den Pfad zur Befreiung lehren. Als ein Ergebnis davon war er mit Fehlern behaftet, sodass obwohl der Buddha den Glanz der Erleuchtung zeigte, er ihn nicht sehen konnte. König Bimbisara überredete seinen Bruder, seine fehlerhaften Ideen aufzugeben, aber sein Bruder erwiderte: „Ich habe meinen eigenen Lehrer. Warum sollte ich auf den Buddha hören?“
Nichtsdestotrotz da er spürte, dass er die Gefühle des Königs respektieren sollte, beschloss der Bruder ein Festmahl zu veranstalten und bot allen, die kamen Essen und Geschenke an. Die sechs Lehrer kamen und saßen auf hohen Sitzen. Als der Buddha und seine Schüler ankamen, gingen sie zu den wenigen verbliebenen Sitzen, aber bevor sie sie erreichen konnten, fanden sich die sechs Lehrer von ihren hohen Sitzen herab auf den niederen wieder. Dreimal versuchten sie die höheren Sitze einzunehmen, aber jedes Mal fanden sie sich auf den niederen wieder. Schließlich schämten sie sich und blieben dort.
Bevor das Essen serviert wurde, wurde den Gästen Wasser gebracht, sodass sie sich ihre Hände waschen konnten. Da der Buddha auf dem höchsten Sitz war, bot der Gastgeber ihm das Wasser zuerst an, aber er sagte: „Bring es zuerst deinen Lehrern dar.“ Das Wasser wurde ihnen dann dargebracht, aber als das Gefäß gekippt wurde, floss nichts über ihre Hände. Der Gastgeber versuchte es wieder und wieder, aber noch immer floss kein Wasser. Dann brachte er es dem Buddha dar. Das Wasser floss freizügig auf den Buddha und danach zu allen anderen.
Bevor sie aßen, bat der Gastgeber den Buddha die Nahrung zu segnen. Wieder stellte er sich den sechs Lehrern zurück und sagte: „Erbitte den Segen von deinem eigenen Lehrer.“ Aber als die sechs Lehrer zu beten versuchten, waren sie unfähig, auch nur ein Wort zu äußern und deuteten mit Gesten an, dass der Buddha den Segen sprechen sollte. Der Buddha tat dies mit einer klaren und schönen Stimme und das Essen wurde ihm zuerst dargebracht, aber er sagte wiederum: „Opfere es zuerst deinen Lehrern.“ Das Essen wurde dann ihnen geopfert, aber alles, was sie probierten, flog in die Luft. Nachdem das Essen vom Buddha angenommen worden war, kam alles wieder in ihre Hände herab.
Nach dem Mahl richtete der Gastgeber die übliche Bitte zu lehren an den Buddha. Der Buddha verschob dies wieder den sechs gegenüber und sagte: „Lass deine Lehrer von ihren Lehren sprechen.“ Wieder konnten die sechs Lehrer, unfähig ein Wort zu sprechen, nur deuten, der Buddha möge sprechen. Er sprach mit schöner Stimme und jeder Zuhörer war seinen Bedürfnissen gemäß zufrieden. Jedermanns Verständnis nahm großartig zu. Sogar das Wissen König Bimbisaras wuchs höher und höher. Viele erlangten die erste der drei Stufen der Befreiung, andere vergrößerten ihren Erleuchtungsgeist und einige erlangten den höchsten Erleuchtungsgeist. Eine große Anzahl von Leuten erlangte die Stufe des Nicht-mehr-Wiederkehrers und bei anderen entwickelte sich großes Vertrauen in die Drei Juwelen, worum sie gebeten hatten. Von da an folgten die Menschen von Rajagriha dem Buddha.
Die sechs Lehrer gingen fort und waren darüber verärgert, ihre Anhänger verloren zu haben. Sie baten die Dämonen Maras um Hilfe, die Aktivitäten Buddhas zu mindern. Die Dämonen manifestierten sich als sechs Lehrer und gingen auf den Marktplatz, um verschiedenste Zaubertaten auszuführen – sie ließen Wasser, Flammen und Lichter in vielen Farben aus ihren Körpern herausschießen. Die Leute waren von diesen Taten beeindruckt und wurden ihre Anhänger. Ihnen verkündeten die Dämonen: „Durch die Bosheit des Gautama sind wir in dieses Elend gefallen. Alle Könige, Brahmanen und großen Förderer, die uns anbeteten und uns Opfergaben darbrachten, respektieren uns nicht mehr. Nun laufen diese Leute dem Gautama hinterher, geben ihm alles, was sie uns gegeben haben. Wir fordern den Gautama heraus – für jede seiner Wunder werden wir zwei machen. Wenn er 16 macht, dann werden wir 32 machen. Die Leute sollen selbst sehen, wer mächtiger ist.“

Den Buddha herausfordern

Die sechs Lehrer gingen zum König Bimbisara und baten ihn, ihre Herausforderung dem Buddha zu überbringen. Der König lachte über ihre Arroganz: „Ihr seid dumm. Eure Zauberstücke können nicht mit denen des Buddha verglichen werden. Eure Herausforderung ist wie das Licht eines Glühwürmchens verglichen mit dem Sonnenlicht, wie das Wasser im Hufabdruck eines Ochsen verglichen mit dem Ozean. Es ist, als ob ein Fuchs einen Löwen herausfordert.“ Die sechs Experten bestanden darauf und sagten: „Du wirst schon sehen. Was zuvor geschehen ist, ist kein Anzeichen dafür, was nun geschehen wird. Wenn wir uns messen, dann wird es klar sein, wer größer ist.“
König Bimbisara besuchte den Buddha und erzählte ihm von der Herausforderung: „Diese sechs Lehrer wollen ihre Mirakel mit denen des Tathagata vergleichen. Würdet Ihr bitte Eure Kräfte zeigen, um ihre falschen Ansichten zurückzuweisen und sie dazu bringen, heilsame Taten auszuführen? Wenn Ihr das macht, darf ich dabei sein?“ Der Buddha erwiderte: „Die Zeit wird kommen. Bereite einen passenden Platz vor.“ König Bimbisara beauftragte seine Minister, ein weites Feld zu reinigen und vorzubereiten. Dort stellten sie einen Löwenthron und Siegesbanner des siegreichen Buddhas auf. Die Leute warteten gespannt auf den Anblick, wie der Buddha und die sechs Lehrer ihre Wundertaten ausführen würden. Jedoch zu jedermanns Erstaunen verließ der Buddha Rajagriha und ging in die benachbarte Stadt Vaisali.
Die Leute von Vaisali, die Licchavi, hießen den Tathagata willkommen. Als die sechs Lehrer hörten, dass der Buddha nach Vaisali gegangen war, verkündeten sie: „Gautama fürchtet sich vor uns. Er ist fortgelaufen!“ Und sie folgten ihm nach. König Bimbisara ging auch mit 500 Kutschen, Elefanten, Pferden, Lebensmittel und tausenden Dienern und Ministern nach Vaisali. Die sechs Lehrer trugen ihre Herausforderung dem König von Licchavi vor und dieser ging zum Buddha und sagte: „Bitte zeige deine wundersamen Kräfte und unterwirf diese Männer.“ Wieder antwortete der Buddha: „Alles zu seiner Zeit.“ Und er wies ihn an, einen Platz vorzubereiten.
Aber wiederum ging er in ein anderes Land, nach Kausambi, gefolgt von einer großen Schar und den sechs Experten. König Udrayana und die Leute von Kausambi hießen den Buddha willkommen. Durch König Udrayana ließen die sechs Experten ihre Herausforderung dem Buddha vortragen, der wieder sagte: „Die Zeit wird kommen. Bereite einen Ort vor.“ König Udrayana traf große Vorbereitungen, aber der Buddha ging nach War, dem Land von König Shun Tsin. Von War ging er nach Tigitsashiri, das von König Brahmadatta regiert wurde. Von dort ging er nach Kapila, dem Land seiner eigenen Leute, den Sakyas und schließlich ging er nach Sravasti, dem Land von König Prasenajit. Ihm folgten die Könige der Länder, wo er durchgekommen war, zusammen mit tausenden ihrer Diener und den sechs Experten mit ihren 90.000 Anhängern.
Die sechs Lehrer gingen zu König Prasenajit und sagten: „Wir haben unsere Zaubertaten vorbereitet. Viel Zeit ist nun vergangen, seit wir Gautama herausgefordert haben und er läuft noch immer davon.“ König Prasenajit erwiderte lachend: „Ihr wisst nichts, trotzdem wollt ihr den großen König des Dharmas herausfordern. Solche Leute wie ihr können sich nicht mit ihm vergleichen.“ Aber um sie zu beruhigen, besuchte König Prasenajit den Buddha und sagte: „Dieses sechs Lehrer wollen Euch herausfordern. Bitte zeigt Eure wundersamen Kräfte und unterwerft sie.“ Wiederum erwiderte der Buddha: „Die Zeit wird kommen. Bereite einen passenden Ort vor.“ König Prasenajit wies seine Minister an, ein weites Feld zu reinigen und vorzubereiten, Räucherwerk zu verbrennen und einen Löwenthron und die Banner des Siegers aufzustellen.

Die Schilderung der einzelnen Wundertaten findet ihr auf der nächsten Seite.

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Responses

  1. Hallo Rangdrol Dorje, der 10. Tag fehlt???

    • Hi Joachim, der 10. Tag ist kein Düchen (großer Feiertag).


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