Verfasst von: Enrico Kosmus | 5. Juni 2016

Vajrasattva und die Begleitung von Verstorbenen

LamaDorsemVajrasattva ist die Hauptgottheit für die Reinigungspraxis in der Tradition des Vajrayana. Dieser Buddha ist von weißer Farbe, was die Reinheit symbolisiert und er hält einen Dorje (vajra) an seinem Herzen und eine Glocke an seiner Hüfte, was bezeichnend für die Einheit von geschickten Mitteln und Weisheit ist. Sowohl während des Lebens als auch während des Sterbeprozesses bringt die Rezitation der Mantras von Vajrasattva der Person, für die das Mantra praktiziert wird, wie auch für den Praktizierenden einen großen Nutzen und hat den Effekt des Bereinigens von Hindernissen, negativen Gewohnheitsmustern, verbleibenden störenden Gefühlen und unerlösten karmischen Schulden.

Visualisation

Die Visualisation von Vajrasattvas Bild und die Rezitation des Mantras wird in vielen Übungen des Vajrayana verwendet, sowohl in den grundlegenden wie auch in den fortgeschrittenen. In unserer Tradition wird die Praxis der Erzeugungsstufe von Vajrasattva gewöhnlich für drei Tage nach dem Tod eines Buddhisten ausgeführt und kann sowohl von der Sangha der Schüler, der Praktizierenden, der Lamas, Mönche und Nonnen, wie auch von ihren Freunden und Familienangehörigen ausgeführt werden. Erbittet einfach eine Begleitung, um dieses formelle Ritual zu praktizieren.
Wenn jemand wünscht, die Praxi des Vajrasattva auf eine regelmäßige Grundlage zu stellen, dann sind das Erhalten einer Einweihung oder Ermächtigung, eine Textübertragung und einführende Belehrungen von einem qualifizierten buddhistischen Lehrer notwendige Voraussetzungen. Wie nun immer, wenn man sich in buddhistischer Praxis und in Vajrasattva speziell betätigt, kann man das Mantra rezitieren, bis die Ermächtigung erhalten werden kann und die Vajrasattva-Rituale begleitend folgen. Wenn dies der Fall ist, dann sucht nach Rat und Führung bei einem buddhistischen Lama des Vajrayana. Ebenso wenn wir Unterstützung für jemanden anbieten, der stirbt oder gestorben ist, ist es angebracht und nützlich, entweder das sechssilbige Mantra Vajrasattvas oder das 100-Silben-Mantra ohne Ermächtigung zu rezitieren. Die Rezitation kann in Gegenwart der Person erfolgen, die sich dem Übergang annähert und auch beim Körper danach oder an einem anderen Ort.

Kräfte der Reinigung

Die Praxis der Wiederholung des Vajrasattva-Mantras schließt auch ein, was man die „Vier Kräfte“ nennt. Während man das Mantra rezitiert und sich das Bild der Gottheit über dem Scheitel des eigenen Kopfes vorstellt, kontempliert diese dazu, um die Hindernisse und Verdunklungen zu bereinigen. Diese vier sind 1) die Kraft des Objekts, das ist die Stütze auf Vajrasattva als absolute Zuflucht; 2) die Kraft des Erlösens, das bedeutet den Wunsch, die eigenen Negativitäten zu klären, einschließlich der Reflexion über die Mängel und Fehler, die man zu bereinigen wünscht; 3) die Kraft des Heilmittels bezieht sich auf die Einsgerichtetheit in der Praxis und 4) die Kraft der unzerstörbaren Festlegung, welche die feste Entschlossenheit ist, gegründet auf Weisheit, niemals wieder zu solchen Gedanken, zu solcher Sprache oder solchen Taten zurückzukehren.

Ablauf der Praxis

Wenn man irgendeine Praxis des Vajrayana einschließlich der Mantra-Rezitation ausführt, ist es entscheidend, sowohl ein Zufluchtsgebet wie auch eine Widmung des Verdienstes dabei einzuschließen. Traditionell würde jemand mit einem Gebet des Glaubens und der Hingabe beginnen, dann Zuflucht zu den Drei Juwelen von Buddha (spiritueller Führer), Dharma (Lehren) und Sangha (Gemeinschaft der Praktizierenden) nehmen und zum eigenen spirituellen Führer oder Lehrer (tib.; Lama), bevor man eine Praxis ausführt. Jene, die mit buddhistischer Praxis und den Gesängen nicht vertraut sind, können sich anfänglich sprachlich oder im Geiste daran erinnern, dass die Motivation ist, die Praxis für einen Freund oder geliebten Menschen auszuführen und das letztendliche Streben der Zufluchtnahme in einer spirituellen Weise im Leben in der Praxis des Mitgefühls wurzelt und dem Wunsch, alle Wesen aus dem Leiden zu befreien. Dann der Mantra-Rezitation folgend, soll man sich einfach erinnern, im Gebet den aufrichtigen Wunsch zu haben, dass jegliches positive Ergebnis aus dieser Praxis dem Sterbenden oder der verstorbenen Person und dem Wohle aller Wesen gewidmet ist.

Aus den Belehrungen von Gyatrul Rinpoche zur Praxis des Dahinscheidens und der Begleitung von Verstorbenen, ein Leitfaden für Sterbende und Hinterbliebene. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2013) zum Nutzen der Wesen.

Im Rahmen des Ngakpa-Retreats 2016 findet vom 19. – 23. August die Ermächtigung in die Praxis des Guru Vajrasattva (Lama Dorje Sempa) statt. Anschließend erfolgen Erklärungen zur Praxis und der Führung von Toten inkl. einiger Rituale für die Zeit danach. >mehr lesen


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