Verfasst von: Enrico Kosmus | 1. September 2015

Lehrer, Lehre, Gemeinschaft

3_JuwelsDer Lehrer, die Lehre und die Gemeinschaft haben je nach Gelübdeebene eine etwas anders gelagerte Bedeutung.

Pratimoksha

Auf der Ebene der Pratimoksha (individuelle Befreiung) ist der Lehrer einfach ein guter, spiritueller Freund, der einem die befreiende Information – den Dharma – vermittelt und die Gemeinschaft sind die Begleitenden auf dem Pfad.

Bodhisattvayana

Auf der Ebene der Bodhisattvas ist der Lehrer auch der schon erwähnte Kalyanamitra (spirituelle Freund), der die Lehre vermittelt, aber die Sicht auf die Gemeinschaft wird dahingehend erweitert, da sie gewissermaßen die Stütze für die transzendenten Tugenden ist.

Vajrayana

Am Pfad des geheimen Mantras (Vajrayana) hat der Lehrer eine vielschichtigere Bedeutung. Zunächst ist er einfach mal Kalyanamitra. Deshalb spricht man in den grundlegenden Lehren auch davon, wie „man sich auf einen spirituellen Freund stützt“. Hat man diesen spirituellen Freund längere Zeit geprüft und hat dieser den Schüler bzw. die Schülerin geprüft, dann wird eine sehr enge Verbindung eingegangen, die jenseits weltlicher Wertmaßstäbe ist. Da der Lehrer dann nicht mehr als gewöhnliches Wesen gesehen wird, sondern als Buddha, der einem nicht nur die befreiende Information offenbart, sondern die erschienene Verkörperung der eigenen Buddha-Natur repräsentiert, ist er oder sie die Stütze für dieses individuelle Realisieren der Buddha-Natur. Die dazugehörigen Gelübde – man könnte auch „heilige Versprechen und Verpflichtungen“ basierend auf Einsichten dazu sagen – sind um ein vielfaches subtiler und schwerer einzuhalten als jene auf der Ebene des Sutra-Fahrzeuges (Pratimoksha und Bodhisattva). Der Dharma ist nicht nur der Pfad zur Befreiung, sondern bereits ein Entfalten des erleuchteten Samens bzw. im Rahmen der Praxis erleuchtete Aktivität selbst. Da die Praxis jedoch nur formell zwischen Sitzung und Zwischensitzung unterscheidet, werden praktizierte Sicht und Verständnis darüber hinaus weiter aufrechterhalten. Die Sangha – die Gemeinschaft – ist daher nicht mehr nur eine Ansammlung von gewöhnlichen Männern und Frauen, sondern sie werden als Dakas und Dakinis – also gewissermaßen als „heilige oder reine Wesen“ verstanden und deren Handlungen haben eine andere Bedeutung, als wie wenn man sie mit den Augen des Sutra-Fahrzeugs betrachten würde.


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