Verfasst von: Enrico Kosmus | 16. Juni 2016

Buddhistische Trauerarbeit

DrubwangRinpoche-RelicBegleitung von Toten

Am Ende der 49 Tage und/oder einer Neydren-Zeremonie nachfolgend, werden die Tsatsas hergestellt und geweiht. Tsatsas sind kleine Tonstatuen in Form von Stupas oder Buddhas. Traditionell werden sie gemacht, um die Asche des Verstorbenen aufzubewahren. Familie und Freunde können dabei helfen, sie herzustellen oder man einem geeigneten Praktizierenden Opfergaben darbringen und darum bitten, sie herzustellen. Wenn fertig, dann werden sie an verschiedenen Orten aufgestellt, wobei es buddhistische Bauten gibt, die speziell dafür gemacht sind, Tsatsas aufzunehmen – Tsarkhang in Tibetisch genannt – oder an heiligen Plätzen in der Nähe von Stupas. Orte in der freien Natur, wo sie sich in die Elemente auflösen, sind auch angemessen. Wenn sie sich auflösen, wird der Segen „zerstäubt“, das dem Verstorbenen, allen Wesen und der Umgebung nützt. Das Anfertigen von Tsatsas symbolisiert, dass die Gottheit aus der Leerheit erscheint und sich mit dem Verstorbenen im Zustand des Nirmanakaya verbindet.

Herstellen von Tsatsas

Nachdem die Tsatsas (tib., sa tstsha; སཱཙྪ) fertiggestellt und geweiht sind, bewahrt die restliche Asche des Verstorbenen nicht am Altar oder im Schrein auf. Genauso wie mit der Asche von Verstorbenen gebt sie entweder drinnen oder draußen an einen würdevollen Platz oder bewahrt sie in Respekt auf.
Zu allererst als Annäherung bei jeder Praxis vergegenwärtigt euch eure Motivation. Bedenkt das gute Geschick des Zusammenkommens mit anderen, ein Ergebnis des Segens und Mitgefühls der Buddhas und die Qualität eures Strebens, um dem Verstorbenen zu nutzen. Haltet das Gewahrsein, als ob der Verstorbene euer Lehrer wäre. Er oder sie handeln als euer Lehrer, indem sie uns die Wahrheit unserer Sterblichkeit, Vergänglichkeit zeigen und uns zur Praxis beeinflussen. Die Teilnahme an einem Neydren-Ritual erzeugt einen sehr machtvollen Segen, der den Verstorbenen nützt, wie auch uns und jedem Wesen im Zustand des Leidens. Man braucht eine weite Geisteshaltung, während man das ausführt und muss beständig den Nutzen für alle Wesen darin sehen, nicht nur für den Verstorbenen. Dies wird die Qualität und Kraft der Praxis vermehren.

Tsatsas und Reliquien

Die benötigte Form um Tsatsas herzustellen, die die Asche von Lamas beinhalten sollen, ist in Gestalt von Buddhas. Für Schüler ist es am besten Formen zu verwenden, die Stupas entsprechen, obwohl es erlaubt ist alles Mögliche zu benutzen, was verfügbar ist. Wenn man festen Töpferton verwendet, dann muss man ihn auf einem Holzbrett so lange kneten, bis etwas steif wird, um die Extraflüssigkeit aufzunehmen. Wenn der Ton zu weich ist, dann wird er in der Form steckenbleiben und die Formen werden zerstört oder er wird sich einfach nicht aus der Form lösen lassen.
Es gibt ausführliche Rituale für das Herstellen von Tsatsas, die verschiedene Visualisationen und Mantras, die während jedes einzelnen Aspekts rezitiert werden. Wenn ihr keine spezielle Praxis habt, die für das Anfertigen von Tsatsas gedacht ist, visualisiert euch selbst als Vajrasattva und rezitiert das 100-Silben-Mantra mit klarer Absicht, während ihr den ganzen Vorgang durchführt. Der Verdienst, der dadurch geschaffen wird, ist unermesslich. Tsatsa-Formen und –bausätze sind online über verschiedene Internet-Shops erhältlich.

Trauerarbeit und Segen

Nachdem man die Erfahrung des Dahinscheidens eines Freundes oder geliebten Menschen als einen spirituellen Vorgang gemacht hat, kann man sich auf eine bisher nie gekannte Weise bereichert und beglückt fühlen. Obwohl wir die Erfahrung von Verlust gemacht haben, haben unsere Anstrengungen nicht nur für den Verstorbenen einen großen Nutzen, sondern verstärken auch unser Verständnis. Außerdem bringt die Verdienstansammlung des Guten für alle Wesen positive Ergebnisse, spirituelles Wachstum und ein größere Würdigung für die kostbare Gelegenheit, die wir mit anderen in diesem Leben teilen.

Aus den Belehrungen des Gyatrul Rinpoche zur Begleitung von Verstorbenen. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2013) zum Nutzen der Praktizierenden.

Im Rahmen des Ngakpa-Retreats gibt der Lopon Ogyan Tanzin Rinpoche vom 19. – 22. August die Übertragung des Lama Dorje Sempa und die Lehren zur Begleitung von Verstorbenen, inkl. das Herstellen von Tsatsas. >mehr lesen

 


Responses

  1. Hallo,
    sehr interessanter Artikel zum Thema „Buddhistische Trauerarbeit“. Ist schon interessant wie man auch trauern kann . . .


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