Verfasst von: Enrico Kosmus | 3. Januar 2017

Chöd in vier Sitzungen

mandala-1699168_1920.jpgEigentlich gibt es vier Sitzungen, die täglich zum Hingeben des Körpers ausgeführt werden. Und es gibt vier verschiedene Wege, dies entsprechend der Visualisationen, die sehr tiefgründig für die Entwicklung der Verwirklichung der Ichlosigkeit sind, zu machen. Das erste ist das „Weiße Festmahl“, welches die Opferung des eigenen Körpers durch eine spezifische Meditation am frühen Morgen ist. Das zweite ist das „Gemischte Festmahl“, welche die Opferung des eigenen Körpers an die Gäste zur Mittagszeit ist. Das „Rote Festmahl“ wird am Abend geopfert und das „Schwarze Festmahl“ wird nach 21 Uhr abends geopfert. Es gibt verschiedene Visualisationen für diese vier Festmahle entsprechend der verschiedenen Traditionen wie Tersar, Nyingthig und andere. Der Hauptpunkt ist immer derselbe. Man visualisiert sich selbst als die schwarze Yogini Thröma Nagmo und schießt man das eigene Bewusstsein mit dem Laut „PHAT“ aus dem Körper heraus und verwandelt diesen Leichnam in verschiedene Opfergaben für das Festmahl. Wenn man die grundlegende Sicht versteht, dann versteht man alle diese verschiedenen Übungen.

Vier Festmahle

Das Praktizieren der Vier Festmahle den Tag über ist ein Mittel für die Ansammlung von unermesslichen Verdienst. Der Hauptgrund ist, dass wir an nichts in der Welt mehr festhalten als an unserem Körper, somit ist es verständlich, dass die Opferung des Körpers eine mächtige Quelle des Verdienstes ist. Von unserer Geburt an bis jetzt waren unsere meisten Bemühungen auf den Unterhalt und die Ernährung unseres Körpers gerichtet und daher verherrlichen wir ihn sehr stark. Wir füttern ihn mit dem besten Essen, das wir bekommen können, wir umsorgen ihn, wir wollen gesund sein, wir schmücken ihn mit Kleidung und mit all diesen Dingen, für die wir unsere Zeit verbrauchen und uns anstrengen. Daher ist der Körper wertvoller für uns als irgendein anderer kostbarer Besitz. Die Opferung eines materiellen Objekts wie eines Elefanten, eines Pferdes oder eines Berges ist eine Quelle des Verdienstes. Die Opferung des eigenen Sohnes oder der eigenen Frau ist hundertmal größer, weil sie uns lieber sind. Die Opferung des eigenen Körpers ist tausendmal größer, weil es nichts Kostbareres gibt als unseren Körper.

Leerheit verwirklichen

Die großen Bodhisattvas der Vergangenheit, die Leerheit verwirklicht haben, waren sogar körperlich in der Lage, Teile ihrer Körper den Wesen zu geben, die litten oder es benötigten. Dies war nur möglich, weil sie Ichlosigkeit wirklich realisiert hatten. Ohne diese Verwirklichung ist es absolut unangebracht irgendeinen Teil des Körpers hinzugeben, denn sobald man den Körper zu opfern versucht, wird man Schmerz oder Qual empfinden und sofort Bedauern entwickeln. Im Augenblick des Bedauerns der Tat wird der Verdienst verloren gehen. Daher visualisiert man die Opferung des eigenen Körpers – es hat denselben Nutzen ohne Bedauern. Daher basiert die Chöd-Praxis nur auf Visualisation – der geistigen Aktivität. Es gibt keine physische Opferung des Körpers. Eigentlich wird alles als künstlich angesehen. Wenn man eine Menge an materiellem Besitz hat und niemals freigebig ist und dann nur visualisiert, wie man seinen Körper darbringt, dann ist dies heuchlerisch, weil die Opferung des Körpers bedeutet, dass man dies macht, weil man sonst nichts zu geben hat. Und außerdem ist der Hauptpunkt das Auslöschen des Greifens oder Verherrlichen des Körpers und dem Selbst.

Empfänger der Opfergaben

Man opfert den Körper den Objekten der Zuflucht, den Lamas, den Meditationsgottheiten, den Dakinis und Schützern. Man stellt sich auch vor, dass dies den Göttern und Geistern und vielen anderen Wesen, denen man karmische etwas schuldet, darbringt. Daher lädt man all diese Wesen, denen wir noch immer etwas schulden, ein hierher zu kommen und zu nehmen, was immer sie wollen. Man opfert hauptsächlich den Drei Juwelen und dadurch werden Verdienst angesammelt und Hindernisse gereinigt.
In der inneren Chöd-Praxis verwandelt man den Körper in alles Mögliche, was ausgezeichnet oder genießbar ist und lädt die Gäste ein, an diesem Festmahl in jeglicher Weise wie sie es möchten, teilzunehmen. Wenn man sich unsicher darüber ist und wenn man nicht wirklich imaginiert, dass sie dieses Festmahl verschlingen, dann treibt man nur ein Spiel mit den Göttern und Geistern, die man eingeladen hat. Um zu praktizieren, muss man großes Mitgefühl für alle Wesen – den früheren Müttern – haben und ihnen das, was sie möchten, auf ihre Weise lassen. Zuerst wird es nicht so sein. Man wird das Festhalten am Körper nicht so einfach aufgeben, aber durch das wiederholte Meditieren wird man langsam dazu fähig, in der Präsenz von Göttern und Dämonen den Körper einfach und sicher aufzugeben. Wenn dies geschieht, ist der Geist von Hindernissen gereinigt und Verdienst ist angesammelt. Man hat die Bedeutung des inneren Chöd verstanden, welches die Großzügigkeit durch das Aufgeben der Anhaftung an die fünf Aggregate ist.

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