Verfasst von: Enrico Kosmus | 3. August 2016

Schutz von Weisheit und Welt

Ekajati_1Die Anrufung von Schützerwesen findet sich immer wieder in der indisch-tibetischen Dharma-Tradition. Es ist nicht so, dass dies eine Besonderheit der Tibeter alleine wäre. So war beispielsweise Mahakala ein besonderer Schützer der Klosteruniversität Nalanda, wie auch aller anderen buddhistischen Klöster. Unter den vielen Mahakala-Erscheinungen werden in den verschiedenen buddhistischen Traditionen Tibets einige immer wieder zum Schutz angerufen.
Neben diesem gibt es auch noch eine Reihe anderer Schützer. Diese können Dharma-Schützer sein, dann ist ihnen der Schutz der Lehren und der Praktizierenden anvertraut. Es können aber auch eidgebundene Schützer sein, dann sind sie durch verwirklichte Meister unterworfen worden. Ihnen wurde auch immer ein bestimmtes Versprechen abgerungen, an welches sie in bestimmten Ritualen erinnert werden und ausführen müssen. Und dann gibt es Schützer, die auf bestimmte Befehle hören. Darüber hinaus gibt es aber auch noch weltliche Schützer, die wie Handlanger für die Praktizierenden bestimmte Aktivitäten ausführen.
Betrachten wir einmal ein paar Schützer der Alten Übersetzungstradition Tibets. Durch bestimmte Opferrituale bei denen man den Schützern bestimmte Substanzen darbringt, werden sie an ihre Aktivitäten erinnert und aufgefordert, diese auch auszuführen. Neben dem allgemeinen Trankopfer gibt es auch noch besondere Verbindungen durch eine Einweihung und nachfolgende Opferung an die Schützer, wodurch diese einen „wie der Schatten begleiten“.

Ekajati – eine Locke der Befreiung

Die Schützerin Ekajati gilt als die Hauptschützerin der Dzogchen-Lehren. Wie ihr Name schon andeutet, sind viele Dinge an ihr einzig. Zunächst hat sie eine Haarlocke, die emporlodert und ihr den Namen gibt. Doch hat sie auch ein Auge, einen Zahn und meist eine einzige Brust. Manchmal aber hat sie zwei Brüste, dann fließt aus einer davon der Nektar der Verwirklichung zu den Praktizierenden und ein Strom aus Gift zu den Feinden. Ihre weiteren Insignien wie Leichenstab, Juwelenketten und Schädelgirlanden verweisen auf verschiedene Aspekte und Aktivitäten der Erleuchtung.
Gemäß den tibetischen Legenden wurde sie Padmasambhava in das Schützerpantheon eingemeindet, indem er ihr ein Auge durchbohrte und sie ihm daraufhin noch wirksamer helfen konnte, die tibetischen Dämonen zu unterwerfen. Zusammen mit Rahula und dem eidgebundenen Vajrasadhu (tib., dam can rdo rje legs pa) bildet sie die primäre Schützertriade der Nyingma-Tradition. Auch wenn ihr Name im Mandala der 21 Taras erwähnt wird, findet man auch Schilderungen, wo sie als zornvolle Emanation von Samantabhadri erscheint. Für die Lehren ist sie jedenfalls eine äußerst wichtige Schützerin, da ihr auch immer wieder der Schutz bestimmter Texte anvertraut wurde. Sie erschien auch verschiedenen Schatzfindern (tib., gter ston) wie z.B. Longchenpa und überwachte jedes rituelle Detail aus dem Zyklus der Herzessenz der Dakinis (tib., mkha‘ ‚gro snying thig). Bei anderen wie z.B. Sri Singha war sie die persönliche Hauptschützerin. Oftmals findet man sie auch, wenn den Schatzfindern ein bestimmter Text in Dakini-Schrift offenbart wurde.

Rahula

Der Dämonen bezwingende Rahula ist ein weiterer wesentlicher Schützer in der Nyingma-Tradition. Er erscheint als schwarzer Naga, ein Wesen mit schlangenartigem Unterleib und sein Körper ist mit vielen Augen bedeckt. Ferner hat er auch mehrere Gesichter und auf seinem Haupt ist ein Krähenkopf.
Auch er wurde von Padmasambhava unterworfen und durch Eid in den Dienst des Dharma gestellt. Seine Aufgabe ist der Schutz der Lehre, insbesondere der Dzogchen-Tradition. Er bewahrt die Lehre vor Verfälschungen durch falsche Auslegungen oder fehlerhafte Kommentare. Weiters ist er der Hauptschützer im Zyklus der Thröma Nagmo, neben anderen Schützern wie Nagaraja, Yama, Tsän und Mamo.

Vajrasadhu (Dorje Legpa)

Der eidgebundene Vajrasadhu oder Damchen Dorje Legpa hat in der tibetischen Tradition eine besondere Bedeutung. Ursprünglich wurde er in der Bön-Tradition verehrt und stellte sich in der Zentralregion gegen Padmasambhava. Doch Guru Rinpoche unterwarf Vajrasadhu und band ihn mit einem Versprechen, die Lehren Buddhas zu beschützen.
Vajrasadhu hat in der Schatztradition Padmasambhavas eine besondere Rolle inne, da er als Schatzhüter bzw. „Herr der Schätze“ (tib., gter bdag) gilt. Neben den zwölf Erdmüttern – den Tenma-Schwestern, dem Berggott Nyanchen Thangla und dem Tongpon Dralha hütet er die Dharma-Schätze, die Padmasambhava für zukünftige Generationen in der Erde verborgen hat. Er gehört zur Klasse der weltlichen Schützer.

Darüber hinaus gibt es noch eine Vielzahl anderer Schützer, von denen ich in loser Folge berichten werde. Bleibt dran!


Während des diesjährigen Ngakpa-Retreats wird der Lopon Ogyan Tanzin Rinpoche Unterweisungen zur Praxis der Dharma-Schützer allgemein und insbesondere der Ekajati geben. Mehr lesen>


Responses

  1. lieber rangdrol dorje, danke für die liebevollen ausführungen. sehr klar und deutlich.


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: