Verfasst von: Enrico Kosmus | 1. August 2015

Ego, Meditation und Gedanken

BhavanachakraLasst die Gedanken bei der Meditation sich bewegen

In der Meditation also ist es sehr wichtig, die Gedanken einfach aus sich selbst heraus bewegen zu lassen. Das ist sehr wichtig. Beschränkt die Gedanken nicht. Es ist gleich wie bei einer Katze, die man zu Hause oder im Zimmer hat und alle Türen und Fenster schließt, dann wird die Katze auch ein Chaos anrichten. Sie wird alles zerkratzen. Nicht viel wird dann in eurem Haus übrig bleiben. Aber wenn ihr die Türen ein wenig aufmacht, dann kann sie ein und ausgehen und es wird keine Beschädigung geben. Dasselbe ist mit euren Gedanken, lasst die Gedanken sich bewegen, ihr dürft sie nicht abwürgen oder sie bekämpfen. Ihr dürft das nicht tun. Gedanken selbst sind nicht zerstörerisch. Wir sind es, die sie destruktiv machen. Das ist unser Fehler.

Ego… was ist das Ego?

Also das gleiche ist nun beim Ego… Ihr habt alle ein Ich, nicht wahr? Ihr habt dieses beständig gegenwärtige Denken „ich, ich, ich, ich…“ Ihr habt also das „Ich“, das die ganze Zeit daher kommt. Wenn jemand sagt: „He, du!“ Dann sagt ihr: „Ich?“ Sogar wenn ihr einfach ruhig dasitzt und ich zu euch sage: „He, du!“ Dann sagt ihr gerade heraus: „Wer? Ich?“ Wo kommt dieses „Ich“ nun her? Wo ist diese Existenz dieses Egos, mit dem ihr euch als „ich selbst“ identifiziert. Wer ist das selbst und wo ist das selbst? Existiert das Selbst? Wenn ja, wo existiert es dann?
Wir haben die Ichlosigkeit unseres Selbst nicht erkannt. Wir haben das nicht verstanden. Ist das Selbst dasselbe wie eure Arme, eure Augen, eure Nase, euer Mund, eure Leber, eure inneren Organe? Was davon seid wirklich ihr und so seid ihr wirklich? Wo ist dieses Ego? Ist es vorne in der Stirne oder unten im Bein? Unglücklicherweise haben wir die Nicht-Existenz des Ego selbst nicht verstanden. Das Ego besteht nicht als Entität, als eigene Wesenheit, als Körperschaft. Das tut es nicht. Viele Bestandteile und Moleküle müssen mit den Nerven, den Winden und den Essenzen zusammenkommen. Alles kommt entsprechend des wechselseitigen Entstehens zusammen. Was wie unser „Selbst“ erscheint, hat sich selbst als eine Widerspiegelung von dem herausgebildet, was „ich, mein und mich“ zu sein scheint. Ihr werdet das Ego nicht finden, wenn ihr in euch danach sucht. Zergliedert minutiös euren Körper, indem ihr in jeden Teil eures Körpers geht, dann werdet ihr euer Ego nirgendwo vorfinden, egal wie angestrengt und lange ihr danach sucht. Dennoch ungeachtet der Tatsache, dass das Ego nicht existiert, haben wir Karma bewirkt. Aufgrund dieses Ego haben wir so viele Dinge gemacht, sie beschützt, sie abgeschirmt, zu erfreuen versucht. Zur Zeit des Todes muss das Ego irgendwohin reisen. Wo es hingeht, hängt vom Karma ab, mit dem wir während unseres Lebens beschäftigt waren.

Überprüfung durch Shine

Ihr müsst überprüfen, was die Wahrheit ist. Seid nicht leichtgläubig jemandem gegenüber, der wie eine heilige oder religiöse Person aussieht, der euch dies und jenes sagt und an was ihr zu glauben habt. Die Lehren des Buddha sind so, dass ihr die Lehre durch Überprüfung begründen müsst, ob sie wahr sind. Shine ist eine wunderbare Praxis, um die Wahrheit zu überprüfen. Das ist ein Aspekt dieser Praxis. Weil sie nicht auf irgendeine Seite fällt, sie nicht von irgendetwas Partei ergreift.
In der letztendlichen Wahrheit entdecken wir dann, dass unser Gewahrsein die fünf Weisheiten oder drei Kayas – der Dharmakaya (der Wahrheitskörper, die Natur der Wirklichkeit, Leerheit), der Sambhogakaya (der Wonnekörper, die Natur der Klarheit, Lichtheit) und der Nirmanakaya (der Formkörper, die Dimension der unaufhörlichen Manifestation) – ist. Wir beginnen das Gewahrsein des Dharmadhatu zu verstehen, die uranfängliche Leerheit. Wir beginnen zu verstehen, dass alle uranfänglichen Weisheiten aus diesem riesigen Raum der Leerheit entstehen. Aus der Leerheit, die das Wissen und die Erkenntnis der Natur der Wirklichkeit und der Natur aller Dinge ist.
Es ist keine Leerheit eines Nichts, sondern eine Leerheit eines substanziellen Wissens, die authentische Leerheit ist. Entsprechend der verschiedenen Schulen gibt es verschiedene Arten, dieses Wissen zu kategorisieren. Hier sagen wir, es ist leer, aber lichthaft. Das ist die Leerheit, über die wir reden. Aus dieser Leerheit heraus, die unsere uranfängliche Weisheit, unsere Natur ist, erscheint die relative Wahrheit. In der letztendlichen Wahrheit stimmt es, dass alle Buddhas, Buddha-Felder, Lehren, Praktiken vom Gewahrsein erschaffen und erzeugt werden. Das ist absolut richtig. Sie sind alle erdacht. Aber mit Respekt auf die relative Wahrheit, die aus dem Absoluten erschaffen ist, diese erscheint nichtsdestotrotz als die relative Wahrheit. Solange ihr in der relativen Sphäre lebt, ist die relative Wahrheit ständig bei euch. Wenn diese relative Wahrheit ständig bei euch ist, dann müsst ihr alles, was in der relativen Sphäre auftaucht auch respektieren. Ihr seid da nicht frei. Ihr seid nicht erleuchtet… ihr seid nicht frei.

Diese Unterweisungen wurden von Lama Shenphen Dawa, dem Sohn Dudjom Rinpoches gegeben und vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2015) ins Deutsche übertragen.


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