Verfasst von: Enrico Kosmus | 15. März 2016

Simhamukha – die Abwehr von magischen und spiritistischen Angriffen

sengdongma1Wie in einem früheren Beitrag bereits beschrieben, besteht die hauptsächliche magische Funktion der Simhamukha darin, negative Energien abzuwehren oder zurückzuschlagen (tib., bzlog pa), um sie an ihren Ursprung zurückzusenden, gleich ob diese Quelle ein Schwarzmagier oder ein böser Geist (tib., gdon) ist. Eine solche Provokation durch negative Energie wird Verwünschung genannt (tib., byad ma, byad kha) und dies wird durch die Geschichte von Bari Lotsawa im nächsten Kapitel erklärt. Meist wird diese Gottheit angerufen, um einen übersinnlichen Angriff abzuwehren. Tantrischer Buddhismus arbeitet auf konkrete Weise mit Energie durch vier Formen der Magie. Obgleich Simhamukha mit jeder dieser vier der magischen Aktivitäten arbeiten kann, steht sie hauptsächlich mit der vierten Funktion in Verbindung, d.h. mit den grimmigen magischen Praktiken (tib., drag po’i ‘phrin las). Deshalb wird die dunkelblaue Vajra Simhamukha im Zentrum des Mandalas positioniert. In spiritueller Hinsicht repräsentiert sie die Transformation von Ärger und Wut in erleuchtetes Gewahrsein und durch übersinnliche bzw. magische Praktiken vollbringt sie die Unterwerfung und Auslöschung von Angriffen negativer Energien (tib., gdon), die als Dämonen und böse Geister personifiziert werden. Sie ist von einem Gefolge aus vier Dakinis umgeben, die ihr ähneln, mit Ausnahme der Körperfarbe und spezieller Attribute. Im Osten erscheint die weiße Buddha-Simhamukha, die die magische Funktion hat, Umstände zu befrieden und zu heilen, im Süden die gelbe Ratna-Simhamukha, die die magische Funktion hat, Reichtum und Wohlstand zu vermehren, im Westen die rote Padma-Simhamukha, die die magische Funktion hat, andere zu verzaubern und unter ihre Macht zu bringen und im Norden die dunkelgrüne Karma-Simhamukha, die die magische Funktion, hat negative Kräfte zu besiegen und zu vernichten. Wenn der Praktizierende eine spezielle Absicht verfolgt, beispielsweise erfolgreich im Geschäftsleben zu werden oder beim Pferderennen zu gewinnen, so wird er die Ratna-Simhamukha im Zentrum des Mandala platzieren und ihre Visualisation durchführen, während er ihr Handlungsmantra rezitiert. Aber auf Thangkas wird die Vajra Dakini Simhamukha gewöhnlich als einzelne Figur, ohne begleitendes Gefolge dargestellt.
Nichts desto weniger ist Simhamukha trotz ihrer zornvollen Erscheinung und ihrer magischen Aktivitäten eine Manifestation erleuchteten Gewahrseins des Buddha und ihre Natur ist Mitgefühl. Wie der Erzengel Michael erschlägt sie den Drachen, der die Kräfte des Bösen und des Chaos verkörpert. Sie zeigt ihr wildes und zorniges Gesicht nur, um fehlgeleitete Wesen zu unterwerfen, ganz so wie eine Mutter ihr ungezogenes Kind in die Schranken weist. Die weltlichen Götter und Geister sind keine erleuchteten Wesen, sie sind noch immer durch ihr Unwissen und ihr Karma konditioniert und sie sind noch im Samsara, in ihrer zyklischen Existenz gefangen. Manchmal richten sie negative Energien in der Form von Verwünschungen gegen Menschen und die Praxis der Simhamukha kann dazu verwendet werden, diese übersinnlichen Angriffe abzuwehren und zurückzusenden.

Aus dem „Secret Book of Simhamukha“ von Lama Vajranatha (John Myrdhin Reynolds; 1987); deutsche Übersetzung von Florian Lobsang Dorje (Florian Schnitzer, 2014) dankend übernommen und nachbearbeitet vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2015).


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