Verfasst von: Enrico Kosmus | 14. Juli 2016

Guru Rinpoche und Guru-Yoga

GuruRinpoche_25DiscipleDen Überlieferungen nach erscheint Guru Rinpoche allen fühlenden Wesen, die Opfergaben darbringen und ihn voller Hingabe anrufen. Dies ist besonders am 10. Tag des Mondkalenders der Fall, weshalb auch an diesem Tag die Guru-Puja gefeiert wird.

Sicht und Verständnis

Der absolute Guru ist die uranfängliche, unwandelbare eingeborene Natur, die unsere Buddha-Natur ist, frei von jeglicher Künstlichkeit. Der Guru wird als die Verkörperung aller Aspekte des erleuchteten Gewahrseins angesehen. Wenn man dies nun auf die Drei Juwelen, der Basis-Zuflucht aller Buddhisten, bezieht, ist der Körper des Guru Sangha, die Rede des Guru ist Dharma und der Geist des Gurus ist Buddha. Der Guru ist ebenso Deva, Dakini und Dharmapala. Der Guru ist Dharmakaya, Sambhogakaya und Nirmanakaya. Der Guru ist daher die Quelle allen Segens.
Wer den Guru als gewöhnliche Person sieht, wird diesen umfassenden Segen nie empfangen. Glaube und Hingabe bieten den einzigen Zugang zum zeitlosen, immer gegenwärtigen Guru Rinpoche und dieser Glaube und diese Hingabe müssen mit einer Beziehung zu einem menschlichen spirituellen Meister und einer Linie beginnen. Für einige Menschen ist das eine unmögliche Herausforderung, die aber kein Problem für jene darstellen sollte, die sich vorstellen, dass den tantrischen Pfad des Buddhadharma praktizieren möchten. Menschen, die sich selbst nicht dazu antreiben, in ein Flugzeug zu steigen, können nicht fliegen. Daher können Menschen, die eine Verbindung nicht akzeptieren, die auf Glaube und Hingabe beruht, können nicht Tantra praktizieren.

Egoismus und Hingabe

Wenn der Dharma dazu dient, Erleuchtung zu erlangen, die Natur des Geistes zu realisieren, dann geht dies nur, wenn man sich vom Grundübel der Unwissenheit, des Nichtgewahrseins befreit. Und die Wurzel für Nichtgewahrsein und Unwissenheit ist das Ego. Egal welchen Pfad man einschlägt, ob er kurz und querbeet ein geht oder ob er lange und strukturiert ist, am Ende des Tages steht die Erschöpfung des Greifens nach und Klammerns an einem Ich zur Debatte.
Im Vajrayana ist daher das Guru-Yoga in all seinen Schattierungen von so essentieller Bedeutung. Einerseits ist der Guru ein menschliches Wesen, das einem immer wieder die eigenen Vorurteile und Fehler spiegelt, andererseits ist der Guru nicht verschieden von der eigenen Natur des Geistes. Sich in diese Weite des Erlebnismoments frei von Konstrukten, bar jeden Ersinnens zu entspannen, ist eine Herausforderung, an die man sich oft nur schrittweise gewöhnt. Allzu oft sind die Reflexe einer dualistischen Sicht, einer trennenden Auffassung vorhanden. Nur allzu rasch wird Guru verdinglicht, besonders da er/sie als menschliches Wesen erscheint, aber das Verständnis der Schüler jenseits davon gelangen soll. So mancher Praktizierender meint, es genüge einfach ein Buch zu lesen, wie man das Ego beseitigt. Aber Bücher sprechen nicht mit einem und die Interpretationen daraus sind immer von den Grenzen des eigenen Geistes bestimmt. Der Guru als menschliches Wesen hingegen wühlt das Ego in seiner Tiefe auf. Ob das nun zornvoll oder sanft geschieht, ist unerheblich. Wesentlich ist, dass es geschieht, sodass die Instinkte des Konstruierens einer Identität sich allesamt erschöpfen.

Hier eine äußerst kurze Praxis des Guru-Yoga – der Vereinigung des eigenen Geistes mit dem des Gurus.

GuruYogaPadmasambhava


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