Verfasst von: Enrico Kosmus | 25. September 2015

Dzambhala – Vermehrung von Wohlstand

jambhalaIn Indien auch als Kubera bekannt, ist Dzambhala als Gott des Reichtums ein Mitglied der Ratna-Familie – der Juwelen-Familie des Ratnasambhava. Es gibt fünf verschiedene Dzambhalas, von denen jeder seine eigene Praxis und sein eigenes Mantra hat, durch das Armut beseitigt und monetäre Stabilität geschaffen werden soll. Grundsätzlich ist Dzambhala eine weltliche Gottheit, die zwar eine bestimmte Bodhisattva-Stufe erreicht hat, aber dennoch für weltliche Bezüge zuständig ist. Wie das Wort „Dzam-bha-la“ sagt, ist er für das Versammeln von Reichtum und Ansehen zuständig. Die Übersetzung des Namens „Dzambhala“ bedeutet auch „Kostbare goldene Gottheit, die den Reichtum des Dharma und materielle Sicherheit versammelt“. Also sammelt er Verwirklichungen für unser materielles Leben an. Neben der Rezitation des jeweiligen Mantras ist auch die Gabendarbringung in Form eines Wasseropfers an Dzambhala eine oftmals angewandte Praxis.

Legende

Die tibetische Legende, die den Ursprung der verschiedenen Aspekte von Dzambhala – dem Reichtumsschützer – beschreibt ist recht interessant. Jowo Atisha, ein sehr verehrter Lehrer der Kadam-Tradition des 11. Jhdts., ging des Weges und traf auf einen hungernden Mann, der nah am Tode war. Nachdem sich Atisha umgesehen hatte und nirgendwo etwas zum Essen finden konnte, schnitt er sich etwas Fleisch aus seinem eigenen Körper und gab es dem hungernden Mann. Der Mann lehnte es ab, das Fleisch von Atisha zu essen.
Niedergedrückt und völlig ahnungslos, wie er dem Mann, der bereits mit dem Tode rang, helfen konnte, setzte sich Atisha neben ihn. In dem Moment erschien ein blendend weißes Licht und vor Atisha erschien der Buddha des Mitgefühls, der 1.000-armige Avalokiteshvara. Der Buddha des Mitgefühls sagte zu Atisha, dass er sich doch selbst als Gott des Reichtums – als Dzambhala – manifestieren und so sicherstellen sollte, dass die Armen nicht mehr leiden müssten.
Es wurden auch andere Legenden zum Ursprung der fünf Aspekte Dzambhalas erzählt, aber diese ist wohl jene, die am häufigsten zitiert wird. Die fünf Dzambhalas sind sehr beliebte Reichtumsgötter und jeder von ihnen hat seine eigenen, einzigartigen Merkmale.

Weißer Dzambhala

Vom weißen Dzambhala sagt man, dass er als eine Manifestation von Avalokiteshvara aus dem rechten Auge Avalokiteshvaras geboren wurde. Diese Erscheinungsform des Dzambhala ist besonders mit der oben erwähnten Legende verbunden.
Er sitzt auf einem weißen Schneelöwen und hält einen Mungo in seiner linken Armbeuge, der Juwelen für die Armen und Bedürftigen speit. In seiner linken Armbeuge hält er ein Siegesbanner und in seiner rechten Hand hält er ein goldenes Schwert. Als seine speziellen Fähigkeiten werden das Beseitigen von Armut und Krankheit, das Reinigen der unheilsamen Taten und Befrieden von Hindernissen, das Abwehren von Schicksalsschlägen und das Entfalten des Erleuchtungsgeistes angesehen.
Es wird auch gesagt, dass die Praxis des Weißen Dzambhala den Praktizierenden zu verborgenen Schätzen führen soll. Mit den verborgenen Schätzen sind weniger materielle Schätze, sondern vielmehr spirituelle Schätze gemeint, die in den Elementen von tantrischen Meistern der Vergangenheit verborgen worden sind.

Gelber Dzambhala

Die bekannteste Darstellung des Dzambhala ist wohl die gelbe Erscheinungsform, die auch in einem Kommentar des Lotus-Sutra erwähnt wird. Man sagt auch, dass er einen Emanation von Vaishravana, einem der vier weltlichen Richtungsschützer ist. Gewöhnlich wird der Gelbe Dzambhala im königlichen Sitz mit juwelenspeiendem Mungo in der linken Hand und einer gelben Zitrusfrucht in der rechten Hand dargestellt. Die rechte Hand hält er in der Geste der Großzügigkeit, d.h. mit der Handfläche nach vorne.
Durch die Praxis des Gelben Dzambhala wird nicht nur Reichtum vermehrt, sondern man vermehrt auch Lebensdauer und Weisheit. Weiters beseitigt er Armut in den sechs Daseinsbereichen und vermehrt das Heilsame.

Roter Dzambhala

Beim Roten Dzambhala sagt man, dass er eine Emanation von Vajrasattva ist. Gewöhnlich erscheint er auch mit einem Gesicht, aber vier Armen und hält einen juwelenspeienden Mungo in seiner linken Hand.
Manchmal wird der Rote Dzambhala auch mit dem Roten Ganapait – dem roten Ganesha – in Verbindung gebracht bzw. als dessen Emanation gesehen. Der Rote Dzambhala ist ein Beschützer des Reichtums. Durch seine rote Farbe symbolisiert, zieht er Reichtum an und verschafft den Praktizierenden daneben auch eheliches Glück und ein harmonisches Familienleben.

Grüner Dzambhala

Der Grüne Dzambhala ist eigentlich der Anführer der fünf Dzambhalas und eine Manifestation von Buddha Akshobhya. Normalerweise wird er auf einem Leichnam stehend, mit einem juwelenspeienden Mungo in der linken Hand und rechts eine Schädelschale haltend, dargestellt. Es gibt natürlich auch Darstellungen des Grünen Dzambhala in Yab-Yum – also in Vereinigung mit seiner Gefährtin. Dann wird er in Vajra-Haltung sitzend dargestellt, die Dakini vor ihm und die Arme sind wie beim Gelben Dzambhala.
Vom Grünen Dzambhala sagt man, dass er dem Buddha Shakyamuni versprochen hat, jeden zu beschützen, der sein Mantra rezitiert.

Schwarzer Dzambhala

Der Schwarze Dzambhala wird eigentlich als der wirksamste von allen Dzambhalas angesehen. Gewöhnlich wird er auf einem Leichnam stehend, mit juwelenspeiendem Mungo in der linken Hand und Schädelschale oder eine Juwelenschatulle auf Brusthöhe in der rechten Hand haltend dargestellt.
Der Legende nach manifestierte er sich aus dem Wasser der Flüsse und gab einem König die Übertragung zum Erschaffen von Wohlstand, da dessen Königreich unter extremen finanziellen Schwierigkeiten zu dieser Zeit litt. Er bringt also den Armen einen Vorteil und beschützt auch jene, die im Retreat sind und einen tugendhaften Geist haben. Auf Bitte von Buddha Shakyamuni manifestiert sich Buddha Amoghasiddhi in der Gestalt des Schwarzen Dzambhala zum Wohle der fühlenden Wesen, um sie aus dem Leiden der Armut zu befreien. Man sagt von ihm, dass er dabei hilft, alle Wünsche vollständig zu erfüllen und alles Unglück und alle Hindernisse beseitigt. Er bewahrt vor Dieben, Schulden und dem Verlust des Reichtums.

DzambhalaWasseropfer

Die Praxis des Wasseropfers an die Dzambhalas geht auf eine Legende zurück, als Buddha Shakyamuni das Maha Prajnaparamita Sutra lehrte. Zu dieser Zeit warf sein eifersüchtiger Cousin Devadatta Steine auf den Buddha. Aber die Steine trafen stattdessen den Weißen Dzambhala und den Gelben Dzambhala am Kopf und den Schwarzen Dzambhala am Bauch. Als der Buddha zu den Dzambhalas kam und sie segnete, kam aus seiner Hand eine nektargleiche Flüssigkeit aus Weisheit und Mitgefühl und berührt den Kopf Dzambhalas. Daraufhin fühlte sich Dzambhala gleich besser, alle sein Unreinheiten und Hindernisse waren bereinigt und auch seine Wunden verheilt. Dzambhala verneigte sich vor Buddha Shakyamuni und bedankte sich bei ihm.
Der Buddha Shakyamuni sagte daraufhin: „Da ich dich geheilt habe und diesen Nektar auf dich geträufelt habe, gewähre in Zukunft meinen Schülern, die dich anrufen und Wasser auf deinen Kopf träufeln, Reichtum. Gewähre ihnen die zwei Arten des Wohlstandes – materielle wie auch spirituellen Reichtum.“ Daraufhin versprach Dzambhala dies zu tun.
Warum die Geschichte erzählt wird? Naja, jedes Wasseropfer an den Dzambhala beginnt mit einer Selbstvisualisation als Buddha Shakyamuni und somit bildet sie die Grundlage für die Praxis.


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