Verfasst von: Enrico Kosmus | 9. April 2015

Phowa-Praxis

MarpaMilarepaGuru Rinpoche und Marpa haben gesagt, dass im allgemeinen alle durch die Praxis vom Dharma zur letztendlichen Frucht, der Erlangung der Buddhaschaft geführt werden. Unter allen Belehrungen ist das Ausüben des Phowa eine Methode, bei der man ohne langes Üben, diese Frucht verwirklichen kann. Die Aussage, dass·es eine Meditation sei, die man nicht üben muss, um die Frucht davon zu erhalten, ist nicht gemeint, dass, wenn man schläft, man Buddhaschaft verwirklicht. Damit soll lediglich der Unterschied bezeichnet werden, so gegenüber Mahamudra oder Maha-Ati, wo man viel Fleiß und lange Ausdauer im Üben benötigt, um die Frucht zu empfangen. Beim Phowa erhalten manche Leute das Zeichen bereits beim Lung, d.h. beim ersten Anhören der Texterlaubnis.
Andere erhalten die Zeichen in den ersten drei Tagen ihrer Phowa-Praxis. Diese Menschen haben ein sehr gutes Karma weil sie die Frucht so schnell erhalten. Das soll das heißen, wenn man sagt, dass man nicht üben müsse; ganz ohne Bemühen geht es sicherlich nicht.

Naropa & Marpa Lotsawa

Naropa hat gesagt, dass der menschliche Körper neun Öffnungen hat. Durch diese Öffnungen des Körpers der relativen Existenz wird der Mensch wiedergeboren. Wir erhalten beim Phowa eine weitere Körperöffnung am Scheitel. Diese wird Mahamudra-Öffnung[1] genannt. Wenn das Bewusstsein durch diese Öffnungen den Körper verläßt, ist es ganz sicher, dass man im obersten dem Dharmakaya, oder im mittleren, dem Sambhogakaya, oder dem niederen, dem Nirmanakaya, oder unterhalb des niederen Bereiches in den Götter-, Halbgötter- oder Menschenwelten Wiedergeburt erfährt; aber dass man in keinem Fall in den drei niederen Bereichen wiedergeboren wird. Das ist ganz sicher!
Marpa der Übersetzer hat gesagt: „Ich übe ständig und immer wieder Phowa. Und da ich immer mit dem Tod rechnen muß, bin ich ganz sicher, dass ich nicht in den drei niederen Bereichen wiedergeboren werde. Ich lebe angstfrei und habe keine Leiden beim Gedanken an den Tod, da ich ganz sicher bin, dass ich durch Phowa in ein reines Buddha-Land gelangen kann. Das ist so sicher, wie ich mich jetzt entschließen kann, von hier nach dort zu gehen.“ Marpa übte ständig Phowa.

Phowa üben

Deshalb sollten wir es auch immer und immer wieder üben und nicht meinen, mit einem Kurs sei die Sache gelaufen. Die Tibeter fanden es üblich, sich jedes Jahr mindestens einmal eine Woche intensiv mit Phowa zu befassen. Viele taten es sogar noch einmal eine Woche zwischendurch, oder zwei Wochen lang.
Auch Milarepa sagte, wer die Kenntnisse von Phowa hätte, brauche keine Angst vor dem Bardo zu haben. Phowa sel der allerbeste Schutz gegen diese Ängste und die Leiden, die im Bardo entstehen.

[1]Khenpo Tsultrim nennt sie auch ‚Brahma-Öffnung‘, das zehnte Tor, das den Weg zu Mahamudra öffnet.


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