Verfasst von: Enrico Kosmus | 1. April 2015

Guru Rinpoche & Dzogchen

PadmaGuru Rinpoche, nachdem er die Übertragungen von Shri Singha erhalten hatte, ging in den Akanishta-Himmel und traf dort den uranfänglichen Buddha Kuntuzangpo. Dort erhielt er weitere zahllose Dzogchen-Übertragungen. Er ging dann in das reine Land des Vajrasattva, wo er Vajrasattva traf und zahllose Übertragungen des Mahayoga bekam. Dann ging er in das reine Land, bekannt als Ködpa Thundrub, und traf nochmals Kuntuzangpo, und erhielt von ihm alle Übertragungen des äußeren Tantras. Er ging dann zum Leichenplatz Mugnag Thöpa’o Durtrö, wo er mit Vajrapani zusammentraf, der ihm weitere Atiyoga-Instruktionen gab.
Dann ging er in den Bereich der Vidyadharas und traf auf die geheime Dakini, die uranfängliche Weisheitsdakini Sangwa Yeshe und erhielt die vier Ermächtigungen von ihr. Sie verwandelte ihn in die Silbe HUNG und dann verschluckte sie ihn. Als das HUNG die vier Zentren ihres Körpers passierte, erhielt er die Ermächtigung von Körper, Rede und Geist sowie die geheime Ermächtigung. Und dann verließ er ihren Körper durch ihr geheimes Zentrum.

Maratika-Höhle

Danach ging er zur Maratika-Höhle, wo er Buddha Amitayus – dem Buddha des Langen Lebens – zusammentraf, und erhielt eine Avalokiteshvara-Sadhana-Übertragung, ebenso viele Dzogchen-Belehrungen in Form der geheimen mündlichen Anweisungen. Er gab die Dzogchen-Übertragungen an vielen verschiedenen, unbestimmten Plätzen und 1.300.000 Schüler wurden erleuchtet. Dies beschließt die Ausführungen über die Ursprünge der Vidyadhara-Linie, der Linie der symbolischen Andeutung übertragen durch Zeichen und Symbole.
Wenn man bedenkt, wie viele Wesen in den sechs Bereichen der zyklischen Existenz herumwandern, verloren in verschiedenen Zuständen der Ignoranz und Täuschung, kann man sehen, dass es nicht viele von ihnen gibt, die das Karma für eine Verbindung zu den beiden vorher besprochenen Abstammungslinien haben und sich auf sie beziehen können. Man braucht beispielsweise in diesem Fall nur an sich selbst denken. Man war vielleicht fähig, eine Verbindung zu den großen Buddhas wie S.H. den Dalai Lama, S.H. Karmapa, S.H. Dudjom Rinpoche und S.H. Penor Rinpche herzustellen und sich auf sie zu beziehen. Aber es gibt zahllose andere erleuchtete Wesen, deren wir uns einfach nicht gewahr sind. Weil dies so ist, und weil diese natürlich allwissenden Wesen sich der Ignoranz und Täuschung der fühlenden Wesen bewusst sind, verwenden sie geschickte Mittel die fühlenden Wesen zu erreichen und ihnen zu nutzen. Deshalb haben wir die dritte Abstammungslinie, die Linie der mündlichen Übertragung.

Dzogchen-Realisationen

600.000 Wesen manifestierten sich ursprünglich aus dem Zustand des Dharmakaya und des Sambhogakaya um die Belehrungen mündlich zu übertragen, zum Wohle der gewöhnlichen, groben Geister, die angezogen sind durch das Ansammeln der Ursachen für Leiden. 600.000 Wesen gaben den Segen für 720.000 Belehrungen, Schriften und Übertragungen, welche für die mündliche Übermittlung an gewöhnliche Wesen gegeben wurden. Es wurden auch 600.000 Arten von Termas vergraben, damit diese durch Berührung und Sehen zur Befreiung führen. Einen dieser Termas zu sehen oder zu berühren, pflanzt einen Samen in den Geist, der zur Befreiung reifen wird. Es wurden auch 100.000 Arten von Belehrungen des Dharmas gegeben, die den Samen der Befreiung in den Geist der Schüler pflanzen sollen. Alle Tulkus und Tertöns, alle diese Nirmanakaya-Wesen, die unter uns sind und die sich damals bis heute beständig manifestieren, sind Wesen, die diese Termas und Belehrungen in vielen verschiedenen, zahllosen Weisen offenbaren.
Es sind die mündlichen Übertragungen, die die Macht haben den Geist der Schüler zu befreien. Wenn man glücklich genug ist, mit einem Wesen verbunden zu sein, das einem die mündliche Übertragung der Belehrungen wie in der Abstammungslinie bestimmt gibt, und wenn man sich diesen Dharma zu Herzen nimmt und praktiziert, dann gibt es keinen Grund, warum man nicht in dieser einen Lebensspanne Erleuchtung erlangen kann.

Das Tantra „Widerhall des Klangs“

Die Buddhas haben vorhergesagt, dass in der Zukunft die Wesen, die die Dzogchen-Belehrungen praktizieren werden, wie die Sterne am nächtlichen Himmel sein werden. Es wurde auch prophezeit, wenn die Lebenserwartung der menschlichen Wesen von 60 auf zehn Jahre abnehmen wird, die Dzogchen-Lehren sehr machtvoll sein werden. Wenn ein Schüler all diese Dzogchen-Methoden nach der erhaltenen Übertragung wirklich praktiziert, dann werden sich die subtilen geistigen Verschleierungen ganz natürlich, fast anstrengungslos auflösen – im Gegensatz zum üblichen Prozess der Vergangenheit, wo man für die Ansammlung von Verdienst und die Beseitigung der Verschleierungen viele Zeitalter von Leben mit gewissenhafter Anstrengung erforderlich waren. In diesen gegenwärtigen, degenerierten Zeiten verschwinden die subtilen geistigen Verschleierungen ganz natürlich, wenn man sich diese Praxis wirklich zu Herzen nimmt. Es ist viel einfacher, gerade jetzt die Dzogchen-Sicht zu verstehen. Ein glücklicher Schüler kann die Sicht verwirklichen, wenn das Karma vorhanden ist. Diese Prophezeiungen stammen aus dem Tantra, das als „Dra Thalgyur“ bekannt ist.

Mündliche Überlieferung – geistige Offenbarung

Wie sind wir mit dieser Abstammungslinie verbunden? Pandita Vimalamitra und Acharya Padmasambhava reisten beide nach Tibet. Vimalamitra gab alle Übertragungen der 17 Dzogchen-Tantras an seine Hauptschüler Nyang Wen Tingzen Zangpo, Vairochana und andere. Der ursprüngliche Stammbaum, der von Vimalamitra herkommt ist als zwei Linien bekannt: das Vimala Nyingthig – die „Herzessenz des Vimala“ – und das Vairochana Nyingthig – die „Herzessenz des Vairochana“. Sie befinden sich in der Dzogchen-Abteilung des Nyingma-Kama und beinhalten eine intakte Abstammungslinie in Tibet. Die ursprüngliche Linie kann ebenso mit dem Terma aufgefunden werden, welches als die „Einheit von Kama und Terma“ bekannt ist. Padmasambhava war ebenfalls ein Linienhalter des Kama und er schuf auch Terma und vermischte die beiden. Teil dessen, dass die geheime mündliche Übertragungslinie genannt wird, sind die Belehrungen Padmasambhavas, die als Terma verborgen wurden. Es gibt an die zehn Millionen von ihnen, die überall in Tibet und den umliegenden Regionen verborgen wurden.

Prophezeiungen der Tertöns

Padmasambhava bevollmächtigte bestimmte Schüler von ihm, die schon während seiner Lebenszeit Verwirklichung erlangt hatten, und die nachher Tulkus wurden, Tertöns – Schatzfinder – zu sein. Es waren nicht wenige. Zahllose seiner Schüler erlangten Erleuchtung und wurden Nirmanakayas, dazu bestimmt seine Termas zu offenbaren. Er verbrachte viel Zeit damit, sie zu autorisieren, jedem bestimmte Termas zu übertragen, jedem zu sagen, in welchem Leben dieser welches Terma finden würde und wer der Schatzeigner sein würde. Padmasambhavas Hauptschülerin war seine Gefährtin Yeshe Tsogyal. Gemeinsam übertrugen und verbargen sie diese Termas. All diese designierten Schatzfinder, diese großen Tertöns, deren Zahl unvorstellbar ist, und all die Wesen, die gemäß ihres Verdienstes und ihres Karmas aus vergangenen Leben eine glückliche karmische Verbindung haben, bestehen aus dem, was die „Bestrebungslinie des Terma“ genannt wird, die vierte Abstammungslinie der sechs.
Die fünfte Abstammungslinie wurde durch die Dakinis übermittelt und gehört zu ihnen. Es ist jemand damit verbunden, wenn er ein glückliches Karma hat, eine Dakini der uranfänglichen Weisheit in einer Vision oder einem Traum zu begegnen, Belehrungen oder Prophezeiungen zu erhalten, und wenn der Segen des Geistesstroms der Dakini in seinen eigenen Geistesstrom eintritt.
Die sechste Abstammungslinie ist die Linie der autorisierten Übertragung. Sie wird von hoch qualifizierten spirituellen Lehrern gehalten. Die Verbindung zu ihr erfolgt durch das Erhalten von Belehrung oder Übertragung von solch einem hoch qualifizierten Lehrer. Basierend auf der Verbindung zwischen Lehrer und Schüler, wenn die Belehrung gegeben wird, und basierend auf der Stufe der Erfahrung des Schülers, wird der Schüler dann später während eines Retreats oder wenn sich sein Geist in einem Zustand offenen, reinen Gewahrseins befindet, oder in einem Traum, eine höhere Ebene der Verwirklichung erlangen. Diese Realisation wird augenblicklich sein, ohne jegliche Meditation vorher. Wenn diese Art von Übertragung auftritt, die „autorisierte Übertragung“ genannt wird, wird der Schüler nichts wissen bis es sich schließlich im Moment der Verwirklichung ereignet hat. Erst dann weiß er, dass es wirklich geschehen ist.

Hey Mann, greif zu…

Ein übliches Ereignis zwischen sehr hohen Lamas und hoch realisierten Wesen ist, dass der Guru zu einem Schüler sagt: „Du bist der Inhaber dieses Termas.“ Dies war mit Namkha Zilnen Dorje der Fall, der den Schatz des Chimed Sogthig an S.H. Dudjom Rinpoche weitergab. Dudjom Rinpoche wusste nichts über dieses Terma, bis er den Guru traf, aber der Guru wusste es und wartete darauf, ihn zu treffen. Als sie sich trafen, sagte Namkha Zilnen Dorje einfach zu ihm, dass er der bevollmächtigte Schatzhalter des Chimed Sogthig wäre und augenblicklich erinnerte sich Dudjom Rinpoche an den gesamten Schatz.

Dargelegt von Gyatrul Rinpoche. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus) damit Praktizierende Vertrauen in diese erhabene Praxis erlangen. Möge es von Nutzen sein! Sarva Mangalam!


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