Verfasst von: Enrico Kosmus | 11. Juni 2016

Buddhistische Begleitung von Verstorbenen

Verbrennung_1Geisteshaltung der Begleitenden

Es ist wichtig, den Geist in einem positiven Zustand der Freude und Offenheit zu halten, damit man dem Verstorbenen nützt und vielmehr noch, wenn der Körper am Praxisort gegenwärtig ist, was ein zusätzlicher Nutzen ist, aber nicht unbedingt notwendig. Das Verhalten rund um den Körper hat Auswirkungen. Zum Zeitpunkt des Todes und danach ist die Wahrnehmungsfähigkeit des Bewusstseins des Verstorbenen weit über das gewöhnliche hinaus vergrößert, zumindest neunmal größer als seine normale Fähigkeit. Alle negativen Emotionen im Geist der Teilnehmer können Hindernisse im Geist des Verstorbenen verursachen. Vertreibt sofort alle solche Gedanken. Das Öffnen eures Herzens und das Bewahren von Ruhe sind die vorrangigsten Angelegenheiten. Alle fühlenden Wesen sich zu vergegenwärtigen, um ihnen mit dieser Praxis zu nützen, verschafft eine Gelegenheit von großer Verdienstansammlung.

Das Totengeleit

Verbrennung_2Die Zeremonie des Führens und Befreiens (tib., gnas lung; གནས་ལུང) ist eine Praxis, die von Praktizierenden ausgeführt wird, die Verständnis und Geschick in den Methoden des inneren Mantra haben. Diese Praxis wird immer in Verbindung mit einer Weisheitsgottheit ausgeführt. In diesem Zustand reinen Gewahrseins besteht die Möglichkeit des Führens des Bewusstseins, damit es im Bardo nicht verloren geht. Kontakt wird mit dem entkörperten Bewusstsein hergestellt, indem man die Keimsilben, die mit den sechs Bereichen des Daseins in Verbindung stehen aufschreibt und ebenso durch das Anfertigen von Abbildern und Replikaten der Individuen. Durch die Kraft und den Segen des Gebets, des Mitgefühls, der Methode und Weisheit wird das Bewusstsein angezogen und von den wilden, verwirrten Geisteszuständen und Ängsten herbeigeführt und auf höhere, konstruktivere, positivere und spirituelle Stadien der Wiedergeburt geführt. Es hat auch die Möglichkeit, in den reinen Bereichen des Weisheitsgewahrseins zu erwachen. Diese Zeremonie ist sehr machtvoll und auf vielen Ebenen hilfreich. Allein der Gedanke anderen auf diese Weise zu nützen, ist ein wichtiger Schritt in die Richtung, sie schließlich vom Leiden zu befreien.

Das Bewusstsein erheben

Verbrennng_3Im Vajrayana werden Rituale praktiziert, die auch dem Bewusstsein von jemandem helfen, der bereits verstorben ist. Diese Rituale kennt man auch als „Nedren“, was wörtlich „die Führung des Bewusstseins fort von den negativen Zuständen der Wiedergeburt“. Diese Rituale benötigen als einfache Grundlage ein Abbild, auf das der Name der verstorbenen Person geschrieben steht. Es kann heutzutage auch ein Foto von der verstorbenen Person sein. Dieses Abbild ist die Basis für das Bewusstsein, das dort hineingezogen und durch Rituale der Abbitte gereinigt wird. Danach wird diesem Bewusstsein die Ermächtigung erteilt und nach dem Reinigungsvorgang wird es im Rahmen einer Feuer-Puja verbrannt. So werden die sterblichen Überreste symbolisch verbrannt und das Bewusstsein wird befreit. Durch das glückliche Zusammentreffen dieser förderlichen Umstände und wenn das Ritual ordentlich von jemanden ausgeführt wird, der diese Methoden beherrscht, kann man eben dem Bewusstsein der verstorbenen Person noch einen Nutzen erweisen, selbst wenn diese Person schon länger verstorben ist.
Nach der Verbrennung wird die Asche aus dem Nedren-Ritual für das Herstellen von Tsatsas verwendet. Diese Tsatsas werden dann im Falle von gewöhnlichen Verstorbenen in einen Fluss gelegt oder sonst irgendwo in der Natur an einen schönen Ort gestellt. Im Falle von verwirklichten Praktizierenden kann man so eine Tsatsa als Objekt der Verehrung auf den Altar stellen.

Aus den Belehrungen verschiedener Lamas zur Praxis des Dahinscheidens und der Begleitung von Verstorbenen, ein Leitfaden für Sterbende und Hinterbliebene. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2013) zum Nutzen der Wesen.

Im Rahmen des Ngakpa-Retreats 2016 findet vom 19. – 23. August die Ermächtigung in die Praxis des Guru Vajrasattva (Lama Dorje Sempa) statt. Anschließend erfolgen Erklärungen zur Praxis und der Führung von Toten inkl. einiger Rituale für die Zeit danach. >mehr lesen


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: