Verfasst von: Enrico Kosmus | 21. Februar 2016

Spiritueller Rat für Dharma-Praktizierende

Chatral_Rinpoche(von Kyabje Jadral Sangye Dorje Rinpoche)

Das Folgende ist ein Ausschnitt aus den Belehrungen von Kyabje Jadral Rinpoche als spiritueller Rat für Dharma-Praktizierende, die am 26. Dez. 2000 im Salburi-Kloster in Siliguri (Indien) gegeben wurden.

Es ist heute ein günstiger Tag, da es der erste Monat im tibetischen Jahr ist. Ihr seid alle mit einem Geist des Dharma und einer spirituelle Absicht von weither gekommen. Danke für eure Opfergabe an den Nyungne-Tempel. Ich werde einen kleinen Rat geben, der direkt aus den Lehren des Buddhas herrührt.

Beachten der Handlungen

Bitte erinnert euch immer daran, wie wichtig es ist, genau zu wissen, was man im eigenen Leben annehmen und was man bleiben lassen soll. Es gibt die zehn heilsamen Handlungen und es gibt die zehn unheilsamen Handlungen. Selbstverständlich sollten wir versuchen und unser Bestes geben, alle zehn heilsamen Taten auszuführen. Unter den zehn unheilsamen Taten sind die schlimmsten von allen, das Töten und die falschen Sichtweisen. Wie gesagt wird: „Es gibt keine schlechtere Handlung als das Nehmen des Lebens von jemand anderem, von den zehn untugendhaften Handlungen ist die falsche Sicht die schwerwiegendste.“ Also unterlasst bitte jede Handlung des Tötens, selbst der allerkleinsten Insekten. Wenn es irgendwie möglich ist, dann unterlasst auch das Essen von Fleisch und werdet Vegetarier. Wenn jemand das nicht die ganze Zeit über machen kann, dann haltet euch wenigsten beim Fleischessen an den drei wichtigen Tagen jedes Monats zurück, nämlich am 8., am 15. und am 30. Tag.
Haltet euch auch mit dem Trinken [von Alkohol; Anm.] und dem Rauchen zurück, besonders vom Rauchen, da dies Phowa – die Übertragung des Bewusstseins – wirkungslos macht.

Rechte Sicht

Da eine falsche Sichtweise, (die die zwei extremen falschen Sichtweisen des Ewigkeitsglaubens und des Nichtigkeitsglaubens beinhaltet) die schwerwiegendste ist, seid auch damit sehr sorgsam.
In diesem Zeitalter des Niedergangs sind die Auswirkungen unserer Handlungen sehr machtvoll, egal ob nun positiv oder negativ. Daher nehmen die Leiden der Menschen in dieser Welt zu, weil viele Menschen unheilsame Handlungen begehen. Versucht sie alle aufzugeben und stattdessen überhaupt nur heilsame Handlungen auszuführen. Für die meisten Sangha-Mitglieder ist es äußerst wichtig, dass wir an unseren eigenen Gelübden und Regeln festhalten.
Wenn Opfergaben, die von den Getreuen der Sangha gemacht wurden, missbräuchlich verwendet werden, dann wird das zu gewaltigen Schwächen und zu schlechtem Karma bei jenen führen, die dies machen. Seid also immer sehr sorgsam bei euren eigenen Handlungen!
Bei allen guten oder schlechten Handlungen ist die Absicht der wichtigste Faktor, der bestimmt, ob sie positiv oder negativ, schwerwiegend oder gering sind. Auf dieselbe Art und Weise ist die Motivation, mit der ihr den geheiligten Dharma hört, am wichtigsten. Was macht eine Tat nun gut oder schlecht? Nicht wie sie aussieht, nicht ob sie groß oder klein ist, sondern die gute oder schlechte Motivation dahinter ist es.
Im Sutra des Weisen und des Dummen wird gesagt: „Begehe nicht leichtfertig kleine Untaten, weil du glaubst, sie schaden nicht. Selbst ein winziger Feuerfunke kann einen Heuhaufen entzünden.“ Daher unterschätze nicht die winzigste Übeltat, indem du glaubst, dass sie nicht viel Schaden bringt. Auf dieselbe Weise bringen sogar die kleinsten heilsamen Handlungen großen Nutzen.

Geisteszustand

Wenn wir also einen negativen Geist haben, dann werden wir die drei Gifte (das sind Gier, Hass und Unwissenheit) und die fünf Gifte von Begierde (Wunschverlangen, Anhaftung etc.), Hass (Ärger, Abneigung etc.), Unwissenheit (Verwirrung, Wildheit etc.), Eifersucht und Stolz haben, zusammen mit den 84.000 negativen Emotionen, die mit ihnen verbunden sind. Mit diesem negativen Geist werden wir dann weiterhin negative Handlungen ausführen, die uns schließlich nur in die niederen Bereiche führen.
Es gibt einen Vers von Jowo Atisha, in dem gesagt wird: „Zu jenen gütig zu sein, die von weither gekommen sind, zu jenen, die lange Zeit krank gewesen sind oder zu unseren eigenen Eltern im Alter, ist gleichwertig wie das Meditieren auf Leerheit, von dem Mitgefühl die eigentliche Essenz ist.“ Es ist äußerst wichtig, nach innen zu blicken und eure Motivation zu ändern. Wenn ihr eure Geisteshaltung berichtigen könnt, dann werden geschickte Mittel eure positiven Taten durchziehen und ihr werdet auf den Pfad der großen Wesen aufbrechen. Ob eure Motivation nun rein ist oder nicht, wird eine große Tragweite über den endgültigen Ausgang eurer Praxis haben. Daher wird also gesagt, dass „der reine Geist das Land des Pfades der Bodhisattvas ist.“ Und dadurch wird euer tägliches Leben auch gut sein. Wenn als euer Geist gut ist, dann werden euer Pfad und das Land, auf dem ihr geht, auch gut sein. Wenn andererseits euer Geist schlecht ist, dann werden euer Pfad und das Land auf dem ihr schreitet, auch schlecht sein. Der Geist ist der einzige der Gut und Schlecht hervorbringt. Also überprüft immer euren Geist. Wenn eure Gedanken positiv sind, dann seid froh darüber und macht mehr und mehr Gutes. Wenn sie negativ sind, dann bekennt sie sofort, bedauert und seid beschämt darüber, dass ihr noch immer solche Gedanken habt, angesichts all der Lehren, die ihr empfangen habt. Also schaut sorgfältig auf euren Geist. Seid die ganze Zeit achtsam und aufmerksam.

Die Lehre des Buddha

Wir sollten daher die folgenden wichtigen Worte im Gedächtnis behalten: „Begehe keine negativen Taten, führe immerzu Tugendhaftes aus, zähme deinen Geist. Das sind die Lehren des Buddha.“ Wenn ihr diesen unheilsamen Taten völlig entsagen könnt, dann werdet ihr die Tore zu den niederen Bereichen schließen und ihr könnt dann die kostbare menschliche Geburt erlangen. Ihr werdet in der Lage sein, auf den geheiligten Dharma zu treffen und von einem spirituellen Freund angenommen zu werden. Dann werden eure Verschleierungen bereinigt sein und dann werdet ihr in Zukunft entweder in Buddha Amitabhas reinem Land der großen Glückseligkeit wiedergeboren werden oder im Potala – dem Buddha-Feld von Avalokiteshvara – oder in Guru Padmasambhavas Palast des Lotuslichts im Buddha-Feld des Kupferfarbenen Berges (Zangdog Pal Ri). Sie werden euch mit ihrem Mitgefühl halten und euch als ihre Schüler annehmen, sodass sie euch schließlich zur vollständigen Befreiung und Erleuchtung, mit den Qualitäten der zehn Kräfte, der vier Arten von Furchtlosigkeit usw. führen.
Angesichts vieler Leiden heutzutage, wie neue Arten von Krankheiten, Kriege, Leute, die ihr ganzes Leben lang krank sind und jene, die plötzlich sterben, ist die wichtigste Sache, mit reinem Herzen zu den Drei Juwelen zu beten. Dann werden alle eure Gebete erhört und beantwortet und alle eure Wünsche werden erfüllt.

Mantrayana

Das Mantrayana kann durch viele Zugänge betreten werden. Es beinhaltet viele Methoden zur Ansammlung von Verdienst und Weisheit, und geschickte Mittel um das Potential in uns zu manifestieren, ohne sich großen Anstrengungen zu unterziehen zu müssen. Die Grundlage für diese Methoden ist die Art und Weise, wie wir unsere Bestrebungen lenken.
Alles ist unbeständig und hängt völlig vom eigenen Bestreben ab. Der fehlerlose Pfad ist auf unserem Weg, dass wir die Grundlage unserer eigenen Buddha-Natur verwenden, die Stütze für unser kostbares menschliches Leben, der Umstand einen spirituellen Freund zu haben und die Methode, seinem Rat zu folgen. Auf diese Weise können wir in Zukunft Buddhas werden. All das wird selbstverständlich von unserem eigenen Anwenden der drei heiligen Handlungen ab: 1) zu Beginn Bodhicitta entwickeln; 2) die Hauptpraxis frei von Konzeptualisierung ausführen, d.h. mit der Natur der Leerheit; und 3) die Widmung der Verdienste dem Erlangen der Buddhaschaft für alle fühlenden Wesen am Ende. Darüberhinaus müssen wir alle diese Dinge täglich machen. Andernfalls werdet ihr euch krank und müde fühlen und werdet dann viele Hindernisse haben. Um also das zu vermeiden, seid daher jeden Tag sowohl beständig und ausdauernd bei eurer Praxis des geheiligten Dharmas. Vielen Dank!

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