Verfasst von: Enrico Kosmus | 6. April 2016

Chöd und Mitgefühl

horror-766261_1920Wenn man die Natur des Geistes realisiert, dann wird der Dämon sofort zur Gottheit und die Gottheit gibt die spirituellen Errungenschaften. Dies hängt völlig von der Erkenntnis vom Spiel des Geistes ab. Wenn man die Phänomene nicht als das Spiel des Geistes erkennt und man an den Phänomenen als in sich selbst wahr festhält, dann werden die Geister sich vermehren und weiter fortbestehen.
Heutzutage gibt es viele Praktizierende, die behaupten, sie hätten diese Fähigkeiten in ihrer Chöd-Praxis. Aber vieles davon basiert auf den verschiedenen Dämonen, die sie ausgetrieben haben. Die meisten von ihnen waren möglicherweise nicht fähig, die inneren Dämonen zu eliminieren, den Dämon des Geistes. Und daher wächst ihr innerer Dämon weiter. Sie haben kein Verständnis über die absolute Bedeutung von Chöd und ihr Geist wird von dämonischer Energie gesegnet oder vom Stolz ihrer Praxis beeinflusst. Sie werden überheblicher, haften mehr an der zyklischen Existenz und sie fallen noch tiefer in den Schlamm von Samsara. Sie erhalten Opfergaben, die sie zu ihrem eigenen Vorteil genießen und dies bedeutet, dass der Dämon ihren Geist noch immer gefangen hält. Zuerst ist es ein äußerer Dämon, aber je mehr man veranstaltet, umso mehr wird es ein innerer Dämon und dann ein Haupthindernis.

Resultate des Chöd

Wenn jemand Chöd korrekt praktiziert, nehmen Stolz und Überheblichkeit ab, Anhaften an zwanghaften Annehmlichkeiten, Weltlichkeit, Samsara und seine acht weltlichen Belange nehmen ab. Sobald die acht weltlichen Dharmas abfallen, denkt man nur mehr an den Dharma. Für die meisten von uns ist dies schwierig. Selbst im Rahmen der Chöd-Praxis setzen wir das Erzeugen von Anhaftung und Abneigung fort, was aber das eigentliche Ding ist, das ausgelöscht werden sollte. Wie funktioniert das? Wenn wir beispielsweise einen Exorzismus für jemanden ausführen, dann ist dies gewöhnlich jemand, den wir mögen, ein Verwandte oder Freund, ein Schüler oder ein Förderer. So fängt man also an und macht ein Dreieck, um den Dämon zu fangen, macht ein Abbild und führt die Zeremonie in einem Zustand des Zorns gegen diesen Feind und in Anhaftung gegenüber demjenigen, der davon betroffen ist, aus. Tatsächlich sollte man bei einer wirklichen Chöd-Praxis keine Anhaftung oder Abneigung haben. Man sollte Mitgefühl für Feind und Freund haben, denn seit anfangsloser Zeit bis jetzt sind beide unfähig gewesen, die tiefgründige Bedeutung von Chöd zu verwirklichen oder auch nur auf den Dharma zu treffen und dies auf bestimmte Weise zu verwirklichen. Beide wanderten durch die drei Bereiche der zyklischen Existenz.
Durch das Verwirklichen, dass alle Erscheinungen leer sind, entsteht spontan Mitgefühl und die Dämonen und Geister sind befriedet. Dies ist der einzige Weg. Wenn jemand Wut oder Anhaftung hat, bringt dies nicht nur keinen Nutzen, sondern es verschlimmert die Situation nur. Daher ist der Hauptpunkt, dass man Ichlosigkeit verwirklicht, und dass man erlaubt, spontanes Mitgefühl aufsteigen zu lassen. Daher lehrte Milarepa, dass in diesen Tagen die meisten Chöd-Praktizierenden einige Macht durch die Kraft ihrer Meditation und Mantra-Rezitation entwickelt haben, und dass sie diese Macht als eine äußerliche Mode benutzen. So entwickelt sich dies zu Dämonen und anderen Arten falscher Wahrnehmung.

4 Dämonen befreien

Milarepa sagte: „Meine Tradition ist nicht so. Meine Tradition ist der Gebrauch der Macht der eigenen Praxis und der eigenen wundersamen Fähigkeiten um nach innen zu gehen und es auf den wahren Feind anzuwenden, der das Greifen nach einem Selbst ist. Das Durchtrennen oder Abschneiden des Bandes des Greifens nach einem Selbst durch ungekünsteltes Verhalten, dies beseitigt die vier Dämonen: äußere Dämonen – Götter und Geister; innere Dämonen – die fünf störenden Gefühle; den Dämon von Wonne und Annehmlichkeit; und viertens, den Dämon, der die Quelle von all dem ist, das Greifen nach einem Selbst. Diese vier sind durch die Kraft des Nachinnenwendens beseitigt.“ Man sollte diesem Rat folgen und die Chöd-Praxis sollte der Tradition der inneren Anwendung folgen, sodass man die Wurzel des Problems ausreißen kann.

Aus den Belehrungen des Ehrw. Yangthang Rinpoche zum Thema Chöd. Übersetzt und zusammengestellt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2010)


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